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Die Wahrheit · 1937-07-16 · Heft 28 (16.7.1937) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 28 (16.7.1937)
Date
1937-07-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE . WAHRHEIT. Nr. 28— 16. Juli 1937 Seite 5 Jüdische Männer und Frauen! Gedenket bei Antritt Eurer Sommer-Erholung der armen Jüdischen Kinder und spendet reichlich für die Ferienaktion der Kultusgemeinde „KINDER AUFS LAND" Spenden erbeten an: Fürsorgezentrale der Kultusgemeinde Wien /., Seitenstettengasse 2 Postsparkassen-Konto: B 29-659. Vertrauliches" über die Jugendbünde. Wir haben wiederholt Gelegenheit gehabt, darauf hinzuweisen, daß die jüdischnationalen Zionisten im Vorstande der Kultusgemeinde die Mittel der Kultusgemeinde dazu verwenden, um Subventionen und Unterstützungen zu gewähren, die nur den Zweck verfolgen, die jüdischnationalen Keimzellen zu schaffen, zu erhalten und zu fördern. Der wichtigste politische Agitationsherd für die Jüdischnationalen ist die Jugend. Durch die Politisierung der Schule, durch die Förderung und Beförderung von politisch-jüdischnational gesinnten Lehrern, durch die Niederhaltung und Zurücksetzung von Lehrern, welche sich nicht zur jüdischnatioraalen Idee bekennen, durch die politische Vernebelung der Jugend von der Kanzel und nicht zuletzt durch die Ausnützung der durch die wirtschaftliche Not der Jugend geminderten Widerstandskraft gelingt es den Jüdischnationalen, die leicht entflammten und verführten Kinder den Weg ihrer verderblicheii Politik zu führen. Aber die Politisierung der Kinder in der Schule genügt den Jüdischnationalen nicht. Darüber hinaus haben sie sogenannte Jugendbünde — zum Teile nur am Papier — geschaffen, in denen das verderbliche Werk politischer Jugendpropaganda | in den freien Stunden fortgesetzt und vollendet werden solL I Selbst das traurige Schicksal Palästinas, die ' Zerstörung der Hoffnungen, die sie in das Herz der Jugend gepflanzt haben, diese Vernichtung aller Träume, die fast ausschließlich auf das Schuldkonto der politisierten Nationalzionisten gesetzt werden muß, sind ihnen nicht Mahnung genug in dieser ernsten Zeit. Sie wollen noch immer nicht begreifen und verstehen, daß sie der Jugend gegenüber nur eine Verpflichtung zu erfüllen haben, die darin besteht, den Schaden möglichst noch gutzumachen, den sie durch die Erweckung unerfüllbarer Hoffnungen der Jugend zugefügt haben. Statt die österreichische jüdische Jugend aus der utopischen Gedankenwelt des jüdischen Nationalismus herauszuführen, statt die Jugend durch die Bande des Glaubens und der Tradition und durch die Idee der ethischen Mission der Judentums an das Judentum zu ketten und für immer mit den Ideen der Religion zu verbinden, wird die Jugend weiter von den Jüdischnationalen aller Couleurs in diesen politischen Jugendbünden abgesondert, irregeführt und in dem Geiste reaktionären und atavistischen Nationalismus nach Baidur von Schirach mit umgekehrten Vorzeichen erzogen. Für diese sogenannten Jugendbünde waren im Jahre 1936 aus dem Budgetkapitel „Schulamt" allein S 13.000.— zur Verfügung gestellt worden. Es sei gleich hier festgestellt, daß diese Jugendbünde noch in mehrfacher Weise auch aus den allgemeinen Mitteln der Gemeinde wesentlich subventioniert werden. Eine Erhöhung dieser Subvention auf S 19.000— pro 1937 wurde einvernehmlich, um des lieben Friedens willen, von dem zionistischen Obmann und nnionistischen Obmann-Stellvertreter der Schulkommission im Rahmen des Budgets beantragt. Anläßlich der Beratung der Subventionen in der Schulkommission, im Vertreterkollegium und im Plenum wurden aber diese Subventionsbeträge um weitere S 16.000.— auf S 35.000.— jährlich mit den Stimmen aller Jüdischnationalen hinaufgeschraubt. Ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Not der Wiener Judenschaft, ohne Rücksicht auf die übermäßig angezogene Steuerschraube, ohne Rücksicht darauf daß diese Gelder nicht für die kulturellen, sondern hauptsächlich für politische Zwecke verwendet werden, verfügt hier die jüdischnationale Mehrheit über einen Betrag von S 35.000.— jährlich, als ob es sich um einige Schillinge handeln würde. Dabei wird in jeder Sitzung gejammert, daß für die Aktion „Jüdische Kinder auf's Land" nicht genügend Gelder vorhanden sind und die Leiter bewährter Institutionen des religiösen Unterrichtes und der Umschichtung, mit der soviel Aufhebens gemacht wird, müssen sich die Füße wund laufen, und antichambrieren, um den Lehrern ihre mehrere Monate rückständigen Gehalte auszuzahlen. Besorgt Eure Bücher durch die Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II., Ecke TaborstraBe 52 Mäßige Preise! ' * Große Auswahl! Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Grosch. per Tag sonst nichts Anfrag.: Tel. R41 -4-20 Kataloge gratis! Durch die Erhöhung der Subvention an die Jugendverbände ist eine Verschiebung im Budget automatisch eingetreten. Das präliminierte Defizit von S 304.000.— wurde entsprechend erhöht. Nach den Bestimmungen des Statutes muß eine solche nichtbudgetierte Erhöhung des Defizites in einer öffentlichen Plenarsitzung beschlossen werden, öffentlich aus dem Grunde, wefl den Mitgliedern der Kultusgemeinde ein Recht zusteht, die Gebarung und Budgetierung der Kultusgemeinde zu kontrollieren und zu wissen, was mit den Geldern geschieht. Dieses Recht auf Kontrolle wurde der Oeffentlichkeit geraubt. Der Präsident der Kultusgemeinde hat trotz des Antrages der „Union" es abgelehnt, den Nachtragskredit von S 16.000— für die Jugendverbände auf die Tagesordnung einer öffentlichen Plenarsitzung zu setzen, abgelehnt mit der fadenscheinigen Begründung, daß eine Plenarsitzung vor den Sommerferien nicht mehr stattfinde, wiewohl er rechtzeitig vor der Plenarsitzung auf dieses Recht der Oeffentlichkeit laut Statut und Gesetz aufmerksam gemacht wurde. Also so notwendig ist die sofortige Ausschüttung der erhöhten Subvention, daß sie nicht einmal Zeit gehabt hätte, bis anfangs September vertagt zu werden. Es sei festgestellt, daß dem Finanzreferenten der Vorschlag gemacht wurde, die Subvention bis zur Höhe von S 19.000.— flüssig zu machen und nur die gegen den Budgetbeschluß hinaufhzitierte Differenz von S 16.000.— der Beratung einer öffentlichen Plenarsitzung vorzubehalten. Aber auch dieser Vorschlag wurde vom Präsidenten auf Grund des Diktates seiner Parteigenossen zurückgewiesen. Dagegen haben Herr Präsident Dr. Desider Friedmann und Oberbaurat Stricker unter Zustimmung aller Parteigenossen erklärt, die Diskussion in der Oeffentlichkeit nicht zu scheuen, und damit ihre Zustimmung zur Behandlung in der Oeffentlichkeit gegeben. Es wird aber auch die Oeffentlichkeit interessieren, zu erfahren, daß durch die Subventionen die Kultusgemeinde den jüdischnationalen Parteien : im Wählerfang Schützenhilfe geleistet hat und 1 leistet. Die Auszahlung der den Jugendbünden bewilligten Subventionen erfolgt nicht etwa in der bisher üblichen Weise, daß die jedem einzelnen Jugendbund bewilligte Subvention an diesen direkt ausgezahlt wird. Die Subventionen werden an die politischen Parteien, an das zionistische Landeskomitee, an den Binjan Haarez und an die Gruppe der radikalen Zionisten in einer Gesamtsumme zur Auszahlung gebracht. Diesen politischen Parteien soll es obliegen, die Jugendbünde in ihrer Tätigkeit in Vertretung der Kultusgemeinde zu kontrollieren und auf Grund dieser parteipolitischen Kontrolle die Auszahlung der Subventionsibeträge vorzunehmen. Ein Antrag der „Union", die Auszahlung der Subvention direkt an die Jugendverbände vorzunehmen, wurde ebenfalls abgelehnt. Es ereignet sich das Ungeheuerliche, daß die Kultusgemeinde die einer bestimmten Jugendorganisation bewilligte Zahlung nicht dieser, sondern einem dritten politischen Verein leistet. Es ist wohl einzig dastehend, daß Subventionen nicht an den Empfangsberechtigten, sondern an einen anderen gezahlt werden, dem das Vertrauen eingeräumt wird, die richtige Aufteilung und Kontrolle der richtigen Verwendung öffentlicher Gelder vorzunehmen. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß der Herr Amtsdirektor der Kultusgemeinde keine Auskunft zum Beispiel darüber geben konnte, wieviele Jugendliche in den einzelnen Jugendverbänden zusammengeschlossen sind. Es Hegen keine Berichte über die Tätigkeit dieser Jugendbünde vor. Dagegen muß jeder Tempelverein, wenn er nur S 100.— in Anspruch nimmt, Bilanz, Rechnungsabschlüsse und Gebarungsausweise vorlegen und wird auf Herz und Nieren geprüft. Die Kultusgemeinde kontrolliert die Jugendbünde in keiner Weise, sie überläßt alles den politischen jüdischnationalen Parteien. Die Subventionen von S 35.000.— stellen also nichts anderes dar als direkte Unterstützungen an die jüdischnationalen zionistischen Parteien, denen einfach auf Grund der Wahlkapitulationen aus den öffentlichen Mitteln der Kultusgemeinde, aus den Geldern der Steuerträger der klingende Dank für mehr oder weniger treues Verhalten und insbesondere für die Stimmenthaltung in Sachen Löwenherz abgestattet wird. Daß das richtig ist, beweist ein Konflikt, der in der Plenarsitzung, in der diese Jugendsubventionen verhandelt wurden, innerhalb der jüdischnationalen Gruppen ausgebrochen ist. Der „nationale Block" wollte den Revisionisten für eine ihrer Uugertdgruppen einen Betrag kürzen. Darob entstand ein wüster Streit, der schließlich soweit führte, daß der Vertreter der Revisionisten im Kultusvorstande den Jüdischnationalen anderer Schattierungen mit lauter Stimme wiederholt den Vorwurf des Vertragsbruches machte. S o m i t i s t erwi'iesen, tf,aß ein Vertrag darüber abgeschlossen wurde, wieviel aus den öffentlichen Mitteln jede jüdischnationale Partei erhält. Im Zusammenhange mit der Subventionsbewilligung wurde vom Vizepräsidenten Dr. Ticho der selbstverständliche Antrag gestellt, daß den Jugendverbänden der Auftrag erteilt werden müsse, Kenntnisse im jüdischen Schrifttum, jüdischer Geschichte, der Bibel und der Liturgie zu vermitteln. Man möchte doch meinen, daß so ein Antrag ohne Debatte einstimmig angenommen wird; es ist doch die K u 11 u s gemeinde, die von den Subventionsempfängern verlangen muß, daß sie den Kultus pflegen, daß die von der Kultusgemeinde bewilligten Gelder wenigstens zum Teil für Pflege des Kultus Verwendung finden. Wer meint, daß ein solcher Antrag debattenlos einstimmig angenommen wurde, der irrt. Die radikalen Zionisten und Binjan Haarez haben gegen diesen Antrag Stellung genommen, man mußte in den Sitzungen Worte hören, wie „es wäre unsittlich, die Jugend zu religiösen Handlungen zu zwingen", man mußte im Sitzungssaale des Kultusvorstandes hören, wie sich Kultusvorsteher

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