Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 28 (16.7.1937)
- Date
- 1937-07-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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SeifcM_ Nr. 28 — 16. Juli 1937 DIE WAHRHEIT f In allen Versicherungsangelegenheiten M MM « W S * der „Union«, L, Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden Montag und Freitag von 10 bb 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm—Bat Alexias Salzer. Für Lebensversicherungsberatung haben wir einen Spezialfachmann bestellt, welche unsere Mitglieder besonders günstig beraten wird. RelSegepäCkSVerSiCheriing Herzo. franenheilDad Tafzmannsdorf weit wie möglich zwischen den Parteien zu vermitteln. Italien. In Genfer diplomatischen Kreisen hält man es für möglich, daß die Durchführung der Empfehlungen der Königlichen Kommission auf Schwierigkeiten von italienischer Seite stoßen. Es besteht die Möglichkeit, daß der italienische Vorsitzende der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes Th e o d o 1 i mit Unterstützung des japanischen, portugiesischen und vielleicht auch des Schweizer Bevollmächtigten die von England gewünschte rechtzeitige Weiterleitung an den Völkerbundrat für die September- Tagung verhindern kann. Polen. Wie es scheint, nehmen die polnischen Regierungskreise gegen den britischen Vorschlag einer Teilung Palästinas Stellung und sind bereit, die Juden im Kampfe gegen diesen Vorschlag zu unterstützen. Besonders zwei Regierungsblätter schreiben über diese Angelegenheit. „C z a s" meint, die Teilung Palästinas verringere die Möglichkeiten der Auswanderung aus Polen und die Errichtung eines jüdischen Staates würde diese Frage nicht lösen. Polen würde genötigt sein, die Forderungen der Juden zu unter, stützen. Das zweite Regierungsblatt, der „Kurrier Poranny", schließt seinen Artikel mit den Worten: Palästina ist ein Gebiet, nach welchem ausschließlich Juden auswandern und dem in Hinkunft größte Aufmerksamkeit gewidmet werden muß. In der Wilnaer Zeitung „Slowo" fordert der polnische konservative . Politiker Studnicki, daß Polen, Ungarn und Rumänien gegen den Teilungsplan protestieren sollen, weil diese Länder sehr daran interessiert sind, daß ihre Juden auswandern. Studnicki meint, daß dieser Protest von Amerika und von den Juden in der Welt unterstützt werden würde. Er verlangt, daß Polen das Palästinamandat erhalte. Wie die „Neue Freie Presse" aus Genf meldet, erwartet mar. dort, daß die polnische Regierung im Zusammenhang mit dem Teilungi&plan demnächst diplomatisch eSchritte unternehmen werde. Die Verjudung der Wiener Universität. Wir lesen unter diesem Titel in der letzten Nummer des Organes der „Vaterländischen Front", den „Wiener Stadt-Stimmen", folgendes: Herr Karl Inhauser aus Wien ist entsetzt und schleimt dieses Entsetzen just in der „Essener Nationalzeitung" — wo denn sonst? — aus. Diesmal ist der Grund seines Entsetzens die verjudete Wiener Universität Er nimmt sich Mühe, der gute Mann, indem er alle, alle aufzählt, die dem Lehrkörper der Wiener Universität angehören und Juden oder — welch feiner Unterschied! — Mischlinge sind. Es ist eine richtige Fleißaufgabe. Aber nur eine solche. Jedenfalls keine Aufgabe des Geistes, der sich Herr Inhauser aus Wien da unterzogen hat Wir dürfen uns vom Verdacht frei wähnen, der Verjudung oder Ueberfremdung der Wiener Universität das Wort reden zu wollen. Gerade deshalb aber dürfen wir dies sagen: Die Wiener Universität hat mit ihren jüdischen Lehrern, ob sie nun reine Juden sind oder Mischlinge oder mit solchen Versippte, jedenfalls keine so üblen praktischen Erfahrungen gemacht wie die reichsdeutseben Universitäten seit dem politischen „Umbruch", der gleichzeitig auch ein geistiger Umbruch sehr zum Schaden des kulturellen Hochstandes des Deutschen Reiches vor 1933 war, mit ihren durchaus rassenreinen Lehrern. Die Lehrer der Wiener Universität —. soweit sie nicht in „rassischen Ideologien" verschlammen und verkalken oder aus diesen Ideologien heraus Verführer und Verhetzer der studierenden Jugend sind — haben es vermocht, den Ruf der Wiener Universität in der Welt die den Nationalsozialismus als Kulturerscheinung mit negativem Vorzeichen' wertet unversehrt zu erhalten; denn sie lehren Wissenschaft im Sinne allgemein gültiger Wertung, ob sie nun Arier sind oder nicht Jedwede andere Auffassung dieses edlen Berufes, der eine Kulturmission katexoehen darsteht, verstieße wohl auch gegen den Eid, den sie als Beamte des Staates und loyale Akademiker ohne besondere Erinnerung zu halten haben. Alle jene aber, die sich damit nicht abfinden können, halten wir, ihres Lehramtes für unfähig und unwürdig und würden dringendst empfehlen, sie in die Bezirke jener Universitäten „einrückend" zu machen, die den Vorzug genießen, ebenso „r a s s e n r e i n" wie für die Kulturwelt unbedeutend und durchaus belanglos geworden zu sein, wie etwa Göttingen, dessen zweihundertjähriger Bestand als Universitätsstadt dem Reichsminister Ruß Gelegenheit zu einer Rede gegeben hat die späteren, wiedererwachten deutschen Geschlechtern7 und Generationen den ganz großen Irrtum des Nationalsozialismus beschämend vor Augen führen wird. Die besten Eis» Wirstol Seltvaru 3 mal täglich frisch bei IS6Ei,WluU[äMl!!!3 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Die Wiener Universität hält sich für verpflichtet und berufen, diesem Schicksal nicht zu verfallen. Trotz Herrn Inhauser und seiner rauschebärtigen Gesinnungsgenossen auch unter den Lehrern der Universität die ihre Unbedeutendheit als Professoren der Alma mater vindobonensis durch jenen Furor teutonicus zu überkompensieren versuchen, der seine Brut- und Heimstätte sowie Exerzierplatz in bierdunst- und rauchgeschwängerten Lokalen hat mit biederen Eichentischen aus dem Teutoburger Walde und hehren Recken aus Neutitschein, die ihren Ahnen so heroisch deutsche Namen wie etwa Suchanek und Prokscb verdanken. Es wird Herrn Inhauser nicht gelingen, die Großmachtstellung der Wiener deutschen Universit'ät unter allen Universitäten der Welt deshalb zu verkleinern, weil zugegebenermaßen Juden, Judenmischlinge und jüdisch; Versippte dort lehren. Der Zustand, wie er ist, ist uns jedenfalls tausendmal lieber als jener, der dadurch geschaffen würde, daß an der Wiener Universität solch blühender Unsinn gelehrt würde wie an mancher rachsdeutschen Universität, |an denen danach getrachtet wird, aus den Studierenden lieber „Kerle" denn gute Aerzte, Juristen, Philosophen und Theologen zu machen. ä Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäure-Spradelbäder / Elektro-Kardiographisches Institut / Röntgen-Institut Tief reduzierte Pensionspreise einschließlich aller Heilbäder Auskünfte und Prospekte: Kurbad A. G. mmm-L_ Bad Tatzmannsdorf und M. U. Dr. I. H. Körner — Reisebüro „CITY'' Wien /., Kohlmarkt 8 / Telephon U 26-4-29 Das ist das Kernproblem, um das es sich letzten Endes dreht und, wenn es sich darum handelt, der Wiener Universität eins am Zeug zu flicken, weil ihre wissenschaftliche Bedeutung trotz ihrer angeblichen „Verjudung" über die aller reichsdeutschen Universitäten erhaben ist, so sollten — könnte man meinen — Herrn Inhauser gerade die Juden aus rassischen Gründen allein zu schlecht sein, als Mittel zum Zwecke einer für die Kulturwelt verunglückten Beweisführung zu dienen. Dennobh ist sejne Beweisführung in seinem Sinne schlüssig. Sie lautet etwa so: Wer ist schuld daran, daß die Wiener Universität ihren Weltrang behauptet? Dar Jud' natürlich! Warum? Weil's wahr ist! Das hätte sich Herr Inhauser füglich ersparen können. Aus rassischen Gründen selbstverständlich. Aber gerade deshalb bleibt die Wiener Universität deutsch und christlich, trotz allem, Herr Inhauser und seinen Gesinnungsgenossen zum Aerger, weil es die christlich-deutsche Wiener Universität nicht notwendig hat den Rassenantisemitismus zum alleinigen Nachweis ihrer Existenzberechtigung in deutschen Landen auf den Schild zu erheben. Tödliche Lächerlichkeit. Das Wort daß die Lächerlichkeit tötet erscheint mir, schreibt der Genfer Korrespondent des „Morgen" in der letzten Nummer des Blattes, längst zweifelhaft Nun ist es endgültig ad .absurdum, geführt: Denn würde Lächerlichkeit töten, man müßte der „Stimme" einen Nachrufschreiben. Am 7. Juni, Wochen vor der Weltpresse* hat der „Morgen" auf Grund eines Genfer Telephonberichtes, die ersten Nachrichten von der Aufteilung Palästinas gebracht. Die „Stimme" hat hierauf am 11. Juni einen Leitartikel veröffentlicht, der den Titel führte: „Phantasien rings um die Teilung". In diesem Artikel wurde mitgeteilt, daß „so ein Mann in Genf im Lesesaal des Völkerbundhauses" etwas aufgeschnappt habe, was aber natürlich nur ein „Getue der Assimilanten-CIique" sei; wenn der „Mann in Genf" seinen „politischen Verstand in Aktion" hätte treten lassen, hätte er den ganzen Schwindel gleich durchschaut. Im übrigen so betonte die „Stimme", brauche man sich ja nicht aufzuregen, denn — und wir zitieren wörtlich — „die Nachricht, deren UnWahrscheinlichkeit e k 1 a t a n t ist hat für einige Minuten Aufsehen erregt Aber sie ist dann den Weg aller Seeschlangen gegangen und ruht wieder in den Papierkörben aus". In der vergangenen Woche ist nun der Bericht der Königlichen Kommission veröffentlicht worden: Wir müssen ihm nichts hinzufügen. In den uns so verübelten „fettesten Typen" muß die arme „Stimme" verkünden, daß der „Judenstaat ab Jänner 1940" zu existieren beginnen wird. Es ist wirklich ein Jammer! Wie eine Jungfrau errötend, muß die „Stimme" verschämt den Kommissionsbericht publizieren —: ein Bild von unnachahmlichen Reiz, nur eines „Blauen Montag"-Zeichners würdig, wie der „Stimme'-Redakteur seine Seeschlange aus dem Papierkorb zu fischen und als altgebackenen Karpfen nunmehr seinen Lesern aufzutischen gezwungen wird. Nein, allen Ernstes: so etwas von ungewollt ter Komik war noch nicht da. Wir registrieren sie ohne Geifer, ja beinahe ohne Befriedigung. Es soll heute auch nur die tödliche Komik der U.ninf orrn i e r t h e i t aufgezeigt werden, weil sie die Frage aufwirft, wie es um die Seriosität jüdischer (soll. heißen jüdischnationaler;) Organe bestellt sein muß. 1ESET DIE WAHRHEIT!