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Die Wahrheit · 1937-07-09 · Heft 27 (9.7.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 27 (9.7.1937)
Date
1937-07-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27 — 9. Juli 1937 des Binjan Haarez noch viel kläglicher ausgefallen wäre. Denn so sind bloß die Wähler ausgeblieben, bei einer Kompromißwahl wären es auch die Stimmen. Um dieses scheinbare Paradoxon zu verstehen, muß man sich das berüchtigte Wahlsystem vor Augen halten, das sich die Zionisten für ihren Kongreß zurechtgelegt haben und an dem sie trotz allen gelegentlich laut werdenden Entrüstuugskundgebungen über die dadurch ermöglichte Wahlkorruption mit Zähigkeit festhalten. Wahlberechtigt ist jeder über 18 Jahre alte Jude, der im Wahljahre den Schekel bezahlt, der zur Erhaltung der zionistischen Organisation dienen soll. Diese Organisation besteht natürlich kontinuierlich. Trotzdem braucht man nur im Wahljahre ( d. i. jedes zweite Jahr) zu ihrer Erhaltung das vorgeschriebene Scherflein beizutragen, um das Wahlrecht zu erwerben. Die groteske Folge dieser Usance ist ein sprunghaftes Anwachsen der Schekelzahhmgen in den Wahljahren auf ein beträchtlich Vielfaches der in den Zwischenjahren üblichen Beitragsleistungen. Aber noch viel grotesker ist die Feststellung, wer denn nun eigentlich die Differenz zwischen dem Mehrabsatz der Wahlschekel und der geringen Nachfrage nach den Zwischenjahr-Schekeln bezahlt. Naive Gemüter erklären sich vielleicht diese Differenz damit, daß in den Kongreßjahren eine natürliche Steigerung des Interesses der Zionisten an ihrem Parteileben eintritt, was in der Belebung des Schekelgeschäftes sinnfällig wird. Aber dieser Erklärung widerspricht die Erfahrung, daß nur 60 Prozent der Schekelzahler zur Wahlurne gehen. Das Schekelzahlen ist also keineswegs identisch mit Wahlinteresse. Man muß vielmehr annehmen, daß gerade die 40 Prozent, die am Wahltag zu Hause bleiben, jene treuen und biederen Anhänger darstellen, die aus redlichem Herzen jahraus, jahrein das Ihrige zur Erhaltung der Bewegung beitragen, denen es aber ganz schnuppe ist, wer auf dem Kongreß jene Resolutionen verfaßt und beschließt, um die sich keine Katze kümmert, am allerwenigsten die Mandatarmacht... Wohingegen die übrigen 60 Prozent Schekel von jenen flüssig gemacht werden, die gerade an dieser Personenfrage am lebhaftesten interessiert sind, also von den Kandidaten, bezw. den hinter diesen stehenden Parteien. Erst auf Grund dieser umständlichen Darlegungen des Sachverhalts kann nunmehr die Frage beantwortet werden, wo eigentlich der zionistische Anhang zu finden ist: Bei den Gewählten und nicht bei den sogenannten „Wählern". Dieses Vexierbild war schwer zu lösen, aber dafür ist die Lösung ohne Zweifel auch viel amüsanter als üblich. Was geht im Berliner Judentum vort Wir lesen in der „Jüdischen Fron t", dem Organ des „Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs": „Aus Berlin kommen Alarmnachrichten. Herr Kareski, dessen Konflikte mit dem deutschen Judentum hinlänglich bekannt sind, ist wieder mit einem Vorstoß auf den Plan getreten. Herr Kareski ist jener Mann, welcher neben dem deutschnationalen Juden Naumann, der dann seinen wohlverdienten Tritt bekommen hat, für die Anbiederung an das neudeutscheSystem eingetreten ist. Als. Präsident der „Staatszionisten" hemmte er die Einigung der deutschen Judenheit im Jahre 1933 und stellte sich außerhalb der Einheitsliste. Man hat gegen Kareski mancherlei Vorwürfe erhoben, über die wir uns hier nicht näher äußern wollen, da sie nicht zweifelsfrei bewiesen sind. Tatsächlich war er aber der einzige Jude, dem die Spalten des „Angriff" und des „Völkischen Beobachters" offenstanden. Als man ihn von nationalsozialistischer Seite zum Präsidenten des Kulturbundes deutscher Juden machen wollte, scheiterte dieser Versuch an dem einmütigen Protest der deutscher. Judenheit. Aber Kareski setzt seine Bemühungen um die Macht im deutschen Judentum Fort, um die Geschicke der Gemeinde nach seinem Gutdünken lenken zu können. So hat man ihm jetzt seitens der deutschen Reichsbeliörd.n die Erlaubnis erteilt, bei Eingesendet. Erklärung des Verbandes der jüdischen Religionslehrer an österreichischen Mittelschulen. Seit längerer Zeit werden von gewisser Seite (von welcher? Anm. d. Red.) gegen einige Kollegen bei den Behörden, bezw. bei der V. F. immer wieder völlig grund- und haltlose Beschuldigungen erhoben, in denen die religiöse und vaterländische Gesinnung der betreffenden Knilegen in Zweiiel gezogen wird, Beschuldigungen, deren Haltlosigkeit sich bisher stets erwiesen hat, die jedoch geeignet sind, den betreffenden Kollegen in ihrem Fortkommen zu schaden, ja unter Umständen sogar ihre Existenz zu vernichten. In letzter Zeit hat sich dies gegenüber zwei ehrenwerten Kollegen in besonders krasser Weise'wiederholt. (Das Recht der Kritik gegen die politische Betätigung der Lehrer in der Schule wird sich niemand nehmen lassen! Anm. d. Red.). Es ist jedoch ein unwürdiger und unerträglicher Zustand, daß derartige Dinge sich überhaupt ereignen können? (Richtig! Anm. d. Red.) daher siebt sich der Verband veranlaßt, dieses Vorgehen in aller Oeifentüchkeit aufs schärfste zu verurteilen und zu brandmarken, um so mehr als der Verband selbst ein standeswidriges Vorgehen eines seiner Mitglieder nicht dulden würde. Scnmackwig von Gruiten and Gräücrii LeopoldQeutschJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentraliriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Versorgungsämtern für Juden aufzutreten. Bisher hatte allein der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten diese Befugnis ausgeübt. Herrn Kareski obliegt demnach ebenfalls die Regelung der Ansprüche der Kriegsopfer und Kriegshinterbliebenen. Zweifellos hat er damit eine schwerwiegende Verantwortung für einen Teil des Judentums übertragen erhalten und wird trachten, diese neue Position, die ihm durch das nationalsozialistische Regime eingeräumt wurde, auszunützen. Schweren Herzens muß man daran denken, wie umstritten, wie uneinheitlich die Ansicht über diesen Mann ist, der in schwerster Stunde in die Geschicke des Judentums eingegriffen hat und von dem gesagt wird, daß er ein W e r k z e u g i n den Händen der NSDAP, ist. diedas ihr verhaßt e Judentum durch eine Persönlichkeit aus ihren eigenen Reihen bekämpfen lassen will. Ob Herr Kareski stark genug sein wird, die Reichsvertretung, die ihm ein Dorn im Auge ist, endlich doch zu zerstören, wird die Zukunft lehren . . ." Bemerkenswert ist, daß zu dieser skandalösen Angelegenheit, die wir bereits mehrfach in gebührender Weise behandelten, weder „Die Stimme" noch „Die Neue Welt" bisher Stellung genommen haben. Allgemeine Versicherungsgesellschaft Phönix. In der unter Vorsitz des Herrn Präsidenten Baurat Ingenieur E. Heller am 28. Juni d. J. abgehaltenen 77. ordentlichen Generalversammlung wurde der Abschluß 1936 genehmigt. Die Einnahme aus Prämien und Polizzengebühren belief sich auf S 44,063.580.—. Für Schäden und Schadensreserve wurden S 23.920.014.— bezahlt, beziehungsweise zurückgestellt. Das Wertpapierkonto beträgt S 10.190.845.—, das Realitätenkonto S 9,202.350.—. Die Abschreibungen machten S 788.278.— aus. Die aus dem indirekten Geschäft durch Währungsabwertungen entstandenen Valutenkursverluste wurden voll aus der Jahresrechnung gedeckt, so daß die Valutenkursreserve mit S 300.000.— unverändert vorgetragen werden kann. Aus dem Ueberschuß von S 135.099.— werden S 70.000.— der Kapitalsrücklage zugewiesen, während der Rest auf neue Rechnung vorgetragen wird. E Judisches Kulturtheater. Sensationeller Tournee-Eriolg. Das Wiener Jüdische Kulturtheater wurde im Juni d. J. für eine Tournee nach Litauen engagiert. Das erste Gastspiel fand im Sommertheater in Kaunas vor mehr als tausend Zuschauern statt und gestaltete sich zu einem grandiosen Erfolg. Gegeben wurde „Die Grenz e", die in Wien eine Serie von 200 Aufführungen erlebt hat. Wir kennen den markant realistischen Inhalt dieses Theaterstückes. Der Dichter stellt einen Ausschnitt aus der großen Tragödie des deutschen Judentums in ergreifender Form auf die Bühne. Gespielt vom prächtigen Ensemble unseres Jüdischen Kulturtheaters wird die Das Vorgehen der anonymen Angeber (wer sind sie? Namen nennen! Anm. d. Red.) ist noch schwerer zu verurteilen, weil es geeignet ist, zur Entweihung des göttlichen Namens (Chillul Haschern) zu führen. Dr. Gbser. Dr. Kupier. Dr. Menczer, Dr. Papo. Dr. Rappaport, Dr. Schieber, Dr. Weiner, Dr. Weißkopf. Nachwort der Redaktion. Wir geben diese Erklärung des Religionslehrerverbandes vollinhaltlich wieder, weil wir einige von uns geschätzte Persönlichkeiten unter den Unterzeichneten finden. Ansonsten erscheint uns die Sache doch etwas einseitig. Wenn Herr Dr. Kanner in der ..Stimme'- die Tätigkeit der Wiener Religionslehrer als „Karikatur des lebendigen Judentumes" bezeichnet, da hat offenbar den Herren der Ausdruck' „Chillul Haschern" gefehlt, wiewohl er hier sicher mehr am Platz war wie in der gegenwärtigen Sache. Im übrigen wünschen wir vom ganzen Herzen, daß die Herren Religionsprofessoren ilue grundlose Besorgnis, daß den beiden bewußten Herren auch nur ein Haar gekrümmt wird, aufgeben mögen. Wir sind auch überzeugt, daß sich die Lehrerschaft nicht z-ir Teilnahme an einer versuchten demagogischen, politischen, jüdischnationalen Hetze gegen die „Union"" und zu einem Terror gegen das freie Recht der Kritik und der freien Meinungsäußerung hergeben wird. La übrigen verweisen wir au-' unsere diesbezüglichen Ausführungen in dieser Nummer. FRANZENSBAD ERSTES MOORBAD DER WELT. IDEALES FRAUEN- UND HERZHEILBAD. STÄRKSTE GLAUBERSALZQUELLEN. Ueberraschende Heileriolge bei Herz- und Frauenleiden, Kinderlosigkeit, Gicht, Rheumatismus, Fettleibigkeit und chronischer Stuhl Verstopfung. Saison vom 1. Mai bis 30. September. — Kurbetrieb vom 15. Aprii bis Ende Oktober. Vorstellung zu einem tiefen Erlebnis, das man nie vergißt. Und so kommt für uns die Nachricht nicht überraschend, daß das litauische Publikum, wie die dortigen Blätter berichten, bis in die Seele gerührt und aufgewühlt den Schauspielern nach jedem Aktschluß zujubelte und ihnen zum Schlüsse orkanartige Ovationen darbrachte. Auch die Presse widmet der Truppe ausnahmslos die beste Kritik. Eine jüdische Zeitung schreibt: „Das Spiel des Ensembles ist ungeheuer fein, stark und überzeugend"", eine andere jüdische Zeitung berichtet: „Die Schauspieler sind sehr begabte und routinierte Bühnenkünstler und haben ein äußerst reines, künstlerisches Spiel vorgeführt, das auf das Publikum einen kolossalen Eindruck machte". Wie die jüdischen sind auch die russischen Blätter voll des Lobes. Einige Auszüge: „Das Publikum saß da wie elektrisiert von dem Inhalt des Stückes und von der künstlerischen Leistung der Schauspieler."' — „Ein schon lange nicht dagewesener Erfolg". — „Jeder Künstler ist ein Pfeiler der Truppe und eine schauspielerische Persönlichkeit". — „Das Spiel der Schauspieler ist einmalig". — „Es gibt keine speziellen Stars, jeder einzelne ist ein Star". — „Das Wiener Jüdische Kulturtheater wird hoffentlich alljährlich ein Gast Litauens werden".

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