Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 27 (9.7.1937)
- Date
- 1937-07-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seiteö Nr. 21—9. Mi 1937 DIE WAHRHEIT Guo usque tandem? Wie tawM&e nadk . . .?> Wenn diese Zeilen erschienen sein werden, wird der Bericht der englischen königlichen Kommission über Palästina bereits veröffentlicht vorliegen und es wird sich trotz aller „Einheitsfronten", „Proteste" und „offizieller Erklärungen", trotz aller Wahlkämpfe um ein „ungeteiltes Palästina" zeigen, daß letzten Endes das geschehen wird, was E n g- 1 a n d will. Haben aber die „Führer des Judentums" (wohin sie es geführt haben, wissen wir ja heute bereits zu gut) schon außenpolitisch versagt, was ja schließlich auch schon wirklich großen Politikern passiert sein soll und worüber nicht die Zeitgenossen, sondern die alles auf das richtige Maß reduzierende Zeitgeschichte ihr Urteil abgeben oder auch ganz zurückbehalten wird, so ist es doch an der Zeit, endlich auch die Fehlerquellen aufzuzeigen, die das Kolonisations¬ und Siedlungswerk in Palästina, ursprünglich bestimmt für die großen notleidenden jüdischen Massen,,zum Scheitern verurteilt haben. Wo ist denn diese vielgerühmte „Heimstätte", der Arbeitsplatz, das Land, in das der aus Europa vertriebene, in Europa gehetzte, von Pogromen bedrohte Jude flüchten könnte? Ja! Mit tausend Pfund, d. s. ca. 26.000 Schilling, da ist es ihm erlaubt, in das „Land seiner Väter" zu ziehen. Aber man vergesse nicht! Mit 26.000 frei verfügbaren Schillingen kann man sich überall in Europa noch eine bescheidene Existenz schaffen, die einen wenigstens am Leben erhält. Was sollen aber die vielen Hunderttausende, ja Millionen Joden Europas, die enteignet, abgebaut, von Pogromen bedroht, ihres nackten Lebens nicht sicher, aller Barmittel entblößt sind, machen, wohin sollen diese Unglücklichen ziehen? Wer hat sich um diese Aermsten der Armen jemals gekümmert? Viele jüdische „Weltkongresse" haben stattgefunden; ist aus ihnen jemals aüßer herrlichen, für die Wähler bestimmten Resolutionen und für die Plarteiblätter bestimmten Gegenresolutionen etwas hervorgegangen, was dieser auf Erlösung aus der Not wartenden Masse des Judentums — ich rede absichtlich von M a s s e und nicht von den wenigen Auserwählten, die auf Grund ihrer geleisteten Parteiarbeit mit Einwiandenmgszertifikaten belohnt werden — nur irgend einen wirklichen Ausweg zur Arbeit und menschenwürdigem Leben gezeigt hätte? Man frage einmal die Juden Polens und Deutschlands, aber auch die der anderen Länder! Aber man war bisher so klug und fragte nicht. Jahrzehntelang wurde dem Judentum etwas von „Nationaler Heimstätte" vorgegaukelt, obwohl jeder vernünftige Mensch bei etwas gutem Willen hätte einsehen können, daß in Palästina weder bei der gegenwärtigen noch auch bei einer anderen politischen Konstellation genügend Raum lür diese Millionen gejagter und gehetzter Juden vorhanden ist Erhoben sich aber hie und da schüchterne Stimmen, die darauf hinwiesen, daß man außer Palästina mit seiner Landarmut noch ein Land haben müsse, in dem genügend Raum für Kolonisation und Siedlungspläne vorhanden ist, so wurden diese verlacht, bekämpft oder totgeschwiegen. Ziffern sehen Dich an! Bis zum heurigen Tag sind, eher gering als zu hoch gerechnet, 97 Millionen englische Pfunde, das sind Zweitausendfünfhundertzweiundzwanzig Millionen Schillinge, in Ziffern 2.522,000.000 österreichische Schillinge jüdischen Vermögens aus allen Teilen der Welt nach Palästina geflossen. Wer, nur um ein Beispiel von unzähligen herauszugreifen, die üeschichie der südamerikanischen Staaten verfolgt, wird sehen, daß mit einem geringen Bruchteil dieser Summe des öfteren siegreiche Revolutionen und Eroberungen ganzer Länder durchgeführt und damit die Herrschaft darüber erkauft werden konnte. Was haben aber die verantwortungsbewußten „Führer" für diese Beträge, deren Abgang ja das Judentum der einzelnen Länder und dessen Position riesig schwächte, geleistet? Eine Stadt wurde gebaut! Endlich eine jüdische Stadt! Als ob in den Vorstädten New Yorks, Londons, Warschaus, Lembergs und wie die Orte der jüdischen Not, des jüdischen Ghettos alle heißen mögen, nicht genug, ja übergenug „jüdische Städte" vorhanden wären! Was wurde dagegen geleistet, um das Judentum von Grund auf aufzubauen, zu erneuern, es „bodenständig" im wahren Sinne des Wortes zu machen? Auf diesem Gebiet hätte mit diesem jüdischen Volksvermögen, mit dem Spargroschen des Judentums unvergängliche Kulturarbeit geleistet werden können. Seit dem Jahre 1920 sind 682.000 Dunam, das sind 68.200 Hektar Land in jüdische Hände übergegangen. (In Ungarn z. B. ist ein einzelner Herrschaftsbesitz von 60.000 Hektar gar keine Seltenheit) Hiefür strömten in derselben Zeit 97 Millionen Pfund in das Land. Es müssen demnach zur Erwerbung eines Hektars jüdischen Bodens in Palästina 1300 Pfund oder 36.000 Schilling jüdischen Vermögens aufgewendet werden. Der reichste Staat der Erde könnte sich eine so kostspielige Kolonisation nicht leisten. Wie lange soll da das verarmte Judentum eine solche Luxuskolonisation bestreiten? |)1ittfd)aftHä)e ffietatungsfteKe in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" I., Schottenring25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung oollhommen unentgeltliche Auskunft. Derfidjerungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Seit 1920 sind schätzungsweise 300.000 Juden nach Palästina eingewandert, davon haben sich zirka 100.000 auf dem Lande angesiedelt. Die landwirtschaftliche Ansiedlung eines jüdischen Menschen, gleichgültig ob Erwachsener oder Säugling, erfordert demnach einen jüdischen Kapitalsaufwand von 970 Pfund oder 25.000 Schilling. Wie lange hält das jüdische Vermögen einen solchen Aderlaß aus? Und deshalb muß, wie immer die Entscheidung über Palästina ausfällt, immer wieder dem Judentum und dessen Führern die Frage zugerufen werden: „Quo usque tandem", „W ie lange noc h"? Dr. Zoltan Schönberger. Wo sind die Zionisten? Wafktresuttate ab Vexierbilder, Vexierbilder sind ein beliebtes, aber im allgemeinen leichtes Geduldspiel für groß und klein. Vor keine so leichte Aufgabe stellen jetzt die zionistischen Blätter ihre geduldigen Leser durch die Veröffentlichung der Wahlresultate für den im August bevorstehenden Zionistenkongreß. Die ausgewiesenen Zahlen entpuppen sich gleichfalls als Vexierbilder, denn sie regen zu der indiskreten Frage an: „Wo sind die Zionisten?" Aber die sonst bewährten Lösungsmethoden versagen in diesem schwierigen Falle. Keine noch so erprobte Wendung, kein noch so raffinierter Dreh läßt auch nur annähernd die Konturen jenes mächtigen Riesen ahnen, als den die Prahlerei der Jüdischnationalen ihre Bewegung jahraus, jahrein anpreist, bis eben bei unvermeidlichen Gelegenheiten Zahlen. ihre nüchterne, aber deutliche Sprache reden und die grotesken Phantasiegebilde der Prahler grausam Lügen' strafen. Wenn in Amerika, wo mehr als 4 Millionen Juden leben, ganze 110.000 Stimmen für den zionistischen Jubiläumskongreß abgegeben wurden, wenn in Prag, wo die Ueberheblichkeit der Jüdischnationalen die Anerkennung einer eigenen jüdischen Nation im tschechoslowakischen Völkergemenge durchgesetzt hat, nicht mehr als 500 Wähler ihr Interesse für das zionistische Weltparlament, das gerade heuer in einer für den Zionismus und seine weitere Entwicklung hoch bedeutsamen Zeit zusammentritt, bekunden, dann ist es wirklich ein Rätsel, wo man eigentlich die Zionisten zu suchen hat In Oesterreich jedenfalls auch nicht. Haben die Wiener Zionisten schon bei den letzten Kultuswahlen ein doppeltes Debakel erlebt: das ihrer eigenen Großmannssucht und das ihrer Manie, die „Union", die sie als eine Tischgesellschaft verhöhnt hatten, zu verkleinern, so beweisen die am 1. Juli in ganz Oesterreich insgesamt abgegebenen 10.860 Stimmen nicht bloß die absolute Schwäche des jüdischnationalen Anhangs, sondern auch noch die relative Blamage einer Abnahme der Kongreßwähler gegen die Wahl von 1935 um rund 1500, noch dazu in einer Zeit, in der die politische Situation in Palästina, gleichgültig ob sie den Zionisten erfreulich oder unerwünscht erscheint, ein gesteigertes Interesse an der Sache hätte erwarten lassen. Dabei müßte man, um das wirkliche Interesse festzustellen, von der offiziell verlautbiarten Wählerzahl noch eine gewiß ziemlich beträchtliche Menge Stimmen a b z i e - h e n, weil es feststeht, daß das ohnehin nicht sehr imposante Wahlresultat nur durch — Wahlschwindel zustande gekommen ist. Wahlschwindel ist immer ein Beweis, daß das Interesse an der Wahl bei den Kandidaten größer ist als bei den Wählern. Die Führer des Zionistischen Landesverbandes und der Judenstaatspartei haben in rechtzeitiger Erkenntnis dieser Stimmung einer Wahlbewegung überhaupt vorbeugen wollen, doch die Arbeiterpartei Binjan HaareZ'Und die Radikalen Zionisten haben die vorgeschlagene Kompromißliste abgelehnt. Das Organ des Zionistischen Landesverbandes ist darüber sehr erzürnt und spricht von der überflüssigen Durchführung eines häßlichen Wahlkampfs. Es übersieht aber dabei, daß das Wahlresultat ohne die Bemühungen Mitglieder und Freunde der „Union ösferreldiisdier Juden". (Bezirksorganlsafionen Innere Stadl, Leopoldsfüdl und Ländsfrefle) treffen sich während der Sommermonate bei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Präter, Äusstellungsstraße (vis-ä~vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.