Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 27 (9.7.1937)
- Date
- 1937-07-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 27 —9. Juli 1937 Seite 5 Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern liehen und staatlichen Leben den einzigen Weg zu einer Beantwortung der Judenfrage in Polen, wie sie übrigens auch im allgemeinen Staatsinteresse liegt, erblickt. Angesichts der Krise im Lande und der großen Aulgaben, die dem Staate in einem Augenblick großer historischer Verantwortung bevorstehen, können nicht die Teilung der Bürger in verschiedene Kategorien und nicht die irreale Losung, einen Teil der Bevölkerung aui Kosten des anderen gesund zu machen, sondern einzig und allein die Konsolidierung und die gemeinsame Anstrengung aller Teile der Bevölkerung imstande sein, dem Staate wirtschaltliehen Aufstieg und Macht zu sichern." Ueber Initiative des Führers des Lagers der Nationalen Einigung, Oberst Koc, wurde eine „Organisation des jungen Polen" ins Leben gerufen, die eine Verbindung zwischen den alten Mitkämpfern Pilsmiskis im Lager der Nationalen Einigung und der nationaldemokratischen Jugend schaffen soll. In einer Radioansprache erklärte der Führer der neugegründeten Organisation, der Journalist Rutkojski, die Judenfrage in Polen könne nur „durch eine planmäßige und. konsequente jüdische Massenemigration" gelöst werden. (Die polnischen Antisemiten und Jabotinsky sind also eines Sinnes.) Zum Vorsitzenden der parlamentarischen Gruppe „Für jüdische Auswanderung aus Polen" ist der ehemalige Wojwode des Kreises Lemberg, Senator Goluchowski, gewählt worden. (Warum wird Jabotinsky nicht Ehrenvorsitzender? Anm. d. Red.) „Gazeta Polska", das offizielle Organ der Polnischen Regierung, schreibt in ihrer Ausgabe vom 1. Juli: 1 Wenn die Mitteilungen in der englischen Presse über eine Teilung Palästinas richtig sind, wird Polen gegenüber dem Bericht der Kgl. Kommission eine negative Haltung einnehmen müssen. Polen ist an einer jüdischen Auswanderung großen Maßstabes wesentlich interessiert und hat darum dem Zionismus gegenüber immer eine positive Stellung eingenommen. Wenn jedoch der künftige jüdische Staat in Palästina — laut den Mitteilungen der englischen Presse — so klein sein wird, daß er nicht mehr als 350.000 Juden aufnehmen kann, wird Palästina für Polen seine Bedeutung als ein Mittel zur Lösung der polnischen Judenfrage verlieren. Die polnische Regierung, heißt es weiter, erachtet Jabotinskys Plan, der eine jährliche Auswanderung von 75.000 Juden aus Polen in den nächsten zehn Jahren vorsieht, als von größter Bedeutung und begünstigt daher diesen Plan. „Gazeta Polska" schließt mit der Forderung, daß die Polnische Regierung ihre Haltung gegenüber einer Teilung Palästinas sowohl in London als auch in Genf eindeutig darlege. VIII. Schlußbemerkungen. Die Verarmung, Deklassierung und Verdrängung der Juden in Polen nimmt immer schärfere Formen an. Die fundamentalen Zweige der Industrie sind für den jüdischen Arbeiter geschlossen, die Monopolwirtschaftspolitik der polnischen Regierung und der polnischen Magistrate iührt zum systematischen wirtschaftlichen Ausstoßungsprozeß, die antisemitische Kreditpolitik der staatlichen Bankinstitute, die bekannte gegen Juden gerichtete Steuerschraube, der systematisch organisierte Boykott der jüdischen, physischen und geistigen Arbeitskräfte erschüttert die Grundfesten des jüdischen Lebens und die über 3 Millionen Juden werden in das ökonomische Ghetto verdrängt. Die permanente Pogromstimmung führt auch sehr stark zum psychischen Verfall und Selbstmorde sind bei den polnischen Juden, was früher Seltenheit war, auf der Tagesordnung. Segen die Denunziation 1 Die „Stimme" und. die „Neue Welt" und die durch sie vertretenen verschiedenen Schattierungen der Jüdischnationalen glauben noch immer, daß sie durch die Beschimpfungen ihrer Gegner, durch ungerechtfertigte Anklagen, durch Denunziationen und Unterschiebungen die Wiener jüdische Bevölkerung für ihre Ideen kapern werden. Die Jüdischnationalen wissen nur zu genau, in welche Situation sie sich selbst und unsere Glaubensgenossen durch ihre nationale Politik im Heiligen Lande gebracht haben. Sie, die unbelehrbaren Vorkämpfer des jüdischen Staates müssen sich heute gegen die Errichtung dieses jüdischen Staates aussprechen, weil die allgemeine Ablehnung der Teilung Palästinas sie zu dieser Haltung zwingt, sollen sie nicht von der Empörung der Irregeführten jüdischen Massen sofort hinweggefegt werden. Da ihnen neue politische Propagandamittel nicht mehr zur Verfügung stehen, da ihr politischer Ideenreichtum von Tag zu Tag durch das Weltgeschehen automatisch bankrott wird, so suchen sie ihre Anhänger dadurch in Atem zu halten, daß sie die Unionisten denunzieren, um durch Verbreitung unwahrer und entstellter Tatsachen die Anhänger zu halten, die sich unaufhaltsam 'verflüchtigen. Es ist eine unumstößliche Tatsache, daß die jüdischnationale Mehrheit der Kultusgemeinde gerade das Schulamt dazu benützt, um ihre jüdischnationalen Ideen in das Herz der heranwachsenden Jugend zu pflanzen. Es ist ebenso eine unumstößliche Tatsache, daß bei dieser politischen Hetzarbeit ihnen von Lehrern Gefolgschaft geleistet wird, obwohl die religiöse Erziehung der Jugend im Vordergründe stehen sollte, nicht aber das Bestreben, sich bei den jüdischnationalen Machthabern der Gemeinde aus Gründen der Karriere lieb Kind zu machen. In einem ^Artikel unter dem Motto: „Gegen die Denunzianten" schreibt der Religionspro- 1 essor, Dr. Emil -Lehmann „In eigener Sache". Bevor wir uns mit den Detaäs .befassen, muß iestgenagelt werden, daß ein jüdischer Religionsprofessor in Wien sich nicht geniert, in einer politischen jüdischen Zeitung in den politischen Kampf gegen Glaubensgenossen einzugreifen, die nicht seiner politischen Ansicht sind. Herr Dr. Lehmann stellt fest, daß er es unter seiner Würde fand, auf die in der „Wahrheit" enthaltenen „Denunziationen" überhaupt zu reagieren. Erst eine „neuerliche Angeberei übelster Art" zwinge ihn, aus seiner Reserve herauszugehen und zu einem Artikel der „Wahrheit" Stellung zu nehmen. Vorerst wollen wir Herrn Dr. Lehmann auffordern, nicht in Anonymität zu arbeiten, sondern zu erklären, welche „neuerliche Angeberei übelster Art" erfolgt ist, wer die Angeber sind, und an welcher Stelle die Angeberei erfolgt ist. Herrn Dr. Lehmann ziemt es nicht, sich die politischen Methoden seiner Vorgesetzten von der Gemeinde zu eigen zu machen. Nach unserer Information liegt überhaupt keine Angeberei vor. Ebenso ist die Behauptung ganz und gar unrichtig, daß Herr Lehmann in irgendeinem Zeitpunkte in seinem Fortkommen gefährdet gewesen wäre. Das sind durchaus Phantasien, welchen jede reelle Grundlage fehlt. Bezeichnet es vielleicht Herr Dr. Lehmann als eine „Angeberei übelster Art", wenn sich eine jüdische Zeitung die Freiheit nimmt, von einer anderen jüdischen Zeitung, die für die gesamte jüdisch-österreichische Jugend bestimmt sein soll, zu verlangen, daß sie in ihrer im Monate Mai erscheinenden Nummer etwas über die österreichische Verfassung vom 1. Mai 1934 und über den Muttertag schreibe? Herr Dr. Lehmann wird doch seine Ausrede, die er als verantwortlicher Redakteur dieser Zeitung für die Unterlassung der Besprechung des Verfassungstages und des Muttertages anführt, wohl selbst nicht ernst nehmen. Herr Dr. Lehmann glaubt, diese Unterlassung damit entschuldigen zu können, daß im Zeitpunkte des Erscheinens seiner Zeitung „Jüdische Jugend" am 14 Mai 1. J. „der aktuelle Anlaß zur Würdigung des Verfassungstages am 1. Mai schon vorüber war". Muß vielleicht Herrn Prof. Dr. Lehmann gesagt werden, daß man am 14. Mai, wenn man nicht früher mit seiner Zeitung erscheint, verpflichtet ist, der Schuljugend, die diese Zeitung liest, von der Verfassung zu erzählen, die nicht nur für den 1. Mai, sondern auch für die vergangene Zeit gegolten hat und hoffentlich für alle weitere Zukunft gelten wird. Hoffentlich wird Herr Dr. Lehmann diese unsere Erwiderung nicht wieder als eine „denunziatorische Ausstreuung, die seit vielen Monaten Uebung ist" bezeichnen. Wir müssen schon im Vorhinein feststellen, daß wir es als ein unbestreitbares Recht einer jüdischen Zeitung ansehen, an einer anderen Zeitung, die der jüdischen Jugend in die Hand gegeben wird, Kritik zu üben. Was aber ein Unrecht zu sein scheint, ist die Tatsache, daß ein aktiver Religionsprofessor als verantwortlicher Schriftleiter einer Zeitung fungiert, von der nicht zum ersten Male behauptet wird, daß sie im Schlepptau der Jüdischnationalen sich befindet, von der man jedenfalls weiß, daß sie das Sprachrohr des jüdisch-kulturellen Elternbundes ist, an dessen Spitze der jüdischnationale Radikalinski Dr. Kl aber, der Obmann der Schulkommission der Kultusgemeinde, steht, der im Auftrage seiner Partei und nach seinem Wunsche die Nationalisierung der Jugend durchzuführen hat. Es paßt auch Herrn Prof. Dr. Lehmann nicht, daß wir uns mit dem Artikel „Blick auf Erez Israel" in der „Jüdischen Jugend" vom Standpunkte unserer Glaubenslehre aus befaßt haben. Wir möchten doch Herrn Prof. Dr. Lehmann fragen, warum nicht in diesem Artikel der Jugend vor allem erklärt wurde, daß es sich um den zweiten Tag des Schowuausfestes gehandelt habe, der im „Heiligen Lande" nicht mehr als jüdischer Feiertag gilt. Die in seiner Rechtfertigung „in eigener Sache" vorgebrachte Entschuldigung ist so fadenscheinig, daß es keines Wortes mehr bedarf. Der Artikel „Blick auf Erez Israel" erzählt von der Darbringung des Erstlingsopfers am Schowuausieste und legt vor allem Wert darauf, den Kindern die nationale Idee der Darbringung dieses Opfers an den wahrscheinlich an die Stelle des Heiligtums getretenen Keren Kajemeth zu vermitteln. Man muß sich geradezu an den Kopf greifen! Die Zeitschrift soll doch vor allem der religiösen Erziehung der Jugend dienen. In diesem Artikei ist aber mit keinem Worte von der Oifenbarung Gottes gesprochen, mit keinem Worte von der Gesetzgebung auf dem Berge Sinai, die für ewige Zeiten und für alle Kulturvölker das Fundament der geistigen Erhebung und Vervollkommnung des kulturellen Seins und der menschlichen Ethik bleiben wird. Nicht mit einem Worte ist der 10 Gebote gedacht, die in ihrer lapidaren Kürze die Grundlage des Rechtes aller Zeiten geworden sind. Nein, die Darbringung der Erstlingsfrüchte an den Keren Kajemeth, das ist es, was für die jüdische Jugend in Wien wichtiger sein soll, das ist es, was die Begeisterung der Jugend für die heiligen Ideen des Judentums am besten fördert. Es scheint überflüssig zu sein, zu den weiteren Ausführungen des Herrn Prof. Dr. Lehmann in dieser Sache noch ins Detail zu sehen. Wir wollen lediglich feststellen, daß wir mit unserem Artikel nichts anderes verlangt haben, als das, was jeder Religionslehrer als seine oberste Pflicht anzusehen hat, nämlich die Unterweisung der Kinder im Geiste altjüdischer Glaubenslehre und Tradition. Wir sind nicht der Meinung, daß es nicht auch Aufgabe einer Jugendzeitschrift wäre, „brieflichen Fernunterricht" in Religion zu erteilen, wenn es Aufgabe derselben Zeitschrift ist, brieflichen Fernunterricht in nationaler Politik zu betreiben. So leicht darf man sich die Sache nicht machen, daß man den politischen Gegner verdächtigt und beschimpft, wenn man seine Argumente nicht entkräften kann. Wir haben absolut nicht an der Religiosität und an der religiösen Einstellung des Herrn Professor Dr. Lehmann gezweifelt. Wir legen aber Wert darauf, gerade Herrn Prof. Dr. Lehmana ein Wort unserer Weisen ins Gedächtnis zu rufen: „Israel wurde deshalb aus der Sklaverei befreit, weil es seinen Namen nicht geändert hat, weH es seine Sprache unverfälscht erhielt . . .!!" Wenn man so sehr das Lied von der Nationalität singt und seinen Blick auf die Darbringung der Erstlingsfrüchte an den Keren Kajemeth in Erez .Israel richtet, dann muß man auch „in eigener Sache" diesem Prinzip treu bleiben. Sapienti satü