Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 26 (2.7.1937)
- Date
- 1937-07-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 26 — 2. Juli 1937 Seite 7 Wien I., Seitenstettengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem I. Tor Samstag g«»cfalomseol Kräfte fest, die Mißstimmung zwischen Juden und Nichtjuden hervorrufen wollen. In der zweiten Entschließung wird die Regie- .Tung dringend aufgefordert, Gesetze zu schaffen, die gerichtliche Abhilfe gegen eine Betätigung ermöglichen, welche Gefühle der Mißstimmung und Freundschaft oder der Verachtung gegen eine Klasse oder Gruppe der Einwohner der südafrikanischen Union hervorruft oder fördert. Die Einführung «iner solchen Gesetzgebung wird verlangt, weil die gegenwärtige judenfeindliche Propaganda in Südafrika nicht nur den Trad'tionen Südafrikas, den Prinzipien der Gerechtigkeit und Freiheit und den elementaren Bürgerechtenentgegengesetzt sei, sondern auch das Niveau des öffentlichen Lebens herabdrücke, die demokratischen Einrichtungen bedrohe und eine Gefährdung des Friedens und der Wohlfahrt der gesamten Union darstelle. Der stellvertretende Ministerpräsident General J. C. Smuts hat in einer Botschaft an den Kongreß die förderlichen Beziehungen zwischen Board und Regierung heervorgehoben und unter Hinweis auf ein Wort des Propheten Jesaja die Vertreter der südafrikanischen Judenheit ermahnt, Geduld, Vertrauen und Gemütsruhe zu bewahren. Diese Eigenschaften seien gute Waffen. Zum Vorsitzenden des Board of Deputies der Juden Südafrikas wurde Rechtsanwalt Morris Franks gewählt. Antisemitische Exzesse in Polen. In Kamyk bei Czenstochau kam es zu antij-üdischen Ausschreitungen. Huligans» demolierten die medizinische Einrichtung des Gesundheitsamtes der OSE, der einzigen ärztlichen Hilfsstation der Stadt überhaupt. In Kamiensk demolierten Huligans die Synagoge und das Haus des Ortsrabbiners. In einer Anzahl jüdischer Häuser wurden die Fensterscheiben eingeschlagen. Auf die Synagoge der Kreisstadt Wielun bei Czenstochau wurde eine Bombe geworfen, die jedoch nicht explodierte. Erst vor wenigen Monaten wurde auf die Synagoge ein Anschlag verübt, wobei sämtliche Fensterscheiben zertrümmert wurden. Unbekannte Täter haben auf dem jüdischen Friedhof von Qrodek (Horodok) bei Bialystok Feuer g-elegt. Der Friedhof wurde vollkommen verwüstet. Die Polozei hat die Erhebungen eingeleitet. Die verbrecherische Friedhofsschändung hat in der jüdischen Oeffentlichkeit starke Erregung hervorgerufen. In Ordzywol, Kreis Radom, haben Huligans den 82jährigen früheren Präsidenten der Jüdischen Gemeinde der Stadt, Moses Grünstein, überfallen und schwer verletzt. GHinstein wurde in hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Die Huligans entkamen. In Czenstochau kehrt allmählich Ruhe und Ordnung zurück und einzelne jüdische Geschäfte sind wieder geöffnet worden. Insgesamt wurden bisher 300 Verhaftungen vorgenommen. Bei zahlreichen Verhafteten fand man geraubte Waren. Pen-Klub gegen Judenverfolgungen. In der Schlußsitzung des Internationalen Pen- Klub-Kongresses, der soeben in Paris stattfand, wurde u. a. eine Resolution angenommen, in der gegen die Verfolgungen der Juden in einerReihe von Staatenprotestiert wird. Der Kongreß appelliert an die Organisationen des Pen-Klubs der einzelnen Länder, diesen Verfolgungen entgegenzutreten. L Steinberg und Saul Tschernichowsky hatten besonders auf die Judenverfolgungen in Polen hingewiesen und die polnischen Dichter zum Protest aufgerufen. LESET DIE WAHRHEIT! Internationaler Katholikenkongreß verurteilt Nazi-Rassenlehre. Auf dem gegenwärtig unter Teilnahme f ü hrender Katholiken aus vielen europäischen Ländern außer Deutschland in Posen tagenden Internationalen Katholikenkongreß erklärte der polnische Kardinal Hlond, die Katholiken stünden vor der Notwendigkeit, den Kommunismus und das auf der R a s s e n t h e o r i e fußende Neuheidentum der deutschen Nazis als Todfeinde der Religion, sowie den Antisemitismus zu bekämpfen. Das Romanisierungsgesetz in Rumänien gefallen. Das viel erörterte Romanisierungsgesetz, das die Einführung des Numerus clausus in Handel und Industrie Rumäniens bezweckte, ist, wie der JTA-Vertreter erfährt, im Ministerrat fallen gelassen worden. Der Beschluß des Ministerrates dürfte darauf zurückzuführen sein, daß es anscheinend nicht für ratsam erachtet wurde, ein Gesetz zu erlassen, das die liberale Partei, die gegenwärtig an der Macht ist, um die Stimmen der Minderheiten in Rumänien bringen könnte, die mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung des Landes ausmachen. Abgesehen von diesen Erwägungen ist der Vorsitzende der Liberalen Partei, Constantine B r a t i a n u, ein Gegner des vom Handelsminister Valer Pop beantragten Gesetzes. Seiner Meinung nach darf man die Minderheiten, die einen bedeutenden ökonomischen Faktor in Rumänien darstellen, nicht derart diskriminieren. FRANZENSBAD ERSTES MOORBAD DER WELT. IDEALES FRAUEN- UND HERZHEILBAD. In ebener Lage in ausgedehnte Anlagen und Wälder eingebettet. STÄRKSTE GLAUBERSALZQUELLEN. Ueberraschende Heilerfolge bei Herz- und Frauenleiden, Kinderlosigkeit, Gicht, Rheumatismus, Fettleibigkeit und chronischer StuhlverstODiung. Saison vom 1. Mai bis 30. September. — Kurbetrieb vom 15. April bis Ende Oktober. PROSPEKTE UND AUSKÜNFTE KOSTENLOS DURCH DIE KURVERWALTUNG. Die Bevölkerungsbewegung in Palästina. Aus den soeben veröffentlichten Statistiken über die Bevölkerungsbewegung in Palästina im ersten Vierteljahr 1937 Ist zu ersehen, daß die Zahl der jüdischen Geburten 2630 gegenüber 2878 in demselben Zeitraum des vorangegangenen Jahres betragen hat. Dagegen ist bei den Mohammedanern die Geburtenzahl von 12.240 im ersten Vierteljahr 1936 auf 13.018 im ersten Vierteljahr 1937 gestiegen. Dr. Ferdinand Röder hat seine kurärztliche Praxis in Bad Gastein (Kurhaus Behrens) wieder aufgenommen. Auch bei den Christen war eine Erhöhung der Geburtenzahl von 105t auf 1164 festzustellen. Auf je 1000 Einwohner sind in diesem Jahre bei den Juden 27,6 (im vergangenen Jahre 32,0), bei den Mohammedanern 65,9 (63,3), bei den Christen 43,2 (39,7) Geburten entfallen. Die Zahl der Todesfälle betrug bei den Juden 8,6 (1936 7,9), bei den Mohammedanern 22,5 (21,6), bei den Christen 13,9 (13,8) Promille. Der Geburtenüberschuß auf je 1000 Einwohner betrug im ersten Vierteljahr 1937 bei den Juden 19, bei den Mohammedanern 43,4 und bei den Christen 20,7. Erhebliche Arbeitslosigkeit herrscht in Palästina. In Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten David Adams erklärte Kolonienminister Ormsby-Gore im Unterhaus, in Palästina herrsche nicht Mangel an Arbeitskräft e n, sondern ein U e b e r f 1 u ß an solchen. Es gebe sowohl unter Juden als auch unter Arabern eine erbebliche Arbeitslosigkeit. schmuchuna von Gruiten und Gräbern LeopoIdOeutsGhJienXl. einzige jüdi>cli^ Gärtnerei beim Zoritralfnedhoi I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentraltriedhoi IV. Tor. Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen In Nazi-Deutschland soll man die zehn Gebote nicht lernen. In einer Berliner Rektorenkonferenz wurden folgende Richtlinien für den Religionsunterricht aufgestellt: 1. In der Grundschule darf keine Geschichte aus dem Atten Testament durchgenommen werden. 2. Das Judentum darf nur in den beiden oberen Schuljahren historisch behandelt werden. 3. Die zehn Gebote sind das mosaische Gesetz, daher ist es nicht notwendig, sie zu lernen. Mitteilungen der Union. Mußbrauch des Namens der „Union"* Der Ita entnehmen wir: In Befolgung der Beschlüsse des Jüdischen Weltkongresses ist in Wien unter Leitung des Exekutivmitgliedes des vorbereitenden Komitees für die W e 11 u n i o n der jüdischen Jugend Josef Fränkel eine „Union jüdischer Jugend" gegründet worden, in der alle jüdischen Jugendgruppen nationaler Richtung sich zusammengeschlossen haben. Die „Union" schließt sich dem auf dem Weltkongreß gegründeten Komitee für die W e 11 u n i o n der jüdischen Jugend (Central Preparatory Committee for the World Union of Jewish Youth) an. Die Leitung der W e 11union haben Michael Jarblum und Jefroykin in Paris inne. (Die „Union österreichischer Juden" hat mit dieser jüdischnationalen internationalen Papiergründung nichts zu tun.) Bemerkenswerter Erfolg der Wirtschaftlichen Beratungsstelle der „Union". In der seit einigen Monaten in der „Union" eingerichteten, unter der umsichtigen Leitung des Zentralvorstandsmitgliedes der „Union", Herrn Kommerzialrat Alexius S a 1 z e r, stehenden Wirtschaftlichen Beratungsstelle erscheinen seit ihrer Gründung jeden Montag und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormittags viele Parteien, die, den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechend, mit den verschiedensten Anliegen in die Beratungsstelle kommen und hier, soierne sie Mitglieder der „Union" sind, unentgeltlich Rat und Hilfe erhalten. Unter den vielen Fällen der letzten Zeit, die der Leiter der Beratungsstelle, Herr Kommerzialrat Alexius Salzer, positiv erledigte, befindet sich einer, der spezielle Beachtung verdient. Eine Oesterreicherin, die jahrelang in Deutschland gearbeitet hatte und von dort nach dem Umsturz hierher zurückgekehrt war, bemühte sich durch viele Monate vergeblich, die Einreiserlaubnis nach P a 1 äs t i n a zu erhalten, wo sie in Haifa Angehörige, darunter ihre Mutter, besitzt. Nach ihren zahlreichen erfolglosen Schritten bei Behörden und zionistischen Organisationen, von denen man eine prompte Erledigung dieses berücksichtigenswerten Falles annehmen hätte sollen, kam sie auf Anraten eines Mitgliedes der „Union" zu Kommerzialrat S a 1 z e r in die Wirtschaftliche Beratungsstelle. Diesem gelang, was anderen unmöglich gewesen ist. Die betreffende Dame befindet sich bereits in Haifa, von wo sie an Herrn Kommerzialrat Salzer ein herzliches Schreiben mit einer interessanten Schilderung der Lebensverhältnisse in Palästina sandte. Die Einleitung dieses Briefes sei in folgendem veröffentlicht: „Nach einer herrlich schönen Fahrt bin ich gut in Haifa gelandet und will nun nicht versäumen, Ihnen meinen verbindlichsten Dank für Ihre Bemühungen zu übersenden. Ich habe es nur Ihrer Intervention und den Schritten der „Union" zu verdanken, daß es mir gelungen ist, die Einreise nach Palästina zu erhalten."