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Die Wahrheit · 1937-07-02 · Heft 26 (2.7.1937) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 26 (2.7.1937)
Date
1937-07-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 0 littfchaftlicbe tel der jüdischen Gemeinden (in etwa 800 Städten) genießen von diesen 715 Kassen Hilfe. Im Jahre 193! betrug der Jahresumsatz dieser Kreditgenossenschaften 21,000.000 Zloty. Die Hälfte der Kapitalien gab die jüdische Bevölkerung in Polen, die dadurch einen bewunderungswürdigen Sinn der Selbsthilfe dokumentierte. Der Venband der jüdischen Kredit-Kooperativen zählt jetzt über 500 Depositenkassen mit einem Genossensohaitskapital von 13,500.000 Zloty. Der kleinste Darlehenstoetrag beträgt 25 Zloty, der größte 500 Zloty. Das Verhalten der polnischen Steuerbehörden diesen in das ganze jüdische Leben einschneidenden Hilfsorganisationen gegenüber läßt sich durch nachstehenden authentischen Fall charakterisieren: Vormittags verläßt ein jüdischer Kaufmann das Lokal Gemilath Chesed, wo er ein zinsloses Darlehen aufgenommen hat. Der Steuerexekutor wartet auf ihn, nimmt eine Leibesvisitation vor und konfisziert das vor wenigen Minuten in Empfang genommene Darlehen. Nicht wichtig ist die Frage, woher der Kaufmann jetzt das Geld nehmen wird, um das Darlehen zurückzuzahlen; es geht auch nicht darum, daß der Steuerexekutor eine •weitere jüdische Existenz ruiniert hat, aber es geht um die Tatsache, daß dieses zinsfreie Darlehen — Geld vom Auslande —, das zur Rettung einer jüdischen Existenz diente, nicht in die Taschen eines jüdischen Kaufmanns, sondern in die Tresors der Staatskasse «ewandert ist. Wem nützt damit der Staat mit seinein' Vorgehen? V. Die jüdische Not Die ökonomisch-statistische Sektion des „Jiddischwissenschaitlichen Instituts IWO" in Wilna hat hinsichtlich der Pauperisierung der jüdischen Massen in Polen eine gründliche Untersuchung durchgeführt und hat festgestellt, daß in 20 jüdischen Gemeinden Polens mit einer 'Bevölkerung von 700.000 Seelen 50 bis 55 Prozent gar keine Gemeindesteuern zahlt, diese „Kabzanim" sind nicht in der Lage, 5 Zloty jährlich zu bezahlen. Fast 50 Prozent der jüdischen Bevölkerung hat in den Städten Lemberg und Wilna Unterstützungen für Pessach bezogen und 33 bis 40 Prozent müssen in "Warschau die öffentlichen jüdischen Institutionen in Anspruch nehmen. Fast die Hälfte aller jüdischen Steuerzahler zahlt jährlich nur bis 10 Zloty, das bedeutet, daß etwa drei Viertel der jüdischen Bevölkerung der Kategorie der Aermsten der Armen angehört. Die jüdischen Gemeinden in iPolen sind nicht in der Lage, die ungeheure Not zu .bannen. Kultus, Erziehung, Wohlfahrt, soziale Fürsorge, Berufsumschichtung usw. leiden schwer darunter, und in den Warteräumen der jüdischen Gemeindestuben spielen sich oft schreckliche Szenen ab. Die über 3,000.000 Juden erhalten vom polnischen Staat einen bedeutend kleineren Betrag für ihre Nr. 26 — 2. Juli 1937 Zwecke als die kaum einige tausend Seelen zählende mohammedanische Bevölkerung. So hat die jüdische Religionsgemeinschaft für ihre Aufgaben empfangen: 1930/31 '1931/32 1932/33 1933/34 1934/35 Zloty: 242.593 189.011 201.000 197.000 183.000 Wenn man bedenkt, daß die jüdische Bevölkerung hier das größte Schulwerk in der Welt — außer Palästina — aus eigenen Mitteln erhält, so erkennt man, wie stiefmütterlich der polnische Staat jüdische Bestrebungen behandelt, obwohl die Juden von der polnischen Steuerschraube restlos eriaßt werden. Dieser Tätsache sei folgende Nachricht aus den letzten Tagen gegenübergestellt: Der in Posen tätige „Polnische Verein" hat es sich zur Aufgabe gemacht, in den „verjudeten" -Städten Polens polnische Händler und Handwerker anzusiedeln. Vor kurzem wurden in einer Anzahl Orte Ortsgruppen gegründet. Die Warschauer Regierungsbank hat dem Verein 100.000 Zloty zur Verfügung gestellt, um Personen, die sich in vornehmlich von Juden bewohnten Orten ansiedeln wollen, Anleihen zu gewähren. Das polnische Unterrichtsministerium hat im Jahre 1935 iür polnische Kulturzwecke etwa 300,000.000 Zloty ausgegeben. Von dieser Summe entfiel, wie oben erwähnt, für das jüdische Schulwesen ein Betrag von nur 183.000 Zloty. Besorgt Eure BÜCher durdi die Buchhandlung Hermann Tuchner Wien ll.f Ecke Taborstraße 52 Mäßige Preise! Große Auswahl! Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Grosch. per Tag sonst nichts Anfrag.: Tel. R41 -4-20 Kataloge gratis! Wie groß die Not der jüdischen Schulkinder in Polen ist, geht aus nachstehenden Ziffern hervor. Von 14.216 Kindern, die aus 46 Städten in den Sommerkolonien der Toz-Organisation Aufenthalt nahmen, waren kaum 8,5 Prozent gut ernährt, 35 Prozent waren mittelernährt und 563 Prozent waren vollständig unterernährt. Von derselben Kinderzahl waren 17 Prozent halbwegs physisch entin B1 o e mf ojTi tei n wurde soeben der 12. Kongreß der südafrikanischen Jewish Board of Deputies abgehalten. Dem Kongreß lag ein Bericht der Exekutive des Board vor, In dem die Besorgnis über die Ausbreitung des Antisemitismus in Südafrika zum Ausdruck kommt. In dem Bericht heißt es: Die „Hemden'-Bewegungen verbreiten weiterhin ihren Schmutz m't allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln und versuchen nun auch, in das politische Leben einzudringen, indem sie Kandidaten für die Wahlen zu mehreren Stadt- und Provinzräten aufstellen. Es spricht jedoch für de öffentliche Meinung des Landes, daß bisher kein einziger dieser Kandidaten gewählt wurde. Bedenklich erscheint die-antijüdische Tendenz, die in den Aeußerungen der Sprecher und in der Presse der nationalistischen Malaniten-Partei zum Ausdruck kommt. Diese Partei ging so weit, die „B o y k o 11" - F o r d erung und die Agitation gegen eine jüdische Einwanderung nach Südafrika auf ihr Programm zu setzen. Auf dem in Transvaal abgehaltenen Kongreß der Partei wurde der Antrag gestellt, daß Juden der Partei nicht angehören dürfen. Im Parlament wurden seitens der Führer der Malaniten-Partei heft'ge Angriffe gegen die Juden gerichtet. Der Kongreß der Board hat zwei Entschließungen zu der judenfeindlichen Bewegung in Südafrika und zu piEJVAHRHElT j Jüdhcfjer TförstenÜinöermeister wirb als Tadjteßrer Des Mrstenßinbens für eine Sdjulunb 13erufs6ifbungsansta t aufgenommen. Zuufjriften unter „besonders tüchtige Kraft", an biz Tlbministtation. wickelt, 36 Prozent mittelmäßig und 47 Prozent physisch zurückgeblieben, 11 Prozent dieser Kinder waren skrophulös, 41 Prozent blutarm und 44 Prozent mit vergrößerten Drüsen. Diese traurige Tatsache spricht für sich. Die jüdischen Schulorganisationen verteilen, um das Kind vor der schlimmten Not zu schützen, vier Groschen pro Kind und Tag in der Provinz und fünf Groschen in den größeren Städten. Eine Tasse Kaffee oder Milch mit einer Buttersemmel kosten neun Groschen in der Provinz und 11 in den .größeren Städten, mehr als 60 Prozent der Mittel zu dieser Bespeisungsaktion fehlen. Die verarmte jüdische Bevölkerung in Polen ist nicht in der Lage, diesen Fehlbetrag aufzubringen. Die Rettung vor Hunger und Untergang ist dringender als je. Das Martyrium des jüdischen Schulkindes datiert schon seit längerer Zeit. Noch im Jahre '1930, als im jüdischen Wirtschaftsleben die ersten Spuren des ökonomischen Zusammenbruches sich bemerkbar machten, wurde die jüdische Oeffentlichkeit wegen des großen Elends alarmiert. Schon damals bemerkte man in den jüdischen Schulen, daß Kinder ohne Frühstück zum Schulunterricht kamen. Die Organisation „T o z" (Towarzystwo ochrony zdrowia), „Gesellschaft für den Gesundheitsschutz", hat es sich zur Aufgabe gesetzt, eine Ernährungshilfsaktion in die Wege zu leiten. Es ist ihr im Jahre 1930/31 mit Hilfe des American Joint Distribution Committee und der Alliance Israeli te Universelle gelungen, 37.000 Kinder in 76 Städten vor der schlimmsten Hungersnot zu retten. Aber schon im Jahre 1932/33 begann derRückganginderErnährung, da die Gelder von außen nicht mehr so stark flössen. 1935/36 konnte man die Aktion nur teilweise durchführen, da vor allem, die lokalen Hilfsorganisationen restlos versagten. (Schluß folgt.) der Frage der Einführung einer Schutzgesetzgebung gegen Kollektiv-Verleumdungen angenommen. Dieser Kongreß, heißt es in der ersten Entschließung, der d(e Judenheit Südafrikas repräsentiert, bedauert tief die Bemühungen gewisser Organisationen und politischer Gruppen in der Union, Mißstimmung und Haß gegen ihre jüd'schen Einwohner hervorzurufen. Der Kongreß bekundet seinen Abscheu vor Methoden, durch die offenkundig unwahre und ungerechtfertigte Beschuldigungen und Verleumdungen in Umlauf gesetzt worden sind. Er erblickt in den Versuchen, zwischen der jüdischen Gemeinschaft und der übr'gen südafrikanischen Bevölkerung Zwietracht und Uneinigkeit zu säen, einen sehr schlechten Dienst für das ganze Land, zu dessen Wohlergehen innerer Friede und rassenmäßige Zusammenarbeit aller Teile der Bevölkerung wesentliche Bedingungen sind. Die südafrikanische Judenheit hat stets gezeigt und bekräftigt jetzt aufs neue ihren beständigen Wunsch und Willen, in Harmonie und Einigkeit mit jeder Gruppe ihrer südafrikanischen Mitbürger zu leben. Mit Genugtuung stellt der Kongreß die von den geistigen Führern in der Kirche, im Parlament, in der Presse und anderwärts, sowie von der aufgeklärten und billig denkenden südafrikanischen Bevölkerung im allgemeinen angenommene Haltung gegen die l^ecatungsfteKe in der „Union" unter Leäung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10^-12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Sdiottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglled der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u kau/männischen Angelegenheiten, Steuerberatung oollkommen unentgeltliche Auskunft. Derfid)erungsbecatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Vom südajfrikanischen Judentum. Mitglieder und Freunde der „Union öslerreldifsdier Juden. (Bezirksorganisationen innere Stadt, Leopoldsfadt und Landstraße) treffen sich während der Sommermonate bei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater, Äusstellungsstraße (vis-a-vis dem Lustspieltheater),, woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.

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