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Die Wahrheit · 1937-07-02 · Heft 26 (2.7.1937) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 26 (2.7.1937)
Date
1937-07-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 26 — 2. Juli 1937 DIE WAHRHEIT In «allen Versichern ngelegenheiten — je U «5 ■* s 7/ei^icfteim^5s(e££e der „Union«, I., Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden Montag und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm.-Rat Alexias Salzer. . Für Lebensversicherungsberatung haben wir einen Spezialfachmann bestellt, weldie unsere Mitglieder besonders günstig beraten wird. Reisegepäcksversicherung Herzu. rranenfiellbad Tafzmannsdorf Ü Mineral-, Mooran l natürliche Kohlensäure-Spradelbäder / Elektro-Kardiographisches Institut / Röntgen-Institut Tief reduzierte Pensionspreise einschließlich aller Heilbäder HttShÜnfte"ncr Prospekte: Kurbad A. G. —— Bad Tatzmannsdorf und M. U. Dr. /. H. Körner — Reisebüro „CITY'1, Wien I., Kohlmarkt 8 / Telephon U 26-4-29 testieren, dann stürzen sich die nationalzionistischen Führer und Journalisten auf die unangenehme „Wahrheit" und schreien Denunziation! Wenn ein junger, noch nicht im Amt befindlicher nationalzionistischer Rabbiner sich unterfängt, die Tätigkeit jener Wiener Religionslehrer, die nicht modernes Nationaljudentum, sondern althergebrachte jüdische Religion unterrichten, als „Karrikatur des lebendigen Judentums" zu bezeichnen, so wird dieser Mann als Nationalheros gefeiert und in den Himmel gehoben. Wehe aber, wenn die „Union" es wagt, daran zu erinnern, daß die pädagogische Aufgabe der Religionslehrer in erster Linie in religiöser und vaterländischer Erziehungsarbeit bestehen soll, wenn sie sich auf den Standpunkt stellt, daß jüdischnationale Politik und Beeinflussung in diesem Sinn aus dem Religionsunterricht gebannt wenden muß, dann weiß man sich im gegnerischen Lager diesen gerechtfertigten Forderungen kaum anders zu entziehen, als durch den Schlachtruf: Denunziation! Unser Kampf gilt aber in noch stärkerem Ausmaße als den offenen jüdischnationalen Bestrebungen den Institutionen, in denen Nationalzionismus unter der Maske unpolitischer Einstellung getarnt wird. .Sie. nahmen jüngst Gelegenheit, sich mit der unter nationalzionistischer Führung stehenden „Jüdischen Jugend" zu befassen. Sie hätten dies sicher nicht getan, wenn diese Zeitschrift sich offen als nationalzionistisch bekennen würde. Da sie sich aber als das unpolitische Organ der jüdischen Jugend Oesterreichs ausgibt, mußten Sie zeigen, wie es um diese Zeitschrift in Wahrheit bestellt ist. Sie haben durch bisnun unwiderlegte . und auch unwiderlegbare Tatsachen nachgewiesen, daß das religiöse und österreichische Moment in dieser Zeitung nicht unseren und der österreichischen Juden Intentionen entsprechend beachtet wird. Wir wünschen, daß unsere Feiertage ihres religiösen Charakters nicht entkleidet, sondern in erster Linie auf diesen Charakter hin behandelt werden. Wir wünschen auch weiters, daß alle österreichischen Feierlichkeiten und Gedenktage der österreichisch-jüdischen Jugend in entsprechender Form in Erinnerung gebracht werden. Wir erinnern daher die „Jüdische Jugend" schon jetzt daran, daß am 25. Juli — heuer am' 24. — der österreichische Volkstrauer- und Dollfußgedenktag stattfindet, auf den man nicht vergessen möge. Die „Union" hat auch die Religionslehrerschaft ihrer Gesinnung zusammengerufen, durchaus nicht um sie'für den politischen Kampf heranzuziehen — das -will die „Union" von den Religionslehrern gar nicht —, sondern um ihre Kräfte für jüdisch-österreichische Kulturarbeit in unionistischem Sinn zu gewinnen. In den abgehaltenen Besprechungen und den darüber veröffentlichten Berichten mußte selbstverständlich auch die jüdischnationale Tätigkeit behandelt werden. Nie aber ist man dort über den Rahmen sachlicher Kritik hinausgegangen, insbesondere aber wurde niemals die patriotische Haltung andersgesinnter Lehrer in Zweifel gezogen. Hochachtungsvoll N. N. All das aber nennt die „Neue Welt" Denunziation und verweist auf die bereits eingetretenen „katastrophalen Folgen. Sie schreibt von einem „ganz ausgezeichneten bestqualifizierten Lehrer", der durch die Veröffentlichungen im Union-Blatt von der Schulbehörde „mit Entlassung und Vernichtung seiner Existenz" bedroht worden sei. Die „Union österreichischer Juden", die nachgewiesenermaßen immer für den Schutz und die Interessen der Lehrerschaft eingetreten ist, hat daher sofort Erhebungen über den Fall gepflogen, die folgendes Ergebnis hatten: Es wurden seitens der Schulbehörde nicht einer, sondern zwei Religionslehrer beanständet. Von dem zweiten schweigt die „Neue Welt" gänzlich; er ist freilich kein so prominenter Nationalist- und überdies ist in seinem Fall keine auch noch so weit hergelockte Verbindung mit den Veröffentlichungen in der „Wahrheit" herzustellen. Er ist daher für die demagogischen'Zwecke der jüdischnationalen Presse unbrauchbar. Aber auch im anderen Die besten Eises Wsrstul SeMmres 3mal täglich frisch bei IftSCt. Wn H, Piderstrale 33 ' Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. J Falle war nicht von Entlassung, ja nicht einmal von einer Maßregelung die Rede. Die „Union" hat sich vergewissert, daß beiden Lehrern nicht das geringste .geschehen wird, so daß keiner die jüdischnationale Märtyrerkrone tragen wird. Wenn aber den beiden Lehrern von behördlicher Seite nahegelegt wurde, dem österreichischen Moment mehr Beachtung zu schenken, so ist nur eines daran traurig:-daß diese Ermahnung von der Schulbehörde und nicht von der Kultusgemeinde ausgegangen ist. Noch trauriger freilich wäre es, wenn die jüdischnationale Kultusgemeinde sich dieser Ermahnung der Schulbehörde, nicht vollinhaltlich anschlöße, und daß die jüdischnationale. Presse die : Angelegenheit zu demagogischen Zwecken mißbraucht. Die jüdische Oeffentlichkeit wird aber immer deutlicher erkennen, was sie von dem „Denunziationsgeschrei" der Jüdischnationalen zu halten hat. Der verhängnisvolle Händedruck. Vor kurzem haben die Beamten des Dritten Reiches wieder einmal eine hochoffiziöse Mahnung durch die Presse erhalten, außerdienstlich jeden Verkehr mit Juden auf das unumgänglich nötigste Mindestausjnaß zu beschränken. Ansonsten droht ihnen die Entlassung — es müßte denn sein, daß es sich nachweisbar um einen Fall besonderer Not handelt.'''. Natürlich nicht um besondere''Not des Juden,' sondern um eine zwingende Notlage des Beamten. Ein solcher darf also, wenn er etwa Geld braucht, einen Juden darum angehen und sich dabei sogar jener höflichen Umgangsform bedienen, die im Interesse der Gewährung des Ansuchens liegt. Dagegen hat er nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht, seinen jüdischen Hausherrn, der ihn um den Zins mahnen kommt, unverzüglich hinauszuwerfen, weil jede andere Erledigung das unumgänglich nötige ZeitausmaB des unerwünschten Verkehrs überschreiten müßte. 'Mischlinge sind etwas besser dran: Ihnen gegenüber wird der Beamte ausdrücklich ermächtigt, T a k t anzuwenden. Dr. Hjalmar Schacht durfte also bei seinem Wiener Besuche den Präsidenten der österreichischen Nationalbank, Dr. Kienböck, der eine jüdische Mutter hatte; immerhin mit Takt behandeln. Weit schwieriger gestaltet sich die Aufgabe der reichsdeutschen Auslandsbeamten. Werden sie die jüdischen Staatsmänner Amerikas, Frankreichs und Englands mit jenem Kraftausdruck anreden, mit dem Herr Holaubek in der Leopoldstädter Versammlung vom 20. April seine jüdischen Zuhörer apostrophiert hat, oder wird ihnen die N. S. D. A. P. besondere Notlage zubilligen, weil sie die Hitler-Politik vor Kulturmächten vertreten müssen? Es ist dies ohne Zweifel eine wirklich fatale Aufgabe, die auf Rücksicht und Schonung angewiesen ist ... Riskieren doch die diplomatischen Vertreter des Dritten Reiches, wenn sie ihrem Vaterland das schwere Opfer bringen, mit jüdischen Politikern des Auslands Händedrücke zu tauschen, sogar, die Ansteckung mit dem von Julius Streicher entdeckten jüdischen Bazillus, der allem anhaftet, was Juden einmal in die Hand nehmen. Allerdings ist der Eifer der deutschen Hakenkreuzler, jüdisches Eigentum dauernd in ihre Hand zu bekommen, seit dieser medizinischen Entdeckung keineswegs erlahmt — ein erstaunlicher Beweis nationalsozialistischen Heroentums . . . Anderseits liegen bereits Beweise vor, daß der Austausch von Händedrücken zwischen Hakenkreuzlern und Juden auch "die letzteren mit immenser Ansteckungsgefahr bedroht. Das bewirkt : der braune Bazillus, der bisher bloß in arischen und „artverwandten" Kreisen so verheerend gehaust hat, daß in Ungarn und anderswo auch schon solche Politiker, die keineswegs judenfreundlich gesinnt sind, vor der Verseuchung mit der Manie, die Judenfrage als das zentrale Problem jeder Politik zu betrachten, warnen. Leider scheint auch jüdisches Blut gegen diesen Bazillus., nicht immer immun zu machen.5 Ein Beispiel für diese bedauerliche Tatsache ist Sven Hedin, HOFGASTEIN früher Westend jetzt Gaststätte AMDERKA Küche, günstige Pensionsarrangements in Zimmern und Thermalbädern mit jedem Komfort, fließendes Wasser usw. MfiBige Pislsa. Gefl. Anfragen an Georg Wolff, Haus AMDERKA. HOFGASTBIM der trotz seiner jüdischen Abstammung vor einiger Zeit von Hitler mit allen Ehren empfangen worden ist. Voll Begeisterung hierüber schrieb der schwedische Forscher ein Buch „Deutschland und der Weltfriede", in dem er .sich auch über die Judenfrage äußert: „Bei uns in: Schweden genießen die Juden Ansehen und nehmen beinahe dieselbe Stelle ein wie die Schweden und wir sind bisher glücklicherweise von einer Judenfrage verschont worden." Dieses Glück kann man Herrn Sven Hedin ohne weiteres nachfühlen. Könnte er, der erfolgreiche Bücherautor, doch sonst nicht einmal mehr als Redaktionsdiener in einer Zeitung sein Brot finden. Man begreift daher seine Angst, daß es auch in seiner Heimat einmal anders kommen könnte und er sucht durch rechtzeitige Ermahnungen solcher Aenderung vorzubeugen, doch richtet er seine Warnung leider an die falsche Adresse: „Die in Schweden seit einem oder mehreren Jahrhunderten ansässigen Juden sollten die letzten sein, die eine weitere Einwanderung jüdischer Elemente aus dem Ausland mit Befriedigung begrüßen." Sven Hedin stellt also die Sache so dar, als ob die ausländischen Juden nicht infolge ihrer' Vertreibung durch die Regierung ihres Vaterlandes, sondern durch die Einladung ihrer schwedischen Glaubensgenossen ins Land kämen. Und anstatt seinem Freund Hitler ins Gemüt zu reden, daß er die Juden, die in Deutschland seit einem oder mehreren Jahrhunderten ansässig sind, ungeschoren läßt, beschwört er seine jüdischen Landsleute mit dem Schreckgespenst: „Wenn eine solche Einwanderung weiter unge-

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