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Die Wahrheit · 1937-07-02 · Heft 26 (2.7.1937) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 26 (2.7.1937)
Date
1937-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 26 - >. Juli 1937 Seite 3 „Denunziation und ihre Folge" oder wie sich Herr Oberbaurat Stricker die Erziehung der iüdischösterreichischen Jugend vorstellt. Die Unterschiebungsmethoden, die sich bei den jüdischnationalen Blättern als die Grundtendenz ihrer Berichterstattung schon gewohnheitsmäßig herausgebildet haben, bewirken es, daß die Ueberschriften der einzelnen Artikel in diesen Blättern eine direkte Anklage gegen die Artikelschreiber selbst sind. Was sie selbst ständig tun, das unterschieben sie anderen. Das, was die „Neue Welt" in ihrer Nummer vom 25. Juni 1. J. unter dem Titel „Denunziation und ihre Folge" geschrieben hat, ist eine Denunziation durch dieses Blatt und ihre Folgen werden sich rtur gegen diejenigen aaswirken, die in diesen „Unterschiebungen" gewohnheitsmäßig machen, um von den Tatsachen abzulenken. Aus den über eine Lehrerkonferenz der Union in der „Wahrheit" gemachten Mitteilungen zieht die „Neue Welt" einige Sätze heraus und versucht, diese Sätze auf Grund der ihr eigenen Verfälschungsinterpretation so auszulegen, daß sie der agitatorischen Hetzpropaganda der „Neuen Welt" Material liefern. „Ein Lehrer hat gefordert" — so berichtet die „Wahrheit" — „daß die Kulturarbeit beim schulmäßigen Unterricht zu beginnen habe, der sehr JCucact SauecfowM, Ausflugsort u. Sommerfrische,Kohlensäurebäder u. fein schmeckender Säuerling. Gesunde u. preiswerte Sommerwohnungen. Rituelle Speisehäuser zu billigen Preisen. Auskünfte erteilt dieKurkemmlsslon Sauerbrunn, die herbestelle des Landesverbandes für Fremdenverkehr im Burgenland und der Heil- und Kurorteverband, beide Wie» /., Nibelungengasse 1 daß zur Anstellung eines Lehrers in der Kultusgemeinde vorerst der Nachweis der politischen Organisation bei der jüdischnationalen Partei maßgebend ist? Die „Neue Welt" weiß nichts davon, obwohl ihr Herausgeber Personalreferent ist, daß ein Dr. Zwi Kanner, der kein Rabbiner ist und der keine Berechtigung hat, als Rabbiner das Wort Gottes von der Kanzel zu lehren, für sein unrabbinisches Verhalten vor der Wahl in der Weise belohnt-wird, daß er zu rabbinischen Funktionen herangezogen wird? Der Begriff der Dauerprotektion bei der Kultusgemeinde ist der „Neuen Welt" unbekannt. Sie ist daher empört, wenn ein Lehrer fordert, daß kein Unterschied gemacht werden soll zwischen Lehrern und Lehrern nach ihrer jüdisch-politischen Einstellung. „Die einseitig nationale Beeinflussung der Jugend hat eine indifferente, wenn nicht gar negative Einstellung zur Religion zur unausbleiblichen Folge. Die Lehrerschaft muß dafür sorgen, daß dem Wunsche der unionistischen Eltern Rechnung getragen werde, die Jugend im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen, die mit dem „Union"-Gedanken identisch sind, auch außerhalb der Schule religiös-sittlich und vaterländisch zu erziehen." Diese Forderung — erhoben in der unionistischen Lehrerkonferenz — aufzustellen, sollte eigentlich nicht notwendig sein, denn nach dem Gesetze vom Jahre 1890 ist die Israelitische Kultusgemeinde berufen, nur für die religiösen Bedürfnisse der Glaubensgenossen zu sorgen. Diese Aufforderung ist nur dann notwendig, wenn die Kultusgemeinde von einer Majorität von Kultusvorstehern geführt wird, die auf dem Standpunkte stehen, daß sie die Leiter einer Volksgemeinde, Wertvolles schaffen kann, leider aber gegenwärtig vielfach von jüdischnationalen Lehrern auch zu parteipolitischen Agitationen mißbraucht wird. Man muß dahin wirken, daß die Schüler nicht von den Religionslehrern in politische Jugeudbünde gepreßt werden, wo sie von wissen- und gewissenlosen Führern verhetzt werden". (Von uns fett gedruckt. Anm. d. Red.) Es wurde also festgestellt, daß jüdischnationale Religionslehrer parteipolitische Agitation betreiben, so daß diese Lehrer die Kinder in jüdischnationale Jugendbünde pressen, wo sie verhetzt werden. Eines Beweises dieser Tatsache bedarf es in Wien nicht. Man braucht nur diverse Jugend-Gottesdienste zu besuchen, um festzustellen, wie dort jüdischnationale Exhortanten parteipolitische Probleme von der Kanzel erörtern. Man braucht nur in den Kultusvorstand zu kommen, um dort zu hören, wie sich die Vertreter der Judenstaatspartei und des Binjan haarez dagegen wehren, daß die Jugendverbände verpflichtet sind, dafür zu sorgen, „daß die Jugendlichen in der Bibel und der Liturgie unterwiesen werden". Ein Zwiegespräch mit vielen jüdischen Kindern belehrt jeden, wie der jüdischnationale Jugendbildner sein Judentum interpretiert. Ein anderer Lehrer hat nach dem Berichte der „Wahrheit" zu der Bevorzugung und Zurücksetzung von Lehrern aus parteipolitischen Gründen Stellung genommen. Als ob diese Tatsache der politischen Bevorzugung nicht zu dem Um und Auf der jüdischnationalen Mehrheit des Kultusvorstandes gehören würde. Es war vielleicht keine Bevorzugung, daß der jüdischnationale Lehrer Moses Rath Bibliothekar wurde? Es war keine Protektionswirtschaft, daß der jüdischnationale Parteiführer Dr. Löwenherz Amtsdirektor wurde? Es war keine Zurücksetzung für einen Wiener Universitätsprofessor, einem Mann im Spital der. Kultusgemeinde weichen zu müssen, der für seine Bevorzugung nur die eine Tatsache in die Waagschale werfen konnte, die jüdischnationale Wahlliste empfehlend unterschrieben zu haben, und der das Verdienst für sich in Anspruch nehmen darf, zu Propagandazwecken seinen Lehreif der unionistischer Kultusvorstand war, in die Wählerversammlungen der Jüdischnationalen gebracht zu haben? Es ist keine unzulässige Drohung an nichtjüdischnationale Lehrer, wenn der jüdischnationale Obmann der Schulkommission mit Vergeltungsmaßnahmen droht, wenn Lehrer nichtjüdischnational sind? Die „Neue Welt" weiß nichts davon, Restaurant Stefanie Hugo u. Julie Herlinger, geb. Zöllner II., TaborstraS« 12 Tel. R 48-4-46 Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl. Reichhaltige Menüs von S 1.60 aufwärts. Exakte Bedienung. Schoner schattiger Garten. 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Die Forderungen der Eltern nach religiöser Erziehung ihrer Kinder, die Forderung der nicht jüdischnationalen Lehrer nach Ausschaltung der Partei- und Protektionswirtschaft und die Forderung nach jüdisch-kultureller Arbeit beim schulmäßigen Religionsunterricht werden böswillig und in der Absicht, die wahre Sachlage zu verwischen und zu verschleiern, dahin „denunziert", daß sie den Vorwurf der Religionslosigkeit und der nicht vaterländischen Gesinnung bedeuten. Nein, wir werden es nicht zugeben, daß durch Ablenkungs- und Unterschiebungsmanöver diese Angelegenheiten auf ein falsches Geleise geführt werden. Wir werden dabei bleiben, trotz aller Denunziationen und Verleumdungen die Forderung aufzustellen, daß die jüdische Lehrerschaft in Wien entpolitisiert wird, daß die Leitung des Schulamtes von Männern geführt wird, denen die Idee und die große Verantwortung der Jugenderziehung höher steht, als ihre politische Parteieinsteliung. Wir werden nicht aufhören zu fordern, daß die Kultusgemeinde die chronisch gewordene Partei- und Protektionswirtschaft für Parteizwecke abschafft, auch wenn mit geheimnisvollen Worten erzählt wird, daß eine „Untersuchung im Gange sei, wegen einer Denunziation, auf die man erst zurückkommen wird." Wir wollen Namen hören, wir wollen wissen, wer „denunziert" hat, wir wollen mit offenem Visier kämpfen, aber nicht mit Verdächtigungen, die nur dem Zweck der politischen Verhetzung und der Ablenkung vom wahren Sachverhalt dienen sollen. Die Zeiten sind vorüber, wo die Jüdischnationalen in Wien sich als die in Gegenwart und Zukunft Dominierenden fühlen konnten. Die Erkenntnis der „Wahrheit" bei der jüdischen Bevölkerung schreitet immer weiter. Die Protektionswirtschaft in der Kultusgemeinde, die ständige Erhöhung der Ausgaben für parteipolitische Zwecke auf Kosten willkürlich hinaufgeschraubter Steuern, die Beschlüsse auf Erhöhung des Steuermaximums, der obligatorischen Zuschläge zu den Steuern, die Mißwirtschaft mit den Subventionen usw. haben die jüdische Bevölkerung endlich einmal darüber aufgeklärt, was von den Jüdischnationalen in der Kultusgemeinde beabsichtigt wird. Es gibt unter den Wiener Juden immer weniger, welche die mit Geldern aller Steuerträger erbrachten Leistungen der Kultusgemeinde als Ruhmestaten der Jüdischnationalen anerkennen, deren Wähler die geringsten mate- riellen Opfer bringen, deren Wähler aber umsomehr die Institutionen der Kultusgemeinde in Anspruch nehmen. Es glaubt bald niemand mehr an alle diese Tarnungen, Unterschiebungen und Denunziationsmethoden der Jüdischnationalen. Wie aber Herr Oberbaurat Stricker die Wie. ner österreichische jüdische Jugend erzogen haben möchte, geht aus einem in derselben Nummer der „Neuen Welt" vom Freitag, den 25. Juni enthaltenen Programm hervor: „Die Kulturpolitik des Zionismus muß das jüdische Volksleben, das vom Prozeß der Assimilation heute bedroht und verheert wird, bis in die letzten Winkel durchdringen, um in seiner Mitte durch die Kraft und nach dem Beispiel des werdenden Erez Israel, Zelle an Zelle zionistischen Lebens zu errichten, Hilfs- und Ansatzpunkte des großen Kampfes, den wir führen. Das bedeutet: nationale Politik der jüdischen Kindererziehung und Zionisierung aller pädagogischen Institute, denen jüdische Kinder anvertraut sind; Pflege der hebräischen Sprachbewegung in allen ihren Erscheinungsformen; zielbewußte Sorge für die Jugend und ihre Entwicklung; geistige Einflußnahme auf zionistische Frauenbewegung; Förderung von grundlegender zionistischer Literatur in allen Sprachen, deren sich die zionistische Bewegung bedienen muß; systematischer Ausbau der mündlichen zionistischen Aufklärungsarbeit und die Anpassung dieser Arbeit an die modernen Forderungen mit den neuesten 'Methoden des Intellekts und des Gemütes." (Von uns fett gedruckt. Anm. d. Red.) Diese „neuesten Methoden des Intellekts und des Gemütes" werden hier in Wien nicht Platz greifen. Dafür werden wir sorgen. Und die „Neue Welt" wird uns mit ihrem Geschrei nicht einschüchtern. Zum gleichen Thema erhalten wir von einem Teilnehmer an der Lehrerkonrerenz der „Union" folgende Zuschrift: Geehrte Redaktion! Wenn jüdischnationale Führer und Zeitungen die'„Union österreichischer Juden" in ärgster Weise verunglimpfen, wenn sie unsere Ideale verhöhnen und lächerlich machen und sich darin bis zu dem Hohn „Union christlicher Juden" versteigen, dann ist dies nationales Heldentum, nationaler Heroismus, „ihr Kampf" für das „erwachende oder erwachte National Judentum". Wenn aber die „Union" es wagt, pflichtgemäß und durch ihre Verantwortung für die Erziehung der jüdidischen österreichischen Jugend gezwungen, durch unwiderlegbare Tatsachen die unheilvolle Tätigkeit des jüdischen Nationalismus in Wien zu kritisieren, wenn sie es wagt, gegen die Ausschaltung ihrer einzig richtigen Tendenzen zu pro-

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