Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 26 (2.7.1937)
- Date
- 1937-07-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 26 — 2. Juli 1937 DIE VVAHRHEIT StdLaj^Xy K&üxWv^- -jwt 3t&ittÄ/rv,KW2#rt/ u,.KaW£/l 5U/c % Wiju^Uvv (5ViS6^Ävu vwia. J^eX S.*?>4*S&V k(fc>Ctt&e*\£e/l$ U)UnI ,^Ö^Gq,.3 Nur so konnte er auch auf die Staatsmänner einwirken und ihnen die ersehnten Aktionen nicht erschweren. Der Journalist du Bochet erzählt, daß Lux die letzten zwei Tage und Nächte in seinem Hotel am Schreibtisch verbrachte. Er schrieb seine Briefe, sein politisches Testament. Den Abschied an seine Frau, die rührenden Bitten an seinen Freund. Er packte seinen Koffer, bezahlte seine Hotelrechnung und dann — schreibt er noch seiner Frau: „Nicht weich werden! Nicht klein! Ich muß mich zusammennehmen. Du — ich Reh jetzt. Vielleicht, vielleicht hat es seine Wirkung getan. vWenn das Land dann wieder rein wird, wenn diese Pest vergeht — Du, dann hat es doch gelohnt, und dann werden alle frei, und man wird wieder atmen und leben können. Lohnt diese Aussicht und diese Möglichkeit nicht?" Und dann geht er wirklich. Er betritt am 2. Juli 1936 freundlich lächelnd die Tribüne der Pressephotographen, legt die Mappe mit den Briefen an den englischen Außenminister Eden, an den König von England, an den Manchester Guardian, an die Times neben sich und dann — während einer Rede über Abessinien, legt er die Pistole an die Brust, dorthin, wo schon einmal im Kriege ein Schuß hindurchgegangen ist — drückt ab. Stefan Lux hat das Opfer gebracht für die Gerechtigkeit der Welt und für das Leben seiner Brüder. Soll die Opferung dieses wertvollen Menschen wirklich vergeblich gewesen sein? BADfiAfTHN IHOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang Die katastrophalen Folgen einer Teilung Palästinas, Nicht die vielgeschmähten Assimilanten, sondern die politischen Zionisten sind es, die jetzt gegen ihren alten Wunschtraum, den „Jüdischen Staat", Sturm laufen und ihn mit allen Mitteln zu verhüten suchen, da ein derartiges Gebilde unvermeidlich der Anfang vom Ende des politischen Zionismus wäre. Dieser Zwergstaat wäre politisch ein Spielball in den Händen der am Orient interessierten Großmächte, während er wirtschaftlich ersticken und verdorren müßte; überdies würde er, wie aus nachstehendem Artikel hervorgeht, neue Explosivstoffe für die Juden sowohl Palästinas als auch ihrer verschiedenen Heimatländer schatten. Auf dem Papier macht sich ja der Plan ganz gut den Knoten, den man nicht lösen kann, zu zerhauen, jedem das Seine zu geben, den Juden ihr „autonomes Nationalheim" den Arabern ihr palästinensisch-transjordanisches Königreich, die britische Verantwortlichkeit aber auf die Verwaltung Jerusalems, Haifas, Nazareths und Bethlehems und auf eine Art polizeilicher Oberaufsicht über die beiden Staaten zu beschränken — zur Aufrechterhaltung der „öffentlichen Sicherheit". Man braucht den Dingen aber nur ein wenig ins Angesicht zu sehen, um zu erkennen, daß diese papierene Lösung der Beginn unabsehbarer politischer Verwicklungen und unbegrenzter britischer Verantwortlichkeiten in und für Palästina wäre, die den britischen Steuerzahler sehr bald vor recht unerwünschte Aufwendungen für militärische Zwecke stellen würden. Im „J e w i s h C h r o n i c 1 e" wird die völlige Unmöglichkeit eines autonomen jüdischen Staatswesens unter den heutigen Bedingungen gerade vom Standpunkte auch des englischen Interesses durch einen genauen Kenner der Verhältnisse überzeugend nachgewiesen. Es verlohnt sich, der Argumentation dieses Sachverständigen nachzugehen: „Eine Teilung Palästinas in einen bevölkerungsmäßig zu 95 Prozent jüdischen und einen zu 95 Prozent arabischen Teil ist — so führt er aus — . unmöglich. Die Grenze, die man angeblich ins Auge faßt, würde bedingen, daß innerhalb des jüdischen Staates mindestens 40 Prozent Araber wohnten und, sobald man noch das für die Entwicklung der nächsten Zukunft notwendige Gebiet im Süden und Norden hinzunimmt, sogar mehr als 50 Prozent Araber. Jede Vergrößerung des Territoriums zur Erhöhung der wirtschaftlichen Existenzfähigkeit des neuen Staatsgebildes begreift eine Vergrößerung des arabischen Volksteiles in sich und bringt damit den Keim ewiger existenzbedrohender innerer Kämpfe. Wollte man aber den jüdischen Staat künstlich aus denjenigen Gebieten zusammensetzen, in denen eine jüdische Bevölkerungs m e h r h e i t besteht, so würde er in eine Anzahl unzusammenhängender Fragmente zerfallen, die nur über arabisches Gebiet hinweg miteinander verkehren könnten. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um sich auszumalen, wie, selbst den besten Willen der beiderseitigen Regierungen vorausgesetzt, der kleinste Zwischenfall genügen würde, um die schwersten Verwicklungen wegen „Unterdrückung" der fremdnationalen Minderheiten oder gar Mehrheiten heraufzubeschwören! Revisionistische Juden und arabische Extremisten außerhalb der nationalen Staatsgrenzen würden nicht ermangeln, sich der „unterdrückten Volksgenossen" anzunehmen, die Volksleidenschaften in fortdauernder Erregung zu halten und damit aus den beiden Teilen Palästinas einen jederzeit eruptionsbereiten V u Ik a n zu machen, dessen zerstörende Wirkungen nur durch ein starke britische Militärmacht aufgehalten werden könnten. Der von gewissen Seiten vorgeschlagene B evölkerungsaustausch — die arabische Mehrheit des jüdisphen Staates nach Transjordanien, die jüdischen Massen des' neuen arabischen Staates Iii das jüdische Küstenterritorium — würde Cai€ Pension Echsfein Semmering ungeheure Kapitalien erfordern und schließlich noch daran scheitern, daß man aus den Arabern Westpalästinas ebensowenig von heute auf morgen transjordanische Bauern machen kann, wie aus der handeltreibenden jüdischen Stadtbevölkerung Jerusalems brauchbare Arbeiter in den westpalästinensischen Orangenplantagen und Fabriken. Die unvermeidlichen „militärischen Zwischenfälle" an der künftigen jüdisch-arabischen Binnengrenze in Palästina und ihre Ruckwirkungen auf die englische Politik lassen sich im einzelnen heute schwer im Voraus beurteilen, aber daß sie jeder Kenner der Verhältnisse in Rechnung stellen muß. unterliegt keinem Zweifel. Die wirtschaftliche Lage der beiden auseinander gerissenen Teile Palästinas würde zunächst ziemlich gleich ungünstig sein. Aber während der arabische Teil durch ökonomischen Zusammenschluß mit den benachbarten arabischen Staaten eine Besserung seiner wirtschaftlichen Lebensbedingungen erzielen könnte, liegt für den jüdischen Teil eine solche Möglichkeit nicht vor. Mit einem stark reduzierten, (meist von Jerusalem und Haifa absorbierten,) Touristenverkehr und geringer Industrie (insofern Haifa und das Tote Meer außerhalb bleibt), würde — von der Selbstversorgung abgesehen — der Orangenexport so ziemlich die einzige Nahrungsquelle des"~jüdischen Wirtschaftskörpers bilden, zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Bemerkenswert ist die allmählich auch in zionistischen Kreisen aufdämmernde Erkenntnis, daß ein jüdischer Staat — selbst wenn er ganz Palästina umfaßte — innen- und außenpolitisch mit so enormen Schwierigkeiten zu kämpfen haben würde, daß daraus eine wesentliche Verschlechterung der Lage des palästinensischen und darüber hinaus des Judentums der Welt resuitieren könnte. Zunächst einmal die Frage der „Minderheiten". Zu diesen würden nicht nur die vierzig oder sechzig Prozent Araber zählen, sondern zahlreiche Ausländer,, zum Beispiel auch die deutschen Kolonisten in Sarona und Wilhelms mit ihrer keineswegs judenfreundlichen Einstellung. An Anlässen zu internationalen Reibungen mit katastrophalen Rückwirkungen auf die jüdischen Minderheiten in den beteiligten gleichnationalen Ländern wird es also nicht fehlen. Wie der jüdische Staat, der — und dies ist ja sein eigentlicher Existenzgrund — zwei oder drei Millionen jüdischen Neu-Einwanderern eine Heimat zu bieten bestimmt ist, auf eigene Verantwortung mit der Regulierung dieses Einwanderungsstromes fertig werden soll, ist unerfindlich. Die um ihre Existenz ringenden, in ihrer Existenz bedrohten Millionenmassen Osteuropas werden notwendiger Weise einen so ungeheuren Druck auf ihren neuen „Heimatstaat" ausüben und von manchen Regierungen ihrer Wohnländer dabei aus naheliegenden Gründen so wirksam unterstützt werden, daß die Widerstandskraft der jüdischen Regierung auf eine außerordentlich' harte Probe gestellt werden müßte. w5 LHIOTTIIL SMITÄMÄ Bad Luhacovice r 50 guteingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser, erstklassiges Restaurant und Cafe. Dabei sind die noch viel gefährlicheren weiteren politischen Verwicklungen ganz außer acht gelassen, die für die gesamte Judenheit aus der bloßen Existenz eines nominellen, aber machtpolitisch doch vollkommen belanglosen jüdischen Zwergstaates erwachsen müssen. Dieser „Staat" wird eine bequeme Ausrede sein für alle diejenigen Völker, die ihre Juden zu Fremden deklarieren oder gänzlich loswerden wollen, während er doch nur in langen, langen Zeiträumen und auch da nur in verschwindendem Umfange den depossedierten Juden Boden und Heimat bieten könnte." Im englischen Unterhaus teilte Kolonienminister Ormsby Gore mit, daß der Bericht der königlichen Palästina-Kommission zugleich mit einer kurzen Erklärung der britischen Regierung über ihre Politik in Palästina am 8. Juli veröffentlicht werden wird. Der Vatikan gegen die „Rassenlehre". Das offizielle Organ des Vatikans "Osservatore Romano" veröffentlicht einen ausführlichen Kommentar zu dem seitens der Kongregation des Heiligen Offiziums für die katholische Welt ausgesprochenen Verbot des „Razzismo" (Rassenlehre), von Gulio Cogni. Nach einer eingehenden Beweisführung, wie unhaltbar die Rasse ntheorien vom wissenschaftlichen und moralischen Standpunkt aus sind, schreibt die Zeitung: „In der Rassenlehre werden die brutalsten Elemente des Heidentums gelobt und als Grundlagen der modernen Geisteswelt anerkannt, obwohl sie nur Verwirrung in die Ideenwelt der Jugend bringen. Eine Jugend, die in einem solchen Geist erzogen würde, könnte nicht als christlich und italienisch bezeichnet werden. Inderr die Kirche gegen derlei gefährlich« Lehren und Theorien kämpft, wird sie zui Verteidigerin d'er geistigen Wert« der Menschheit und der wahrer Kultur." Die Verurteilung der „Rassenlehre" Cogni! und die scharfe Motivierung des Verbots werdet als eindeutige Stellungnahme des Vatikans geget jeden Versuch, Rassentheorien in Italien zu ver breiten, angesehen.