Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1937-06-25 · Heft 25 (25.6.1937) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 25 (25.6.1937)
Date
1937-06-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064663-3064687--21196-3086525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

DIE WAHRHEIT Nr. 25 — 25.Juni 1937 Seite 5 Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern Vermittlungen: Erwachsene Jugendliche Zweitens: Die Umschichtung verlangt die Beantwortung zweier Grundfragen, und zwar o b und w i e umgeschichtet werden soll. Die erste Frage, ob umgeschichtet werden soll, kann nur im Sinne der rechtspolitischen Gegebenheiten beantwortet werden, denn bei der rationellen und planmäßigen Umschichtung kann es nicht allein auf die Ueberführung in neue, bestimmte, produktive Berufe ankommen, wenn nicht grundsätzlich die Möglichkeit besteht, die Arbeitskräfte auf alle Berufe zu verteilen. Sonst könnte wieder eine Ueberfüllung in den neuen sogenannten produktiven Berufen eintreten, was zwangsläufig dann zu einer Umschichtung der Umgeschichteten, bzw. zu einer Rückumschichtung führen müßte. Die zweite Frage, w i e umgeschichtet werden soll, müssen die jüdischen Unternehmer in der Richtung beantworten, ob sie willens sind, den Lehrlingsanwärtern Lehrstellen in ihren Betrieben zur Verfügung zu stellen und den Arbeitnehmern Arbeitsmöglichkeiten 2ii gebten. ©eefeld in Tirol 1200 m ü. d. M. Haus Sonneck LuenjSuniüdischer In zentraler sonnigster Lage, mit prächtiger Aussicht und allem Komfort. Neu renoviert. Mäßige Preise- Näheres auch IX., Porzellangasse 5 / Tür 9" Drittens: Derzeit ist nicht die Umschichtung Voraussetzung für die Einordnung in den Arbeitsprozeß, sondern die Einordnungsmöglichkeit ist Voraussetzung für die Umschichtung. Im Mittelpunkt unseres Interesses befindet sich die Berufsberatung, deren Ziel es ist, die jüdischen Jugendlichen unter Bedachtnahme auf ihre Neigung, Eignung und die gegebenen Arbeitsmarktverhältnisse hinsichtlich ihrer beruflichen Verwendbarkeit zu beraten und sie in die richtige Bahn zu lenken, sowie für die Förderung der Berufsauslese zu sorgen. Diese, von der Berufsberaterin Frau Dr. Johanna Einer geführte Berufsberatung erfreut sich trotz aller betiächtlichen Schwierigkeiten, mit denen sie noch zu kämpfen hat, großen .Zuspruchs nicht nur der jüdischen Jugendlichen, sondern auch der Erwachsenen. Nachstehende Zahlen geben Aufschluß über die Tätigkeit des Arbeitsnachweises 'im Jahre 1936: Stellenbewerber: männl. weibl. zus. Erwachsene 1239 1291 2530 Jugendliche 267 257 524 1506 1548 3054 davon Haushalt 443 761 1204 davon Haushalt 165 Nach Berufen geordnet, ergeben die Vermittlungen folgendes: I. Erwachsene: mann!, weibl. zus. 1. Kaufmännische Berufe 164 244 408 2. Handwerkl.-Industr. Berufe 99 114 213 3. Erziehung, Pflege, Haushalt 22 312 334 II. Jugendliche: 1. Kaufmännische Berufe 2. Handwerkl. Berufe 285 670 955 158 91 249 ecson (£ehtec Adxt £ekeedtt) aufgenommen Der ■hbmühhhhhmmm Dienstantritt erfolgt mit Beginn des neuen Schuljahres am 1. September Ausführliche Bewerbungsschreiben mit Lebensbeschreibung, belegt mit Personal- und Studienzeugnissen, sind bis 8. Juli zu richten an die Direktion der israelitischen Volksschule in Graz, Grieskai Nr. 58 Das polnische Judentum von heute. Die Ereignisse in Polen haben in der letzten Zeit die Aufmerksamkeit der Juden in allen Ländern geiunden, denn die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Polen halben dazu geführt, daß von neuem nicht nur die staatsrechtliche Stellung der Juden in Polen erörtert -wird, sondern auch Pläne einer verstärkten Auswanderung polnischer Juden in den Mittelpunkt dieser Diskussionen gestellt worden sind. Wir glauben, daß aus diesem Grunde die folgende objektive Uebersicht über die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Lage der Juden in Polen im Augenblick eine •besondere Aktualität besitzt und verweisen bezüglich der derzeitigen politischen Situation auf den in Nr. 23 vom 11. Juni erschienenen Leitartikel „Wohin geht der Weg in Polen?". D. Red. I. Die Bevölkerung. Bei der Volkszählung vom 30. September 1921 wurden in Polen 27,192.674 Personen gezählt, am 1.-Jänner 1928 weist die Statistik schon 30,212.962 auf 4ind bei der letzten Zählung von 1931 werden 32,126.390 Personen verzeichnet. Polen steht demnach, was die Einwohnerzahl anbetrifft, unter den europäischen Staaten an sechster Stelle nach Rußland, Deutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich. Es wohnen dort durchschnittlich 80 Einwohner auf einem Quadratkilometer. Die jüdische Bevölkerung stellt sich aut etwa zehn Prozent, nämlich auf etwa 3,250.000. In Kongreß-Polen und Posen zählt man 2,330.000, in Ost-Klein- Polen 669.000 und in West-Klein-Polen 260.000 Juden. Der natürliche Bevölkerungszuwachs ist verhältnismäßig groß. Die höchsten Geburtenziffern (über 40 v. T.) findet man bei der griechisch-orthodoxen Bevölkerung, kleinere hingegen bei der römischkatholischen Bevölkerung. Die evangelische Minderheit hat eine sehr geringe Geburtenziffer, weit unter dem Durchschitt (20 v. T.). Aehnlich gestalten sich auch die Sterbeziffern. Beiden Juden istdieGeburtenzifier verhältnismäßig jetzt gering er, wenn auch nicht so klein wie bei den Protestanten. Die Registrierung der natürlichen Bevölkerungsbewegung bei den Juden im ehemaligen Russisch-Polen, für die es vor dem Kriege keine regelrechte Statistik gab, ist noch immer mangelhaft. Die vielen dadurch entstandenen Uebelstände konnten noch nicht restlos behoben werden. jadisches Kinder-Ferienheim ^n^p^p^tt Spital a. Semmering (820 m) Modernst Rituell Erstrangig Inhaber und pädagogischer Leiter: A. Taglicht Ständige ärztliche Kontrolle Glänzende Erholungserfolge Arztereierenzen Sekretariat: IX.,Schwarzspanierstr.l2/3. Tel. A 26-3-73 Dazu ist zu bemerken: Ein Teil der vermittelten Arbeiter und Angestellten findet nur saisonmäßige, bzw. vorübergehende Beschäftigung, die ArbeitsmögHchkeit ist beim jüdischen Unternehmer, der nicht krisenfest, sondern krisenempfindlich ist, oft nicht dauernd, aber die Arbeiter wissen auch in diesen Fällen den Wert der temporären fluktuierenden Arbeit zu schätzen, denn sie erlangen dadurch die Möglichkeit, ihre Wohnstätten zu erwärmen, ihre Kleidungsstücke auszulösen, den Mietzinsrückstand zu berichtigen und, was wichtiger ist, die noch ausstehende, für die Erlangung des Beschäftigungsnachweises notwendige Mindestverwendungszeit durch Arbeit zu ergänzen, sowie in den einzelnen Berufszweigen sich einzuarbeiten. Die Haushaltarbeit wird trotz aller Bemühungen noch immer vielfach perhorresziert. Denn das junge jüdische Mädchen findet im Handel und Gewerbe auffallend eher Beschäftigung als der männliche Angestellte, die alten Frauen dagegen, die sich diesem Berufe zuwenden möchten, stehen in der Regel der Fälle vor dem unüberwindlichen Hindernis ihres Alters, bzw. Ueberalters oder vor dem schweren Entschluß, ihre eigene Wohnung aufgeben und sich von ihren Familienangehörigen "loslösen zu müssen. Beunruhigend wirkt die weitgehende und disproportionierte Bevorzugung der weiblichen Arbeitskräfte gegenüber den männlichen, so daß heute von einer Verweiblichung der jüdischen Arbeitsfront gesprochen werden kann. Nach Aenderung der Statuten und Genehmigung des Rechenschaftsberichtes wurde dem abtretenden Vorstand das Absolutorium erteilt, die Neuwahlen durchgeführt und dem Präsidium und dem Vorstand der Kultusgemeinde für die verständnisvolle und weitgehende Förderung der Dank ausgesprochen. iscaetitiscfie Vol&ssdiuie in Qtaz mit Öffentlichkeitsrecht wird eine II. Die Verteiluug der Juden. Der polnische Staat ist in 16 Wojwodsch alten eingeteilt. Mehr als drei Fünftel der Juden in Polen leben in den Wojwodschaften Warszawa, Lwow, Kielce und Lublin, mehr als eiu Viertel aller polnischen Juden in den galizischen Wojwodschaiten Krakow, Lwow, Tarnopol und Stanislawow: etwa 750.000 Juden unter 9 Millionen Einwohner. In Warszawa, Lodz, Lwow, Wilna und Krakow leben rund 720.000 Juden., d. i. etwa ein Viertel der Juden der polnischen Republik. In manchen Städten machen die Juden mehr als 40 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, in manchen kleinen Städtchen mehr alsdieHälite. Die Woiwodschaft Posen weist einen starken Rückgang der jüdischen Bevölkerung auf. In der Stadt Posen worden jetzt 2400 Juden (= 1,0% d. E.) gezählt, d. i. weniger als die Hälfte der jüdischen Einwohner vor der Eingliederung Posens in den polnischen Staat. Um die Ausbreitung des jüdischen städtischen Elementes zu verhindern, werden Vororte eingemeindet, wodurch die nichtjüdische Bevölkerung ein immer gefährlicherer Konkurrent im Handel und Gewerbe wird. III. BeruisverteihtnK. Nach der VoLkszählung von 1931 waren von 100 Erwerbstätigen beschäftigt: Juden Nichtjttden in der Landwirtschaft 9,7% 82,2% in der Industrie 32,3% 7,1% in dem Handel 34,8% 1,3% in den freien Berufen 3,8% 0,7% Mit anderen Worten sind in der Landwirtschalt zehnmal soviel Nichtjuden wie Juden beschäftigt, obwohl Polen ein Ackerland und der Ackerbau der Hauptzweig der Landesproduktion ist. Zu den großen, fundamentalen Zweigen der Industrie hat der jüdische Arbeiter keinen Zutritt In der Maschinen- und in der elektrotechnischen Industrie, im Bergbau, der Wasser-, Gas-, Mineral- und Metallindustrie waren von 163.177 nichtjüdischen Arbeitern bloß 3049, also kaum zwei Prozent, beschäftigt. Ein Viertel der nichtjüdischen polnischen Arbeiterschaft ist in diesen grundlegenden Zweigen der Industrie konzentriert, in den großen Fabriken finden kaum drei Prozent der jüdischen Arbeiter Beschäftigung. In der Bekleidungsindustrie, in der Schneiderei und Schusterei sind kaum ein Viertel der nichtjüdischen Arbeiter, hingegen 43,6% aller jüdischen Arbeiter beschäftigt. Unter den 22.000 Arbeitern, die die Warschauer Stadtverwaltung angestellt hat, sind kaum drei Prozent jüdische Arbeiter beschäftigt, obwohl die Juden ein Drittel der Gesamtbewölkerung in Warschau ausmachen. Vor kurzer Zeit wurden in Warschau wieder 1500 Arbeiter engagiert, darunter haben nur vier Juden Beschäftigung gefunden. In den Reinigungsanstalten der Stadt Warschau sind etwa 1300 Arbeiter beschäftigt, aber nur zwei Juden. Die Tabakindustrie, die staatlich monopolisiert ist, zählt 1500 Arbeiter, beschäftigt aber nur 401 Juden, In zwei Warschauer Fabriken arbeiten 1700 Arbeiter, jedoch nur vier Juden, in zwölf Fabriken ist kein einziger Jude beschäftigt. Bei der Uebernahme der elektrischen Kraftstation von der französischen Stromlieierungsgesellschaft seitens des Warschauer Magistrats wurde der einzige bei der Gesellschaft beschäftigte jüdische Ingenieur, der seit 20 Jahren tätig war, entlassen! Etwa 80 Prozent der jüdischen Arbeiter sind im Handwerk und in der Heimarbeit tätig, mehr als ein Drittel dieser Arbeiterschaft erarbeitet einen Wochen lohn von weniger als 10 Zloty! Die ökonomische Isoliertheit der jüdischen Arbeiterschaft wird durch die wirtschaftlichen Maßnahmen der pomischen Regierung immer mehr verschärft Die Ueberleitung privater Wirtschaftszweige auf Regierungs- und Magistratsstellen (städtische Verwaltungen), dieser in Polen be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.