Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 25 (25.6.1937)
- Date
- 1937-06-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064663-3064687--21195-3086524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Nr. 25 — 25. Juni 1937 DIE WAHRHEIT I I 1 e n Versicherungsangelegenheiten — zuerst Montag und Freitag der ,.Union", I., Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden 10 bis 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm.-Rat Alexius Salzer. Für Lebensversicherungsberatung haben wir einen Spezialfachmann bestellt, welche unsere Mitglieder beonders günstig beraten wird. Reisegepäcksversicherung Ordnung wiederherzustellen und Frieden und Sicherheit zu garantieren." Der Bürgermeister von Czenstochau hat einen Aufruf an die Bevölkerung von Czenstochau veröffentlicht, Ruhe zu bewahren und den Unruhen ein Ende zu machen, die sich dennoch am Sonntag wiederholten. Um weiteren antijüdischen Demonstrationen vorzubeugen, hatte die Polizei veranlaßt, daß das Begräbnis des ermordeten Stefan Baran um 2 Uhr morgens stattfindet Dennoch flackerten in der Nacht zum Montag die Unruhen neuerlich auf. Der Mob belagerte das Krankenhaus, in das Baran gleich nach seiner tödlichen Verletzung gebracht worden war und forderte die Herausgabe seines Leichnams. Als die Menge erfuhr, daß das Begräbnis Barans bereits stattgefunden habe, ging sie daran, das Krankenhaus" zu stürmen. Der Polizei gelang es erst nach vieler Mühe, sie zu zerstreuen. Bei dem entstandenen Tumult begannen die Huligans wieder, die Fenster zahlreicher jüdischer Häuser einzuschlagen, so daß die Lage neuerlich einen bedrohlichen Charakter annahm. Im Laufe des Montag blieben sämtliche jüdischen Geschäfte, Fabriken und Werkstätten in Czenstochau geschlossen. Die Juden wagten nicht, die Straße zu betreten. Der Klub der jüdischen Abgeordneten im Sejm ist mit den polnischen Zentralbehörden in Verbindung getreten. Die Behörden versicherten den Abgeordneten, daß strenge Maßnahmen ergriffen würden, um die Unruhen zu unterdrücken und die Ordnung wiederherzustellen. Zur Verurteilung Wolf Szczerbowskis zum Tode. Der Prozeß gegen den 18jährigen Schlächtersohn Wolf Szczerbowski, der wegen Ermordung des Polizeioffiziers Kedziora zum Tode verurteilt wurde, nahm nur einen Tag in Anspruch. Im Gegensatz zu dem Prozeß gegen Chatzkelewicz hatte der Staatsanwalt diesmal nicht versucht, die jüdische Gesamtheit oder einen Teil der jüdischen Bevölkerung für die Tat des Angeklagten verantwortlich zu machen. Auch die Versuche des Vertreters der Privatbeteiligten, des berüchtigten nationaldemokratischen Anwalts Kowalski, dem Prozeß eine 'allgemein judenfeindliche Wendung zu geben, blieben erfolglos. Der Gerichtshof ging lediglich auf die persönliche Schuld frage ein. Ebenso vermied es der Ver- Die besten Eisen Worsteiifl SelAvareB 3 mal täglich frisch bei IftBEL, Wiei iL, PraKrslfaSe 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise, und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. ] Die Leistungen des Jüdischen Arbeitsnachweises. Am 17. Juni fand im Sitzungssaale der Kultusgemeinde die Generalversammlung des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis unter dem Vorsitz des Obmannes Qeza Kling er und in Anwesenheit der Vertreter des Kultusvorstandes, des Amtsdirektors, sowie des Vorstandes der Fürsorgezentrale, statt In dem vom Leiter des Arbeitsnachweises Doktor A. Schmerler erstatteten Tätigkeitsbericht führte derselbe u. a. aus: Die außerordentlichen Zeitverhältnisse stellten außerordentliche Anforderungen an den Arbeitsnachweis, denn von Jahr zu Jahr spitzt sich das Problem der jüdischen Lebensrechte immer mehr zu und unser Lebensraum wird immer kleiner und enger. Es hat den Anschein, daß unsere Rechte und Lebensrechte miteinander nicht in Einklang stehen. Wohl sind unsere Rechte in der Verfassung konstitutionell, alber unsere Lebensrechte nicht in den Ständeinstitutionen institutionell sichergestellt. Wir leben in einem fraglichen „intentionellen" Zustand, der uns täglich und stündlich zermürbt weil wir nicht wissen, welche Intentionen uns gegenüber in der Frage des Einbaues in die Volkswirtschaft bestehen. Unser Lebensraum wird immer kleiner: vom Boden sind wir abgedrängt, vom öffentlichen Dienst ausgeschaltet, aus wirtschaftlichen Positionen verdrängt in Handel und Gewerbe nicht nur dem Untersagungsgesetz, sondern auch dem freien Ermessen der Verwaltung und der Zünfte als Schwächere und Wehrlose unterworfen und bei dem Anstreben von Arbeitsstellen so behandelt wie wir behandelt werden. Es ist daher begreiflich, daß die Z a h 1 d e r j ü d ischen Erwerbs- und Arbeitslosen immer mehr und mehr steigt und daß man angesichts dieser Dauer- und Masisenerscheinung nicht mehr von einer Proletarisierung, sondern von einer Deklassierung und Pauperisierung der jüdischen Menschen sprechen muß, wobei nicht nur die Extensität, sondern auch die Intensität dieses Prozesses die Schicksalstragödie der jüdischen Jetztzeit ausmacht Die Schwere des Schicksals bekommen zu spüren zunächst die jüdischen Intellektuellen ohne Verdienstmöglichkeit, die Schwere des Existenzkampfes die jüdischen Kaufleute ohne Erwerb und die Schwere des Unterganges zumeist die j üdisch en Arbeitslosen. Wer vermag in Worten die Verzweiflung der Eltern, die Tränen der Kinder, die Klagen der jüdischen Arbeitslosen im Bereiche der Sorgen um Arbeit und Brot zu schildern? Dabei ist das Erschütterndste die Wahrnehmung, daß das Krisentief für uns trotz Ansteigens der Ausfuhr und der Besserung auf dem Gebiete der Industrie nicht überwunden ist, denn unsere Arbeitslosen gehen noch immer nicht durch die Tore der Arbeitsstätten, sondern sie stehen vor den Türen der Arbeitsämter und warten. Und die Tragik der jüdischen Arbeitslosen besteht darin, daß sie als Juden weder bei jüdischen noch bei nichtjüdischen Unternehmern Beschäftigung finden. Diese spezifisch jüdische Krisen- Herzu. frauenhellbad Tafimannsdorf & Mineral; Moorun i natürliche Kohlensäure-Sprudelbäder I Elektro-Kardiographisches Institut! Röntgeninstitut Tief reduzierte Pensionspreise einschließlich aller Heilbäder HliSkÜnfte und Prospekte: Kurbad A. G. mm.—_Bad Tatzmannsdorf und M. U. Dr. I. H. Körner — Reisebüro „CITY11, Wien /., Kohlmarkt 8 / Telephon U 26-4-29 teidiger, Rechtsanwalt Gabriel Lewin aus Warschau, allgemeine Gesichtspunkte unter Betonung des jüdischen Momentes in die Verhandlungen hineinzutragen. Der nationaldemokratische Anwalt Kowalski, der eine entgegengesetzte Taktik befolgte, mußte vom Vorsitzenden wiederholt aufgefordert werden, sich auf den Verhandlungisgegenstand zu beschränken. Der Staatsanwalt Gozdzik sprach der Verteidigung in seinem Plädoyer die Anerkennung W die~bewäesene Zurückhaltung aus und erklärte, er selbst würde die Verteidigung in nicht anderer Weise geführt haben. Der Staatsanwalt lehnte es ausdrücklich ab, alle Juden in diesen Kriminalfall hineinzuziehen. Er versicherte dem Gerichtshof, daß er mit ebensolcher Schärfe gegen die Schuldigen an den Ausschreitungen vorgehen werde, sobald es dazu kommen wird. schere, deren Schneiden erbarmungs- und schonungslos aufeinanderklaffen, schmerzt ungemein. Die jüdischen Unternehmer, die sich dem jüdischen Arbeitslosen gegenüber, der auf sie angewiesen ist, passiv verhalten, verkennen die wirtschaftliche Bedeutung der Einordnung der jüdischen Menschen in den Arbeitsprozeß. Dadurch daß auch die jüdischen Unternehmer ihn in ihren Unternehmungen nicht mitarbeiten lassen, tragen auch sie zu seiner Entwürdigung, Entrechtung und Vernichtung bei. Die jüdischen Unternehmer übersehen aber auch die Folgen und Auswirkungen ihres Verhaltens in bezug auf ihre eigenen Leistungspositionen in ihren eigenen Betrieben dadurch, daß sie ihre Betriebe freiwillig arisieren. Es ist soweit gekommen, daß jüdische Unternehmer, die keine Juden in ihren Betrieben beschäftigen, sich an den jüdischen Arbeitsnachweis wegen Unterbringung ihrer Angehörigen bei jüdischen Unternehmern wenden und daß wir für lange Jahre keinen Nachwuchs an qualifizierten Kräften auch in den wenigen, den Juden noch zugänglichen Branchen haben. W'ir können und müssen daher vom jüdischen Unternehmer in erster Reihe verlangen, daß er neben den.nicht jüdischen auch jüdische Arbeitskräfte beschäftigt. Denn ohne das primäre Verständnis des jüdischen Arbeitgebers für das brennende Problem der jüdischen Arbeitslosigkeit können wir auch zu keiner Verständigung mit der Umwelt kommen. HOFGASTEIN früher Westend jetzt Gaststätte ANDERKA Streng rituell u. A. d. Schiffschul Wien, la Wiener Küche, günstige Pensionsarrangements in Zimmern und Thermalbädern mit jedem Komfort, fließendes Wasser usw. MfiBIge Preise. Gefl. Anfragen an Georg Wolff, Haus ANDERKA, HOFGASTEIN Trotz der Fülle der Schwierigkeiten, die sich allenthalben fühlbar machten, haben wir aus dem Blickfeld den schwierigen und komplizierten Komplex der jüdischen Arbeitslosigkeit nicht verdrängen lassen. Unter Hinweis auf die durchgreifende Organisierung des Arbeitsnachweises und der Berufsberatung, die auf die Sonderlage der Juden eingestellt sind, um im Laufe der Zeit die jüdischen Arbeitslosen sukzessive in den Wirtschaftsprozeß wieder einzugliedern, erörterte der Berichterstatter die im Vordergrund des jüdischen Interesses stehende Frage der Berufsumschichtung und hob folgende Grundsätze hervor: Erstens: Im Umschichtungsprozeß muß eine Teilung und Abgrenzung des Gegenstandes vorgenommen werden, es muß zwischen der für die Auswanderung ins Ausland und der für das Inland bestimmten Umschichtung unterschieden werden. Nur äußerlich liegen beide auf derselben Linie, aber in Wirklichkeit sind die Voraussetzungen, Bindungen und Aussichten für jede anders gelagert. Denn fürs Inland entscheidet in erster Reihe die gesetzliche Einordnungsmög- I-ichkeit und für das Ausland vorwiegend der Arbeitsmarkt. Im Inland sind die sozialpolitischen Maßnahmen (Krankenversicherung, festgesetzte. Lehrzeit, Lehrzeugnispflicht usw.) von Bedeutung, während es für das Ausland keine besonderen Bindungen gibt usw. Die Mittel und Wege für die Umschichtung müssen daher in beiden Fällen verschiedenartig behandelt werden. 2Je* Verna „Ostac. SeeAospiz in Qcada" (Präsidentin Sofie Grünfeld) sendet Anfang Juli zarte, anämische, zu Katarrhen neigende jüdische Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren unter ärztlicher und pädagogischer Aufsicht in sein eigenes Heim nach Grado (Italien). Ein 30tägiger Aufenthalt am Meer, bei 5 Mahlzeiten (rituelle Küche) kostet S 5.— täglich. Reisebeitrag für Kinder unter 10 Jahren S35.—, über 10 Jahren S 50.— tour-retour. Anmeldungen im Vereinsbüro, IX., Türkenstraße 17, von 10—13 Uhr, Telephon R 51-5-63. Nifglleder und freunde der „Union östcrrcldilsdicr Juden". (Dezirksorganlsationen innere Stadl, Leopoldsfadt and Landstraße) treffen sich während der Sommermonate bei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater, Äusstellungsstraße (vis-ä-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.