Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 25 (25.6.1937)
- Date
- 1937-06-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 25 — 25. Juni 1937 Seite 3 Juden Staat" in Palästina? 9* Ein Beitrag zum Teilungsplan. Seit Wochen kommt die jüdische, aber auch die nichtjüdische Presse über das derzeit aktuelle Palästinaproblem, wie es in der Wirklichkeit und nicht im Scheine der Illusionen vergangener Jahre besteht, nicht zur Ruhe. Alle möglichen Vermutungen über „Teilung", „Kantonisierung",;,Judenstaat", „Dominion" u. dgl. lösen einander ab, wobei vergessen wird, daß keine dieser Lösungen, selbst die des derzeitigen Zustandes, eine ausreichende Lösung des heute so kritischen Judenproblems darstellt und darstellen kann. Sehr viel wird heute von einem verkleinerten „Judenstaat" in Palästina gesprochen. Heute noch als unmöglich be,trachtet und von den Parteiblättern auf höhere Weisung bekämpft, wird ebenderselbeZustandals„großerErfolg"inebendiesen Blättern angepriesen werden, falls es die Pa r tei no t wen digk e i t erheischt und sich kein anderer Ausweg mehr bietet. Welch ein Erfolg! Ein „Judenstaat", mit voller Souveränität, Mitglied- Bad Ischl Pension Lehner tos Brenn er Straße 19 lobet Quer H3of)tgcboren fyöflldjfl ein, Ofjren Sommer» S. BC3-, ©Iafcrgaf(e 4a/5, Selepöon H 19*8.72. schaft im Völkerbunde, mit bereitgestellten Posten, Konsulaten, Gesandtschaften, Aemtern, Würden, Staatsbürgerschaft und allem sonstigen Klimbim eines souveränen Pseudostaates. Alles wird dieser Staat besitzen, vielleicht sogar eigenes Militär, auch die Anwärter auf die diversen Posten werden nicht fehlen, fehlen wird nur das Wichtigste, das jeder unscheinbarste Negerstaat besitzt: Ein Territorium, Land für Ansiedlung und Kolonisation. Ist schon das Palästina in seiner heutigen Größe infolge würgenden Bodenmangels außerstande, alle diejenigen Juden aufzunehmen, die eine Gesundung des Judentums durch Verbundenheit mit Grund und Boden, mit Landwirtschaft, anstreben, so kann sich jedermann ein Bild machen, welche Zustände in dem verkleinerten Gebilde herrschen werden. Das heutige Palästina, einmal anders gesehen.!Heute ist Palästina ein sich agrarisch gebärdendes Land ohne Landwirtschaft. Und wenn mit Stolz darauf hingewiesen wird, daß fast ein Viertel der jüdischen Bevölkerung Palästinas j in der Landwirtschaft tätig ist, so ist das l nichts anderes als das verschämte Eingeständnis l einer Niederlage, eines Fiaskos.? Und wenn immer wieder von dem g r o ß- > artigen Außenhandel Palästinas die Rede | ist (man sehe sich nur die Statistiken an), so wird | man entdecken, daß darunter der Einfuhr han- I del gemeint ist, denn von einem Export ist, ausl genommen der Onangenexport, überhaupt keine Rede. Es übersteigt aber die Einfuhr die Ausfuhr (mit den Orangen) etwa um das Zehnfache. Dabei versagt die jüdische Landwirtschaft auch in der Aufbringung der lebensnotwendigen Nahrungsmittel, wie Fleisch, Getreide und Mehl, die große Posten der Einfuhr darstellen. Die Landwirtschaft ist daran u nschuldig, und die, die sie unter Mühen betreiben, noch unschuldiger. Denn eine gesunde Landwirtschaft hat zur Voraussetzung genügend Boden. Wenn man aber gezwungen ist, den Landbesitz nach „Dunam" zu messen, das ist ein Zehntel Hektar, 1000 nr, ein Schrebergarten in 33 m Länge und 33 m Breite, weil in auf der ganzen Welt üblichen Hektaren gerechnet, lächerlich geringe Ziffern an landwirtschaftlichem Boden, aber riesige Ziffern im Preis desselben aufscheinen würden, so ist es der Landwirtschaft nicht zu verargen, wenn sie versagt. Denn 1 Dunam, 1000 nr, ein kleiner Schrebergarten, kann eben auch in- Palästina nicht mehr hervorbringen, als eben ein Dunam in anderen Ländern Von Dr. Zoltian Schönberger. hervorbringen kann, nämlich ein Zehntel des Ertrags eines Hektars. Wenn sich auch die Menschen die ihnen von den Bodenspekulanten vorgeschriebenen Maße gefallen lassen, die Natur läßt sich nichts vorschreiben, sie reagiert auf Dunamrechnung mit der Hervorbringung von Dunamerträgen. So ist, kurz skizziert, die Lage der heute so vielgepriesenen Landwirtschaft. Der neue Judenstaat. In kürzester Zeit werden sich Ereignisse begeben, von denen ein Teil des Judentums glaubt, daß sie für das Gesamtjudentum von weltbewegender Bedeutung sein werden. Um diese schädliche Illusion zu zerstören, mußte ich diese Zeilen schreiben (die die Privatansicht des Autors darstellen. D. Redj). Denn auch mit einem kleinen „Judenstaat" ohne Territorium wird sich nichts ändern. Die große Masse wird wie bisher von der Bodenspekulation nicht leben köünen, denn diese wird weiterhin einem kleinen Kreis vorbehalten bleiben. Auch dürfte in dem verkleinerten Palästina Mangel an dieser Spekulationsware herrschen. Auch die schon heute höheren Ortes lancierten „vorbereitenden" Nachrichten über die Aufnahmsfähigkeit des verkleinerten neuen Staates von 3 Millionen Einwanderern sollen die zukünftige Gestaltung trotz der heutigen Pressefehde dagegen dem Publikum schmackhafter machen, werden sich aber in Wirklichkeit als unwahr und u n m ö g- I i c h erweisen. Hat schon im großen Palästina die Aufnahmsfähigkeit versagt, um wie viel eher wird im landlosen kleinen „Judenstaat" die Auinahmstähigkeit versagen. Und vergessen wir nicht die neuen Einwanderer! Da der Großteil infolge Mangels an Land keine Möglichkeit haben wird, auf dem Lande zu arbeiten, werden sie darangehen müssen, die Stadtbevölkerung zu vermehren. Aber ähnlich wie die Juden der Ver- Seefeld WM TIROL 1200 m Pension Geschwister Scheer ietzt Haus Waldruhe, am See herrliche Lage mitten im Walde beste Verpflegung und Unterkunft O streng orthodox Restaurant Stefanie Hugo u. Julie Herlinger, geb. Zollner I!., TaborstraBe 12 Tel. 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Was soll aber die Mehrzahl der Juden, die heute keines mehr hat, machen? Noch dazu, wenn jetzt statt einer vielbekämpiten englischen Verwaltung eine jüdische Regierung eine Einwanderungssperre im „Interesse des Landes" wird verhängen müssen. Es ist vielleicht die letzte Stunde, für das Judentum, einzusehen, daß Palästina in welcher Form immer keine alleinige endgültige Lösung der judenirage bedeuten kann. Soll wirklich das Judentum von der Wurzel aus umgeändert, aus seiner jetzigen ungesunden Berutsschichtung in eine gesunde landwirtschaftlich orientierte Schichtung gebracht werden, so ist Land nötig. Wir brauchen genügend Land, um denjenigen Juden, die willig sind, Pioniero und Vorkämpier zu sein, die Kolonisation ohne aufreibende B r uder kä mpf e um Zertifikate und ohne Gewinstabgaben an die Bodenspekulanten zu ermöglichen. Die Gelegenheit wird bald da sein. Vielleicht werden wir schon in einigen Wochen um eine Illusion ärmer, aber um eine reale Tatsache reicher sein. Und wenn diese reale Tatsache auch nur endlich die Erkenntnis bringt: Das Judentum braucht für seine arbeitswillige Jugend, die heute einer völlig aussichtslosen Zukunit mutlos und deprimiert entgegensieht, neuen Lebensraum, und damit neuen Lebensmut, den wollen wir ihr ohne Unterschied der Parteirichtungen schaffen! Und das verstehe ich unter dem so vielgeschmähten Territorialism u s. Blutige antijüdische Ausschreitungen in Czenstochau. Am Samstag, den 19. Juni, kam es in Czenstochau zu schweren antijüdischen Ausschreitungen. Ebenso wie in Minsk -Masowiecki und in Brest-Litowsk war auch hier der unmittelbare Anlaß für den Pogrom die Ermordung eines Polen durch einen Juden. Im Verlauf eines Streites zwischen dem 36jährigen jüdischen Fleischhauergehilfen Josef Bentlrak und dem polnischen Eisenbahnbediensteten Stefan Baran zog der erstere einen Revolver und schoß Baran nieder. Baran war sofort tot, Bendrak wurde verhaftet. In dem offiziellen Polizeibericht wird betont, daß dem Streit lediglich persönliche Motive zugrunde lagen. Unmittelbar nach Bekanntwerden des tragischen Vorfalles sprach eine Abordnung der Czenstochauer Jüdischen Gemeinde beim Distriktsgouverneur vor und ersuchte ihn um Schutz für die Sicherheit des Lebens der jüdischen Bevölkerung. In den Straßen der Stadt erschienen bald darauf starke Polizeipatrouillen. Der Distriktsgouverneur lud den Vorsitzenden der Nationaldemokratischen Partei in Czenstochau vor und ersuchte ihn, die Mitglieder seiner Partei zur Ruhe und Besonnenheit aufzufordern und die jüdische Bevölkerung nicht für die Tat eines Einzelnen büßen zu lassen. Trotzdem fand am Abend auf einem der Hauptplätze der Stadt eine antisemitische Kundgebung statt, in deren Folge um 8 Uhr abends die Unruhen begannen, die bis ^•12 Uhr nachts dauerten. Vereinzelt kam es bis in die frühen Morgenstunden zu Uebenällen auf Juden. Zahlreiche jüdische Geschäfte wurden demoliert und angezündet und eine Anzahl jüdischer Passanten verletzt. Der angerichtete Schaden ist beträchtlich. Die Huligans schlugen zahlreiche Fensterscheiben jüdischer Häuser ein, darunter die Fenster der Synagoge. Das Präsidium der Jüdischen Gemeinde in Czenstochau hat an den Ministerpräsidenten und Innenminister General Slawoj-Skladkowski und an den Gouverneur der Provinz folgendes Telegramm gesandt: „Die jüdische Bevölkerung von Czenstochau befindet sich in einer gefährlichen Lage. Zahlreiche jüdische Geschäfte und Häuser sind demoliert und geplündert worden. Viele Juden wurden überfallen und verletzt. Die antijüdischen Ausschreitungen finden in Gegenwart der Polizei statt, die keine geeigneten Schritte unternimmt, um die Unruhen zu unterdrücken. Im Namen der jüdischen Bevölkerung, die sich in Lebensgefahr befindet, ersuchen wir Sie, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die