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Die Wahrheit · 1937-06-18 · Heft 24 (18.6.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 24 (18.6.1937)
Date
1937-06-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 7 Jüdisdinaiionaler verlragsMudi in Baden bei Wien. Am 6. d. M. fanden in Baden bei Wien Neuwahlen in die Vertretungskörper der dortigen Kultusgemeinde statt. Diesen Wahlen waren monatelange, mühselige, von den Aligemeinen Zicnisten immer wieder durch neue Forderungen gestörte Kompromißverhandlungen zwischen allen Badener jüdischen Parteien vorangegangen. Endlich schienen alle Schwierigkeiten überwunden, am 3. April unterfertigten die Vertreter der Allgemeinen Zionisten, der Jüdischen Arbeitsgemeinschaft, des Israelitischen Wirtschaftsvereines und der Zionisten-Revisionisten eigenhändig ein Uebereinkommen, nach dem diese Parteien auf Grund eines genau ausgearbeiteten Schlüssels gemeinsam für die Kultuswahlen auf einer Einheitsliste kandidieren sollten. In diesem Uebereinkommen war auch schon die Zusammensetzung des neuen Präsidiums festgelegt worden. Des ferneren enthielt das Uebereinkommen, wie immer bei derartigen Vergleichen üblich, Bestimmungen für den Fall des Ausscheidens eines gewählten Mandatars. Ansonsten waren in diesem Ueberkommen keine Bedingungen für irgend eine der wahlwerbenden vier Parteien gestellt worden, der Friede in der Badener Kultusgemeinde, der in den letzten Jahren infolge der ihren Wiener Gesinnungsgenossen nachgeahmten Methoden der Badener Jüdischnationalen wiederholt arg gefährdet war, schien gesichert. Am 20. Mai lief die Frist für die Einreichung der Kandidatenliste ab. Am 19. Mai, kurz vor Alitternacht, verständigten die Allgemeinen Zionisten (Oberkellner Jude, Familienvater, erstklassiger Fachmann, repräsentationsfähig, sprachenkundig, bittet um Beschäftigung. Beste Zeugnisse und Referenzen. Unter „Repräsentativ" an die Administration. die übrigen Parteien davon, daß sie die Unterschriften, die ihre Herren als Bevollmächtigte der Zionisten Badens gegeben haben, zurückziehen. Als Grund für dieses unerhörte Vorgehen wurde ein Streitfall angeführt, der mit den Wahlen selbst in absolut keinem Zusammenhang stand. Eingedenk des Vorsatzes, keine Kampfwahlen durchzuführen, haben darauf zwei der von den Allgemeinen Zionisten auf so unqualifiziertere Art düpierten Parteien, nämlich der antijiidischnationale Israelitische Wirtschaftsverein und die Zionisten-Revesionisten beschlossen, sich an den Kultuswahlen nicht zu beteiligen, lediglich die Jüdische Arbeitsgemeinschaft, die mit den Allgemeinen Zionisten seit jeher sympathisiert, obwohl sie sich den Anstrich von Nichlnationalcn gibt, ging in die Laube und schloß mit den Allgemeinen Zionisten ein Kompromiß, nach dem sie sogar im neuen Kultusvorstand den Präsidenten stellen wird. Von ungefähr 430 Kultusgemeindemitgliedern, bzw. 265 Wahlberechtigten gaben 149 ihre Stimme für die nun allein aufgestellte Liste ab, in der natürlich die Jüdischnationalen dominierten. Gegen "die Wall! wurde, wie wir hören, bei der Badener Bezirkshauptmannschaft ein Protest eingebracht, in dem mehrfache Beweise für die einseitige Vorbereitung des Wahlaktes und Präparierung der Wählerliste durch die Jüdischnationalen vorgebracht werden. Die Konstitui i e r u n g des neuen Kultusvorstandes ist bis nun | nicht erfolgt, eine am Wahltage selbst knapp nach i Beendigung des Skrutiniums vorgenommene Konstituierung mußte, weil statutenwidrig, über Verfügung der Bezirkshauptmannschaft als ungültig erklärt werden. Bei dieser voreiligen Konstituie- Gebirgsterieuheim-Sommerlager „Waldbauer" (1000 m Seehöhe) des Jüd. Wohlg.-Vereines „Brüderlichkeit" bei Annaberg (N.-Oe.), Mariazeller Gebiet Noch einige Freiplätze für Kinder mit Armutszeugnis und arztlichem Dreier-Befund, terner ermäßigte Plätze zu S 1.—. S 2— und S 3pro Tag. Streng rituelle, vorzügliche Verpflegung (Leitung Frau Frieda Grünwald). Nachhilfe und Hebräischkurse! Turnen, schwimmen, wandern! Anmeldunsen täglich 9 bis 12 und 4 bis 6 Uhr: Wien II., Mategasse 14, Tür 3. rung wurde der Vertreter der Jüdischen Arbeitsgemeinschaft, Herr Max Deutsch, zum Präsidenten gewählt. Diese Wahl, die, wie wir erfahren, wiederholt werden soll, hat in Badener jüdischen Kreisen besonderen Unwillen erregt, weil Herr Deutsch vor einiger Zeit es für richtig befunden hatte, eine Forderung gegen die Badener Kultusgemeinde, die er sich käuflich erworben hatte, im Wege einer Exekution gegen die Gemeinde einzutreiben. Wieder einmal haben Zionisten eine Kultusgemeinde „erobert". Sie können auf diesen Sieg wahrlich nicht stolz sein. Erst wird durch mcnatelange Verhandlungen die Agitaticnskraft der gegnerischen Parteien, deren Erfolgsaussichten infolge der auch in Baden gegen die jüdischnationale Herrschaft obwaltenden Erbitterung ausgezeichnete waren, lahmgelegt, dann schließt man ein Kompromiß, dessen Bedingungen eindeutig festgelegt werden, und im letzten Moment zieht man mit einer fadenscheinigen Begründung die Unterschriften der eigenen Vertreter zurück. Schließlich meldet „Die Stimme'" einen — grandiosen Wahlsieg der Badener Jüdischnationalen. Mitteilungen der Union. Das Gartenfest der Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union österreichischer Juden" (Obmann Dir. Gustav K o 1 in i n), das am vergangenen Samstag abends in der Liliputstadt im Prater bei allerstärkstem Besuch, namentlich seitens der Jugend-Union stattfand, wird Raummangels wegen erst in unserer nächsten Nummer besprochen und bei dieser Gelegenheit die Verdienste des rührigen Festkomitees (Obmann Nathan Donath) gebührend gewürdigt werden. Für heute sei festgestellt, daß es ein großer Erfolg war, der die wochenlangen Bemühungen der Komiteemitglieder lohnte. sctimüchuna von Grüften and GräDern i LBopoIdQeutsciiJienXI. einzige indische Gärtnerei beim Zjiitralirieühui l. Tor. Tel. U 13-0-40 Zcutralfrtcdiiof IV. lor. Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Endlich! Sperre für die Hakoah-Schwimmerinnen wird aufgehoben. Die oberste Sportführung hat beschlossen, die über die rlakoah-Schwiinmerinnen Deutsch, Langer und GoIdner wegen Nichteintretens bei der Olympiade in Berlin verhängte zweijährige Sperre bereits per 31. Dezember d. J. aufzuheben. „Rückkehr zur Tradition das Gebot der Stunde". Auf der in Columbu.- abgehaltenen 4S. Jahresversammlung der Z e n t r a 1 k o n f e r e n z der amerikanischen R e i o r m r a b b i n e r hielt der Präsident der Konferenz Dr. Felix A. L e v y eine Ansprache, in der er zur Rückkehr zur Tradition im jüdischen Leben aufrief. Er führte u. a. aus: Es ist dem Reiormjudentum nicht gelungen, in das jüdische Leben entscheidend einzudringen. Wir müssen zugeben, daß die Anhänger der Reionnbewesung :n der Beseitigung der althergebrachten jüdischen Formen und rituellen Bräuche weiter gegangen sind, als ursprünglich in unserer Ansicht gelegen war. Der R eformgedanke hat sich überlebt: die Rückkehr zum tr a d i t i o n e 11 cn Judentum ist ein Gebot der Stunde. Die Konferenz wird einen Weg suchen müssen, um die lebendige Verbindung mit den jüdischen Massen und ihren Lebensformen wiederherzustellen und gemeinsam mit dem orthodoxen und konservativen Judentum den Gefahren der Verweltlichung wirksam zu begegnen. Das amerikanische R eiormjudentum stehe vor einer vollkommenen Neuorientierung in der Richtung einer Annäherung an das konservative Judentum. Was not tut, ist ein Zusammenschluß aller religiös gesinnten Juden und eine Abkehr vom Geist des Materialismus. Der Materialismus verherrliche die Brutalität und vergotte den Diktator: das habe das Beispiel des Nationalsozialismus, Faschismus und Stalinismus gezeigt. Unter den zur Annahme gelangten Resolutionen werden die Fragen des Sabbathschutzes, der Heranziehung der ATbeiterkreise zur jüdisch-religiösen Bewegung und der Zusammenarbeit mit der Rabbinical Assembly festgelegt. Ein offener Brief an Hitler. Der Generalsekretär des Bundesrates der amerikanischen Kirchen Rev. Charles S. Mac- F a r 1 a n d nimmt in einem offenen Brief an Hitler auch gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland Stellung. Er schreibt: „Statt den Juden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, haben Sie es zugelassen, dali sie gepeinigt und geplündert werden. Ihre Behandlung' der Juden erinnert in ihrer Grausamkeit und Erbarmungslosigkeit, die sogar vor dem kleinsten Kinde nicht Halt macht, an das schändliche Edikt des Merodes." Die „tote Assimilation". In der türkischen Nationalversaramlu n g sprach während der Budgetdebatte der griechisch-orthodoxe Abgeordnete Stamati Zihni üdjdamar der Regierung den Dank dafür aus. daß sie die Kontrolle der Minderheitenschulen übernommen habe. Er schloß mit dem Wunsche, daß d a s Wort „M i n d e r h e i t" aus dem juristischen Sprachschatz der Türkei verschwinden möge. Die in Instambul erscheinende Tageszeitung ..Tan" bemerkt zu dieser Debatte, dali das Minderheitenproblem auch in der Türkei wie in der ganzen Welt beseitigt werden müsse. Minderheiten seien solche Gruppen, die sich von der herrschenden Bevölkerung nach Religion. Sprache und Nationalität unterscheiden, wie etwa die Deutschen in der Tschechoslowakei. Aber die Juden könnten nicht als Minderheit, betrachtet werden. Man dürfe keine Genehmigungen mehr zur Eröffnung von Minderheitenschulen erteilen, damit die junge Generat i o n v o 11 k o m inen assimiliert und zu echt e n T ti r k e n w e r d e. JUGEND-UNION. Mitteilungen der Zentrale. Die Leitung der „Jugend-Union" hat ihr Versprechen, ihren Mitgliedern im Sommer eine eigene Bade h ii 11 e zur Verfügung zu stellen, wenn auch mit großer Mühe, erfüllt. Sonntag iür Sonntag herrscht nun in der wunderbar gelegenen Badehütte mit ihrem prächtigen Obstgarten und nettem Strand reges Leben. Die Jugend kann hier die Sportfreuden des Sommers in vollem Maße genießen, aber auch Mitglieder der „Union", die die Hütte bereits mehrmals besuchten, sind voll des Lobes über den prachtvollen und angenehmen Sommeraufenthalt der „Jugend-Union". Diese aber glaubt ihren Zweck vor allem dadurch erreicht zu haben, daß die große Anzahl der im letzten Jahre gewonnenen Mitglieder auch im Sommer von der Leitung zusammengehalten wird. Wir laden auf diesem Wege nochmals alle unsere Mitglieder ein, die schöne Badehütte an der alten Donau, Juvaviastrand 9. zu besuchen. Verbindung: Straßenbahn Linie 24 bis Endstation, dann Ueberfuhr bis zur Hütte, oder Straßenbahn Linie 25 bis Kagranerbrücke. dann zu Fuß, entlang der alten Donau. Sensationelle Fahrschul - Unterrichtserleichterunj;! Die bekannt fortschrittlichen renommierten Neudegger Fahrschulen führen eine neue FdiTitnterrtehtserleichterung ein. Die gefiirchtete Prüfungstheorie wird in den Neudegger Schulen grundsätzlich durch praktische Modelle, die neuerdings im Interesse des leichten und schnellen Erlerneus vermehrt wurden, spielend erfaßt. Die Neudegger Pannenkurse finden bei allen Schülern, Automobilisten und Presse volle Anerkennung. Wir haben uns überzeugt, daß in der Neudegger Schule mit praktischen Mitteln iür die Praxis gelehrt wird. Hier werden keine Filme vorgeiiihrt! Jeder Schüler muß praktisch die Pannen an modernen Automobilen in der Neudegger Garage finden und eigenhändig belieben! Neudegger Schulsitz: Wien VIII.. Neudeggergasse 18, Tel. B 46-5-72 und Inzersdori (N.-Oe.).

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