Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 24 (18.6.1937)
- Date
- 1937-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite b Nr. 24 — 18. Juni 1937 DiE WAHRHEIT |Tfttrtfct)aftttd)e ffietatungsftelte in der „Union'' unter Lotung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Jaden". Herrn Kommcrzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" Sdiottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung üollftommen unentgeltliche Auskunft. Oetfid)ecungsberatung in allen Zweigen der Elcmentarversidierung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namhmfte BmaBamtlguBB der Prämiensätze. „Jtlancnester Guardian" zum Itrteitim ttnatzftefenJicz- Prozeß. „Manchester G^anlian" oeiaßt sich '"r. einem Leitartikel mit der vom Warschauer Kieisgericht veröffentlichten Urteilsbegründung im Chatzkelev/icz-Prozeß und. führt avs: Ein Jude, der in der polnischen Armee gedient hatte und, wie zahlreiche Zeugen bestätigt haben, geistesgestört ist, hat seinen früheren militärischen Vorgesetzten, in dem er, zu recht oder zu unrecht, seinen Peiniger sah, ermordet. Der Mörder wurde zum Tode verurteilt. Für die Anwendung der Todesstrafe bei geisteskranken Verbrechern läßt sich wenig sagen; das ungeheuerliche Charakteristikum des Prozesses aber ist die Tatsache, daß der Staatsanwalt in seinem Plädoyer den Täter, diesen unglückseligen Halbirren, als Repräsentanten der ganzen polnischen Judenheit hinstellte. In Anwesenheit der Zeugen von der Armee, die bestätigt haben, daß die Juden außer- Trentschin-Teplitz. Ich hörte von Aerzten. die diesen Kurort besichtigten, über ihn voll höchsten Lobes sprechen. Da tauchten in mir Erinnerungen aui an vergangene, dort verbrachte Tage: Der Ort liegt in der C. S. R„ etwa vier Schnellzugsstunden von Wien entfernt eingebettet m einer wunderbaren hügeligen Landschaft Im Volksmunde wird Trentschin-Teplitz ..der Garten der -Slovakei" genannt. Und wahrlich, der Kurort «leicht im Sommer einem duftenden, blühenden Park. Jede der Villen, die meist aus dem ersten Dezennium dieses Jahrhunderts stammen, hat einen sehr schönen Garten: auch die m den letzten Jahren im modenisten Stil errichteten Gebäude entbehren nicht der Gärten und des Blumenschmucks Die langgestreckten, teils ebenen und teils leicht ansteigenden Spazierwege, die mehrmals im Tage stattfindenden Promenadenkonzerte, die fallweise arrangierten Feste. Theaterauiführungen, Konzerte und anderen Veranstaltungen lassen den Besucher den Ort als Idvlle empfinden. Die Kurmittel sind gegen Rheumatismus, Gicht, Ischias und andere Neuralgien außerordentlich wirksam. Trentschin-Teplitz besitzt ideale Schwefel-Thermalquellen. Das Heilwasser fließt in genügenden Mengen und in ertraglichen Temperaturgrenzen in die Bassins. Es muß nicht durch Süßwasser ergänzt oder künstlich abgekühlt oder erwärmt werden. Das balneologische Ideal wird dort zur Wirklichkeit, weäl der Kranke direkt in der Quelle badet und das Thermalwaisser in seinem unzerserzten Urzustand erhält. Außer dem Schwefelwasser gibt es in Trentschin-Teplitz noch ein natürliches Kurmittel, das ist der Heilschlamm, der nicht nur vom Thermalwasser mit seinem ganzen Mineralgehalte und allen seinen Heilwirkungen durchdrungen wird, sondern in dem sich auch verschiedene Komponenten des Thermalwassers absetzen und konzentrieren. Zu den natürlichen gesellen sich künstliche Kurmittel, wie z. B. ein physikalisches Institut mit kohlensauren und anderen Bädern und Abteilungen für Heilgymnastik, Elektrotherapie und Lichtbehandlung. Um gründliche und feine Diagnostik zu ermöglichen, besitzt die Anstalt auch eine mustergültige diagnostische Röntgeneinrichtung; sowie ein chemisch-diagnostisches Laboratorium. In Trentschin-Teplitz werden alle Errungenschaften der Wissenschaft ausgenützt und es wird dort auf medizinischem Gebiete nach den modernsten Grundsätzen gearbeitet. Die Preise der Bäder, der Wohnungen und der Verpflegung sind besonders niedrig. Einige Beispiele: Ein sehr nettes, modern eingerichtetes Zimmer mit Fließwasser im Zentrum österr. S 2.50. ein sehr gutes Mittagessen zirka österr. S 1.50. ein weißer Kaffee im Kaffeehaus 40 österr. Groschen, der Kaffee im Kursalon bei Tanz und Musik 70 österr. Groschen. ordentlich gute.Soldaten sind, sprach er von der Tat dieses Einzelnen als von „einem Beispiel des Hasses der Juden gegen die polnische Armee und den polnischen Staat". Der Artikel schließt: Es ist eine der größten Leistungen der modernen Justiz, den Grundsatz, daß eine ganze Gemeinschaft für die Sünden eines Einzelnen verantwortlich zu machen sei, abgeschafft zu haben. Ein Zurückgreifen auf diesen Grundsatz kann daher nicht anders a 1 s barbarisch bezeichnet werden. Die These des Staatsanwalts wurde jedoch vom Gericht unterstützt und die jüdischen Zeitungen, die Proteste gegen die Urteilsbegründung veröffentlicht haben, wurden konfisziert. Eine solche Tyrannei seitens einer Behörde, unmittelbar nach den Ausbrüchen illegaler Tyrannei in Brest-Litowsk, muß dem guten Ruf Polens im Ausland beträchtlichen Schaden bringen. Jiuat in <&nest-£iton>stit (fodesurteif. In Brest-Litowsk endete der Prozeß gegen den 18jährigen Wolf Czerbowski, den Sohn des Fleischers Isaak Czerbowski, der den Polizisten Kedziora vor dem Laden seines Vaters erstochen hat und damit den Anlaß zu dem Pogrom in Brest-Litowsk gab, mit einem Todesurteil gegen den Angeklagten. Die jüdischen Verteidiger haben — ebenso wie die des Chatzkelewicz — gegen das Urteil Berufung eingelegt. Besorgt Eure BÜCher durch die Buchhandlung Hermann Tuchner Wien IL, Ecke Taborstraße 52 Mäßige Preise! Große Auswahl! Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Grosch. per Tag sonst nichts Anfrag.: Tel. R 41 -4-20 Kataloge gratis! Ausländische Kurgäste erhalten von der Kurdirektion ohne besondere Formalitäten eine wesentliche Ermäßigung der Kurmittelpreise, auch eine Reduktion der ohnehin niedrigen Kurtaxe ist leicht zu erwirken. Trentschin-Teplitz ist insbesondere jüdischen Menschen sehr zu empfehlen, weil sich dort nie antisemitische Tendenzen bemerkbar machen und sie daher in größter Ruhe und ohne Aufregung einen Kuraufenthalt oder Urlaub genießen können. Es besteht eine jüdische Gemeinde mit einem sehr schön gebauten Tempel. Etliche Male in der Saison finden jüdische Veranstaltungen statt. Das jüdische Leben konzentriert sich um den Rabbiner Berkovicz. den Kurarzt Dr. Bogner und die Präsidentin des Frauenvereines, Esther Fischer. S. A. Abschiedsabend Leo Reuss-Brandhofer. Montag, den 21. Juni, beendet Leo Reuss-Brandhofer sein erfolgreiches Gastspiel an den Jüdischen Künstlerspielen. Für diesen Abschiedsabend wurde ein besonderes Programm zusammengestellt, das Leo Reuss zum größten Teil allein bestreitet. Er wird, dem Rahmen des jüdischen Theaters angepaßt, ein Repertoire wählen, das teils in Werken jüdischer Autoren (wie Heine, Beer-Hoffmann, Schnitzler, Moritz Seeler, Martin Buber, Werfet, Kraus) besteht, teils jüdische Stoffe des klassischen Repertoires bringt, wie „Nathan der Weise" und „Uriel Acosta". Eine besondere Sensation bedeutet es, daß Leo Reuss Gedichte von Morris Rosenfeld in jiddisch und die Entstehung der Welt in hebräischer Sprache rezitiert. Ergänzt wird das Programm durch die Mitwirkung von Jenny Lovic, diejüdische Volkslieder zum Vortrage bringen wird, sowie des Radiolieblings Dario Medina. Ueberdies wird von Schauspielern der Jüdischen Künstlerspiele der Sketch „Der Komet", von A. Meiseis, gegeben. Nur mehr wenige Karten für diese Sondervorstellung an der Theaterkassa, IL, Praterstraße 34 (Tel. R 45-4-94), erhältlich. VERKÄUFERIN der LEBENSMITTELBRANCHE bittet um Arbeit, auch zum Obst. Unter „Tüchtig" an die Administration des Blattes. GROSSFLEISCHHAUEREI I1EGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE: XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsonen von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Die Erklärung Englands über die zukünftige Palästina-Politik Mitfe Juli. Mitte Juii wird, wie die J. T, A. erfährt, die offizielle Erklärung der englischen Regierung über ihre künftige Politik in Palästina auf Grund des Berichtes der Kgl. Kommission veröffentlicht werden und gleichzeitig in London und Jerusalem erscheinen. Die Regierung trifft bereits alle nötigen Vorbereitungen, um den Bericht der Kgl. Kommission, der in den nächsten zwei Wochen veröffentlicht werden soll, unverzüglich zu behandeln: Der volle Wortlaut des Berichtes wird nur in englischer Sprache veröffentlicht werden, dagegen werden gekürzte Berichte in Palästina in allen drei Landessprachen erscheinen. Chukkat Hagojim? Wenn „Die Wahrheit" mit einer Mahnung kommt, die gewissen Kreisen unangenehm ist, dann erlaubt sich „Die Stimme", diese ernste und wohlgemeinte Mahnung als „Nörgelei" zu bezeichnen. Wir kennen die jüdisch-rituellen Einrichtungen besser als so mancher jüdischnationale „Führer" und haben bei unserer Kritik an der Veranstaltung des „Tages der jüdischen Jugend" sicherlich nicht an eine jüdische Feldmesse gedacht. Was wir gewünscht und vermißt haben, war die Anwesenheit und Ansprache des Oberrabbiners, der dazu berufen wäre, die Jugend aufzufordern, nicht nur jüdischen Sport zu pflegen, sondern auch die altehrwürdigen Werte des Judentums stets hochzuhalten. Vielleicht ist nach jüdischnationaler Ansicht auch eine solche Ansprache „Chukkat Hagojim", vielleicht ist sogar das ganze religiöse Amt des- Rabbiners „Chukkat Hagojim" — aber diese Ansicht können wir uns unmöglich zu eigen machen. Auf den Kern unserer Mahnung aber geht „Die Stimme" überhaupt nicht ein; offenbar hat es ihr hier die — Stimme verschlagen! Daß unter jüdischnationaler Flagge der Wiener jüdischen Jugend das Schowuaus-Fest vollkommen areligiös — ja sogar noch mit Uebertretung traditioneller Vorschriften — in einem Artikel dargelegt wird, in dem, obwohl es sich um das Fest der Offenbarung Gottes handelt, kein Wort von Gott oder Offenbarung vorkommt, darüber schweigt „Die Stimme" stiil. Weit haben wir es im Judentum gebracht, wenn ernste Mahnungen zur Religiosität „Chukkat Hagojim" und Gottlosigkeit „Judentum", genannt werden. Wenn der „Union" gleichzeitig der Vorwurf gemacht wird, daß sie als Treffpunkt während der Sommermonate in Ermangelung etwas Geeigneteren im Freien ein Gasthaus im Prater gewählt hat, das nebenbei unter jüdischer Führungsteht, so erwidern wir darauf, daß die „Union"" für offizielle Veranstaltungen unbedingt Religion und Tradition beobachtet wünscht, was bei jüdischnationalen Veranstaltungen nicht der Fall ist, diese Momente auch bei ihren einzelnen Mitgliedern intensiv fördert und daher annimmt, daß die Besucher der Zusammenkünfte in jenem Gasthaus» dortselbst nur solche Speisen genießen, die durchaus erlaubt sind, zumal die Konsumation der Jahreszeit entsprechend meist in Getränken besteht. Die Nationalzionisten, die die Ritualvorschriften öffentlich mißachten, haben natürlich ant wenigsten Grund und Anlaß zu solcher Kritik. Hortator.