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Die Wahrheit · 1937-06-18 · Heft 24 (18.6.1937) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 24 (18.6.1937)
Date
1937-06-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 24 — 18. Juni 1937^ Seite 5 Jüdischnationales Geschimpfe. Die Vorbereitung des für den 3. August nach Zürich einberufenen 20. Zionistenkongresses läßt nichts von Jubiläumsstimmung merken, sondern verrät -eher den tiefsten Katzenjammer. Von den beiden Teilen der Balfour-Deklaration: Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina und Auf- Techterhaltung der jüdischen Gleichberechtigung in den Diaspora-Ländern, hat vorläufig der zweite Teil schon in aller Form versagt und Hitler hat soeben dem politischen Zionismus .seinen Dank für die wertvollen Dienste, die ihm die jüdischnationale Ideologie zur Rechtfertigung der Dissimilation der deutschen Juden leistete,, dadurch abgestattet, daß er die „staatszionistische" Parteileitung mit den Rechten der bisherigen jüdischen Reichsvertretung ausstattete. Aber auch die Tage des ersten Teiles .sind bereits gezählt und es ist kein Geheimnis, daß die königliche Kommission, die sich schon seit vielen Monaten mit den Verhältnissen in Palästina befaßt, im Grunde nur die eine Aufgabe hat, das Projekt der jüdischen Heimstätte auf möglichst ■schmerzlose — nämlich für England schmerzlose — Art zu liquidieren. Nur über die Mittel, die sie schließlich als für diesen Zweck am geeignetsten empfehlen wird, herrscht noch Unklarheit und allen Meldungen, die bisher darüber in nimus entpuppt sich demnach da als ein Duell Heilig kontra Heilig, der offenbar von denselben Impulsen bewegt ist wie der Nestroysche Holofernes: „I möcht am liebsten mit mir selber raufen, um zu sehen, wer stärker is: i oder il" Das sportsachverständige Publikum verfolgt mit Spannung diesen Zweikampf, der in Wirklichkeit ein Einkampf ist. Wer wird siegen: Heilige Begeisterung für die jüdischnationale Ideologie oder scheinheiliger Abonnentenfang in Tel-Aviv? Es ist nicht unsere Sache, uns den Kopf darüber zu zerbrechen, ob die „Stimme" klug daran getan hat, solche Fragen zu provozieren. Worum es uns in dieser Angelegenheit geht, ist die klare und eindeutige Entlarvung derjenigen, die an der Vergiftung des innerjüdischen Lebens schuld sind. Wir Juden repräsentierten nicht die geistige Po- ©eefeld in Tirol 1200 m ü. d. M. Haus Sonneck Sngj)üdischer In zentraler sonnigster Lage, mit prächtiger Aussicht und allem Komfort. Neu renoviert. Mäßige Preise- Näheres auch IX., Porzellangasse 5 / Tür 9" jüdisches Kinder-Ferienheim iVTHF*'Spital a Semmering *82°m' Modernst Rituell Erstrangig Inhaber und pädagogischer Leiter: A. Taglicht Ständige ärztliche Kontrolle Glänzende Erholungseriolge Ärztereierenzen Sekretariat: IX.,Schwarzspanlerstr.l2/3. Tel. A 26-3-73 tenz, auf die wir mit Recht stolz sind, wollten wir jede Differenziertheit in Weltanschauungsfragen nivellieren. Es gereicht der Judenschaft zur Ehre, der geistigen Nivellierung zu widerstreben. Eine Schande aber ist es, Meinungsverschiedenheiten nicht in der vornehmen Form sachlicher Fundierung auszutragen, wie wir Assimilanten stets beflissen sind, sondern durch eine schimpfliche, ganz unbegründete Herabsetzung des jüdischen Gegners. {in 9eistes£estörter — „(Repräsentant" des poinisihen Judentums. Judo j£etf» "Chatz&etenicz zum (fade verurteitt. - Unerhörte antijüdisdie Metze des ftaatsamvattes. die Oeffentlichkeit lanciert wurden, mangelt der offizielle Charakter. Würden sich die Zionisten mit dieser Feststellung, die die „Wahrheit" mit journalistischer Gewissenhaftigkeit bei der Wiedergabe solcher Meldungen stets betont hat, begnügen, dann würden sie korrekt und weise handeln. Aber statt dessen lassen die Jüdischnationalen ihrer schlechten Laune über das Fiasko ihrer gesamten Politik die Zügel schießen und konzentrieren nach bewährtem Muster ihren kochenden Zorn auf das unschuldigste Objekt: Wer ist schuld? Die — Assimilanten . . . Diese Schlimmen, die ihre Prophezeiungen über die Untauglichkeit des politischen Zionismus zur Lösung der Judenfrage jetzt in Erfüllung gehen sehen, müssen sich sagen lassen, daß sie von jüdischer Politik, ja vom Judenrum überhaupt nichts verstehen: „Die zionistische Weltanschauung, ihre Ideologie und ihre vorbehaltlose Ablehnung jedweder Form der Assimilation bleibt diesen Menschen fremd und unheimlich und ihr Judentum gibt sich, insoweit es sich äußert, in der Erfindung oder Kolportage der sogenannten jüdischen Witze kund", wettert die „Stimme". Man könnte diese Zensur der Gestrandeten über die Warner, die ihnen dieses Ende stets vorhersagten, heiter genug finden, aber es kommt noch viel drolliger: Die Zeitungen, die die den Jüdischnationalen unangenehmen Nachrichten dem Publikum vorsetzten, gehören nach dem Urteil der „Stimme" „samt und sonders einer Richtung an, die zum Judentum-nur Matrikelbeziehungen unterhält und ansonsten allen jüdischen Bestrebungen nur die kalte Schulter zeigt. Alle diese Blätter wollen vom Zionismus nichts wissen und sie haben ihm erst von dem Augenblick an etwas mehr Freundlichkeit gezeigt, als sie auf etwelche Abonnenten in Tel-Aviv hofften." Nun ist die Zeitung, die diesen ganzen Zornerguß heraufbeschworen hat, das Wiener Montagblatt „Der Morgen", der in seinen beiden letzten Ausgaben sensationelle Meldungen über die angeblich beschlossene Teilung Palästinas in eine jüdische Republik und eine arabische Monarchie und sogar Interviews mit zionistischen Führern hierüber veröffentlichte, während die „Stimme" sowohl die Meldungen als auch die Interviews als gefälscht bezeichnet. Der für jüdische Fragen sonst zuständige Redakteur des „Morgen" ist Herr Bruno Heilig und der Hauptschriftleiter der „Stimme" ist gleichfalls Herr Bruno Heilig. Der angebliche Konflikt zwischen Assimilation und Zio- Das Warschauer Gericht hat am 8. Juni nach achttägiger Verhandlung den jüdischen Arbeiter Juda Leib Chatzkelewicz, der am 1. Juni 1936 in Minsk -Mazowiecki seinen früheren militärischen Vorgesetzten, den Sergeanten Bujak, durclreinen Revolverscliuß getötet hatte, zum Tode durch den Strang verurteilt. Der Angeklagte, dessen unsinnige Tat die fürchterlichen antijüdischen Ausschreitungen in Minsk- Mazowiecki ausgelöst hatte, wurde des vorbedachten Mordes für schuldig befunden. Der Verteidiger Chatzkelewicz' berief sich in seinem Plädoyer auf das Gutachten der medizinischen Sachverständigen, daß Chatzkelewicz geistesgestört sei, und machte mildernde Umstände KONKURS Der Isr. Tempelverein IX., Müllnergasse fnfhf für den von seiner Filiale Bikkur Caauiim IX. anläfl- «*UUIB «eh der Hohen Feiertace im „Auge Gottes" veranstalteten Festgottesdienst einen Baal Sdracharis, £«T«ta""~B Ollerle bis 20. Juni 1937 an Vorsteher Salomon Österreicher, IX., Llecntensleintraöe 113 geltend. Tatsächlich haben die gerichtlich bestellten Psychiater auf Grund der Tagebücher des Angeklagten und einer sechswöchigen Beobachtung in einer geschlossenen Anstalt festgestellt, daß Chatzkelewicz ein zu Zwangsvorstellungen neigender, höchst exaltierter und von dem Gedanken, daß all sein Unglück seine Wurzel in den Erlebnissen während seiner militärischen Dienstzeit hat, beherrschter Psychopath und für seine Taten nur in eingeschränktem Maße verantwortlich sei. Andere Psychiater, die der Verhandlung beigewohnt haben, sind der Ansicht, daß der Angeklagte vollständig unzurechnungsfähig ist. Daß der Angeklagte nicht normal ist, ist auch daraus zu ersehen, daß er, als man ihm von den furchtbaren judenfeindlichen Ausschreitungen erzählte, die durch seine Tat in Minsk-Mazowiecki hervorgerufen worden waren, erklärt hat: Was geht das mich an? Die Pest hole alle Juden! Das Gericht machte sich jedoch die psychiatrischen Gutachten nicht zu eigen. Einen gefährlichen Präzedenzfall stellte das Plädoyer des Staatsanwaltes dar. Zum erstenmal in der Geschichte der polnischen Justiz geschah es, daß der Staatsanwalt in seiner Anklagerede auf die Haltung der gesamten jüdischen Bevölkerung Polens gegenüber dem Staat Bezug nahm. Vom Beginn des Prozesses bemühten sich Staatsanwalt Zelinski und die nationaldemokratischen Advokaten, die die Vertretung der Witwe des Ermordeten übernommen hatten. Beweise für ihre Annahme zu erbringen, daß Chatzkelewicz die Tat nicht aus persönlichen Motiven, sondern als Beauftragter politischer Hintermänner verübt hat. Anhaltspunkte für diese Annahme hat das Beweisverfahren nicht ergeben. Trotzdem erklärte der Staatsanwalt in seiner Anklagerede, daß „der Mord an Bujak die logische Konsemienz der Haltung der Juden gegenüber der polnischen Armee sei und daß es sich um eine vorbedachte Tat seitens des polnischen Judentums handle". Die Vertreter der Privatklage ergingen sich in Anschuldigungen der gesamten polnischen Judenheit, der sie vorwarfen, von der Tat Chatzkelewicz's vorher gewußt zu haben. Der Advokat Suchodolski behauptete, die Juden lehrten ihre Kinder, Polen zu hassen; das jüdische Volk habe Chatzkelewicz zu dem Mord aufgehetzt, die Religion der Juden gewähre Vergebung für Sünden, die gegen Angehörige anderer Völker begangen werden. In der vom Vorsitzenden, Richter Nosemkiewicz, verlesenen Urteilsbegründung wird gesagt, daß das Verbrechen hauptsächlich auf die feindselige Haltung eines bestimmten Teiles der jüdischen Bevölkerung und der jüdischen Presse gegenüber dem polnischen Staat und der polnischen Armee zurückzuführen RKULEIN sucht Halbtags-Beschäftigung zu Kranken oder Kindern Zuschriften unter „Verläßlich" an die Administration des Blatte. Jüdische Männer und Frauen! Gedenket bei Antritt Eurer Sommer-Erholung der armen Jüdischen Kinder und spendet reichlich für die Ferienaktion der Kultusgemeinde „KINDER AUFS LAND" Spenden erbeten an: Fürsorgezentrale der Kultusgemeinde Wien /., Seitenstettengasse 2 Postsparkassen-Konto: B 29-659.

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