Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 24 (18.6.1937)
- Date
- 1937-06-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064663-3064686--21185-3086513- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE WAHRHEIT Nr- 24 — 18- Juni 1937 Seite 3 Lehrerkonferenz der Union. Mittwoch, den 9. Juni fand im Klubheim der „Union" die zweite Lehrerkonferenz der nichtjüdischnationalen Religionslehrer der Volks- und Mittelschulen statt, die einen sehr guten Besuch aufwies. Welch großes Interesse die „Union" an den Beratungen der Lehrerschaft hat, konnte man daraus ersehen, daß nebst dem Obmanne des Schulkomitees der ..Union", Herrn Dr. Josef T i c h o Herr Börserat Heinrich Popper, ObmannsteH* Vertreter der Unterrichtskommission der Kultusgemeinde, die Herren Kultusvorsteher Dr. Feldsberg und Dir. W e i g e r, weiters vom Zentralvorstande der „Union" Herr Otto Salus, sowie der Chefredakteur der „Wahrheit", Herr Oskar Hirschfeld, teilnahmen. JCucact Sauecikunti Ausflugsort u. Sommerfrische, Kohlensäurebäder u. fein schmeckender Säuerling. Gesunde u. preiswerte Sommerwohnungen. Rituelle Speisehäuser zu billigen Preisen. Auskünfte erteilt die Kurkommission Sauerbrunn, die Werbestelle des Landesverbandes für Fremdenverkehr im Burgenland und der Heil- und Kurorteverband, beide Wien I., Nlbelungangasse 1 landsliete. Diese haben iür die Erziehung der jüdischen Jugend Oesterreichs Geltung. Alle anderen Belange müssen zurücktreten. Die Kenntnis der hebräischen Sprache ist wichtig, soweit es sich um die Erlernung der Bibel und der Gebete in der Ursprache und der religiösen Literatur handelt. Nur national eingestellte Kreise haben begreiflicherweise weniger das religiöse Interesse im Auge, denn für sie ist die Sprache vor allem ein nationales, nicht ein religiöses üut. An die mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Herrn Dr. Ticho schloß sich eine sehr lebhafte Diskussion an. Herr Rabbiner Prof. Dr. P a p o entwickelte ein großzügiges Kulturprogramm, das in der Forderung gipfelte, die Jugendorganisationen der „Union" auszubauen und Vorträge, die der religiösen und vaterländischen Erziehung dienen, abzuhalten. Hiebet soll auch die Pflege des Sportes und der Geselligkeit nicht vernachlässigt werden. Wir müssen der Jugend den Sinn für religiöse Betätigung beibringen. Schon jetzt wollen wir die Vorbereitungen für die Arbeit des nächsten Jahres treffen. Lehrer Markus Pick fordert, mit der Kulturarbeit bereits beim schulmäßigen Religionsunterrichte zu beginnen, der sehr viel Wertvolles SUCfcld rmoLi2oom Pension Geschwister Seheer letzt Haus Waldruhe, am See 9 herrliche Lage mitten im Walde beste Verpflegung und Unterkunft % streng orthodox Wie in der ersten Lehrerkonferenz hat auch diesmal der Vorsitzende, Herr Dr. T i c h o, Ziel und Zweck der Lehrerkonferenz der unionistisch eingestellten Lehrer auseinandergesetzt. Seine klaren Ausführungen, die diesmal dem Erziehungsproblem der jüdischen Jugend a u ß e rhalb der Schule galten, zeigten wieder, mit wieviel Verständnis und logischer Konsequenz der Vorsitzende die gesetzlichen Bestimmungen betreffend die religiös-sittliche und vaterländische Erziehung der jüdischen Jugend interpretierte. Die einseitig nationale Beeinflussung der Jugend hat eine indifferente, wenn nicht gar negative Einstellung zur Religion zur unausbleiblichen Folge. Die Lehrerschaft muß dafür sorgen, daß dem Wunsche der unionistischen Eltern Rechnung getragen werde, die Jugend im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen, die mit dem „Union"-Gedanken identisch sind, auch außerhalb der Schule religiös-sittlich und vaterländisch zu erziehen. Unsere Ideale sind Religion, Kultur und Vatermeinem Judentum; ich kann nicht mehr sagen; I der Leitsatz meines Schaftens heißt: Durch Leben, Lehre und Kultur zur Religion." Die Jugend wurde mir dargestellt durch einen [ ganz jungen Rabbiner, Dr. K a t o n a Joszet, der allerdings sein Amt nicht ausübt, sondern bemerkenswerter Weise das Jugendreferat in der Gemeinde innehat. „Wie ist die Lage der jüdischen Jugend hier?" fragte ich ihn. „Noch nicht ganz so, wie wir sie wünschen. Die meisten unserer jungen Menschen waren bis vor einigen Jahren ganz indifferent. Diese bemühen wir uns jetzt zum Judentum zurück- bzw. erst hinzuführen." „Und wie machen Sie das?" „Wir haben zuerst eine Kartothek aller jungen Juden hier angelegt — es war eine riesige Arbeit. Dann haben wir jedem einzelnen einen Brief geschrieben, in dem wir ihm sagten, daß wir uns bemühen wollten, ihm, dem jungen Juden, einen Halt für sein Leben in der Welt zu geben, daß wir ihm seine Religion nahebringen wollen, die ihn erst wirklich zu dem Menschen machen kann, der voller Bewußtsein seiner eigenen Quellen für sein Vaterland leben und wirken kann. Wir haben auf diese Umfrage zuerst wenig Antworten erhalten und es meldeten sich zu der von uns vorgeschlagenen persönlichen Rücksprache5 nur einige, die uns wahrscheinlich sowieso nicht ganz ferngestanden hatten.,Da setzt« unsere Kleinarbeit ein. Heute haben wir einen Kreis von 5000 jungen Menschen, denen wir in allen Stadtteilen ihr besonderes gesellschiaftliches, geistiges und kulturelles Leben zu geben bestrebt sind, neben all dem andern, was die Kreise ihrer Heimat ihnen bieten. Allwöchentlich machen wir Veranstaltungen, in denen junge Wissenschaftler, Schriftsteller, Berufstätige sprechen; wir bringen aber nicht ausschließlich jüdische Themen, um jede Art von Einseitigkeit zu vermeiden . . ." Restaurant Stefanie Hugo u. Julie Herlinger, geb. Zollner Ii., TaborstraBe 12 Tel. R 48-4-46 ' Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl. Reichhaltige Menüs von S 1.60 aufwärts. Exakte Bedienung. Schöner schattiger Garten. Angenehmer Aufenthalt. schaffen kann, leider aber gegenwärtig vielfach von iüdischnationalen Lehrern auch zu parteipolitischer Agitation mißbraucht wird. Man müsse dahin wirken, daß die Schüler nicht von den Religionslehrern in politische Jugendbünde gepreßt werden, wo sie von unreifen wissen- und gewissenlosen Führern verhetzt werden. Man habe der Jugend reichlich an religiösen und ethischen Werten des Judentums zu bieten, die dem heranwachsenden Kinde dauernden Hait geben. An der Diskussion beteiligten sich ferner die Lehrer Josef Pick, der auf die kulturellen Einrichtungen der Budapester Gemeinde verweist, und Lehrer Gotthold Antscherl, der gegen die Bevorzugungen und Zurücksetzungen von Lehrern aus parteipolitischen Gründen, Stellung nahm. In scharfer Weise wandte sich Herr Doktor Feldsberg gegen die jüdischnationalen Religionslehrer, die ihren Beruf in den Dienst der nationalen Politik stellen und Katheder und Kanzel zu Agitationszwecken mißbrauchen. In seinem Schlußworte kam der Vorsitzende, Herr Dr. Ticho, auf die Ausführungen jedes einzelnen Redners zurück und versicherte die Lehrerschaft der Unterstützung der „Union". Er forderte ganze Arbeit von allen Lehrern auf dem Gebiete der religiös-vaterländischen Erziehung. „Die Zeit der Surrogate ist vorüber! Geben Sie der Jugend echtes, wahres Judentum als Stütze für ihren Lebensweg!" Im Sinne des Referenten wurde ein kleines Komitee eingesetzt, welches beauftragt wurde, alle Vorarbeiten für die Durchführung des Kulturprogrammes der „Union" zu treffen. An einem Strange. National-politischer Zionismus als Unheilstifter in Polen. Wir werden nicht müde werden, immer wieder auf die verhängnisvollen Auswirkungen des jüdischen Nationalismus und politischen Zionismus hinzuweisen, dessen sich die judenfeindlichen Völker in aller Welt mit größter Freude zu bedienen bereit sind, um die Juden rasch, bequem und biliig loszuwerden. Uns allen ist noch in schauriger Erinnerung, wie seinerzeit vor etwa einem halben Jiahr die wüstesten Antisemitenblätter :ns auf der ersten Seite das Bild Jabotinskys brachten, dem sie nach der Proklamierung seines „Evakuierungsplanes" als dem großen Befreier der Juden und Polen zujubelten. Konnte damals die erdrückende Mehrheit des polnischen Judentums diesen Mann mit Leichtigkeit als unverantwortlichen politischen Glücksritter und Abenteurer abschütteln und sich gegenüber der Regierung und dem polnischen Volke gegen derartige ..Erlösungsprogramme" verwahren, so fällt es den polnischen Juden schon bedeutend schwerer, die aus dem Arsenal des politischen Zionismus geholten Argumente der Antisemiten zu widerlegen, die lammfromm erklären, die Juden sollten doch einmal die Konsequenzen aus ihrem tatsächlich vorhandenen völkischen Andersgeartetsein ziehen und Polen verlassen. Angesichts der starken antisemitischen Welle, die heute durch Polen geht, und im Hinblick auf das Bestreben der polnischen Judenhasser, der Oeftentlichkeit mit „plausiblen" Gründen für ihre Forderung nach Auswanderung der Juden zu dienen, sollte doch alles vermieden werden, was unseren Todfeinden ihr Handwerk und ihre Propaganda erleichtern könnte. Leider aber ist es in Polen ebenso wie in der übrigen Welt: Politische Zionisten und Antisemiten blasen vielfach in dasselbe Horn, beide erklären das Judentum als eine „Nation" — wollen aber aus dieser These ganz entgegengesetzte Konsequenzen ziehen: während erstere volle Rechte als Sontlervolk und polnische Bürger verlangen, fordern die Antisemiten Ausstoßung der Juden aus der polnischen Volks- und Staatengemeinschaft und völlige Auswanderung. Im Folgenden lassen wir die Stimmen zweier führender, vom landesüblichen Antisemitismus sich noch einigermaßen distanzierender polnischer Blätter folgen, die die ganze, durch die jüdischnationalen Irrlehren selbst in den hellsten Kopien der Andersgläubigen angerichtete Verwirrung in ein groteskes Licht rücken. ..Alle nationaljüdischen Zeitungen", so schreibt der konservative „Czas", „stehen auf dem Standpunkt der jüdischen Eigennationalität. Aber sie wollen ihren Nationalismus mit dem Verbleiben in der Diaspora in Einklang bringen, noch mehr, sie wollen, daß die Völker aus dem jüdischen Nationalismus keinerlei Konsequenzen ziehen. So aber", fährt das Blatt wörtlich fort, „darf man die Sache nicht verstehen. Die Juden wollen eine Nation werden und lehnen die Assimilation ab. Das steht ihnen frei. Aber daraus ergibt sich eine Reihe schwerwiegender Konsequenzen. Wenn die Juden ihr Eigenleben bewahren wollen, dann sollen sie sich nicht wundern, wenn die Völker sie als Fremdkörper ansehen, Wenn sie internationale Organisationen haben, die ihre eigene gemeinsame Politik führen, dann sollen sie auch verstehen, daß die Völker sie als ein Element behandeln, das in erster Linie die Interessen des jüdischen Volkes wahrnimmt und dann eventuell die des Wirtsvoikes. Die Interessen der Juden können sich mit denen des Wirtsvolkes decken, sie können aber auch im Gegensatz zu ihnen stehen. Der zweite Fall ist bedeutend häufiger. Es ist das gute Recht jedes Volkes, wenn es sich zuerst um seine eigenen und dann um fremde Belange kümmert. Das ist in Ordnung. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn ein Volk sagt, wir kümmern uns um unsere Interessen und um eure nur dann, wenn sie sich mit unseren decken, und wenn es dazu noch verlangt, daß es ohne irgendwelchen Unterschied behandelt wird. Diese Einstellung vertritt die nationaljüdische Presse. Die Verteidigung eines solchen Standpunktes ist aussichtslos. Wenn