Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 23 (11.6.1937)
- Date
- 1937-06-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 23—11. Juni 1937 SeiteJ SchmUckuna von Gruiten ond öräDcrn LeopoldDeutscliJienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor. Tel. U 17-0-08 Eiaene Kaltaren Eine antisemitische Bemerkung — zwei Monate Zuchthaus. John Penfold, 46 Jahre alt, angeblicher „Auktionator" von Beruf, erschien als Beschuldigter vor dem Gericht in London, angeklagt der Verletzung des Gesetzes von 1936 zum Schutze der öffentlichen Oordnung (Public Order Act). Inspektor Duignan von Scotland Yard .sagte aus, der Angeklagte habe am 13. Mai auf dem Finsbury-Square in einer Versammlung Sätze gesprochen, auf die hin die Menge sich „very demonstrative" gezeigt hätte. „Holt ihn herunter!" habe man aus der Menge geschrien. Hätte er, Inspektor Duignan, den Angeklagten nicht vom Pieck weg verhaftet, so wäre ein „Friedensbruch" zu befürchten gewesen. Der inkriminierte Satz aber, den John Penfold in der Versammlung auf Finsbury-Square gesprochen hat, lautete: „England wird nicht wieder England sein, solange nicht der letzte Jude über den Laufsteg der .Queen Mary' geht." Es lolgten einige Beschimpfungen der jüdischen Frauen. Die riefen in der Menge der Zuhörer besonder« Erbitterung hervor. (Oberkellner Jude, Familienvater, erstklassiger Fachmann, repräsentationsfähig, sprachenkundig, bittet um Beschäftigung. Beste Zeugnisse und Referenzen. Unter „Repräsentativ" an die Administration. Penfold, der sich offenbar erhabene Vorbilder des Auslandes zum Beispiel genommen, verteidigte sich, indem er sagte, die besten öffentlichen Redner seien noch immer die größten Provokateure gewesen. Dem pflichtete das Gericht anscheinend bei, dürfte aber anderseits der Meinung gewesen sein, daß England nicht mehr England wäre, wenn es Provokateure von der Art John Penfolds straflos ausgehen ließe und verurteilte ihn zu zwei Monaten Zuchthaus. Politischer Schwebe~Zustand schädigt Palästina-Wirtschaft. Auf der Generalversammlung der Anglo- Palestine Bank in London äußerte sich der Vorsitzende, L. Istorik, über die Zusammenhänge zwischen politischer Lage und Wirtschaftskonjunktur in Palästina. Er sagte, solange keine endgültige und mehr oder weniger zufriedenstellende Politik in Palästina festgelegt worden sei, müsse das Land in einem Zustand der Ungewißheit bleiben, was sich sehr ungünstig auf die Investitionsfreudigkeit und den Geschäftsverlauf im allgemeinen auswirke. Diese Ungewißheit und die in ihrem Gefolge auftretende Stagnation beherrsche das Bild und es gebe wenig Hoffnung f ü r e i n e B e 1 e b u n g, bis ein zufriedenstellen- ■ des politisches Arrangement getroffen worden ist. Präsident Istorik erklärte sodann, daß die Anglo-Palestine Bank in keiner Weise von den Unruhen des vergangenen Jahres betroffen worden sei. Selbstverständlich habe man im Jahre der Unruhen nicht so vorteilhaft abschneiden können, wie in den früheren Jahren. Das Kreditge- Idealer f er ienauf enthalt_ fö1,^,""1-Ier, G,,W»»»?/ Eri"»»»r <«« «*lUd.eD u. franx^isd.« SÄJSy^T1 mr Matte"Pradien «l« psa.g»- Daden bei Wien sL«d^yk TL7?","".] / * M«*» vom btoandbad und Nadelwald / Vornehme. Familienmilieu / Jeder Komf rt. Sonnenfcrrauen / Pinj-Pooj / Ober Wunsch auch ESSTh WSio. ^S?0'«*»» IS «ichh*Hi»;e Mahlzeiten / Hyfienüche LebennreU. / Verläflliche Auf- ™t,™,*"IIl,B nmraui ,OB we«»»-ri«inpro««t <w;t tBilanerwBc z», icicptMa: 091/11 schäft habe nachgelassen und der Reingewinn, der im vergangenen Jahre 130.000 Pfund betragen hat, sei auf 96.000 Pfund zurückgegangen. Dennoch könne man unter Berücksichtigung aller Umstände sagen, daß die Bank nicht schlecht gearbeitet habe. Die Verwaltung der Bank hat der Generalversammlung die Verteilung von 8 Prozent Dividende vorgeschlagen. Arabische „Friedensbedingungen". Wie die Jerusalemer Tageszeitung „Haare z" aus L0nd0n berichtet, hat das neue proarabische Komitee," das mit Unterstützung der arabischen Teilnehmer an den Krönungsfeierlichkeiten gegründet wurde, bekanntgegeben, daii die Araber Palästinas bereit seien, unter folgenden Bedingungen mit den Juden Frieden zu machen: Die jüdische Einwanderung soll nur in solchem Ausmaß zugelassen werden, daß die jüdische Bevölkerung nie größer wird als 30 Prozent der Gesamtbevölkerung. In demselben Rahmen soll sich auch der jüdische Bodenbesitz halten. Die Jewish Agency soll eine philanthropische Einrichtung zur Behandlung von Einwanderungsfragen werden. 40 Jahre Dr. Krüger-Heim. Am Vormittag des 3. Juni fand im Dr. Krüger- Heim aus Anlaß des 40jährigen Jubiläums eine Festsitzung statt, die einen ungemein würdigen und feierlichen Verlauf nahm. Nach einer musikalischen Einleitung begrüßte die Präsidentin des Heimes, Frau Obermedizinalrat Dr. Krüger, die Festgäste und zahlreich erschienenen Delegationen. Die besondere Wertschätzung, der sich das Dr. Krüger-Heim seit Jahrzehnten erfreut, kam auch dadurch zum Ausdruck, daß nicht nur die ersten Frauen des Landes und der Stadt das Heim durch ihren Besuch auszeichneten, sondern daß auch eine Vertretung des Herrn Bundeskanzlers erschienen war. Es waren erschienen: Frau Bundespräsidentin Leopoldine M i k 1 a s, Frau Bürgermeister Schmitz, Herr Min.-Ob.-Komm. Dr. S u c h a n e k in Vertretung des Herrn Bundeskanzlers. Für den 1. Bezirk waren erschienen: Herr Stadihauptmann Hofrat Weybora, Herr Der Iar. Tempelverein IX., Müllnergasse onff|f für den von seiner Piliale Bikkur Chaulim IX. anU 3IHIH lieh der Hohen Feiertaje im „Auge Gottes" vers stalteten Festgottesdienst einen Daal Sdiacharis, S«S2bJ!r° Bezirksvorsteher P i n k, in Vertretung des Herrn Bezirkshauptmannes Herr Mag.-Ob.-Komm. Dr. Kirchheiser. Das Handelsministerium war durch Frau Hofrat G e y 1 i n g und Frau Regierungsrat Schachner vertreten, der Stadtschulrat durch Herrn Hofrat Bernhard. Für die Wiener Israelitische Kultusgemeinde waren zahlreiche Vorstandsmitglieder erschienen. Fener sah man Vertretungen sämtlicher Wiener Frauenvereine mit der Präsidentin der Weiblichen Fürsorge Frau Dir. Regine U11 m a n n an der Spitze, den Präsidenten der „Union österr. Juden" Herrn Reg.-Rat Dr. Oppenheim, den Präsidenten der Israelitischen Allianz Herrn Dr. Jakob O r n s t e i n und Herrn Rabb. Dr. K a m i n k a, weiters Herrn Univ.-Prof. Dr. Zapper t, Frau Irene Harra nd, Vertretungen der Jugendfürsorge der Gemeinde Wien und der Israel. Kultusgemeinde u. v. a. Herr Rabi>. Dr. P o 11 a k sprach Worte der Weihe und segnete das Haus. Hierauf berichtete die Präsidentin des Dr. Krüger-Heimes, Frau Dr. Krüger, über die Entstehung und den Aufbau des Hauses, das seit seiner Gründung nur ein Ziel hatte: das Los der weiblichen Jugend grundlegend durch Erziehung zur Arbeit zu verbessern. Hierauf gratulierten Herr Bezirksvorsteher P i n k im Namen des 2. Bezirkes und Herr Amtsdirelctor Doktor Löwenherz namens der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde und würdigten die Verdienste des Doktor Krüger-Heimes. Hierauf sprach namens der Wiener Frauen die Nestorin der Frauenbewegung Frau Direktor Regine U11 m a n n in bewegten Worten über die Arbeit und Erfolge des Heimes und seines Gründers und langjährigen Präsidenten, des verstorbenen Herrn Ober-Medizinalrates Dr. K r ü g e r s. A. Jüdisches Kinder-Ferienheim k ff Spital a. Semmering (820 ff JUID ___ Modernst ^9rm » mmw Rituell ■^^^■■■■B Erstrangig Inhaber und pädagogischer Leiter: A. Täglich1 Ständige ärztliche Kontrolle Glänzende Erholungserfolge Ärzt«referenzen Sekretariat: IX.,8cbwarzspanlerstr.l2/3. Tel. A 26-3-73 Mit besonderer Genugtuung erfuhren die versammelten Festgäste, daß der Herr Bundeskanzler aus privaten Mitteln dem Heime eine Geldspende zukommen hat lassen und daß die Wiener Israelitische Kultusgemeinde in Anerkennung der außerordentlichen Verdienste des Dr. Krüger-Heimes diesem eine namhafte Jubiläumsspende zugedacht hat, ebenso die Israelitische Allianz. Für die große Popularität und Anerkennung des Hauses sprechen viele Telegramme und Briefe aus nah und fern. Ihre Abwesenheit entschuldigten schriftlich: Der Herr Bundesminister für Handel und Verkehr Taucher, Füretin Starhemberg, Herr General Sommer vom Reichsverband jüdischer Legitknisten Oesterreichs, die Präsidentin des Wiener Frauen-Erwerb- Vereines u. v. a. Die vornehme und würdige Feier wurde mit dem Absingen der Bundeshymne und des Liedes der Jugend beschlossen und Frau Bundespräsidentin M i k 1 a s sowie Frau Bürgermeister Schmitz eröffneten die Ausstellung der Arbeiten aus den Frauenberufsschulen des Heimes. Die Arbeiten erregten allgemein Aufsehen und lösten begeisterte Anerkennung aus. Eine nachahmenswerte Aktion der ungarischen Juden. Die Ungarländische Isr. Landeskanzlei und die Pester Kultusgemeinde haben im Interesse der deutschen jüdischen Jugend eine Sommerfrischen- Aktion eingeleitet, in deren Rahmen deutsche jüdische Mittelschüler und Mittelschülerinnen (Gymnasiasten) in den Sommerferien bei solchen ungarischen jüdischen Familien untergebracht werden könnten, wo es Schulkameraden in ähnlichem Alter gibt. Die Aktion soll im Einvernehmen mit dem „Hilfsverein der Juden in Deutschland" abgewickelt werden. Das Theaterensemble der „Habimah" verunglückt. Wie aus Tel Awiw gemeldet wird, wurde das auf einer Theatertournee durch die Städte Palästinas befindliche Ensemble des bekannten jüdischen Theaters Habimah das Opfer einer Autokatastrophe, bei der zwei Todesopfer und mehrere Schwerverletzte zu beklagen sind. Das Ensemble hatte am vergangenen Sonntag eine Tournee begonnen, die erste Vorstellung sollte in T i b e r i a s stattfinden. Das gesamte Persona!, etwa ein Dutzend Personen, fuhr in einem Autobus, der kurz vor der Einfahrt nach Tiberias an einer abschüssigen Stelle umstürzte und alle Passagiere unter sich begrub. Zwei der Passagiere erlitten tödliche, fast alle übrigen schwere Verletzungen. Die Gattin eines Hoteliers aus Tiberias, die mit den Künstlern gefahren war, blieb auf der Stelle tot, der Schauspieler Jakob A v i t o 1 erlag später seinen schweren Verletzungen. Von den Künstlern erlitt der bekannte Schauspieler K1 a z k i n einen schweren Schädelbruch. Der Star der Gruppe, Frau Raw i n a, wurde mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht, ebenso die anderen Schwerverletzten. Eine aus Tel Awiw sofort abgeschickte Hilfsexpedition brachte den bekannten Berliner Chirurgen, Professor Dr. Markus, nach Tiberias, der eine Reihe schwerer Operationen an den Verunglückten vornahm, deren Befinden sich inzwischen gebessert hat. Dbf ffiNiD „Oestirp. Seiiiospiz in BratJo" (Präsidentin Sofie Grünfeld) sendet Anfang Juli zarte, anämische, zu Katarrhen neigende jüdische Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren unter ärztlicher und pädagogischer Aufsicht in sein eigenes Heim nach Grado (Italien). Ein 30tägiger Aufenthalt am Meer, bei 5 Mahlzeiten (rituelle Küche) kostet S 5.— täglich. Reisebeitrag für Kinder unter 10 Jahren S 35.—, über 10 Jahren S 50.— tour-retour. Anmeldungen im Vereinsbüro, IX., Türkenstraße 17, von 10—13 Uhr, Telephon R 51-5-63.