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Die Wahrheit · 1937-06-11 · Heft 23 (11.6.1937) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 23 (11.6.1937)
Date
1937-06-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite b Nr. 23— 11. Juni 1937 DIE WAHRHEIT |trtfcbaftlid)e Vom englischen Board of Deputies. Unter dem Eindruck der Ausschreitungen von Brest-Litowsk hat der Board of Deputies das Joint Foreign Committee beauftragt, eine Hilfsaktion durchzuführen und alle bisher von verschiedenen Stellen zugunsten der Juden Osteuropas unternommenen Teilaktionen zu einer großen einheitlichen Aktion zu vereinigen. In der auf Antrag des Präsidenten Neyille Laski angenommenen Resolution wird erklärt, daß unter der Aufsicht des Board eine einheitliche Hilfsorganisation für die Judenheit Polens und der anderen osteuropäischen Länder geschaffen werden soll. Der Präsident der Anglo-Jewish Association und Mitvorsitzende des Joint Foreign Committee, Leonard G. Montefiore, erstattete einen Bericht über die Lage der jüdischen Bevölkerung in Mittel- und Osteuropa. In dem Bericht wurden die durch die Propaganda der antisemitischen Parteien verschärften Auswirkungen des wirtschaftlichen „Etatismus" in P o I e n geschildert Der Widerhall, den die beschämenden Ereignisse von Brest-Litowsk im Ausland gefunden haben, sollte, so führte der Redner aus, die Behörden in Polen veranlassen, darüber nachzudenken, ob die Unterdrückung einer Minderheit geeignet sei, das Prestige Polens zu erhöhen und es in seinem gerechten Streben nach gedeihlicher Entwicklung und Frieden zu fördern. Zu den Entwicklungen in Rumänien bemerkte Montefiore, daß diese bei den Mächten, die den rumänischen Minderheitenvertrag unterzeichnet haben, Sorge erweckt haben. Anläßlich einer Anfrage im Unterhaus wurde festgestellt, daß der Oberste rumänische Rechtsausschuß, der Consilnfl Legislativ, einen Gesetzesvorschlag für verfassungswidrig erklärt hat, weil er die Minderheiten zurücksetzende Bestimmungen enthielt. Das Abkommen mit der Anglo- Jewish Association über die Zusammensetzung des Joint Foreign Committee (siehe „Wahrheit", Nr. 220, wurde vom Board bestätigt. Nach dem neuen Abkommen sind der Präsident des Board und der Präsident der Anglo- Jewish Association von Amts wegen Mitvorsitzende des Joint Foreign Committee. Zum Präsidenten des Board of Deputies wurde Neville Laski einstimmig wiedergewählt; zu Vizepräsidenten wählte der Board Lionel L. C o h e n und Sir Robert Waley Cohen. In einer Ansprache wies Präsident Laski auf die Ehrung hin, die Sir Herbert Samuel durch Erhebung in den Adelsstand zuteil geworden ist. Er erklärte, daß die aufopfernde Arbeit von Lord Samuel im Dienste seiner notleidenden ausländischen Glaubensgenossen ihm ewige Dankbarkeit gesichert hat. Neville Laski erwähnte auch die Ernennung von Leslie Hore-Belisha zum Kriegsminister als Beweis dafür, $aß die großen Ueberlieferungen des englischen öffentlichen Lebens keine Unterscheidung nach Rasse und Glauben kennen. Die Judenfrage in Ungarn — das „Mädchen für alles". Im ungarischen Abgeordnetenhaus nahm im Verlauf der Ermächtigungsdebatte der Abgeordnete der Regierungspartei Emmerich N e m e t h dagegen Stellung, daß man die Judenfrage als eine Art Mädchen für alles mißbrauche und den Anschein erwecke, als gäbe es keine anderen Probleme. Er bezeichnete es als eine sehr gefährliche Erscheinung, daß sich die Frage der Weltanschauungen auf ein .einziges Problem, die Judenfrage, konzentriert und die wichtigsten Probleme des Landes ausschließlich aus dem Gesichtspunkt dieser Frage beurteilt werden, die sich allmählich zu einer alles andere beherrschenden staatsrechtlichen Frage des Landes entwickle. Wenn einer sich zum Antisemitismus bekenne, werde er als guter Ungar betrachtet. Dieses Psychose habe auch die Gegenseite erfaßt, und jeder, der gewisse Reformen mit großem Nachdruck fordert, wie die Bodenreform, die gesunde Entwicklung der Genossenschaften, die Erziehung zu Kollektivgesinnung, wird als reaktionär, Hitlerianer und Faschist bezeichnet. Jeder denkende Ungar müsse einsehen, daß man die großen Fragen unseres Landes, also auch die Judenfrage, nur durch eine einzige große Synthese lösen könne. Besorgt Eure Bücher durch die Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II., Ecke Taborstraße 52 Mäßige Preise! Große Auswahl! Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Grosch. per Tag sonst nichts Anfrag.:Tel.R41-4-20 Kataloge gratis! Polnische Aerztekammer gegen den Numerus clausus. Die polnische Aerztekammer hat sich gegen die Einführung eines Numerus clausus' für jüdische Aerzte ausgesprochen. Den Anlaß zu dieser bedeutsamen Entscheidung bildete der Antrag eines polnischen Arztes in Posen, über den die Aerztekammer in Warschau zu beschließen hatte. Bemerkenswert ist, daß von den 38 Aerzten, die an der Abstimmung teilnahmen, nur drei Juden waren. Dagegen hat die Aerztekammer beschlossen, bei der Regierung durchzusetzen, daß die Nostrifizierung von Aerzten, die an auswärtigen Universitäten ihr Studium beendet haben, verboten werde. Änfi-Schächtgesetz nunmehr auch in Polnisch-Oberschlesien. Das Polnisch - oberschlesische Parlament in Kattowitz hat die Einführung eines Gesetzes beschlossen, das die Beschränkung der Schechita vorsieht. Das Gesetz wird am 15. Juni in Kraft treten; an diesem Tage erlischt die Gültigkeit der deutsch-polnischen Genfer Convention betreffend Oberschlesien. Wegen dieser Convention konnte das Anti- Schächtgesetz, das in Polen bereits seit dem 1. Januar 1937 in Kraft ist, in Oberschlesien bisher nicht erlassen werden. Entschädigungsforderung im Sejm für die Opfer von Brest-Litowsk. Im Sejm hat der Vorsitzende des Jüdischen Parlamentklubs, Abg. Emil S o m m e r s t e i n, den Antrag gestellt, staatliche Mittel zur Entschädigung der Opfer von Brest-Litowsk zur Verfügung zu stellen. Wenn die Mittel des ordentlichen Budgets hierzu nicht ausreichen, solle der Sejm einen Ergänzungsetat für 1937/38 bewilligen. Zur Begründung seines Antrages wies Abg. Sommerstein darauf hin, daß die g e s a m t e j ü d i s c h e Bevölkerung von Brest-Litowsk zu Bettlern geworden sei. Alle Untersuchungskommissionen, auch die der Regierung, hätten festgestellt, daß fast alle jüdischen Geschäfte und Werkstätten vernichtet und geplündert worden GROSSFLElSCHHAUEREi' HEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE: XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen sind und daß auch zahlreiche Privatwohnungen verwüstet wurden. Die Opfer haben ihren Erwerb verloren und besitzen nicht die Mittel, um ihre Geschäfte wieder in Gang zu bringen. 1127 Personen haben bereits Schäden angemeldet, die insgesamt 1,487.233 Zloty ausmachen. Die Anmeldung der Schäden ist aber noch nicht abgeschlossen. Aus geschäftsordnungsmäßigen Gründen lehnte der Vorsitzende die Behandlung des Antrages ab. Dagegen wurde die von dem Abgeordneten Sommerstein eingebrachte erste Interpellation vom 21. Mai übier die Vorfälle in Brest-Litowsk entgegengenommen. Dadurch hat die Interpellation d.'e parlamentarische Immunität erlangt und wird von der Presse in Polen veröffentlicht werden können. Um den Eindruck der Interpellation des Abgeordneten Sommerstein abzuschwächen, richtete auch der Abgeordnete für Brest-Litowsk, August Ytiak, eine Interpellation an den Innenminister, in der er darauf hinweist, daß der Polizist Kedziora am 13. Mai in Ausübung seines Dienstes ermordet wurde. Dieser Mord habe bei der nichtjüdischen Bevölkerung eine Erregung ausgelöst, d"e sich in judenfeindlichen Ausschreitungen kundgab. Ausschluß jüdischer Rechtsanwälte aus der Anwaltskammer von Jassy. Der Berufungsausschuß der Rechtsanwältekammer von Jassy hat sechs jüdische Rechtsanwälte aus der Kammer ausgeschlossen. Als Qrund für den Ausschluß gibt der Berufungsausschuß an, daß die betroffenen Anwälte gelegentlich ihres Gesuches vor fünf Jahren um Aufnahme in die Anwaltskammer bei Ausfüllung des Gesuchsformulars einem Fehler begangen hätten, der nunmehr entdeckt wurde. Die ausgeschlossenen Anwälte haben beim Justizminister und beim obersten Berufungsgericht gegen ihren Ausschluß protestiert. Man befürchtet, daß dem Ausschluß der sechs Anwälte zahlreiche weitere Ausschlüsse aus den Anwaltskammern im ganzen Lande folgen werden. Während die demokratische Presse den Beschluß der Anwaltskammer von Jassy scharf kritisiert, erklären die nationalistischen Zeitungen, daß er der langersehnte Beginn eines notwendigen Reinigungsprozesses sei, der bald in sämtlichen Anwaltskammern Rumäniens durchgeführt werden wird. Junge jüdische Chemikerin erhält den Preis der Akademie der Wissenschaften in Wien. Die junge jüdische Chemikerin, Dr. Marietta Blau, die im Physikalischen Institut der Wiener Universität tätig ist, erhielt von der Akademie der Wissenschaften in Wien die höchste von dieser Institution zu vergebende Auszeichnung, den Lieben-Preis, für ihre Forschungen auf dem Gebiete der Photochemie der Atome. Die „tlnlon Österreichischer Juden" beabsichtigt, in Verbindnag mit einem erstklassigen Wiener Reisabfiro eine 6esellsiiailsreise z. Pariser Wosstelliniit zu besonders gunstigen Bedingungen. zu veranstalten. Auflerdem sind Reisen in bekannte Badeorte Italiens und Jugoslawiens Wirtschaftlichen Beratungsstelle der „Union" Wien 1., Scbottenring 25 (jeden Montag und Freitag von 10 bis 12 Dir vormittags), melden, woselbst auch Anmeldungen tüt Rci»gepgdcveisid»rung entgegengenommen werden ffierqtunggftefle in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung ooUhommen unentgeltliche Auskunft. Derficfcetungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine ammbmfte BrngBamtlgunB der Prämlensätze.

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