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Die Wahrheit · 1937-06-11 · Heft 23 (11.6.1937) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 23 (11.6.1937)
Date
1937-06-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 23 — 11. Juni 1937 Seite 5 Häuseradminisfrafion Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern dürfte. Wer weiß aber, welchen Charakter diese Reformen in bezug auf die Juden tragen werden? Was aber immerhin zu einem Hoffnungsstrahl berechtigt, ist das Ergebnis der in vielen Städten und Landgemeinden und besonders in Bucuresti jüngst durchgeführten Kommunalwahlen, aus denen, wie in diesem Blatte bereits berichtet, hervorgeht, daß die rumänische Bevölkerung sich durch die hohlklingenden, unwahren Phrasen der Judengegner nicht beirren läßt, daß vielmehr der humane Gedanke der Demokratie hierzulande tiefe Wurzel gefaßt hat. Denn neben der Regierungspartei der National-Liberalen, die am Ruder des Staats über den gesamten Machtapparat verfügt, hat die demokratische Bauernpartei (National- Zaranisten) die größte Stimmenanzahl auf ihre Listen vereinigt, während der antisemitischen Partei nur eine herbe Enttäuschung zuteil wurde. Diese Niederlage kann sie nicht verwinden und mißgünstig und neidig ist sie nun bestrebt, den Wahlerfolg der „International-Zaranisten" dadurch zu schmälern, daß sie ihn der Hilfe der Juden zuschreibt. In diesem wohlverdienten Wahlsiege der Demokratie, bzw. in der Ablehnung der antisemitischen Lehre erblickt nun die Judenschaft eine spontane Manifestation der rumänischen Volksmassen für den Gedanken JÜDISCHE JUGEND?! Durch Zufall geriet mir jüngst die Mai-Nummer der Zeitschrift „Jüdische Jugend" in die Hand, als deren Herausgeber bekanntlich der unter national-zionistischer Leitung stehende „Jüdisch-kulturelle Elternbund" fungiert. Da die Zeitung den Untertitel „Zeitung für die jüdische Jugend Oesterreichs" führt, ging ich mit großem lntersse an die Durchsicht des Blattes. Beim Aufschlagen dachte ich daran, was etwa im Monat Mai an wichtigen Ereignissen für die jüdische Jugend Oesterreichs wesentlich wäre, und erwartete, nach dem Datum vorgehend, zunächst etwas über die österreichische Verfassungsfeier des 1. Mai zu finden. Leider vergeb,lich. Es wäre doch für unsere Jugend von Bedeutung, wenn ihnen deutlich vor Augen gehalten würde, daß diese Dollfuß- Verfassung uns Juden vor den schmählichen Nürnberger Gesetzen bewahrt hat. Am 9. Mai war in Oesterreich Muttertag. Warum die „Jüdische Jugend" auch an d'eser schönen Einrichtung unseres Vaterlandes, die sich so gut mit den Lehren unserer Religion verbinden läßt, achtlos vorbeigeht, ist kaum zu erkiären. Am 16. und 17. Ma: war S c h o w u a u s. Nun, darüber fand ich doch etwas in der „Jüdischen Jugend". Sogar am Beginn, allerdings nur im Ausmaß einer halben Seite, wo in schönen, aber spärlichen Worten auf die Bedeutung des Schowuausfestes hingewiesen, keinesfalls aber — was bei diesem geringen Umfang ja unmöglich wäre— der Inhalt dieses großen Festes eingehend und genau der Jugend dargelegt wurde. Doch halt! Beim Weiterhlättern bemerkte ich noch etwas über das Wochenfest in dieser Nummer, und zwar in der Rubrik: „Blick auf Erez Israel." Was ich allerdings dort zu lesen bekam, hat mich aufs tiefste erschüttert. Es soll und darf der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten werden, wie es um die religiösen Verhältnisse in Palästina bestellt ist und wie hier mit diesen unjüdischen Dingen im Wege der „Jüdischen Jugend" Schule gemacht wird. Ich lese dort: „Seit Wochen sind wir schon bei den Vorbereitungen für das Fest der Erstlinge. Gegraben, gesät und gejätet haben wir, im eigenen und im Schulgarten. Freude, aber auch Sorgen machen uns unsere jungen Pflänzchen. Worauf man nicht altes achten muß: daß die Vögel sie nicht fressen, daß die Sonne sie nicht verbrennt, daß der Wind sie nicht knickt! Wie ungeduldig warten wir auf den Tag, an dem wie sie endlich — unsere eigenen Erstlinge — dem Keren Kader Menschenrechte, was ihr den schweren Druck einigermaßen erleichtert. Ein weiterer- Umstand, welcher die rumänische Judenschaft nicht verzagen läßt, ist das ersprießliche Wirken der „Union rumänischer Jude n" (Uniunea Evreilor Romane) unter der ausgezeichneten Führung ihres Präsidenten Doktor Filderman. Diese Organisation der rumänischen Juden hat nämlich den Vorzug, im alten Regate bodenständig eingewurzelt zu sein und vermöge ihrer vorzüglichen Führung und Taktik gute Beziehungen zu den maßgebenden Faktoren zu unterhalten, wobei sie sich überall Zutritt und Gehör zu verschaffen versteht. Angesichts der vorerwähnten Umstände hat denn auch die U. E. R., die auf dem einzig richtigen Standpunkte steht, daß die Juden in Rumänien sich nicht als nationale Minderheit, sondern als rumänische Staatsbürger jüdischen Glaubens betrachten, eine regere Tätigkeit im Interesse der Judenschaft entfaltet, indem sie durch mehrere Aktionen, wie große Meetings, Memoranden und Interventionen bei den bezüglichen Ministerien das drohende Mißgeschick von den Juden abzuwenden oder zu mildern versuchte. Hoffentlich wird ihr das auch gelingen. Cernauti, im Juni 1937. Bernhard Rippel. R 44140 ist die neue Telephonnummer der Redaktion und Administration „Die Wahrheit" II., Heinestraße 13 j e m e t bringen dürfen, zum Dank dafür, daß er uns den Boden gegeben hat!" Wer irgendwie den Wortlaut der B bei kennt, greift sich entsetzt an den Kopf. Gott, dem Ewigen, brachte man die Erstlinge dar, Gott, der der Herr des Bodens war; wird wirklich in den Schulen Palästinas der Keren Kajemet an Stelle Gottes gesetzt?! Wir lesen weiter: „In Tel-Awiw, am Jarkonflusse, liegt das Stadion. Dorthin soll es am Tage des Festes gehen. Schon am Abend vorher schmückt meine Schwester unseren Korb mit Bändern und Schleifen. Vor Aufregung kann sie die ganze N?cht nicht schlafen. Kaum ist die Sonne aufgegangen, so bin auch schon in unserem Garten. Das schönste Obst und das frischeste Grün pflücke ich und lege es sorgfältig in den Korb, Tautropfen glitzern noch auf ihnen." Wer die Vorschriften unserer Religion kennt, der weiß, daß Obstpfücken an Sabbath- und Fe'ertagen verboten ist. Muß mit Absicht das traditionelle Gebot übertreten werden?! Es geht aber noch weiter: „Nun schnell in den Schulhof! Da sind die andern Kinder schon zum Zuge angestellt. Voran marschiert das Orchester. Der Weg zum Stadion ist voller Menschen und Wagen. Blauweiße Fahnen wehen von allen Häusern. Wohin man blickt: Kinder, Kinder! Von nah und fern kommen sie mit ihren Lehrern gezogen. Schwerbeladen sind sie alle und nicht nur mit Körben voll Obst und frischem Grün; Käfige und Vögel tragen sie und junge Lämmchen. Die Kinder aus dem Moschawot kommen auf Wagen. Mit Flöten, Pauken und Trommeln musizieren sie dabei." Selbst moderne jüdische Gemeinden scheuen davor zurück, ihren Gottesdienst an Sabbath- und Feiertagen durch Orgelmusik zu verschönern, da auch das durch das religiöse Gesetz verboten ist. Hier aber setzt man sich ruhig über die religiösen Gebote hinweg, was auch die Beförderung mit Wagen am Schowuaus beweist. Im weiteren Verlaufe des Aufsatzes heißt es: „Wo jede der Gruppen hereingekommen ist, in einem der sieben Tore, da ist sie jetzt aufgestellt. Da plötzlich: ein heller Trompetenton! Er kommt vom .Altare'. Sieben weitere folgen von den Toren her. Aus der Mitte, ertönt jetzt eine Stimme: .Seid gegrüßt!' Aus tausend1 Kehlen tönt es zurück: ,Wir grüßen euch.'" In dem Buche „Ruth", das ebenfalls durch Tradition mit dem Wochenfeste verbunden ist, wird der altehrwürdige Gruß des biblischen Zeitalters angegeben. Pension Goldberg Bad Aussee xA«/ Stärkstes Heilbad für Ischias, Rheuma, Herz. fiSäfir and Frauenleiden. Pensionspreise: Vorsaison s^OER? 14 Tage S100. -, Hochsaison, 14 Tage S120.—. %<|||teSp? Gute Küche, großer Garten. Für Kinder ohnm ""^Ipr»* Begleitung wird bestens gesorgt. EM. GOLDBERG Dort grüßt Boas seine Schnitter mit den Worten: „Der Ewige sei mit euch" und sie antworten: „Der Ev/ige segne Dich!" In Palästina scheint man diesen biblischen Gruß nicht zu kennen. „Seid gegrüßt — wir grüßen euch", darf wirklich das Wort Gott nicht genannt werden? Es ist in dem gesamten Artikel über das Fest der Offenbarung Gottes am Berge Sinai gefl.ssentlich vermieden worden. Fast möchte es einen bedünken, daß der Bericht nicht aus Palästina, sondern aus einem Lande kommt, wo Gottlosigkeit zu Hause ist. Wenn es dann heißt: „Darauf singen wir: ,D:e mit Tränen säen, werden mit Freude ernten . . dürfen wir da annehmen, daß die palästinensischen Kindder es auch wissen, daß dies Worte der Heiligen Schrift sind? Weiter heißt es: „Noch eine Stunde dauert das Fest im Stadion. Bei fröhlichen Spielen wird gesungen und getanzt." Gewiß ward auch in biblischer Zeit das Schowuausfest als Fest der Erstlinge Anlaß zu Frohsinn, Gesang und Tanz. Aber bei all dem verneigte man sich in Ehrfurcht vor dem G o 11 e, der den Boden und seine Früchte dem Volke geschenkt hatte und dessen Erkenntnis unserem Volke am gleichen Tage durch Moses am Sinai vermittelt ward. Die höchste Anmaßung aber ist die folgende Frage: „Snd wir jetzt nicht wie unsere Vorfahren, die aus Juda, Schomron und dem Galil in den Tempel zu Jerusalem zogen, um ihre Erstlingsfrüchte darzubringen?" Nein, bei Gott, ihr seid es nicht! Wenn für euch das Schowuausfest kein Fest der Offenbarung, der Gotteserkenntnis und der Zehn Gebote, sondern nur ein Erstlingsfest und auch das unter Ausschaltung des Gottesgedankens ist, dann habt ihr mit euren Vorfahren wirklich nichts gemein! Wenn der Artikel schließt: „Zur schweren Arbeit kehren sie zurück, aber der Segen des Fleißes ruhte auf ihnen", so ist dies wahr gesprochen. Der Segen des Fleißes vielleicht, nicht aber der Segen Gottes. Wie ein Spuk erscheint einem dieser Blut- und Bodenkult dieses Neuheidentums mit dem Götzen Keren Kajemet. und seinem Altar. Aber dafür, daß dieser Geist nicht nur in die unter Anführungszeichen gesetzte „Jüdische Jugend", sondern tatsächlich auf diesem Wege auch in die jüdische Jugend selbst einzudringen beginnt, gibt es bereits Anzeichen. Am 6. Juni fand in Wien ein Sportfest statt, das sich stolz „Tag der jüdischen Jugend" nannte. Bei Durchsicht des Programmes vermißt man jedwede religiöse Zeremonie. Eine analoge christliche Veranstaltung wäre kaum ohne gottesdienstliche Handlung denkbar. Für den Sportverband „Makkabi" aber genügt es augenscheinlich, wenn der jüdischnationale Kultuspräsident den Ehrenschutz übernommen hat, damit ist Gott genug gedient. Armes Judentum! Und noch eines: der echte Makkabi, Juda, der Sohn des Marhatias, hat seine ganze Kraft und sein Leben der Bekämpfung des Hellenismus geopfert, d. h. er hat alles getan, um die jüdische Jugend von den griechischen Sportplätzen wieder in Synagoge und Tempel zu führen. Unser „Makkabi" scheint leider das Gegenteil zu tun. Er führt unsere Jugend aus dem Tempel auf die Sportplätze. Jüdische Jugend wohin? Und auch Ihr, Eltern und alle verantwortungsbewußten Juden, laßt diese Warnung nicht ungehört an Euch ergehen! Hortator. Keine Äenderung in den Beziehungen der italienischen Regierung zu den Juden. Erklärung Gral Cianos an Oberrabbiner Prato. Der italienische Außenminister Graf Ciano hat den Oberrabbiner von Italien, Professor Davido Prato, in längerer Audienz empfangen. Oberrabbiner Prato berichtete dem Außenminister, daß die in der letzten Zeit in maßgebenden italienischen Zeitungen erschienenen antisemitischen Artikel unter den Juden Italiens starke Beunruhigung hervorgerufen haben. Graf Ciano erwiderte, daß in den Beziehungen der italienischen Regierung zu den Juden keinerlei Äenderung eingetreten sei.

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