Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 23 (11.6.1937)
- Date
- 1937-06-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 23—11. Juni 1937 aus ihrer Mitte der Präsident der Gemeinde gewählt werde." In einem Artikel „Nicht weglaufen" klagte die Prager jüdischnationale „Selbstwehr" über den ihrer Ansicht nach bedenklichen Aufschwung der bewußten Assimilation, die gerade jetzt bei der Jugend große Fortschritte mache. Das Blatt schreibt: „Die Bewußtheit ist geradezu das Charakteristikon dieser Assimilation; sie ist durchaus nicht, verdrängt; man könnte geradezu sagen, sie ist ihrer Bewußtheit bewußt." Der Emanzipations- und Assimilationsprozeß ist seit einiger Zeit auch in der Türkei in vollem Fluß. So haben jüngst die Juden von Smyrna in allen Synagogen der Stadt Versammlungen abgehalten, in denen beschlossen wurde, künftig nur noch die türkische Sprache öffentlich zu gebrauchen. Damit wird die spaniolische Sprache und Kultur, welche die türkischen Juden durch Jahrhunderte bewahrt haben, weiter zurückgedrängt. Bezeichnend für den Ernst, mit dem die maßgebenden italienischen Kreise die Assimilation der Juden anstreben, ist das Buch des Rektors der Bad Ischl Pension Lehner tos BrennarstraBe 19 tobe! euer SOofjtgeborcn t)5HIcf)lI ein, Qf)ien Sommer« aufenUjalt fcorl 311 »erbringen. Streng rituelle fi&dje mit eigenem e*ätf)lcr. ©rober fdjafitger ©arfen, fd)öne Barhone, erflblaffi«e Äfie&e. OoHe qpenlion pro So« oon S?—10. Mu5hun(ibi5lS.3unioonl-3HI)r3lod)miIIag, 9. Be3^ ©lafergaffc 4a/5, Selepfton g 19.9.72._ Universität Perugia, des Abgeordneten Paolo 0 r ano, eines führenden faschistischen Politikers, betitelt „Juden in 11a 1 i en". Darin äußert er u. a. die Ansicht, daß die Idee der Schaffung eines jüdischen Nationalheims in Palästina im Gegensatz zu den taüenischen Staatsinteressen stehe. Politischer Zionismus sei mit italienischem Patriotismus unvereinbar, da man sein Herz nicht zwei Heimatländern verschreiben könne. Der Vaterlandsdualismus stelle einen Widerspruch in sich selbst dar. Aus diesem Grunde, sei die Unterstützung der zionistischen Bestrebungen durch italienische Juden unvereinbar mit wahrer Vaterlandsliebe. Das Buch hat, wie in unserer letzten Nummer ausgeführt, zu vielen Pressekommentaren Anlaß gegeben und besonders bei den italienischen Zionisten Beunruhigung hervorgerufen. Immer wieder dasselbe Spiel: die antisemitischen Regierungen wollen uns dissimilieren, die judenfreundlichen aber assimilieren. Die Jüdischnationalen stehen mit ihrer nationalpolitischen Parole und mit ihrer Forderung nach „Verständigung von Volk zu Volk" bedauerlicherweise auf der Seite der Judengegner und erringen in denjenigen Staaten „Siege", in welchen, wie z. B. in Deutschland, die Juden aus der Staats- und Volksgemeinschaft ausgeschlossen werden. Für uns aber bedeutet es einen Lichtstrahl in der heutigen trüben Zeit, wenn, wie in der Tschechoslowakei, in Italien und in der Türkei, die gesunde Assimilation Fortschritte macht und von den dortigen maßgebenden Stellen im wohlverstandenen Interesse des Judentums unterstützt wird. Die Juden und Oesterreichs Unabhängigkeit. In der vor einigen Tagen in englischer Sprache im Verlage der „Volksschriften" von S o c i u s erschienenen, für das Ausland bestimmten und dort verbreiteten Propagandaschrift „Oesterreich, das Land der Humanität und Toleranz" befinden sich unter dem Titel „Die Juden in Oesterreich" die nachstehenden Ausführungen: „Am 1. Mai 1934 proklamierte der verstorbene Bundeskanzler von Oesterreich, Dr. Engelbert D o 11 f u ß, die neue Verfassung. Diese Verfassung beginnt mit den Worten: „Im Namen Gottes, von dem alles Recht herstammt" Dabei muß bedacht werden, daß diese Proklamation der Verfassung 1K Jahre nach der Ergreifung der Macht durch Hitler in Deutschland erschienen ist. Die Artikel 16, 27 und 29 dieser österreichischen Verfassung behandeln die Gleichheit der Rechte aller Bürger und die Anerkennung der Rechte aller religiösen Gemeinschaften durch den Staat. Die wichtigste dieser Gesetzesbestimmungen, Artikel 16, enthält folgende Worte: „Alle Bürger des österreichischen Bundesstaates sind vor dem Gesetze gleich. Die öffentlichen Aemter sind allen patriotischen Bürgern, die die vorgeschriebenen Voraussetzungen erfüllen, zugänglich." Der Artikel 27 sagt: „Jeder österreichische Bürger im vorgeschriebenen Alter erfreut sich der unbeschränkten Religions- und Gewissensfreiheit", und Artikel 29 bestimmt: „Die katholische Kirche ebenso wie die anderen Religionsgemeinschaften erfreuen sich des öffentlichen Schutzes." Die gesetzliche Position der Juden, die auf der feierlich kundgemachten Verfassung beruht, hat sich also in keiner Welse durch die neue politische Entwicklung in Oesterreich verschlechtert. Die Gleichheit der Rechte vor dem Gesetze für die Juden hat die verfassungsmäßige Garantie, was Bundeskanzler Dr. Kurt von Schuschnigg vor einigen Monaten in die Worte faßte: „In Oesterreich gibt es keine Judenfrage." Ein Beweis, daß das nicht leere Worte sind, wird durch die Tatsache erbracht, daß die österreichischen Juden in allen öffentlichen Körperschaften vertreten sind. Nichtsdestoweniger ist es ein unleugbares Faktum, daß antisemitische Tendenzen in Oesterreich — im Vergleich zu früheren Jahren — angewachsen sind, was seinen Ausdruck in der Zurücksetzung jüdischer Aerzte, Advokaten, Ingenieure, Gewerbetreibenden etc. findet. Das hat seine Ursache im nationalsozialistischen Gift, das verheerend in weite Kreise der Bevölkerung eingedrungen war. Es besteht aber kein Zweifel, daß mit Restaurant Stefanie Hugo u. Julie Herlinger t geb. Zöllner II., Taborstrat« 12 Tel. R 4a-4-46 Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl. Reichhaltige Menüs von S 1.60 aufwärts. Exakte Bedienung. Schöner schattiger Garten. Angenehmer Aufenthalt Seefeld ^^P^ TIROL 1200 m Pension Geschwister Seiteer jetzt Haus Waldruhe, am See herrliche Lage mitten im Walde beste Verpflegung und Unterkunft streng orthodox der Erstarkung von Oesterreichs Unabhängigkeit und der Aussichtslosigkeit der Illusionen der Nationalsozialisten die österreichischen Juden immer mehr die verdiente Anerkennung für ihr Wirken finden werden, um so mehr, als in offiziellen Kreisen niemals in Abrede gestellt wurde, daß die österreichischen Juden in einem hohen Maße beisteuern zu dem wirtschaftlichen Wohle und dem in der weiten Welt verbreiteten Ansehen ihres Vaterlandes. Die 200.000 österreichischen Juden werden nicht vergessen, daß ihre Zukunft mit der Aulrechterhaltung der österreichischen Unabhängigkeit in einem unlösbaren Zusammenhang steht." Aus dem Rechtsschutzbüro der Union. Die Union österreichischer Juden hat an das L a n d e s a r b e i t s a m t in Wien am R April d. J. folgendes Schreiben gerichtet: Die gefertigte „Union österreichischer Juden", weicht) nach § 2 ihrer Statuten berufen ist, die verfassungsmäßig gewährleistete Gleichberechtigun.it der österreichischen Juden zu wahren, sieht sich veranlaßt, nachstehenden Sachverhalt zur Kenntnis zu bringen: Wie einer Zeitungsmitteilung zu entnehmen war, werden im Landesarbeitsamte Ümschulungskurse abgehalten, in denen Hausgehilfinnen für England vorgebildet werden sollen. Es ist uns mitgeteilt worden, daß vor kurzer Zeit eine jüdische Witwe bei der Leitung dieses Kurses vorgesprochen hat, um sich in diesen Umschulungskurs einschreiben zu lassen, daß ihr jedoch nach Einsichtnahme ihrer Dokumente erklärt wurde, daß als Teilnehmerinnen dieses Kurses ausschließlich katholische Frauen und Mädchen in Betracht kommen. Wiewohl uns diese Mitteilung von vertrauenswürdiger Seite gemacht wurde, halten wir sie doch für kaum glaublich, weil es uns schwer fällt, anzunehmen, daß Ümschulungskurse, die vom Landesarbeitsamte in Wien abgehalten werden, nur auf eine bestimmte Kategorie von Staatsbürgern beschränkt sein sollen. Wir erlauben uns die ergebene Anfrage, ob es richtig ist, daß diese Ümschulungskurse nur für katholische Frauen und Mädchen abgehalten werden und ob irgend welche Hindernisse für die Auinahme von Bewerberinnen israelitischer Konfession besteben. Hochachtungsvoll Union österreichischer Juden. Der Präsident: Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim. Der Schriftführer: Reg.-Rat Dr. Max Lenk. Darauf erhielt die „Union" folgende Antwort, datiert vom 4. Juni 1937: Bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom 14. April 1937 teik das gefertigte Landesarbeitsamt mit, daß die Kurse, in denen Hausgehilfinnen für England vorgebildet werden, grundsätzlich allen Personen offenstehen, die den Erfordernissen für den Dienst einer Hausgehilfin entsprechen. Mit Rücksicht aui die hohen Kosten dieser Kurse und die beschränkte Anzahl der zur Vermittlung gelangenden Arbeitsstellen muß jedoch unter den zahlreichen Kurswerberinnen eine Auslese getroifen werden, die — außer der Sicherheit, daß das Lehrziel erreicht wird — vornehmlich unter dem Gesichtspunkte zu erfolgen hat, daß mit großer Wahrscheinlichkeit eine Vermittlung der Kursbesucherinnen möglich sein wird. Da bei anderen Bewerberinnen nach der Kenntnis des Landesarbeitsamtes die Möglichkeit der Vermittlung eines Arbeitsplatzes größer war, mußte die Bewerbung um Zulassung zum Kursbesuch, auf die Sie in Ihrem Sohreiben bezug nehmen, unberücksichtigt bleiben. Landesarbeitsamt in Wien. X ebraiea =i Mtid ^udcticd Mitglieder und freunde der „Union österreichischer Juden". (Dezirhsorganisalionen Innere Stadt Lcopoldstadt und Läods(raöe) treffen sich während der Sommermonate bei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater, Ausstellungsstraße (vis-a-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.