Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 22 (4.6.1937)
- Date
- 1937-06-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 22 —4 JuniJ937 Seite 7 Sctanacäung von Grttften and Gräbern LcopoldQBUtschJieoXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Ton Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Semeindedkronifc. Dr. Ignaz Zollscfaan 60 Jahre. Der hervorragende jüdische Arzt und Anthropologe Dr. Ignaz Zollschan vollendete in diesen Tagen sein 60. Lebensjahr. Dr. Zollschan wurde 1877 in Erlach bei Wien geboren und lebt jetzt in Karlsbad. Er publizierte mehrere Arbeiten auf dem Gebiete der Röntgenologie der Bauchorgane, die in Fachkreisen überall Beachtung fanden. 1910 erschien sein Buch „Das Rassenproblem unter besonderer Berücksichtigung der theoretischen Grundlagen der jüdischen Rassenfrage", das weite Verbreitung fand und in mehreren Auflagen verlegt wurde. Es wird zu den Standardwerken der einschlägigen Literatur gezählt. Zollschan veröffentlichte 1919 eine Schrift „Revision des jüdischen Nationalismus", in der er seine ablehnende Haltung gegenüber der Betonung des jüdischen Nationalismus in der Diaspora und der Forderung nach nationalen Minderheitenrechten zum Ausdruck brachte. In der letzten Zeit hat Dr. Zollschan eine großzügige Aktion für Einberufung eines Kongresses der Anthropologen unter Patronanz des Völkerbundes zwecks Stellungnahme zu der von den Nationalsozialisten aufgeworfenen Rassenfrage eingeleitet. Im Merores-Waisenhaus fand vergangenen Sonntag nachmittag eine Veranstaltung statt, die bei den trotz des hochsommerlichen Wetters überaus zahlreich erschienenen, distinguierten Besuchern gewaltigen Eindruck auslöste. Der berühmte Kammersänger Alexander Kipnis hatte sich in hochherziger Weise bereit erklärt, an dem an diesem Nachmittag veranstalteten Wohltätigkeitskonzert führend mitzuwirken. Die Nachricht von dieser Mitwirkung hatte, wie gesagt, eine zahlreiche vornehme Zuhörerschar angelockt, unter der sich prominente Persönlichkeiten des Wiener Judentums befanden. So konnte für den wohltätigen Zweck ein großer finanzieller Erfolg verzeichnet werden, und es ist dies insbesondere das Verdienst des rührigen Mitgliedes des Schutzdamenkomitees des Waisenhauses, Frau Thekla Widrich, die sich, wie auch sonst immer, hingebungsvoll auch diesmal in den Dienst der humanitären Sache gestellt hatte und der vor allem das Gelingen der schönen Veranstaltung zu verdanken ist. Kammersänger Kipnis sang, feinfühlig begleitet von Prof. Franz Mittler, Lieder von Schubert und Arien aus der „Zauberflöte", der Oper von Brüll „Das goldene, Kreuz" und aus den „Lustigen Weibern von Windsor". Ohne Ueberschwenglichkeit darf man sagen, daß die Wiedergabe all dieser Melodien durch den prachtvollen Sänger und ausgezeichneten Vortragskünstler ein wahres Erlebnis war. Man versteht, wenn man diese Glanzleistungen hören durfte, die Begeisterung, die Kipnis überall auslöst, wo er mitwirkt, ob nun in der Wiener Staatsoper oder im Salzburger Festspielhaus. Diese Stimme, deren tiefster Baß noch wohltuend klingt, ist etwas einmaliges, dieser Vortrag wird so bald nicht erreicht werden. Reichster Beifall wurde dem großen Künstler zuteil, insbesondere applaudierten die Zöglinge des Hauses begeistert dem illustren Gast, den sie übrigens auch mit einem schönen Choral und mit einem hübschen Gedicht, sehr nett von einem besonders talentierten Zögling vorgetragen, begrüßt hatten. Käthe von Gutmann brachte geistreiche Chansons ausgezeichnet zum Vortrag und erntete ebenfalls viel Beifall. Es war ein schöner, sehr gelungener Nachmittag, die Gäste verließen das prachtvolle Heim voll des Lobes für die Arrangeurin der Veranstaltung. Barmizwahfeier. Samstag, den 29. v. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Barmizwahfeier des Knaben Benno Perl, Sohn des Chordirigenten im Ottakringer Tempel, Herrn Samuel Perl und seiner Gattin Klara, geb Krakauer, statt. Der Barmizwah, welcher dem Tempelchore angehört, trug mit klangvoller Sopranstimme den Abschnitt aus der Thora und die Haftora sehr verständnisvoll vor und wurde für seinen ausgezeichneten Vortrag durch reichen Beifall belohnt. Herr Oberrabbiner Dr. Taglicht hielt an den Knaben eine innige Ansprache, in welcher er besonders auf die große Gelehrsamkeit seines Vaters und die religiöse Lebensweise seiner Eltern hinwies. Trauung. Sonntag, den 6. d. M., 'A3 Uhr nachmittags, findet im Pazmanitentempel die Trauung des Fräuleins Ella B r e i n d 1 e r, Tochter des Herrn und Frau Theodor B rein dl er, mit Herrn Maurice Appel, Sohn des Herrn und Frau Peter Appel, des langjährigen beliebten Vorstandsmitgliedes des Pazmanitentempels, statt. 70. Geburtstag. Samstag, den 29. Mai wurde im Polnischen Tempel in feierlicher Weise die Feier des 70. Geburtstages des langjährigen Vorstandsmitgliedes und Kassiers des Synagogenvereines „Beth Israel" (Polnicher Tempel) Herrn Wilhelm F 1 i e g 1 begangen. Im festlich beleuchteten Tempel und in Anwesenheit des Gesamtvorstandes verrichtete Oberkantor Frenkel mit erweitertem Chor in besonders brillanter Weise das Morgengebet, worauf der geschäftsführende Vizepräsident Herr I n t r a t o r dem Jubilar beim „Aufrufen" die Wünsche und Gratulationen des Vorstandes und der Gemeindemitglieder überbrachte. In eloquenter und Im Rahmen der IDiener. S«fta>od)en 1937 Mitwirkend: Daisy Gnth (Klavier) Gabor Rejtö (Violoncello) Das Wiener Kammerorehester TTtontag, 7. Juni, 20 Ut>z Crofeer. fcomertbausfacri Orchester Konzert Dirigent: St. JCuct PaAUn ^\$l%Wmmm sinniger Weise wies der Redner darauf hin, daß der Jubilar nicht nur ein pater familias im engeren Sinne ist, der es verstanden hat,, seine Familie, bzw. seine Kinder auf hohe soziale Stellungen zu bringen, sondern in Anlehnung an die Worte des Wochenabschnittes hat der Jubilar den Verein und die Gemeinschaft stets als erweiterte Familie angesehen, für die er unermüdlich tätig war. Dem Gottesdienste schloß sich eine Zusammenkunft im Restaurant Barschak an, die sehr herzlich verlief. Herr Professor Rath schilderte bei dieser Gelegenheit des Breiteren die Tätigkeit und Verdienste des Jubilars und Kantor Feuer-Vater brillierte mit gesanglichen Vorträgen. Zum Schlüsse bedankte sich der Jubilar, Herr F 1 i e g I, in humorvoller und rührender Weise für die ihm zugedachten Ehningen und Gratulationen und versprach die schriftlichen Glückwünsche, die ihm reichlicherweise zugekommen sind, bei nächster Gelegenheit, d. h. bei seinem 80. Geburtstage, zu beantworten. F— g. Todesfälle. Am 22. v. M. verschied hier Frau Amalie Strußberg, die Gattin des sehr bekannten und geschätzten Realitätenbesitzers Herrn Jakob L. Straßberg im 79. Lebensjahre. Frau Straßberg, eine vornehme, kluge, tüchtige Frau, die ein vorbildliches Haus führte und in weiten Kreisen sehr geschätzt war, war auch die Mitbegründerin des „Jüdischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines X", dessen Bestrebungen sie sowohl als Vorstandsmitglied in den ersten Jahren seines Bestandes als auch in den letzten Jahren, da sie wegen ihrer angegriffenen Gesundheit ihr Mandat zurücklegte, stets eifrigst unterstützte. Schon vorher war sie im Wöchnerinnenverband ein beredter Anwalt armer Mütter und während der grausamen Kriegsjahre half sie voll Eifer in dem Frauenhilfskomitee X für Invalide und Flüchtlinge. Ihre bescheidene Art hatte ihr überall Freunde erworben und so war die Teilnahme beim Leichenbegängnisse, bei dem die Herren Rabbiner Dr. Bach und Oberkantor Weiß fungierten, eine sehr große; insbesondere waren starke Abordnungen der Bezirksorganisationen 1V/V/X der „Union österreichischer Juden", der Herr Straßberg seit vielen Jahren als treues Mitglied angehört, wie auch eine große Deputation des Vorstandes des Favoritner Tempelvereines, dessen Ehrenpräsident Herr Straßberg ist, erschienen. Bei der Trauersitzung des Vorstandes des Jüdischen Frauenvereines X kennzeichnete die Vorsitzende diese echte Frau mit den Worten: Das Wunderbarste, was es im Leben gibt, den Zauber der Frau, der in sich ruhenden unbeirrt aus eigenen Quellen schöpfenden Frau ist in ihrem Bilde Gestalt geworden; dazu paßte auch das stille Heldentum, mit welchem sie ihr langes Leiden ertrug, geduldig, hoffend, immer noch ihrem Hause vorstehend, ihren Gatten stützend, an ihre Kinder, an ihre Enkel, an ihre Freunde denkend. — eine Frau, wie sie nur das alte Judentum hervorgebracht hat. Sie wird in weiten Kreisen unvergessen bleiben. — Dieser Tage verstarb nach überaus langer, mit Gottergebener Geduld ertragener Krankheit der in weitesten Kreisen bekannte und beliebte Mitbesitzer des Cafe Viktoria am Schottentor", Herr Salo Wassermann, und wurde einen Tag vor seinem 63. Gebnirtsiage unter kolossaler Beteiligung zu Grabe getragen. Diese starke Anteilnahme weitester Kreise der Wiener Judenschaft dokumentierte die Sympatie, die der Verewigte überall mit größter Berechtigung genoß. Denn Salo Wassermann war ein edler Mensch und guter Jude. Wohltun war der vornehmste Zug seines echt jüdischen Herzens, insbesondere wandte er verarmten Kindern al! seine gütige Liebe zu und betätigte sich mit rührender Hingebung im Vorstande der Israelitischen Kinderbewahranstalt, II., Schiffamtsgasse. Auch die „Union österreichischer Juri e n" verliert in dem Heimgegangenen ein überaus treues Mitglied, das sein Interesse für die „Union" und deren Bestrebungen stets werktätig bekundete. Beim Leichenbegängnisse war der Vorstand der Israelitischen Kinderbewahranstalt durch eine große Abordnung, geführt von den beiden Vizepräsidenten Dr. Berthold Spiegler und Siegmund Kornmehl, vertreten. Im Namen der durch den Heimgang dieses biraven Mannes schwer getroffenen Anstalt sprach Dir. Lassner tiefempfundene Woite des Dankes und des Abschiedes. Rabbiner Doktor J. M. Bach zeichnete ein schönes Bild vom Wesen und Wirken des heimgegangenen Wohltäters und brachte das herzliche Mitgefühl zum Ausdruck, das allgemein der Witwe des Verewigten entgegengebracht wird, die mit ihm in jahrzehntelanger glücklichster Ehe verbunden war. Oberkantor S. Postolow versah in innigster Weise die kantora.'en Funktionen. Diejenigen, die Salo Wassermann gekannt und verehrt haben, werden;hm immerdar ein ehrendes Andenken bewahren. — Die „Union österreichischer Juden" betrauert den Heimgang ihres langjährigen Buchhalters, Herrn Isidor H e r r m a n n, der bis vor einigen Jahren im Büro der „Union" mit besonderem Pflichteifer und größter Gewissenhaftigkeit tätig war. Die „Union" wird ihm, der ein überaus vornehmer Mensch und eifriger Beamter gewesen ist, stets ein ehrendes Andenken bewahren und spricht auch auf diesem Wege seiner Witwe das tiefstgefühite Beileid aus. Grabdenkmal-Setzung. Es war vor einem Jahr, als durch Gottes unerforschlichen Ratschluß Frau Sophie W a g e n b e r g, die Tochter unseres langjährigen Anhängers, Herrn Schulim B eis er, allen jenen unersetzlich entrissen wurde, die sie kannten. Am Jahrestag ihres Sterbens soll nicht an schmerzliche Einzelheiten erinnert werden, sondern nur der Frau gedacht sein,, deren Andenken lebendig bleibt, über die Zeit hinaus! Sie war ein Mensch von ganz seltenem Format, in ihrer zarten Güte, in ihrem reichen Verstehen für jedermanns Kummer, in ihrer Hilfsbereitschaft für Unzählige, die ihren Rat suchten: ein bleibendes und leuchtendes Beispiel für unsere Judenschaft! Nicht laute Anerkennung suchte sie; ihr war es heiligste Pflicht, von dem Reichtum ihrer Seele Eine Verfärbung der Zähne kann niemals stattfinden, wenn die Zähne regelmäßig unter Anwendung einer guten Zahnpasta und einer geeigneten Bürste behandelt werden. — Niederschläge, welche sich aus dem Speichel und aus den Mundsäften bilden, verändern oft sehr rasch und intensiv das saubere Aussehen der Zahnreihen. Nur eine gründliche und regelmäßige Pflege mit ODOL-Zahnpasta schützt Ihre Zähne vor lästigen Verfärbungen. ODOL-Zahnpasta beseitigt durch ihre große Absorbtionskraft infolge ihres hohen Gehaltes an colloidalen Bestandteilen alle Unreinigkeiten, unangenehmen Gerüche und Farbstoffe, die an den Zähnen haften können. ODOL-Zahnpasta wird erzeugt nach den von der W. V. der Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der Zahnärztlichen und Pharmakognostischen Institute der Universität in Wien.