Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 22 (4.6.1937)
- Date
- 1937-06-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite b Nr. 22 — 4. Juni 1937 DIE WAHRHEIT |rpirtfd)QftBd)e ffieratungsftene in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" I., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung Dollkommen unentgeltliche ^fan/*. Derfid)ecungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namämfte BagÜBMtla*B» der Prämlensätxe. Roosevelt an die jüdischen Kriegsteilnehmer Amerikas. Der Verband der jüdischen Kriegsteilnehmer Amerikas veranstaltete in New York einen Gedächtnisgottesdienst für die Kriegsgefallenen, dem eine Parade von 4000 jüdischen Kriegsteilnehmern voranging. Anläßlich der Gedenkfeier richtete Präsident Franklin D. Roosevelt an den Verband eine Botschaft, in der er die „stolzen Lei-" stungen der Juden im Dienste des Vaterlandes" hervorhob. Die griechische Regierung halt an ihrer traditionellen Politik den Juden gegenüber fest. In einer der jüdischen Presse übergebenen Erklärung stellt der griechische Minister für Presse und Touristik, Nicolaudis, fest, daß die griechische Regierung an ihrer traditionellen Politik gegenüber den Juden festhält. Die jüdische Presse verzeichnet diese Erklärung mit großer Genugtuung und benutzt die Gelegenheit, um der Ergebenheit der jüdischen Bevölkerung für die nationale Regierung und ihr Oberhaupt, General Metaxas, Ausdruck zu geben. Die Erklärung des Ministers Nicolaudis hat u. a. folgenden Wortlaut: Die jüdische Welt kann über die Lage und Stellung unserer jüdischen Mitbürger vollkommen ruhig sein. Wir hegen kein nassisches oder nationales Vorurteil. Wir kennen die Juden, bewundern ihre Eigenschaften und sehen in ihnen ein den Gesetzen gehorsames, friedliches, loyales und ihren Wohnländern ergebenes Element Die griechischen Juden weisen diefe Merkmale in Vollkommenheit auf. Mit Zufriedenheit verzeichnen wir ihren Beitrag zu dem Fortschritt Griechenlands. Wir kennen keinen Unterschied zwischen ihnen und den Christen. Wir behandeln sie auf der Grundlage vollständiger Gleichstellung mit den christlichen Bürgern: alle haben die gleichen Pflichten und erfreuen sich der gleichen Rechte. Ein Jude im neuen englischen Kabinett. Dem neuen englischen Kabinett Neville Chamberlain gehört ein Jude an: Sir Höre Belisha, der bisherige Verkehrsrninister, wurde an Stelle Dav Coopers zum Kriegsminister ernannt Die „Union österreichischer Juden" beabsichtigt, in "Verbindomg mit einem erstklassigen Wiener 6EStl!S*itlSfÜSEZii[ii[«El(i8SSlJlllD5 tu besondere günstigen Bedingungen zu veranstalten. Außerdem sind Reisen in bekannte Badeorte Italiens und Jugoslawiens geplant. Interessenten wollen sieb in der Wirtschaftlichen Beratangsstelle der „Union" Wien 1., Scbottenring 25 (jeden Montag und Freitag von 10 bis 12 Ohr vormittags), melden, woselbst «neb Anmeldungen £üi B«lMgep>dcv«isidi«rnng entgegengenommen werden Höre Belisha, der einer altjüdischen Familie in England angehört, ist Nationalliberaler und verdiente sich im MacDonald-Kabinett zunächst seine Lorbeeren als Finanzsekretär des Schatzamtes, aus welcher Zeit auch Chamberlains Schätzung seiner Fähigkeiten datiert. Als Verkehrsminister hat er ausgezeichnet gewirkt. Er erwies sich auch als Spezialist auf dem Gebiete der Propaganda. Die Juden und die Parlamentswahlen in Holland. Bei den Wahlen zur zweiten Kammer des holländischen Parlaments, bei denen die Nationalsozialisten bekanntlich eine schwere Niederlage erlitten haben, sind die jüdischen Stimmen zum großen Teil der Antirevolutionären Partei des Ministerpräsidenten Colijn zugefallen; sie konnte einen Stimmenzuwachs von über 40 Prozent gegenüber den letzten Parlaments wählen verzeichnen. Die Haltung der jüdischen Wählerschaft ist besonders bemerkenswert angesichts der Tatsache, daß andere Parteien vielfach jüdische Kandidaten aufgestellt hatten, von denen sieben, und zwar Frau Bakker, Frl. de John und die Herren Cohen, Prof. van Geldern, Stokvis, Vos und Wijnkoop zu Abgeordneten gewählt worden sind. Auch in die erste Kammer sind drei Juden, die Senatoren van den Bergh, Prof. van Embden und Delabella, gewählt worden. Dem früheren Senat gehörten fünf Juden als Mitglieder an. Insgesamt gibt es jetzt in. Holland in beiden Kammer zehn jüdische Parlamentarier. Die Steillungnahme der jüdischen Wählerschaft Hollands für die Partei des Ministerpräsidenten entspricht der Ueberzeugung der jüdischen Bevölkerung, daß diese Partei die beste Gewähr für den Schutz der Religions- und Gewissensfreiheit und der Einrichtungen aller religiösen Gemeinschaften bietet. Es bleibt in jüdisehen Kreisen unvergessen, daß im Jahre 1933, als" die Verfolgung der Juden im Dritten Reich begann, die Frage aufgeworfen wurde, wie Holland sich zu seiner jüdischen Bevölkerung verhalten solle, in dem Hauptprgäa der Antirevolutionären Partei „StandVärd" erklärt wurde: „Es ist klar, daß die Judenverfolgungen in Deutschland immer ärger werden. Wir wiederholen an dieser Stelle unsere Warnung, die wir bereits an uns selbst gerichtet haben: Wir wollen uns in unserem Lande von solchen Methoden fernhalten." In demselben Artikel wurde darauf hingewiesen, daß auch in Holland judenfeindliche Stimmen laut geworden seien. Demgegenüber, schrieb das Blatt, müsse man dessen eingedenk sein, daß die Juden stets gute Patrioten waren und dem niederländischen'Herrscherhaushervorragende Dienste erwiesen haben. Es liege im Interesse des Staates, sich von jeglicher Judenfeindschaft fernzuhalten. Jüdischnationale Taktlosigkeit. In Ergänzung der in unserer letzten Nummer unter obigem Titel erschienenen Notjiz erfahren wir, daß das Präsidium der Innsbrucker Kultusgemeinde folgende Berichtigung an „Die Stimme" gesandt hat: „Mit Bezug auf die in Ihrer "Zeitschrift vom 25. Mai 1937, Nr. 645 erschienenen Mitteilung der zionistischen Mandatare der Innsbrucker Kultusgemeinde stellen wir auf Grund der diesbezüglichen Bestimmung des Preßgesetzes das höfliche Ersuchen, in Ihrer Zeitschrift die nachstehende Entgegnung zu veröffentlichen: Der Kultusrat der Innsbrucker Kultusgemeinde hat in der Sitzung vom 4. Mai 1937 die Absendung eines Glückwunschtelegrammes an die „Union österreichischer Juden"' anläßlich des 50jährigen Jubiläums derselben einstimmig beschlossen. Die zionistischen Kultusratsmitglieder waren trotz Einladung bei dieser Sitzung nicht anwesend. Dieselben hätten jedoch auch bei Anwesenheit den oberwähnten Beschluß nicht verhindern können, da sie im Kultusrat sich in der Minderheit befinden." Die „Stimme" hat diese Berichtigung in ihrer bisher, nämlich am 1. d. M. erschienenen Ausgabe nicht veröffentlicht, dagegen publizierte die an diesem Tage herausgekommene Nummer der „Neuen Welt" das gleichlautende „Eingesendet" des Herrn Oberbaurat Ing. B e r g e r aus Inns- GROSSFLEISCHHAUEREf" IIEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALEc XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenrarKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen brück, dessen unrichtige Behauptungen in der oben zitierten Entgegnung der Innsbrucker Kultusgemeinde richtig gestellt werden. Dazu wäre noch folgendes zu bemerken: Der Innsbrucker Kultusrat besteht aus zwölf Mitgliedern, von denen sieben Unionisten und fünf Jüdischnationale sind. Die letzteren sind seit Anfang Februar den Sitzungen des Kultusrates ferngeblieben, sie haben also auch nicht an der am 4. v. M. stattgehabten Sitzung des Innsbrucker Kultusrates teilgenommen, in der einstimmig die Absendung des Glückwunschtelegrammes an die „Union österreichischer Juden" beschlossen wurde. Prozesse gegen Synagogenschänder. In der Nacht vom 6. auf den 7. April war — wie seinerzeit mitgeteilt — an der Synagoge in Bern mit großen Buchstaben die Aufschrift „Juda verrecke!" angebracht worden. Die zunächst unbekannten Täter hatten überdies eine obszöne Zeichnung und ein Hakenkreuz an der Fassade des Gotteshauses aufgemalt Die Nachforschungen der Polizei führten zur Ermittlung des Täters; es ist dies ein gewisser Fritz Schöchlin, der sich als „Kunstmaler" bezeichnet und der der „Nationalen Front" angehört. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen ihn Anklage wegen Herabwürdigung der Religion in Realkonkurrenz mit vorsätzlicher Eigentumsbeschädigung. Der Verteidiger versuchte geltend zu machen, der Angriff habe sich nicht gegen die jüdische Religion, sondern gegen die politischen und wirtschaftlichen Praktiken des Judenrums gerichtet. Das Gericht lehnte es ab,, auf diese Argumentationen einzugehen und verurteilte Schöchlin zu einer Gefängnisstrafe von zehn Tagen. Der Synagogenwart der Schaarej Tefilla- Synagoge in New York, Alexander Kinderman, ein Katholik, der den Brand gelegt hat, durch den diese reich ausgestattete Synagoge des New Yorker Westens am 27. März zerstört wurde, ist zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Kinderman hatte seinen Posten seit fünfundzwanzig Jahren bekleidet. Der Brand vernichtete den gesamten südlichen Teil der Synagoge, vor allem die Thoralade und achtzehn Thorarollen. Die große Orgel, die 25.000 Dollar gekostet hat, wurde beschädigt. Kinderman gestand ein, „aus unwiderstehlichem Drang" gehandelt zu haben. Idealer Ferienaufenthalt_. mit besonderer Gelegenheit zur Erlernung der englischen u. französischen Sprache mit Jugend dieser Muttersprachen «nter erstklassiger pädagogischer Leitung in Baden bei Wien großer Park mit Tennis / Herrlichste Lage / 2 Minuten vom Strandbad und Nadelwald / Vornehmes Familitnmili.u / Jeder Komfrt, Sonnenterrassen / Ping-Pong / Ober Wunsch auch pädagogische Nachhilfe in allen Schulfächcrn undMusüt/5 reichhaltige Mahlzeiten / Hygienische Lebensweise / Verläßliche Auf¬ Anmeldungen an rrau narlha von Weihs-FlalnpraiHt, derzeit Voslauerstraoe 2», Telephon: 881/11 Der Verein „Oesterr. Seehospiz in Grado" (Präsidentin Sofie Grünfeld) sendet Anfang Juli zarte, anämische, zu Katarrhen neigende jüdische Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren unter ärztlicher und pädagogischer Aufsicht in sein eigenes Hehn nach Grado (Italien). Ein 30tägiger Aufenthalt am Meer, bei 5 Mahlzeiten (rituelle Küche) kostet S 5.— täglich. Reisebeitrag für Kinder unter 10 Jahren S 35.—, über 10 Jahren S 50.— tour-retour. Anmeldungen im Vereinsbüro, IX., Türkehstraße 17, von 10—13 Uhr, Telephon R 51-5-63.