Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 22 (4.6.1937)
- Date
- 1937-06-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 22 — 4. Juni 1937 DIE WAHRHEIT 11 1 C n Versicherungsangelegenheiten — z u <e r 9 der „Union",. I., Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden Moatag und Freitag von 10 bis -12 Uhr vormittags. / Letter: Komm.-Rat Alexias Salzer. Für Lebensversicherungsberatung haben wir einen Spezialf achmann bestellt, welche unsere Mitglieder beonders günstig beraten wird. Benb. rraoenheUDad Tafzmannsdor! & Mineral-, Moorani natürliche Kohlensäure-Spradelbäder / Elektro-Kardiographisches Institut / Röntgen-Institut Tief reduzierte Pensionspreise einschließlich aller Heilbäder H U S ft Ü n f t e Md Prospekte: Kurbad A. G Bad Tatzmannsdorf und M. U. Dr. I. H. Körner - Reisebüro „CITY", Wien /., Kohlmarkt 8 / Telephon U 26-4-29 In Nummer 10 der „Jüdischen Front" vom 15. v. M. findet sich folgender Offener Brief an Herrn Dr. Josef Kresse Vizebürgermeister der Stadt Wien. Herr Vizebürgermeister! In öffentlichen Reden bekannten Sie sich zu wiederholtenmalen voll Stolz als Antisemit und rühmten sich, in Ihrem Leben noch nie einem Juden geholfen zu haben. Diese betont judenfeindliche Gesinnung sowie die immer wieder erhobene Forderung nach Zurückdrängung des jüdischen Elements im Wirtschaftsleben oder richtiger, nach Eliminierung der Juden aus demselben, veranlaßt uns zu einer Stellungnahme. Da wir, in Kenntnis Ihrer Gefühle für die jüdische Bevölkerung dieser Stadt, deren Vizebürgermeister zu sein, Sie die Ehre haben, nicht erwarten dürfen, Sie persönlich sprechen zu können oder eine Antwort auf einen direkten Brief zu erhalten, so sehen wir uns genötigt, in dieser Form Protest zu erheben. Sie teilen die Bevölkerung Wiens und, wie Sie schon mehrmals in Versammlungen betonten, als Obmann der Stadtgruppe Wien des Oesterreichischen Gewerbebundes, auch im Rahmen Ihres durch diese Stellung gegebenen Wirkungsbereiches in „Bodenständige" und „Nichtbodenständige" ein, wobei unter letzteren ausschließlich die jüdischen Bewohner dieser Stadt gemeint werden. Daher richten sich alle auf die „Nichtbodenständigen" abzielenden Angriffe, alle Diffamierungen und Diskriminierungen gegen den jüdischen Teil des österreichischen Staatsvolkes im allgemeinen und den in Wien wohnhaften Teil desselben im besonderen. Was ist bodenständig? Ein mehr als relativer Begriff: Bürgermeister Schmitz sagte am 11. Mai 1937 in seinem Vortrag über die innenpolitische Lage in Oesterreich wörtlich: „Gerade in Wien und in anderen Städten Oesterreichs gibt es sehr viele Familien, die von auswärts gekommen sind. Ein sehr großer Teilder Wiener stammt aus Böhmen, Mähren, Schlesien usw. Auch meine Familie ist mehr als 300 Jahre in Nordböhmen gesessen, ehe sie ihr Schicksal nach Steiermark und später nach Wien führt e." Was ist nun Bodenständigkeit? Ist es die Seßhaftigkeit einiger Jahrzehnte oder einiger Jahrhunderte oder eines Jahrtausends? Nun, es gibt viele Urkunden seit dem 9. Jahrhundert, die beweisen, daß schon damals Juden in diesem Lande als Bauern, Handel- und Gewerbetreibende lebten. Seit der vor rund hundert Jahren erfolgten Emanzipation haben die Juden die ihnen während eines Jahrtausends zugefügten Brutalitäten damit vergolten, daß sie sich mit Erfolg bemühten, auf allen Gebieten menschlichen Geistes und Schaffens Hervorragendes zu leisten und der sie verachtenden Menschheit nach besten Kräften zu dienen. Gerade das Wiener Judentum der letzten hundert Jahre, könnte Ihnen eine erstaunlich große Zahl von Menschen nennen, die auf dem Gebiet der Kunst und Wissenschaft, der Technik, des Handels und der Industrie Rühmliches geleistet und den Ruf dieser Stadt in der Welt zum Teil mitbegründet haben. LESET DIE WAHRHEIT! Nicht zuletzt wollen wir anführen, daß die im Weltkrieg von den österreichischen Juden erbrachten Blutopfer, der tausendfache Heldentod unserer Glaubensbrüder auf allen Schlachtfeldern, das Vorhandensein von tausenden jüdischen Kriegsteilnehmern, die in großer Zahl hohe und höchste Kriegsauszeichnungen ihr eigen nennen und die vier Jahre lang diesen österreichischen Boden mit dem Einsatz ihres Lebens, ihrer Gesundheit und Existenz verteidigt haben, uns einen unbestreitbaren Anspruch darauf geben, mit gleichem und gerechtem Maß gemessen zu werden! Wir protestieren dalier gegen jede Pauschal- - beschuldigung und Pauschalverdächtigung, wir protestieren leidenschaftlich gegen jeden Versuch, die österreichischen Juden in ihrer wirtschaftlichen Existenz zu benachteiligen! Die anständigen, bewiußten und ihrem Vaterland treu ergebenen österreichischen Juden isind die ersten, die dafür eintreten, daß jüdische Schädlinge des Staates und der Volkswirtschaft die volle Strenge des Gesetzes treffe, weil sie auch zugleich Schädlinge des Judentums sind, dessen Ehre und Ansehen sie mit ihrem Treiben beschmutzen. Man identifiziere nicht immer alle mit diesen wenigen Juden, weil dies ungerecht und unmenschlich ist und weil es auch umgekehrt niemandem einfällt, alle Christen für die einzelnen christlichen Blut- und sonstigen Verbrecher mitverantwortlich und mithaftbar zu machen. Die Abgrenzung des Ungeistes, gleichgültig in wem er wirkt, obliegt dem Gesetz und nicht der Propaganda gegen eine Minorität, die als Gesamtheit mit diesem Ungeist nichts gemeinsam haben will und auch nichts gemeinsam hat. Als ehemalige Frontsoldaten wollen wir an Sie, einen ehemaligen Frontsoldaten, eingedenk des gemeinsamen Fronterlebnisses die Bitte richten, in Hinkunft nicht mehr jenem anderen Ungeist, „Antisemitismus" genannt, die Hand zu bieten, der unserem Vaterland niemals nützen kann, so wie er auch noch keinem anderen Lande auf die Dauer Vorteile gebracht hat. Oesterreich! „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs." Restaurant u. Pension yO'D STRENG Stocket. Qxunfam, Hauptstraße 37 Sdiöne Zimmer, grofcer Garten Pension von S6.— aufwärts Palästinafragen im englischen Unterhaus. Vor dem Bericht der Kgl. Kommission. Die in der letzten Nummer der „Wahrheit" erwähnte Erklärung, die Kolonienminister O r m sb y - G o r e auf eine Anfrage des Abg. Geoffrey M a n d e r über den Bericht der Kgl. Kommission gab, hatte folgenden Wortlaut: Ich erfahre, daß der Bericht der Kgl. Kommission Mitte Juni unterzeichnet werden wird. Bevor der Regierung der Bericht nicht vorliegt, kann eine Entscheidung über Die besten Elsen Werstini SelAwarei 3mal täglich frisch bei lft6El,Wl!!llJl«[iit33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. den Bericht der Kgl. Kommission vorzulegen, um der sich daran knüpfenden Debatte eine Richtlinie zu geben. Abg. R. C. Morrison: Glaubt der Kolonienminister, daß der Bericht der Kgl. Kommission und die Schlußfolgerungen der Regierung dem Hause am 1. Juli zur Verfügung stehen werden? Minister Ormsby-Gore: Loal Peel und seine Kollegen hoffen, dem Kabinett den Bericht in der dritten Juniwoche zur Prüfung vorlegen zu können. Ich hoffe, daß bei der Vorlage des Berichtes und der Ansichten des Kabinetts über den Bericht keine Verzögerung eintreten wird. Die Lage in Palästina. die Prozedur nicht getroffen werden. Man hofft, daß es der Regierung Sr. Majestät möglich sein ward, ihre Schlußfolgerungen aus dem Bericht ohne Verzug zu ziehen und siezugleichmitdemBerichtzuveröffentlichen. Selbstverständlich wird dem Unterhaus die übliche Gelegenheit geboten werden, den Bericht und die Schlußfolgerungen der Regierung gemeinsam zu diskutieren. Abg. M a n d e r: Wird die Regierung nicht eine Veröffentlichung des Berichtes vor ihrer Entscheidung zu diesem in Erwägung ziehen, um es der öffentlichen Meinung innerhalb und außerhalb des Hauses zu ermöglichen, sich zu dem Bericht zu äußern? Minister Ormsby-Gore: Nein. Ich glaube, daß es die klare Aufgabe der Regierung ist, dem Hause die Ansichten der Regierung über. Ueber die gegenwärtige Lage in Palästina gab der Kolonienminister folgende Erklärung ab: Ich habe soeben vom High Commissioner eine Statistik der schweren Kriminalfälle in Palästina in der Zeit vom 1. Januar bis 10. Mai erhalten; aus ihr geht eine allgemeine Besserung der Lage, insbesondere im April, hervor. Diese Besserung hat auch bis zum 10. Mai angehalten. Die Statistik verzeichnet vom 1. Januar bis zum 31. März 162, im Monat April 40 und vom 1. bis zum 10. Mai 10 Verletzte infolge von Zusammenstößen. Im April wurden insgesamt vier Morde — an einem Juden und drei Arabern — verübt; außerdem gab es einen Mordversuch an einem Araber. In der Zeit vom 1. bis 10. Mai gab es überhaupt keine Mordfälle. Auch größere Unruhen ereigneten sich in den letzten Wochen nicht. Der einzige bedeutende Zwischenfall ist der vom il. Mai 1937, wo Personen, die auf Grund der Notverordnung zur Verhütung von Verbrechen in einem Arbeitslager in Haifa gehalten wurden, den Hungerstreik gegen diese. Schutzhaft erklärten. Der Hungerstreik ist jedoch beendet, und, wie ich höre, war er nicht von ernsten Unruhen begleitet.-