Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 22 (4.6.1937)
- Date
- 1937-06-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 22 — 4. Juni 1937 Seite 3 Seefeld IK TIROL 1200 m Pension Geschwister Scheer jetzt Haus Waldruhe, am See herrliche Lage mitten im Walde beste Verpflegung und Unterkunft §> streng orthodox der Pariser Weltausstellung zur Aufführung bringen soll, maßgebend. Sie fiel bezeichnenderweise nicht auf ein Werk der neuentdeckten christlicharischen Burgtheaterautoren, sondern aui des Halbjuden Hofmannsthal „Großes Welttheater". Die „Reichspost" begrüßt diese Wahl mit Freude, weil das Stück, dessen Motive aus uralter katholischer Glaubens- und Gedankenwelt geschöpft sind, den Schauspielern Gelegenheit biete, zu zeigen, daß' sie aus einem katholischen Staate kommen. Zudem habe die Dichtung durch die vielen Aufführungen in der Salzburger Kollegienkirche wohl eine besondere österreichische Note empfangen. Das ist natürlich das Verdienst des Regisseurs Max Reinhardt, der bekanntlich VoUjude ist. Wenn also auf künstlerischem Gebiet das jüdische Blut von Dichtern und Spielleitern den katholischen Charakter und die spezifisch österreichische Note einer repräsentativen Darbietung nicht nur nicht beeinträchtigt, sondern geradezu gewährleistet, dann kann man, wenn man sich nicht düpieren lassen will, wirklich nicht begreifen, was panarische Unionen im christlichen Ständestaat Oester-eich zu suchen haben. Jüdischnationale „Erfolge1 Die jüdischnationale Verstocktheit gegen die Stimme des gesunden Menschenverstandes hat sich wieder einmal grotesk gerächt. Wie unsere Leser wissen, haben wir uns von allem Anfang an der Gründung eines „jüdischen Weltkongresses" widersetzt. Wir haben vorausgesehen, daß ein solcher Kongreß keinem anderen praktischen Bedürfnis entspräche, als dem Geltungstrieb der jüdischnationalen Führer, die auch in den Jahren, in denen kein Zionistenkongreß tagt, ein Forum benötigen, auf dem sie sich in Szene setzen können. Die Eitelkeit dieser Herren erwies sich denn auch als stärker als unsere Bedenken gegen eine Gründung, die nur Wasser auf die Mühle unserer Verleumder treiben kann, die schon lange von der Existenz eines jüdischen Weltzentrums, das die gesamte jüdische Politik in allen Ländern nach einem einheitlichen Willen regelt, faseln und in einem „jüdischen Weltkongreß" die Inkarnation ihrer verleumderischen Phantasiegebilde erblicken würden. Die Jüdischnationalen gaben nicht nach, arrangierten ihren „Weltkongreß", hielten Beratungen ab und debattierten, was das Zeug hielt. Daß sich die Lage des Judentums irgendwo auf der Welt dadurch gebessert hätte, kann wohl niemand behaupten. Meistens hat von diesen Tagungen überhaupt niemand Kenntnis erhalten und das war noch der günstigste Effekt. Letzthin hat aber Herr Goebbels irgendwie von der Sache Wind bekommen und die Folge dieses Windes war ein Sturm im „A n g r i f f", der seine Leser durch die Meldung erschreckte, daß im Laufe dieses Sommers in Wien ein Jüdischer Weltkongreß tagen wird. Das ist zufällig unwahr, weil heuer der 20. Zionistenkongreß fällig ist, der auch bereits nach Zürich einberufen worden ist, so daß das Redebedürfnis der Zionistenführer für dieses Jahr des Weltkongresses entraten kann. Niemand kann auf zwei Hochzeiten zugleich tanzen. Der diesjährige Rahmen, in dem die politischen Ambitionen der Jüdischnationalen zu glanzvoller Entfaltung kommen sollen, heißt Zionistenkongreß und nicht Weltkongreß — der „Angriff" hat also seine Leser umsonst in Angst und Schrecken versetzt. Dabei hat er, damit sie das Gruseln nur ja richtig lernen, ihnen noch folgende erschröcklichen . Umstände aufgetischt: Zur Vorbereitung des Weltkongresses habe bereits in Wien ein Ausschuß getagt, an dessen Beratungen über hundert Juden aus der ganzen Welt teilgenommen haben sollen. Im Mittelpunkt der Beratungen sei der jüdische Weltboykott gegen das Dritte Reich gestanden. Zu dieser Ueberflutung von Wien durch über hundert Juden — man stelle sich bloß vor, was das heißt! — wettert der „Angriff": „Vor allem ist es bezeichnend, daß in der Hauptstadt des „christlichen Ständestaates" ein Weltkongreß der Juden stattfinden kann. Die_deutsche Bevölkerung Wiens schlägt man mit Gummiknüppeln und Säbelklingen nieder — wie erst jetzt nach dem Handballkainp! Deutschland—Oesterreich —, die Juden aber dürfen sich alle Frechheiten erlauben." Aus dieser Meldung erfährt man endiich, daß bei den Nazidemonstrationen nicht die Juden von den Hakenkreuzlern, sondern umgekehrt die Hakenkreuzler von den Juden niedergeknüppelt worden sind. Nur der Verspätung dieser Information ist es zuzuschreiben, daß viele Juden, die an dem Handball-Sonntag im Prater hatten lustwandeln wollen, bisher mit verbundenem Kopf herumliefen; jetzt müssen sie sich endlich über ihre Frechheit klar geworden sein . . . Und sie werden sich hüten, weiter den Weltboykott gegen Deutschland zu predigen, anstatt auch allen anderen den erfrischenden Kontakt mit den deutschen C'iimmiknütteln wärmstens zu empfehlen. Leider wirkt die „Politische Korrespondenz" der Bundesregierung einigermaßen illusionsstörend. Diese Korrespondenz stelle lest, daß von dem ganzen Weltkongreß-Alpdruck des „Angriff" nur folgendes wahr ist: „Am 18. Mai versammelten sich in Wien etwa 25 Mitglieder eines der üeffent- Üchkeit ganz unbekannten Komitees, das sich „Administrativkomitee des jüdischen Weltkongresses" nennt, und nahm verschiedene Berichte über jüdische Angelegenheiten entgegen." Das ist die Heldenepopöe des sogenannten Jüdischen Weltkongresses, dessen Wichtigtuer jetzt ihren Wählern durch eine offiziöse Verlautbarung als Leute vorgestellt werden, die kein Mensch kennt . . . Und diese Veilchen, die im Verborgenen blühen, hielten Naivlinge für stolze Zedern, die auf ihren Wipfeln das jüdische Heil himmelwärts tragen . . . Die Aufgaben des Joint Foreign Committee in London. Dieser Tage wurde in London vom Rat der Anglo-Jewish-Association eine grundlegende Reform des Joint Foreign Committee (Ausschuß für Wahrnehmung der Interessen der Juden im Ausland) beschlossen. in der Sitzung des Rates der Anglo-Jewish- Association, in der die diesbezüglichen Vorschläge angenommen wurden, erklärte dessen Präsident, Leonard G. Montef iore u. a.: In früherer Zeit hatte man es lediglich mit sporadischen antisemitischen Ausbrüchen in dem einen oder dem anderen Lande zu tun, heute habe man es mit einem Rassenwahn zu tun, der von einem bestimmten Zentrum aus verbreitet wird und bereits viele Millionen Anhänger zählt. Wohl gab es auch früher grauenhafte Exzesse und Pogrome, doch waren sie nicht Ausdruck einer systematischen Ausrottungspolitik gegen die Juden, wie sie es heute sind. Jene, die sich an Ereignisse vor 30 oder 35 Jahren erinnern können, haben das Bild von tiefen und schrecklichen Tragödien, denen aber Perioden relativer Ruhe und Sicherheit folgten. Heute jedoch steht man einer ebenso unbarmherzigen wie systematischen Verfolgungs- und Ausrottungspolitik gegenüber. Es gibt Regierungen, die sich von der Erwägung leiten lassen, daß es unklug sei, sich um des Judenschutzes willen unpopulär zu machen; wo doch die Erfahrung gelehrt hat, daß man nur der Judenhetze die Zügel lassen muß, um populär zu werden. Solche Stimmungen nützt das Dritte Reich aus und läßt in allen Ländern, wo der Boden für Judenhaß gut gedüngt ist, die Mark rollen und seinen Propagandaapparat ispielen. Das Joint Foreign Committee hatte früher, fuhr Montefiore fort, mit Regierungen und Fürsten zu verhandeln. Heute begegnen wir Vorurteilen, die sich in Millionen Seelen und Köpfen eingeschlichen haben Wir wissen, auf welche Weise diese Vorurteile genährt werden. Wir wissen, daß keine Anstrengung gescheut wird, um den Glauben zu verbreiten, daß die Juden Verschwörer und Verräter sind und daß die Welt nicht früher zur Ruhe kommen werde, als Iiis die Juden nicht in allen Ländern so behandelt werden wie im Dritten Reich. All das wissen wir! Aber ich frage, ob man bereits zur Erkenntnis gelangt ist, daß Verfolgung, die bei einer Minderheit beginnt, allmählich auch auf die anderen übergreift und daß nach und nach ein Bollwerk der Freiheit nach dem anderen angegriffen wird. Restaurant Stefanie Hugo u. Julie Herlinger, geb. Zellner II., TaborstraB« 12 Tel. R 48*4-4« Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl. Reichhaltige Menüs von S 1.60 aufwärts. Exakte Bedienung. Schöner schattiger Garten. Angenehmer Aufenthalt. Wenn Großbritannien als eine Stätte der Freiheit erhalten bleiben soll, ist es unsere Aufgabe, gemeinsam mit Gleichgesinnten der Welt zu zeigen, wie Freiheit verteidigt wird und mit welchen Waffen sie in anderen Ländern angegriffen und vernichtet worden ist. Das ist die Aulgabe des Joint Foreign Committee. Seine Politik aber ist: Bekämpfung des Nationalsozialismus bis zu dessen Ende. Tempel-Konzert. Donnerstag, den 17. Juni, 8 Uhr abends, findet im Tempel, II., Pazmanitengasse 6, ein großes Tempel-Konzert statt, bei welchem die Oberkantoren S. Postolow, J. L. Müller, erster Kantor A. Stift und ein verstärkter Chor unter der Leitung des Chordirigenten B. Herschmann mitwirken werden. Karten zu S 1.— bis S 2.— sind in der Tempelkanzlei zu haben. Mitglieder und freunde der „Union österreichischer Juden". (Beiirksorganisattonen innere Stadl, leopoldsfadt and Ländstraße) treffen sich während der Sommermonate bei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant. Deutschberger, Prater, Ausstellnngsstraße (vis-ä-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.