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Die Wahrheit · 1937-06-04 · Heft 22 (4.6.1937) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 22 (4.6.1937)
Date
1937-06-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 22 — 4. Juni 1937 DIE WAHRHEIT SedU^e^ K&^cUva^ flvta 3te*^/ru,KWß^.u..r^^ x^c % WjU^Uvv (Taju^äm, nwt S/fre*5fe>0 kWc^e*\AeA$ wl^i ,-R>ö>tfe<v3 wenn die „Reichspost" die Anlegung schwarzer Listen im Dienste des Nazi-Boykotts gegen Katholiken als „Brotraub" brandmarkt, dieses System aber selbst begeistert handhabt und unterstützt, wo es den Brotraub an Juden gilt. Wie weit entfernt ist diese Haltung von ehrlicher moralischer Entrüstung, die nicht erst wartet, bis sich eine Taktik gegen das eigene Wohl auswirkt, sondern ihr schon im Prinzip entgegentritt. Der oberste Grundsatz des Judentums ist nach Hille!: „Was du nicht willst, daß man dir tu, das füg auch keinem andern zu!" Indem die nichtjüdische Welt von heute sich von diesem ethischen Axiom möglichst weit distanziert, beweist sie nur, daß alles Gerede von der fortschreitenden Verjudung der Geister nur Gefasel und eitel Kinderschreck ist. JCucact Sauecfcmti Ausflugsort u. Sommerfrisdie.Kohlensäurebäder u. fein schmeckender Säuerling. Gesunde u preiswerte Sommerwohnungen. Rituelle Speisehäuser zu billigen Preisen. Auskünfte erteilt die Kurkommission Sauerbrunn, die Werbestelle des Landesverbandes für Fremdenverkehr im Burgenland und der Heil- und Kurorteverband, beide Wien /., Nlbelungettgasse 1 Kein offizieller Antisemitismus in Italien. Eine Erklärung des italienischen Ministers für Volksbildung. „Le Temps", Paris, erfährt aus Rom, daß die in ausländischen Zeitungen verbreiteten Gerüchte über das Anwachsen einer antisemitischen Bewegung in Italien in den offiziellen italienischen Kreisen einen peinlichen Eindruck hervorgerufen haben. Seitens dieser Kreise wird betont, daß Italien an der Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen zu den Juden Italiens und der ganzen Welt interessiert ist. In einer vom Minister für Volksbildung veröffentlichten Erklärung heißt es, daß es in Italien keinen offiziellen Antisemitismus gibt. Es wird daran erinnert, daß die Juden von Lybien BÄP&MTIOINI IHOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang dem Duce anläßlich seines jüngsten Besuches dort einen enthusiastischen Empfang bereitet haben. Es wird ausdrücklich erklärt, daß Zeitungsartikel, die sich mit der Judenfrage befassen, keinesfalls als Ausdruck der Meinung der offiziellen Kreise Italiens anzusehen sind, sondern die persönlich en Ansichten des Autors darstellen. Dieser Hinweis bezieht sich vor allem auf einen auch in der Wiener Tagespresse stark beachteten Artikel im „Popolo d'Italia", dem Hauptorgan der faschistischen Bewegung. Der Verfasser des Aufsatzes, Oreste Gregorio, führt bei der Besprechung eines jüngst erschienenen Buches von Paolo O r a n o, „Die Juden in Italien", aus, daß der Zionismus ein Mittel zur Stärkung des politischen, wirtschaftlichen und militärischen Einflusses Englands im Mittelmeer sei, somit zu Bestrebungen, die im Widerspruch zu der Mittelmeerpolitik Italiens stehen. Es sei unmöglich, sich gleichzeitig als treuer Italiener zu bekennen und an der Schaffung eines Staates zu arbeiten, dessen Bürger man eines Tages werden soll. Auch könne man als Italiener und Faschist angesichts der bekannten islamfreundlichen Politik des faschistischen Regimes nicht eine Bewegung unterstützen, deren Gegner die Araber sind. Die Juden Italiens müßten entweder auf den Zionismus oder auf ihre italienische Bürgerschaft verzichten und Italien verlassen. Im übrigen betont der Verfasser, daß die Frage: italienische Juden oder nur Juden in Italien, Gäste oder integrierender Teil der Bevölkerung, nicht aus einer antisemitischen Einstellung heraus aufgeworfen werde. Man könne die Leistungen der Juden auf vielen Gebieten, insbesondere in der Politik und in der faschistischen Bewegung, nicht in Abrede stellen. Sie hätten zweifellos viel für das nationale Leben getan; viele haben im Kriege ihr Leben für Italien hingegeben und viele haben in der nationalen Revolution eine hervorragende Rovlle gespielt. Nach „Popolo d'Italia" widmete auch die bekannte italienische Zeitung „Tribuna" dem kürzlich erschienenen Buch von Prof. Orano über „Die Juden in Italien" eine ausführliche Besprechung. Die „Tribuna" stimmt ebenso wie „Popolo d'Italia" der antizionistischen Einstellung von Paolo Orano zu. Der Aufsatz, der die Ueberschrift „Rom oder Zion" trägt, stellt dem italienischen Judentum die Alternative, sich entweder zur italienischen Nation zu bekennen und nur die besonderen jüdisch-religiösen Anschauungen zu bewahren, oder das Land zu verlassen. Das Blatt verwahrt sich dagegen, daß seine Haltung von antisemitischen Beweggründen beeinflußt sei oder durch die Kirche oder durch den Faschismus hervorgerufen wurde. Die Zeitung nimmt auch scharf gegen den Anteil der italienischen Juden am Zionismus Stellung. Schließlich wird gesagt, daß Italien deshalb gegen den Zionismus sein müsse, weil die Politik Mussolinis gegenüber dem Islam nicht eine Bewegung zulassen könne, gegen die die Araber und Mohammedaner feindlich eingestellt seien. Die eingangs zitierte amtliche italienische Erklärung enthebt uns der Notwendigkeit, zu den Ausführungen des „Popolo d'Italia" und der „Tribuna" Stellung zu nehmen. Wii haben immer auf die Gefahren hingewiesen, die der nationale und politische Zionismus mit sich bringt, die in den Heimatländern der Juden heraufzubeschwören, die Balfour-Deklaration mit ihrem Schlußsatze verboten hat, „daß als wohlverstanden gilt, daß den politischen Rechten der Juden irgendwo auf der Welt durch die zionistische Bewegung keine Beeinträchtigung zugefügt werden darf". Diese Mahnung, die sich an die Führer des Zionismus gewendet hat, ist trotz unserer ununterbrochenen Warnungen nicht befolgt worden. Die Führer der zionistischen Bewegung haben aus parteisüchtigen Motiven es beinahe so weit gebracht, daß die Umwelt und vielfach die Juden selbst die zionistische Bewegung, die dahin abzielt, heimatlosen Juden eine rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen, mit den phantastischen Plänen eines politischen oder jüdischnationalen Zionismus, die auf die Errichtung eines jüdischen Staates Palästina abzielen, identifizieren. „Hinc illae lacrimae". Daher stammen die Möglichkeiten des Konfliktes zwischen Heimatstaatinteressen und zionistischer Einstellung. Der unpolitische Zionismus kann niemals in dieses furchtbare Dilemma kommen. Er kann immer seine patriotischen Empfindungen mit der Idee der Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte für Juden, die sich nicht assimilieren können oder nicht assimilieren wollen, restlos in Einklang bringen. Jlicht düpieren lassen 1 Noch hallt die Erregung des Wiener Publikums über die unbegreifliche Duldsamkeit der österreichischen Behörden gegenüber offenkundigen Nazi-Veranstaltungen, wie sie jüngst bei dem famosen Handballmatch Oesterreich—Deutschland im Prater zutage trat, in der gesamten vaterländisch eingestellten Presse wieder, am eindringlichsten wohl in der Forderung der dem Gewerkschaftsbunde nahestehenden „Freien Arbeiterstimme": „Schluß mit dem Nazismus und Schluß mit allen seinen getarnten Trabanten! Es ist Caf€ Pension Ecksfein Semmering 12 Uhr! Aber ernstlich Schluß, nicht mit Worten, sondern mit sichtbaren Taten, weil den Oesterreichern der Geduldfaden bereits gerissen ist!" Darauf haben nunmehr die Behörden wirklich mit einer sichtbaren Tat reagiert, nämlich mit der Genehmigung einer „Pan-Arischen Union" in Wien, die statutenmäßig „dem staatlichen, zwischenstaatlichen und zwischenvölkischen Zusammenschluß arischer und artverwandter Völker zum Schutz und zur Förderung ihrer geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen" dienen soll, also Zielen, die weniger der österreichischen Verfassung als dem nationalsozialistischen Programm entsprechen! Bundeskanzler Schuschnigg hat in eindeutiger Weise die Taktik gegenüber den „betont Nationalen" in Oesterreich empfohlen: So weit sie sich auf den Boden des neuen Ständestaates stellen, sollen sie in der Vaterländischen Front, der einzig zulässigen Organisation zur politischen Willensbildung, willkommen sein. Düpieren dürfe man sich aber von ihnen nicht lassen. Diese Mahnung beantwortet man mit der Genehmigung einer zwischenstaatlichen Organisation, deren nicht zu verkennender Zweck die politische Willensbildung im Sinne der nationalsozialistischen Rassenhetze ist! Das wird durch die Statuten und den beigefügten Kommentar nicht einmal zu tarnen gesucht. Bezeichnend ist als Köder der Mitglieds erbung das materialistische Versprechen: „Den Fragen des Wirtschaftslebens soll ganz besonderes Augenmerk zugewendet werden." Das entspricht jener Nazi-Taktik, die die „Reichspost" als „Brotraub, um alles selber zu fressen!" gebrandmarkt hat. Die „panarischen" Bestrebungen wollen aber „nicht nur dem Ueberiiandnehmen artfremden Einflusses Einhalt tun, sondern auoh dahin wirken, den arteigenen kulturellen und wirtschaftlichen Raum zu erweitern". Wie wollen die weisen Herren das machen? Wie unsere Leser bereits wissen, hat in der jüngst abgehaltenen Generalversammlung Österreichischer Bühnenleiter der Linzer Theaterdirektor Brandtner mitgeteilt, wie die panarischen Forderungen, die ja keine originelle Erfindung der neuen Union sind, sondern mittelalterlicher Spuk, im, Theaterwesen verheerend gewirkt haben. Denn das Publikum läßt sich wirklich nicht düpieren und honoriert keinen Kunstersatz durch Ensembles, bei deren Zusammenstellung die arische Großmutter den Kuß der Musen ersetzt. Der Arierparagraph auf der Bühne hat den Zuschauerraum geleert, wodurch nach den jüdischen auch die christlichen Künstler brotlos werden, während sie bei altgewohntem Zusammenwirken beide auf ihre Rechnung gekommen wären. Durch die Verdrängung der jüdischen Schauspieler ist also der wirtschaftliche und kulturelle Raum der „Arteigenen" nicht nur nicht erweitert, sondern sogar noch katastrophal verengt worden. Das ist die materielle Seite der Angelegenheit Es verlohnt sich aber auch, die geistige des österreichischen Kulturlebens heranzuziehen. Oesterreich steht jetzt auf betont christlicher Grundlage. Das soll auch in seiner Kunst zum Ausdruck kommen und war daher auch bei der Wahl des' Stückes, das das Burgtheater auf

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