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Die Wahrheit · 1937-06-04 · Heft 22 (4.6.1937) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 22 (4.6.1937)
Date
1937-06-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'editeor" Jüdische IDodicnsdirift Die Itfanrheif mit J n Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Grosdier Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien.» A 100.918 53. Jahrgang Wien, 4. Juni 1937__Nummer 22 Samftag, den 12. Juni, 9 Ufa abends Zirkusvorstellung / Kabarett / Pratorhudan ' Belustigungen / Schön heftskonkurrenz / Heuriger / Rosenzelt / u. v. a. JQy^ &CITV$ £ntree S 1.50 / flbendliaffa S 2.— (inKlusive Zirkus und Kabarett) Der Reingewini b Fest unwiderruflich am 19. Juni statt. Vorverkauf: >Union<, I., Schottenring 25 / Cafe Fetzer, II., PraterstraBe 8 / Cafe Frelwlrth, II., PraterstraBe 11 / Mühlrad, II., PraterstraBe 39 / Druckerei Stiassny, II., TaborstraBe 46. £ineTTlärd)ennad)t in der ßliputftadt pCateU (Eingang Stadtbahnviadukt) Bei Regenwetter findet d Rasiere Dkh auf and billig Prineipüs obsta! Den achtzigsten Geburtstag Papst Pius XI. hat dieser Tage nicht bloß die katholische, sondern die gesamte Külturwelt, soweit sie sich für erhabene Menschlichkeit noch ein Gefühl zu bewahren vermochte, als ein festliches Symptom für die schöne Tatsache gefeiert, daß auch in unsere verstörte Zeit noch eine mächtige Führergestalt (hineinragt, deren bewegende Impulse jene Güte und "Weisheit sind, die vor dem Aufkommen des Nazismus als Herrschertugenden geschätzt wurden. Dieser große Papst hat kein Hehl daraus gemacht, daß ihn die Umwertung aller moralischen Werte durch das Hakenkreuz „mit brennender Sorge" erfüllt. In der Enzyklika, die mit diesen Worten beginnt, hat der höchste katholische Souverän die Rassenlehre der Hakenkreuzler als Irrlehre gebrandmarkt und ihr, die „heilserzieherischen Schätze" des Arten Testaments lobpreisend gegenübergestellt. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wollte damit sicherlich nicht irgendwelchen jüdischen Weltherrschaftsgelüsten, die ja bloß in der Nazi-Phantasie existieren, Vorschub leisten, sondern nur kraft seiner höheren Erleuchtung sittlich-religiöse Dämme wieder aufrichten, die der kurzsichtige Fanatismus katholischer Judenhasser niederreißen half und deren beharrliche Unterhöhlung jetzt nur das eigene Glaubensgut gegen die wild hereinbrechende Strömung des Neuheidentums schutzlos gemacht hat. Verbreitet DIE WAHRHEIT LeSe DlE WAHRHEIT ^MWAHRHEIT nSe oi WAHRHEIT Veri.n9-.n--^U»UttT denn sie Mt unsere wifK Im Kampf« Ate der in Deutschland zur Macht gelangte Nationalsozialismus seine ersten juderrfeindlichen Maßregeln traf, bat ihn die katholische „Reichspost" von Wien aus Beifall gezollt und Hitler zu radikalem Durchgreifen ermuntert. Diese freundliche Mahnung ist aiuf fruchtbaren Boden gefallen und jetzt, nach vierjährigem Hakenkreuz-Regime, können wir in derselben „Reichspost" die dabei zur Anwendung gelangten Methoden registriert iinden, nur das Objekt hat sich geändert. Sie sind uns Juden nicht neu, denn es sind die uralten Praktiken der Antisemiten aller Zeiten und Riten: Verleumdungen Schuldloser, Aufbauschungen geringfügiger Vergehen zu Kapitalsverbrechen und schließlich ungerechtfertigte Verallgemeinerungen, indem die angeblichen oder wirklichen Uebertretungen einzelner der ganzen QaubensgemehiBchaft angelastet werden. Richtige Leibbinden EBB and Stätnnieder als Reroltat umfallender Erfahrung. Facbfirma YY& BAMDAGEN-HIKOLASCH, TaborstraBe 22 Die einst in die Gemütlichkeit des liberalen Oesterreichs geschleuderte Brandparole: „Der Jud' ist an allem schuld!" ist im Dritten Reiche zu einer lodernden Brandfackel geworden, deren zündende Funken auch schon im Gebälke des Christentums, das ja auch nur „Judenmache" ist, Nahrung suchen. Der Nationalsozialismus ist eben konsequent! Haben die ChristJichsozialen einst das Judentum als Urquell alias Bösen entlarvt, so denkt Hitler nur folgerichtig, wenn er nicht bloß das „Gift vom Sinai", sondern auch das „Gift von Nazareth" aus dem deutschen Geistesleben ausjäten läßt. „Jud ist Jud!" Dabei bedient man sich der altbewährten Methoden. Hat der Klerikalismus in Frankreich den Dreyfus-Prozeß, in Oesterreich den Hilsner-Prozeß zwecks Diffamierung des Judentums inszeniert, so sucht jetzt Hitler die katholische Kirche durch Sittenprozesse gegen Mönche und Klosterbrüder zu diffärmeren. Der Berliner Bischof Graf Preysing nahm in einem Hirtenbrief zu diesen Prozessen Stellung, wobei er betonte, daß die Bischöfe jene Vergehen ebenso streng verurteilen wie die weltlichen Gerichte, daß sich aber die Kirche mit aBer Entschiedenheit gegen die Form wende, in der systematisch und mit , allen Mitteln der Propaganda jene Vergehen gegen die Kirche selbst ausgeschrotet werden. Das deckt sich vollkommen mit den jüdischen Ein- OesfcrrclcMsclic* QoallfälsFabrilial Ueberau erhältlich Wendungen gegen das Jahrhunderte alte System, Anschuldigungen gegen einzelne Juden zur Diffamierung des Judentums selbst zu mißbrauchen. Unsere Proteste gegen diese tückische Taktik werden niemals und nirgends verstummen. Der zitierte Hirtenbrief des Berliner katholischen Bischofs beweist, daß wir damit keinen jüdischen Sonderimpulsen folgen, sondern nur dem allgemein menschlichen Ehrgefühl, das sich gegen ungerechte Behandlung aufbäumt, gehorchen. Graf Preysing erscheint moralisch berechtigt, unsere Argumentik zur seinen zu machen. Denn die reichsdeutschen Katholiken, deren Sache er führt und derentwegen es nun zu einem argen Konflikt zwischen dem Vatikan und Berlin gekommen ist, haben seit jeher Toleranz nicht nur beansprucht, sondern auch geübt. Ihre einstige politische Organisation, das Zentrum, hat deshalb stets auch zahlreiche jüdische Stimmen erhalten. Ganz anders liegt aber die Sache bei der Wiener „Reichspost". Wenn diese in der letzten Zeit die antikatholische Politik des Nazismus mit denselben Argumenten bekämpft, deren wir Juden uns gegen den Antisemitismus bedienen, so ist dies, gelinde gesagt, eine Pikanterie. Wie drollig wirkt es z. B., wenn die „Reichspost" sich über die Wehrfosmachung der reichsdeutschen Katholiken durch die Unterdrückung ihrer Presse entrüstet, während sie mit ihren Provinzablegern noch heute für die Entfernung der Juden aus den Redaktionen eintritt, um das Judentum in einer Zeit, m der es ein Objekt der gewaltigsten Verleumdungskampagne alter Zeiten ist, mundtot zu machen. Oder Pamenhonfektions= TTIodeHhaus >r2at iesdl&H Wietteeiti" fllerms Saber & Co. Wien K/2., Wahrinfterstr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Domehmes modellbaus für Damenbekleidung wie Miitel, Kleider, Kostüme, Blusen mafratelier im fiaufe

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