Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 21 (28.5.1937)
- Date
- 1937-05-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite o Nr. 21 — 28. Mai 1937 D1E_WAHRHEIT jffittfcftaftttcfte ffietatungsftelte in der „Union" unter Leäung des Obmannes des Organisation* - Komitees der „Union österreichischer Jaden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER; jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung ooUkommen unentgeltliche Auskunft. Derfidjeningsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namhmfte BrngBuMtigiMB der Ptämlensätze. Antisemitismus in den österreichischen Theatern. In der jüngst abgehaltenen Generalversammlung der österreichischen Theaterdirektoren hielt Direktor Brandtner (Linzl) eine Rede, in der er nicht bloß die allgemeinen Schwierigkeiten der Theaterführung in der heutigen Zeit, sondern auch die der Zusammensetzung des Ense m b Le s ins rechte Licht rückte. Der Antisemitismus, führte Direktor Brandtner, der als erstklassiger Theaterfachmann gilt, aus, macht sich in der Provinz derart breit, daß ein Theaterdirektor es gar nicht wagen darf, Juden zu engagieren. Alle Darsteller sollen blond und blauäugig sein. Nun sind aber die guten arischen Schauspieler, die für die Provinztheater in Betracht kamen, nach Deutschland gegangen, um dort Lücken auszufüllen, die durch den Abgang der jüdischen Emigranten entstanden sind . . . Direktor Bnandtner gelangt nun zur Pointe seiner Beweisführung, nämlich zur Begründung der Notlage des österreichischen Provinztheaters. Mit schlechten Schauspielern, erklärte er, dürfe man dem Publikum nicht kommen. Wenn nun für ein bestimmtes Fach kein guter arischer Darsteller zu finden sei, hingegen ein halbes Dutzend jüdischer Schauspieler, die man allerdings nicht engagieren könne, höre sich jedes seriöse Theaterspielen auf. Und das Fazit? Defizit! Die heurige Spielzeit in Linz habe ein Defizit von 25.000 Schilling ergeben. Der Mut des Direktors Brandtner ist zu bewundern. Vor einem Forum, das die deutsche Theaterkultur zu bewahren hat, auf den wunden Punkt der Theaterführung in Oesterreich hinweisen, nämlich auf den widerspruchslos geübten Arierparagraphen, dazu gehört unter den gegenwärtigen Umständen eine Charakterstärke, die man bei den Kollegen Brandtners schwerlich finden dürfte. Blinder Haß. „Die Wahrheit" hatte kürzlich berichtet, daß in der Generalversammlung der Vereinigung der blinden Musiker der Antrag auf Einführung des Arierparagraphen angenommen, und die jüdischen Blinden sofort aus dem Verein ausgeschlossen wurden. Wir können nun von einem erfreulichen Verlauf dieser Angelegenheit berichten. Wie uns mitgeteilt wird, hat der Gesamtverband der Blindenvereine Oesterreichs wie folgt entschieden: „Die Vereinigung der blinden Musiker Oesterreichs wird aufgefordert, bis zum 20. Juni 1937 die Einführung des Arierparagraphen aufzuheben, ansonsten die Vereinigung für aufgelöst erklärt wird." Das Eingreifen des Gesamtverbandes ist nicht nur im Interesse der jüdischen, sondern im Interesse aller Blinden zu begrüßen. Interessant ist auch die isonderbare Art, auf die der judenieindliche Beschluß der Vereinigung der blinden Musiker zaistandekam. Dieser Vereinigung gehören 60 Mitglieder an, davon nur drei Juden. Bei der Generalversammlung waren insgesamt 21 Mitglieder anwesend. Bei der Abstimmung enthielten sich zehn Personen der Stimme, zwei stimmten dagegen; nur sage und schreibe neun Vereinsmitglieder waren für den Arierparagraph. Ein Aufsitzer. Einem grotesken Reinfall ist das „Wiener Montagblatt" zum Opfer gefallen. Es hat jüngst eine schwarze Liste jüdisch klingender Namen von Eierhändlern veröffentlicht, um zu beweisen, daß der Eierhandel ein jüdisches Monopol sei. Nun haben zwei der aufgezählten Firmen dem Blatte ironisch bestätigt, daß die Aufzählung der Namen diesen Beweis tatsächlich geliefert habe, daß sie selber aber christliche Unternehmer seien. Das druckte das „Wiener Montagblatt' ab, ohne sich über den blamablen Aufsitzer klar zu werden, den man sich da mit ihm erlaubt bat, wenn man ihm bestätigt, daß es mit der Aufzählung christlicher Firmen ein jüdisches Monopol bewiesen habe! Was über die Sache selbst, die Anlegung schwarzer Listen, im allgemeinen zu sagen ist, haben wir letzthin schon aus der „Reichspost" zitiert: „Es ist für jeden anständigen Menschen zum Grausen". Ferner: „Es ist ein Brotraub, um selber alles fressen zu können." Dieser Charakterisierung der Anlage schwarzer Listen haben wir nichts hinzuzufügen. Wir sind über die Schärfe, die wir der „Reichspost" gerade in diesem Belange nicht zugetraut hätten, überrascht, freuen uns jedoch über ihre Treffsicherheit . . . Wohin wanderten die deutsch" jüdischen Gelehrten? Von 1000 aus Deutschland ausgewanderten Gelehrten wohnen heute in: 1. England (27% aller Wissenschaftler) 318 davon in London 154 davon in Cambridge 29 davon in Oxford 24 davon in Manchester 15 davon in 24 anderen Orten 96 2. Vereinigten Staaten von Amerika (24%) 239 davon im Staate New York 68 davon im Staate Kalifornien 20 davon im Staate Massachusetts (Harvard!) 21 davon im Staate Pennsylvanien 16 davon im Staate Connecticut (New Häven!) 12 davon in 21 anderen Staaten 102 3. Frankreich 64 davon in Paris 56 4. Türkei 64 davon in Istambul 45 davon in Ankara 19 5. Palästina 52 6. Schweiz 46 7. Holland 38 8. Dänemark (Kopenhagen) 19 9. Schweden 19 10. Italien (in 12 verschiedenen Orten) 16 11. Oesterreich 15 12. Tschechoslowakei (Prag) 13 13. Rußland 13 14. Belgien 12 15. und 16. Indien und Spanien je 10 17. Brasilien 9 IS. Canada 8 19. China 7 20. bis 22. Panama, Australien und Kolumbien je 6 23. und 24. Ungarn und Jugoslawien je 5 25. bis 29. Argentinien, Aegypten, Ekuador und Iran je 4 30. bis 32. Estland, Polen und Portugal je 3 33. bis 37. Norwegen, Peru, Südafrika, Syrien und Griechenland je 2 38. bis 46. Burma, Litauen, Guatemala, Ceylon, Irak, Venezuela, Tankanjika, Cypern und Finnland je 1 insgesamt GROSSFLEISCHHAUEREI HEGN. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE: XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Die Leistungen der Juden für das WirtschalEts- und Geistesleben Ungarns* In der jüngst abgeführten Budgetdebatte im ungarischen Abgeordnetenhaus hat auch der Abgeordnete Rupert das Wort ergriffen, um, durch judenfeindliche Zwischenrufe dauernd unterbrochen, gegenüber den in letzter Zeit gegen die ungarischen Juden erhobenen Vorwürfen die Leistungen hervorzuheben, die sie für das Geistesleben und die Wirtschaft Ungarns vollbracht haben. Er betonte, daß die f ü h r e n d e n P e r & ö nlichkeiten Uwigarns sich stets für die Gleichberechtigung aller Bürger eingesetzt haben. Es sei schmerzlich, Ausfälle gegen die Juden mitanzuhören, wenn man an die j ü d ischen Kameraden denke, die zusammen mit den Ungarn auf den Schlachtfeldern gekämpft haben und gefallen sind. Als e h r- Iicher Christ, sagte Abg. Rupert, sehe er sich genötigt, für das Judentum einzutreten und im Namen der Gerechtigkeit darauf hinzuweisen, daß viele Juden sich große Verdienste um das ungarische Geistesleben erworben haben. Er zählte eine 1000 Besorgt Eure Bücher durch, die Buchhandlung Hermann Tuchner Wien IL, Ecke Taborstraße 52 Mäßige Preise! Große Auswahl! Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Grosch. per Tag sonst nichts Anfrag.: Tel. R41 -4-20 Kataloge gratis! Londoner jüdischer Stadtverordneter beim Krönungsbankett ausgezeichnet. König Georg VI. hat nach dem Krönungsbankett in der Guildhall den jüdischen Stadtverordneten F. J. C. Politzer, einen der Sheriffs der Stadt London, in den Ritterstand erhoben. In der Regierungszeit der Königin Viktoria waren zwei Mitglieder der Familie Politzer Oberbürgermeister von London. Reihe führender jüdischer Gelehrter auf, unter ihnen auch den Lehrer des jetzigen Unterrichtsministers Homan. Ferner wies der Abgeordnete darauf hin, daß eine Reihe der bedeutsamsten ungarischen Industrien, wie die Zuckerindustrie,, die Lederindustrie, die Baumwollindustrie, die Forstbewirtschaftung und einige der bedeutendsten ungarischen Kohlen- und Eisenwerke von Juden geschaffen worden sind. Die jüdische Industriellenfamilie ManfredWeiss habe für die ungarische soziale Fürsorge mehr geleistet als der gesamte ungarische Großgrundbesitz. Auch die Glühlampenindustrie, die Brauereien, der Getreidehandel und die ungarische Schiffahrt seien von Juden gegründet und entwickelt worden. Es müsse einmal die Wahrheit ausgesprochen und darauf hingewiesen werden, daß auch die Juden ihre Pflicht getan haben und daß man an die Beurteilung der jüdischen und christlichen Großvermögen mit gleichem Maßstab herangehen müsse. Zum Schluß polemisierte der Abgeordnete gegen den Ministerpräsidenten wegen seiner Haltung in der Frage der Bekämpfung radikaler Strömungen. Mit der Aufrollung der Judenfrage werde nur das Ziel verfolgt, die Massen aufzuhetzen. Jüdischnationale Taktlosigkeit. Die „Stimme", die uns das erstemal dadurch sympathisch berührte, daß sie anläßlich der erhebenden würdigen Feier des fünfzigjährigen Jubiläums der „Union österreichischer Juden" sich nicht vernehmen ließ, bringt nachträglich die nachstehende „taktvolle" Kundgebung einiger verbohrter jüdischnationaler Kultusvorsteher von Innsbruck: