Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 21 (28.5.1937)
- Date
- 1937-05-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 — 28. Mai 1937 Seite 7 sciunücftung von Gräften m onö Gräbern LeopoldQeutscliJiBnXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof f. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen „Die zionistischen Mandatare der Innsbrucker Kultusgemeinde teilen mit: Die Kultusgemeinde Innsbruck hat als einzige Kultusgemeinde Oesterreichs durch ihren Vorsteher, Herrn Julius Pasch, die .Union österr. Juden' zu ihrem fünfzigjährigen Jubiläum beglückwünscht. Wir stellen fest, daß dies ohne unser Wissen geschehen ist und daß wir liiezu unser Einverständnis nicht erteilt hätten. Für die zionistischen MandataTe der Kultusgemeinde Innsbruck: Ing. Richard Berger." Dazu wiederholt die „Union" nur das, was sie anläßlich der Feier selbst und in ihrem Berichte in der „Wahrheit" hervorgehoben hat, daß sie keine offizielle Stellen, also auch nicht die Kultusgemeinden Oesterreichs, auch nicht die Wiener Israelitische Kultusgemeinde, zur Feier ihres fünfzigjährigen Jubiläums eingeladen hat, weil der Zentralvorstand der „Union" darauf Wert gelegt hat, daß die Unionisten sich unter sich befinden und vor ähnlichen Taktlosigkeiten, wie sie in der Notiz der „Stimme" zum Ausdrucke kommen, sicher seien. Szalasy wegen konfessioneller Aufreizung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Der Führer der in der aufgelösten Partei des Nationalen Willens konzentriert gewesenen radikalen ungarischen Antisemiten, Major a. D. Franz Szalasy, der wegen Vorbereitung des Putsches in Präventivhaft genommen, später aber wieder aus der Haft entlassen worden war. hatte sich neuerdings als Angeklagter vor dem Strafgerichtshof in Budapest zu verantworten. Szalasy hatte am 13. März 1937 eine Flugschrift veröffentlicht, die vom Staatsanwalt beschlagnahmt worden war. In der Flugschrift wird das Programm der von Szalasy gegründeten Partei des Nationalen Willens erörtert. Es werden die üblichen 'antisemitischen Ausfälle wiederholt. Man müsse den Juden die Macht entreißen. Der Parlamentarismus, der Marxismus und die Freimaurerei seien die Waffen des Judentums, diese müssen vernichtet werden. Auf Grund dieser Flugschrift erhob die Staatsanwaltschaft gegen Szalasy die Anklage wegen konfessioneller Aufreizung und wegen Vergehens des Umsturzes." Im Verlauf des Verhörs erklärte Szalasy, sein Lebensziel sei die Verpflanzung der Idee des Nationalsozialismus auf ungarischen Boden. Der Staatsanwalt führte aus, die Behauptungen des Angeklagten seien geeignet, die Gemüter aufzuwiegeln. Szalasy behaupte, de Juden untergraben das Leben der Nation und das heutige Regierungssystem dulde dies. Seit 1867 wären die ungarischen Regierungen blinde Werkzeuge in der Hand der Juden gev/esen, sie ermöglichten die Mißbräuche. Der Angeklagte erstrebe einen gewaltsamen Regimewechsel, eine totalitäre Diktatur, und da eine solche auf legalem Wege nicht eingeführt v/erden könne, müßte ein Umsturz herbeigeführt werden. Der Verteidiger verlangte Freispruch oder wenigstens Strafaufschub für den Angeklagten. Nicht Szalasys Tätigkeit sei aufreizend, sondern die Feststellung der Statistik. ■Es sei keine Aufreizung, wenn jemand das parlamentarische System, das durch und durch verfault sei, beseitigen wolle. Die Bezeichnung „Jude" sei nicht verletzend. In seinem Schlußwort sagt Szalasy, im ungarischen Volke gäre jetzt eine Revolution; Er beharre auf dem, was er gesagt und getan habe und hoffe, daß sein Volk seine Vorschläge bald aufgreifen werde. Szalasy wurde wegen Vergehens der konfessionellen Aufreizung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Von der Anklage Werner rer ienaaf enf halt. Baden bei Wien ätr Park mit Tennis / Herrlichste L.i(fe / ü Minuten vom andbad und Nadelwald / Vnmehmes Familienmili.u / ledrr ">f rt. Sonnenterrassen / Piny-Ponj / Ober Wunsch auch logische Nachhilfe in allenSchulfächern undMusik/5 rechne Mahlzeiten / Hygienische Lebensweise / Verläßliche AufföslnuersiroBc 28, Frau Plariha von Weins-nalnprogg, der: Teiepnon: aai/H des Umsturzes wurde er freigesprochen. In der Urteilsbegründung stellte der Gerichtshof fest, daß die Ausdrücke „Fäulnis, gemein, gott- und vaterlandsfeindlich . . ." geeignet seien, den Haß anderer Konfessionen gegen die Juden zu erwecken. Die Hilfe des amerikanischen Joint Distribution Kommittee in Europa. Die Direktoren der Joint Reconstruction Foundation in Paris, Dr. Bernhard Kahn und David J. Schweitzer veröffentlichen einen Bericht über die Arbeit der American Joint Reconstruction Foundation im vergangenen Jahre. Aus dem Bericht geht hervor, daß die A. J. R. F. im Jahre 1936 das größte Hilfswerk in Europa seit dem Weltkriege geleistet hat. Während der ersten neun Monate im Jahre 1936 nahmen 180.000 jüdischa Familien, das sind rund eine halbe Million Seelen in elf europäischen Ländern Kredite in der Höhe von 28 Millionen Dollar in Anspruch, die die A. J. R. F. durch die Schaltung ihres auf kooperativer Basis aufgebauten Kreditsystems in diesen Ländern ermöglichte. Die Direktoren der A. J. R. F., Dr. Bernhard Kahn und D. J. Schweitzer, haben sich in eine Reihe mittel- und osteuropäischer Länder begeben, um die Lage der Juden dortselbst zu studieren. Insbesondere in Polen, wo die Situation der 3'A Millionen Juden iniolge des antijüdischen Boykotts und der wirtschaftlichen Diskriminierung teilweise unhaltbar geworden ist, werden sie sich längere Zeit aufhalten. Die Tätigkeit der A. J. R. F. in Europa reicht bis in das Jahr 1924 zurück. Sie wurde gegründet zum Zwecke der Unterstützung der jüdischen Bevölkerung in verschiedenen Ländern Europas durch Anleihen an jüdische Kauileute, Händler und Handwerker. Die A. J. R. F. führt ihre Aufgaben durch ein Netz von 672 auf kooperativer Grundlage autgebauten jüdischen Kreditbanken in elf Ländern durch, die auch jüdischen Bauern und verschiedenen jüdischen landwirtschaftlichen Unternehmungen finanzielle Hilfe leisten. In einer Reihe von Ländern, wo die staatlichen Banken den Juden keine Kredite gewähren, bilden die von der A. J. R. F. gegründeten Kreditbanken die einzige Kreditmöglichkeit für Juden. Das Tätigkeitsgebiet der A. J. R. F. umfaßt: Polen, Oesterreich (Oesterreich hat nur einen sehr geringfügigen Betrag erhalten. Anmerkung der Redaktion.), Tschechoslowakei. Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien, Türkei, Bulgarien und Deutschland. In den letzten Jahren wendet sie sich besonders der Hilfeleistung an jüdische Emigranten aus Deutschland in einer Reihe europäischer Länder und in Uebersee zu. Der Direktor des Joint Distribution Commiue;; Josef C. Hyman teilt mit, daß das Joint Disiribution Committee in der ersten Hälfte des Jahres 1937 an Unterstützungen für Juden in einer Reihe europäischer Länder insgesamt 1,145.000 Dollar ausgegeben haben wird. Am 30. Juni werden die Ausgaben für die Unterstützung von Juden in Deutschland sowie deutschjüdischer Emigranten 542.000 Dollar und die Ausgaben iür Hilfeleistung an jüdische Notleidende in Osteuropa, insbesondere in Polen und Rumänien, 553.000 Dollar betragen. Ein Betrag von 10.000 Dollar wurde iür die Gründung eines zentralen Flüchtlingskomitees in Italien ausgegeben. Dieses Komitee wurde gescharien. um den jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland konstruktive Hilre zu leisten und ihre ständige Niederlassung aulterhalb Deutschlands zu ermöglichen. Der Sitz des Zentralbüros des Komitees wird in Mailand sein. Das J. ü. C. erwartet, daß die jüdischen Gemeinden Italiens seine Aktionen weitgehendst unterstützen werden. Auf Grund des telegraphischen Berichtes der in Warschau weilenden Direktoren des American Joint Distribution Committee Dr. Bernhard Kahn und David J. Schweitzer über die Lage der Juden in den von Pogromen heimgesuchten Städten in Polen, hat das J. D. C. beschlossen, für die Opfer in den unmittelbar betroffenen Orten 50.000 Dollar als erste Hilfe zur Verfügung zu stellen. Semeindedkronifi. Max M. Warburg 70 Jahre alt. Am 5. Juni wird Max M. Warburg, der Inhaber des Hamburger Bankhauses M. M. Warburg & Co., 70 Jahre alt. Weite Kreise der Judenheit in Deutschland gedenken an diesem Tage all der Verdiensie, die sich Max M. Warburg um das Ergehen der Juden in Deutschland erworben hat. In der Jüdischen Gemeinde in Hamburg hat er immer eine führende Rolle gespielt. Seit seiner Palästina-Reise im Jahre 1929 hat er den Palästina-Aufbau tatkräftig gefördert und der Jewish Agency und ihrer Idee seine stete Unterstützung angedeihen lassen. Seit 1933 nimmt Max M. Warburg im Judentum in Deutschland eine ganz besonders hervorragende Stellung ein. Die Schaffung der R e i c h s v e rtretung der Juden in Deutschland geht mit auf seine Initiative zurück. Er hat sich ihr stets zur Verfügung gestellt. Er ist der Vorsitzende des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, wo er maßgebend für die überseeische Wanderung wirkt. Innerhalb der Hamburger Gemeinde hat er sich besondere Verdienste um die Erhaltung des Hamburger jüdischen Im Rahmen der IDiener Seftroodjen 1937 TTIontcig, 7. Juni, 20 Ut)t (Scojjer äornertbausfaal Orchester Konzert Dirigent: Vc. JCuct JtaMm Mitwirkend: Daisy Goth (Klavier) Gabor Rejtö (Violoncello) Das Wiener Kammerorchester Waisenhauses erworben. Die jetzt im Gang befindliche Neuerrichtung des Hamburger Jüdischen Gemeinschaftshauses ist zum allergrößten Teil sein Werk. Besonders hat er sich der Erhaltung der Hamburger Talmud Thora-Oberrealschule angenommen, dessen Vorstand er angehört. Auch der Synagogenverband in Hamburg hat ihm viel zu danken. Wesentliche Einrichtungsteile der Geineindesynagoge am Bornplatz sind auf seine Stiftungen und von ihm veranlaßte Stiftungen seiner Famiiie zurückzuführen. Wahl des Präsidiums der Berliner Repräsentanten-Versammlung. Die auf Grund der Einheitsliste gewählte Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin hat ihr Präsidium neu gewählt. Zum Vorsitzenden wurde Rechtsanwalt Dr. Abraham L ö b einstimmig gewählt. Rechtsanwalt Dr. Löb gehört seit dem Jahre 1920 der Gemeindevertretung an. Er steht als Sohn des bekannten Emdener Landrabbiners Dr. Löb und als Enkel des Altonaer Oberrabbiners auf thoratreuem Standpunkt. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden der in diesem Amt schon seit Jahren wirkende Liberale Doktor London wiedergewählt, außerdem das Mitglied der Zoinistischen Arbeitsgemeinschaft, Reg.-Direktor i. R- Conrad Kaiser. Präsident des Vorstandes und somit der Jüdischen Gemeinde Berlin ist bekanntlich das Mitglied des Zentral-Vereines Direktor Heinrich Stahl. 40 Jahre „Dr. Krüger-Heim". Das Dr. Krüger-Heim in der Malzgasse begeht am 3. Juni sein 40jähriges Jubiläum. Die Institution, die sich aus kleinsten Anfängen zur heutigen Bedeutung heraufgearbeitet hat, umfaßt ein Internat und diverse Frauenberuisschulen, die auf ganz besonderer Höhe stehen. Seit 40 Jahren wird mit strengster Beharrlichkeit nur ein Ziel verfolgt: Erziehung zur produktiven und praktischen Arbeit. Der erst in den letzten Jahren allgemein gewordene Begriff „U mschichtung" wird vom Dr. Krüger-Heim schon seit 40 Jahren in Wirklichkeit umgesetzt und die Zahl der Mädchen, die von hier aus ihren Weg ins Leben gefunden haben, geht in die Tausende. Alle diese Mädchen sind mit 14 Jahren in das Heim gekommen, wurden hier zu einem praktischen Beruf erzogen und haben, iür den Lebenskampf mit Kenntnissen und Liebe zur Arbeit ausgerüstet, mit 18 Jahren das Haus verlassen. Die Leitung ist stets bemüht gewesen, die Mädchen gi'-nstig zu placieren, und vermittelt auch lange nach ihrer Entlassung aus dem Heim nach Möglichkeit Posten. Das Dr. Krüger-Heim war im Wechsel der Zeiten vielen Stürmen ausgesetzt und ist seit Jahren bemüht, sich auf Selbsterhaltung umzustellen. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist neben der sozialen Mission dieses Hauses auch die Tatsache, daß der Gemeinschaftssinn der jungen Mädchen in besonderer Form gepflegt wird. Im Internat und in den Schulen leben in friedlichem Beisammensein das verlassene Proletariermädchen neben dem Kjnd aus verarmtem Mittelstand und der Tochter aus reichern Hause. Der „Freiplatz" und die „Vollzahlende" leben unter den gleichen Bedingungen und sie alle werden im gleichen Geiste erzogen: in der Ehrfurcht vor dem ewigen Gedanken der Arbeit und Pflichterfüllung. Wir beglückwünschen das Dr. Krüger-Heim zu seinein 40jährigen Jubiläum und wünschen ihm weiteres Gedeihen und steten Erfolg in seinen sozialen und humanen Bestrebungen. Wir werden über die Ausstellung der Arbeiten aus den Berufsschulen, die vom 3. bis 6. Juni dauert, noch berichten.