Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 21 (28.5.1937)
- Date
- 1937-05-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr._21 — 28. Mai 1937 Seite 5 Häuseradminisftrafion Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern mit auch in Bezug auf ihre Fähigkeit zum Handwerk .im besonderen ungefähr dasselbe Bild wie die vierzehnjährigen Jugendlichen als Gesamtheit. In der Diiierentialdiagriose kann man davon sprechen, daß bei ihnen ein etwas größerer Anteil des intellektuellen Typus aui Kosten des stärker manuell eingestellten zu finden ist. Doch Liegen spezielle Untersuchungen darüber nicht vor, auch sind das Tatsachen, die stark milieubedingt sind und unter dem Einfluß der modernen Richtungen innerhalb des Judentums eingreifenden Veränderungen bereits unterliegen und siicher noch entgegengehen. Wenn trotzdem eine gewisse Scheu seitens der jüdischen Handwerker gegen eine Einstellung von jüdischen Lehrlingen zu konstatieren ist, so beruht dies zum Teil aui einer starken Voreingenommenheit, gewonnen aus den Erfahrungen bereits überholter Zeiten. Zum Teil jedoch ist das auf gewisse noch immer — oft unbewußt — vorhandene Mängel «in der seelischen Einstellung der jüdischen Jugendlichen zur manuellen Arbeit, die erst in der Praxis zum Ausdruck kommen, zurückzuführen. Auf ungünstige äußere Verhaltensweisen gegenüber Meister und Kundschaft, auf gewisse Mängel der Arbeitsdisziplin und Ausdauer, -wie sie speziell die manuelle Arbeit verlangt. Hier ist noch erzieherische Beeinflussung der Jugendlichen — und ihrer Eltern — ertorderlich. III. Arbeitsmarktverhältnisse. Sind die dominierenden Neigungen und Begabungen eines Menschen erkannt, dann kommt die dritte und heute schwierigste Frage nach den tatsächlichen Beruismoglichkeiten. Diese hängen ab von der wirtschaftlichen Struktur des Landes im allgemeinen, von den Verhältnissen am Wohnort im speziellen, von Konjunkturschwankungen, gesetzgeberischen Maßnahmen, von technischen Umwälzungen, die ganze Industrien entstehen und verschwinden lassen, kurz: sind abhängig vom Geschehen auf dem Weltarbeitsmarkte im großen und den wirtschaitlich-politischen Vorgängen des Heimatlandes im speziellen. Ein halbwegs brauchbares Urteil über die augenblickliche wie über d:e .Kunttige Gestaltung eines Berufes abzugeben ist nur möglich -bei enger, ständiger Verbindung mit den maßgebenden Faktoren des wirtschaftlichen Lebens. Und RT°n,Ä f", auc,hlrdie Berufsberatung in ständigem W.ihl m" /e,r Wirtschaft. Zünfte. Fachvereine. Ar- Ä^b|r ""d Arbeitnehmer liefern dem Berufsberater?Ä„Hn-hStl m\ Xerönentlli,chunsen. Aussprachen, be- £n""ft Mitteilungen, die erforderlichen Informationen. Ist die allgemeine Wirtschaftslage nach außen- M"-rC'VZU manchen Zeiten und in manchen Ländern Zusäen Pr^h'S,ChtSi°SA b? r^erem ^hmännischen hPi nif^m? Cllis:uh do,ch Di"erenzierungen. Selbst bei allgemein schlechter Lage gibt es aussichtsreichere und weniger aussichtsvolle Berufe, gibt es Berufe fdl in der I iniP iIpc F^^to^i,,:*^. , °eru'e. u . absterbendt doppelt das die Jugendlichen mit dem Ziele einer späteren Auswanderung zu Handwerkern ausgebildet werden können. Für Auswanderungszwecke wäre weiters die Errichtung eines regulären Lehr gutes (wio sie z. B. in Deutschland bereits bestehen) eriorderlich, auf dem die Jugendlichen — Knaben wie Mädchen — in systematischer Weise praktisch für die verschiedenen Zweige der Landwirtschaft. Gärtnerei und für den landwirtschaftlichen Haushalt ausgebildet werden. Besondere Aufmerksamkeit verdient in diesem Zusammenhang die intellektuelle Jugend. Die Frage, ob Austritt nach der Untermittelschule oder Weiterstudium bis zur Matura, ob Besuch der ohnehin so überfüllten Hochschulen oder Ausbildung in einem nichtakademischen Beruf angemessen ist, muß rechtzeitig entschieden werden. All diese Probleme müssen in enger Zusammenarbeit mit den jüdischen Wirtschaftskreisen unter Berücksichtigung der Verhältnisse im Inland und den Möglichkeiten in den Ländern, die für eine eventuelle Auswanderung in Frage kommen, verantwortungsbewußt angegangen werden. Zusammenfassung. Aus dem bisher Gesagten ergeben sich für die jüdische Berufsberatung mit großer Dringlichkeit folgende Notwendigkeiten: 1. Gründliche berufskundliche Auiklärung der austretenden Schüler und ihrer Eltern über die Anforderungen und Möglichkeiten der einzelnen Berufe unter Bedachtnahme auf die spezielle jüdische Situation zum Gewerbe inie||PdrdinF°rtSHhrittel,S liegen' und absterbende uewerbe. Allerdings gilt in Krisenzeiien doppelt d Schlagwort vom „richtigen Mann am richtigen Plaf; Be; der Frage, welcher Beruf nun tatsächlich ergrirten werden kann, sind abgesehen von diesen objektiv bedingte Umständen auch Tatsachen subjektiver Natur entscheidend; so die ökonomische Lage des Elternhauses, von der es z. B. unter anderem abhängt, ob ein tierut gewählt werden kann, der mit längerer Ausbildungszeit, mit größeren Kosten, mit Wechsel des Wohnortes u. ä. verbunden ist. Erst Neigung, Eignung und Arbeitsmarktlage, in uiren wechselseitigen Beziehungen als Gesamtheit genommen, ergeben jene Grundlage, die zur Ertelung •eines Beruisrates notwendig ist. Oft muß ein Faktor zugunsten der anderen beiden zurücktreten, meistens ist es nicht möglich, den idealen, sondern nur den unier ^hla-enebene" Utmtänden bestmöglichen Weg einzu- Ist nun der Beruf festgelegt, dann g'ilt es. den richtigen A u s b i 1 d u ngs weg zu finden. Grundsätzlich gibt es iür Vierzehnjährige, abgesehen von der Möglichkeit des Weiterstudiums zwei Wege zur Erlernung eines Berufes: entweder die Ausbildung in einer praktischen Lehre oder der Weg über eine berufliche Fachschule (die. soweit es sich um ein Handwerk handelt, die Lehre ersetzt). Beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile und die Wahl kann nur nach der Untersuchung des Einzelfalles individuell getroffen werden, doch kann allgemein gesagt werden, daß heute in Anbetracht der ungenügenden Zahl der zur Veriüsimg stehenden Lehrstellen die Fachschulen immer mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Für die jüdische Jugend ist die Frage nach den Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt das zentrale Frobiem Ueber die allgemein geltenden Schwierig- Keiten hinaus sind ihr aus Gründen politischer Natur eme ganze Reihe von Berufen versperrt, der Zugang anderen zumindest sehr erschwert. Hier kann" Abniue nur aus den eigenen Reihen kommen. L Es muß durch geeignete Propaganda innerhalb der jüdischen Unternehmerschaft durch Weckung des bolidaritatsgefühles gelingen, mehr Lehrstellen — vor allem im Handwerk — zu erringen. 2. Ein zu schaffender Fonds für berufliche Ausbildung soll den Jugendlichen durch Gewährung von Stipendien den Besuch der Fachschulen in weit stär- Kerem Ausmaße als .bisher ermöglichen. Pension Goldberg Bad Aussee . y Stärkstes Heilbad für Ischias, Rheuma, Herzy und Frauenleiden. Pensionspreise: Vorsaison 14 Tage S100 -, Hochsaison, 14 Tage S120 —. 9 Gute Küche, großer Garten Für Kinder ohuo Begleitung wird bestens uesorgt. EM. GOLD BERG Zwecke der Verhütung falscher Berufsvorsteliungen und unechter Berutswünsche. 2. Sachgemäße Berufsauslese unter besonderer Berücksichtigung der Eignung, damit nicht — dies gilt speziell iür das Handwerk — durch das Versagen Einzelner nachteilige Verallgemeinerungen für die Gesamtheit entstellen. Es ist ein Gebot der Stunde, in neu zu erobernde oder nur schwer zu haltende Positionen nur wirklich Geeignete zu entsendea 3. Schaffung von Unterbringungsmögüchkeiten durch Propaganda bei den Unternehmern. Bereitstellung von Stipendien iür den Besuch beruilicher Fachschulen und Schaffung von Ausblldungsmöglichkeiten speziell für Auswanderungszwecke. Dr. Johanna Ebner. Das Schicksal Polens und der Juden in Polen miteinander verbunden. Bei dem anläßlich des 25jährigen Bestehens der Weltorganisation Agudas Jisroel zu Ehren ihres Präsidenten Jacob Rosenheim in London veranstalteten Empfang nahm der Präsident des Board of Deputies Neville Laski, der Jacob Rosenheim eine Jubiläumsadresse überreichte, auch zu der Lage derjuden in Polen Stellung. In unserer Sorge um das Wohlergehen unserer Glaubensgenossen in Polen, sagte Neville Laski, sind wir davon überzeugt, daß ihre Lage nicht gesondert von derjenigen der gesamten polnischen Nation betrachtet werden kann. Ebenso wie wir glauben, daß das Gedeihen Polens auch Gedeihen für die Juden in diesem Lande bedeutet, glauben wir auch mit gleicher Aufrichtigkeit, daß das Gedeihen und die Sicherheit der Juden in Polen der großen polnischen Nation zum Wohle gereicht. Wir R 44140 ist die neue Telephc Redaktion und Admi „Die Wahrheit" H., Heinestraße 13 haben allen Grund anzunehmen, daß die polnischen Behörden sich der ungeheuren Vorteile eines geeinten Polens bewußt sind, und wir wollen es nicht glauben, daß der polnische Staat, wie man aus jüngsten Berichten entnehmen könnte, gewillt sein sollte, einen den Gesetzen gehorsamen, nützlichen Teil seiner Bürgerschaft von dem Segen der Einigkeit auszuschließen oder ihm auch nur im geringsten Grade jene Sicherheit der Person und des Eigentums und die Möglichkeiten erzieherischer und wirtschaftlicher Entwicklung vorzuenthalten, die unveräußerliche Rechte jedes Bürgers sind. Ich bin sicher, daß Aeußerungen, die einen solchen Eindruck vermitteln können, unberechtigt sind und daß Polen in Uebereinsrimmung mit den großen Ueberlieferungen seiner Vergangenheit den Weg der Prosperität, der Duldung und der Freiheit fortsetzen wird. Wir Juden wollen jenem Lande wohl und wären dankbar, wenn sein Vertreter in diesem Lande seiner Regierung unsere Gefühle übermitteln wollte. Der Arbeit der Agudas Jisroel sich zuwendend, fuhr der Redner fort: In diesen Tagen von Sturm und Not ist es gut, daßeseinen Felsgibt, an dem wir uns klammern können; das sind und werden immer sein die großen Ueberlieferungen des Judentums. Wir können nur höchste Bewunderung und Achtung für diejenigen empfinden, die aller Versuchung zum Trotz an den Grundsätzen und Lehren streng festhalten, die die verbindende Kraft für die verschiedenen Elemente der modernen Judenheit sind, und die sich trotz umbarmherzigem Druck und fast vollständiger Gleichgültigkeit erhalten haben und kaum Anzeichen eines Niederganges zeigen. Neville Laski gab dann der Ueberzeugung Ausdruck, daß der Weltkongreß der orthodoxen Judenheit, der im August dieses Jahres in Marienbad abgehalten wird, durch Hervorhebung der geistigen Aspekte von Judentum und Judenheit sich als von höchstem Wert erweisen wird. Zum Schluß sprach der Präsident des Board of Deputies noch Worte der Anerkennung für Jacob Rosenheim, der sich durch Verantwortungsgefühl, echte Demut und religiösen Eifer allgemeine Achtung erworben habe. Orthodoxe alte Frau mit schöner Wohnung, sucht Mitbewohnerin, unter Spesenaufteilung. Zuschriften : N. KRAUS, I., Sonnenfelsg.1/1 JacoW Rosenheim erklärte, der Kongreß, für dessen Vorbereitung die staatlichen und städtischen Behörden in der Tschechoslowakei jegliche Unterstützung gewährt hätten, werde sich in den sechs Tagen seiner Beratungen mit den verschiedenartigsten Aufgaben und Problemen zu befassen haben. In erster Reihe werde er der gesamten Kulturwelt das wahre Antlitz des historischen jüdischen Volkes zeigen, das so oft entstellt und verzerrt gezeigt worden sei. In zweiter Reihe werde der gerechte Anspruch der jüdischen Minderheiten auf volle religiöse Gewissensfreiheit und die Möglichkeit zu unbehinderter Entwicklung des religiösen Lebens: Sabbathaltung, Beobachtung der Speisegesetze zur Heiligung von Leib und Seele und Einrichtung eines wahrhaft jüdischen Erziehung gewährleistenden Schulsystems proklamiert und bewiesen werden müssen. Im übrigen werde der größere Teil der Tagesordnung innerjüdischen Aufgaben gewidmet sein. Der Kongreß werde an alle, die das überlieferte Judentum verlassen haben, einen mächtigen Ruf zur Umkehr richten. Zu der Frage jüdischer Wanderung und überseeischer Ansiedlung führte Jacob Rosenheim aus: Jüdische Massenauswanderung aus Osteuropa wäre unserer Meinung nach im Hinblick auf die zersetzenden Folgen für das religiöse, sittliche und kulturelle Niveau der Juden eine wahre Katastrophe. Es sollte nichts unversucht bleiben, um die wirtschaftliche und politische Lage der ostjüdischen Massen zu verbessern. Wir dürfen aber trotzdem nicht die Augen vor der tragischen Tatsache verschließen, daß Auswanderung in steigendem Maß für zehntausende und auf weite Sicht hunderttausende jüdische Menschen aus den übervölkerten Gebieten Osteuropas eine absolute Notwendigkeit werden wird. Es wäre darum ein Verbrechen, es zu einer chaotischen Auswanderung kommen zu lassen; vielmehr muß der Auswanderung der Charakter einer gut organisierten Kollektivaktion gegeben werden.