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Die Wahrheit · 1937-05-28 · Heft 21 (28.5.1937) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 21 (28.5.1937)
Date
1937-05-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 21 — 28. Mai 1937 DIE WAHRHEIT In «allen Versicherungsangelegenheiten — w. U «B ■* s tf der ..Union", I., Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden Montag und Freitag 10 bis 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm.-Rat Alexius Salzer. Für Lebensversicherungsberatung haben wir einen Spezialfachmann bestellt, welche sere Mitglieder beonders günstig beraten wird. Lage in Brest-Litosvsk nach dem Pogrom und dessen tragische Folgen. Es wurde dabei die Frage der Entschädigung für die Opfer des Pogroms aufgerollt. Schließlich wurden auch die antijüdischen Exzesse der letzten Tage in einer Reihe anderer polnischer Städte zur Sprache gebracht. Die Unterredung dauerte eine volle Stunde. Der Ministerpräsident hat seine Zustimmung zur Durchführung einer großen Geldsammelaktion der Jüdischen Gemeinden in Polen zugunsten der Juden von Brest-Litowsk erteilt. Die Aktion wird einen vollen Monat dauern. Mehr als 60 jüdische Gemeinden haben bereits ihre Mitarbeit zugesagt. Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Brest- Litowsk hat Ministerpräsident und Innenminister S k I a dk o w s k i den Starosten des Bezirks Franciszek Czernyk und den Bezirkshauptmann Kazimir Rolewitcz a bgesetzt, weil sie nicht genügend energische Maßnahmen zur Unterdrückung der Ausschreitungen getroffen hatten. Einen erschütternden Eindruck hat der Selbstmord der 50jährigen Sarah Reimann unter den Juden Polens hervorgerufen. Die schrecklichen Ereignisse in Brest-Litowsk hatten sie derart aufgewühlt, daß sie sich in einer plötzlichen Anwandlung von Verzweiflung in einen Teich stürzte. Als es nach vielsiündigen Bemühungen endlich gelang, sie aus dem Wasser zu ziehen, war sie bereits tot. Sarah Reimann ist die Tochter eines der-angesehensten Juden von Brest-Litowsk. Seit mehreren Jahren lebte sie in Palästina, von wo sie vor einem Jahr zum Besuch ihrer Verwandten nach Brest-Litowsk gekommen war. Probleme der Berufsberatung mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Jugend. Je schwieriger und verworrener die allgemeine Wirtschaftslage wird, um so schwieriger wird auch das Problem der richtigen Berufseingliederung der Jugend. Hier helfend einzugreifen, ist Aufgabe der Berufsberatung. Ihr Ziel ist ein doppeltes: fürs erste will sie die Jugendlichen — die 14jährigen Hauptschüler, wie die 18jährigen Maturanten. — die weder genügend Urteil über siich selbst noch auch genügend Kenntnis über das durch weitgehende Spezialisierung heute so unübersichtlich gewordene Beruisleben haben, durch Aufweisen der Möglichkeiten und Schwierigkeiten iin die richtige Bahn lenken und so zum größtmöglichen persönlichen Berufserfolg führen. Sie will aber zweitens der Volkswirtschaft als Gesamtheit und somit auch dem einzelnen Betriebe dienen, indem sie mit Hilfe 'ihrer wissenschaftliche Methoden für die richtige Berufsauslese und den notwendigen Nachwuchs an Qualitätsarbeitern in Fabrik, Werkstatt und Büro sorgt. Denn mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis von der Notwendigkeit planvoller Arbeitsmarktpolitik und von der Bedeutung des arbeitenden Menschen als wichtigsten Faktor im Produktionsprozeß durch. Die Berufsberatung hat somit zwei Wurzeln: eine psychologuschpädagogische und eine wirtschaftlich-soziologische. Der im Einzelfall erteilte Berufsrat ist daher ein Kompromiß zwischen den Wünschen des Individuums und den Bedürfnissen der Allgemeinheit. Drei Momente sind es, die bei der Erarbeitung des Berufsrates von ausschlaggebender Bedeutung sind: Berusneigung, Berufseignung und Arbeltsmarktverhältn i s s e. I. Berufsneigung. Trieb, Veranlagung, Umweltseinilüsse lassen im Menschen Vorliebe für eine bestimmte Betätigungsart und Abneigung gegen eine andere entstehen. Die Art des Arbe'itsmateriales, wie Metall, Holz, rohes Fleisch, Teig usw. erweckt im Menschen je nach individueller Wesensart Zuneigung oder starke innere Abscheu. Wie steht es nun mit der Berufsneigung der schulentlassenen Jugend, was sind ihre Berufswünsche? Ein Ueberblick über die von den einzelnen Berufsberatungsämtern veröffentlichten Statistiken über die Berufswünsche der austretenden Schüler sowie Aussprachen mit den Jugendlichen geben interessante Aufschlüsse. Was zunächst vor allem auffällt, ist eine starke Gleichförmigkeit der Wünsche. Gewisse Berufe werden immer wieder genannt, während andere nur vereinzelt auftreten. Zu diesen „beliebten" Berufen gehören z. B. bei den vierzehnjährigen Knaben: der Mechaniker, Elektriker, Bäcker, bei den vierzehnjährigen Mädchen: die Friseurin, Verkäuferin. Schneiderin. Geht man dieser Bevorzugung bestimmter Berufe und Vernachlässigung anderer auf den Grund — wie das in einer Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten geschehen ist — und begnügt man sich dabei nicht mit der Untersuchung der Vierzehnjährigen, sondern erfaßt die Entwicklung vom Kinde bis zum reifen Menschen, so findet man, daß in der Einstellung zum Beruf gewisse generelle Regel zum Ausdruck kommen. Die jeweils geäußerten Berufswünsche sind erstens „altersbedingt", d. h. in gewiissen Altersstufen werden immer gewisse Berufe genannt; die Wünsche sind somit Ausdruck der jeweiligen psychischen Entwicklungssphase. Eltern und Erzieher kennen seit jeher die typischen Kinder- und Pubertätsberufe. (So ist z. B. Straßenbahnschafiner oder Lokomotivführer ein bekannter Kinderwunsch, Säuglingspflegerin ein häufiger Wunsch von Madchen in der Pubertätszeit.) Die Berufs-wünsche sind zweitens „milieubedingt", z- B. neigen Kinder gewisser Berufsschichten aus verschiedenen psychologischen wie. wirtschaftlichen Gründen zum Festhalten an dem Berufe des Vaters. Man spricht von einer ,J3erurstradition" (sehr ausgeprägt bei Eisenbahnern, Rechtsanwälten, Kaufleuten). Die Berufswünsche sind drittens abhängig von augenblicklichen Konjunkturerscheinungen. So entstehen jeweils neue „Mode"-Be_rufe. Diese Tendenzen überlagern die wirkliche individuelle Neigung und bewirken dadurch oft einen falschen Beruiswunsch. Daraus ergibt sich für den Berufsberater die Notwendigkeit, den vom Jugendlichen angegebenen Berufswunsch jeweils auf seine „Echtheit" zu prüfen, d. h. zu ergründen. Wie weit er mit den tatsächlichen Interessen und Neigungen im Einklang liegt. Hiebei ist er vor allem auf die Angaben der Lehrer und Eltern angewiesen. Freie Beobachtung des Jugendlichen in der Schule, in der Jugendgruppe, zu Hause, bei Arbeit und Spiel sind die hauptsächlichsten Erkenntnisquellen. Die Berufsberatung ist daher von vornherein auf enge Zusammenarbeit mit Elternhaus und Schule angewiesen, Die besten Eisen Warstond SeKfiwaren 3 mal täglich frisch bei HABEL, Wien Ii., PrsterstraBB 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. I was in der Praxis durch Ausfüllen der sogenannten Beriirstragebogen seitens der Lehrer und Eltern und Aussprache mit den Eltern erfüllt wird. Das Problem der Echtheit der Berufswünsche ist besonders aktuell bei der Beratung jüdischer Jugendlicher. Denn durch die besonderen Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt, durch die starken Umschichtungstendenzen innerhalb des Judentums, durch die Beeinflussung seitens der Jugendorganisationen sehen wir die jüdische Jugend immer mehr und mehr vom Handel wegströmen und zum Handwerk hindrängen. Diese Berufswünsche entstehen aber so sehr unter dem Einfluß äußerer Umstände, daß sie bei vielen Jugendlichen in gar keinem Zusammenhang mit ihren wirklichen Neigungen stehe. Die Berufswünsche sind in diesen Fällen nicht Ausdruck einer inneren Regung, sondern Folgeerscheinung bestimmter wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Tendenzen. Zur Frage der Berufswünsche der schulentlassenen Jugendlichen im allgemeinen ist noch hinzuzufügen, daß sie nur sehr schlecht mit den tatsächlichen Arbeitsmarktverhältnissen übereinstimmen und auffallend oft nicht den persönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechen. Der hauptsächlichste Grund für die Schwierigkeiten in diesem Fragenkomplex liegt darin, daß die Jugend die Berufe viel zu wenig kennt und daher gar nicht beurteilen kann, in welchem Berufe ihre Neigungen und Interessen nun tatsächlich zur Beiriedigung gelangen können. Daher ist eine der Hauptforderungen der Berufsberatung die Einführung von berufskundlichem Unterricht in den Schulen, der, unterstützt durch Betriebsführungen 'in den wichtigsten Berufszweigen und Arbeitsunterricht in der Schulwerkstätte, die Jugendlichen für die Berufsentscheidung vorbereiten soll. So lange dies nicht erreicht list. bemüht sich die Berufsberatung durch Abhalten von berufsnerzu. Franenheilbad Tatzmannsdorf & Mineral-, Moorun i natürliche Kohlensäure-Sprudelbäder l Elektro-Kardiographisches Institut I Röntgen-Institut ■ Tief, reduzierte Pensionspreise einschließlich aller Heilbäder £hic;bilnfrt> und Prospekte: Karbad A. G. tiusKunrre „„„ /atzmannsdorf und M. U. Dr. I. H. Körner — Reisebüro „CITY'1, Wien I., Kohlmarkt 8 \ Telephon U 26-4-29 kundlichen Vorträgen in den Abschlußklassen die austretenden Schüler „berufsreifer" zu machen und den Berufswunsch zu klären. Trotz all der hier besprochenen Fehlerquellen ist aber doch der geäußerte Berufswunsch für den Berufsberater erster und wichtiger Anhaltspunkt, den er bei aller Berücksichtigung der aufgezeigten Fälschungstendenzen nach Möglichkeit respektiert und als Richtungsweiser für seine weitere Arbeit nimmt. II. Berufseignung. Die Berufspsychologie geht von der Voraussetzung aus, daß jedem Menschen bestimmte Fähigkeiten innewohnen;, die ihn für den einen Beruf gut geeignet machen, für einen anderen weniger oder gar nicht. Die Kenntnis darüber, welche Fertigkeiten in den einzelnen Berufen erforderlich sind, gibt dem Berufsberater die „Berutskunde", ein neuer Wissenszweig, der sich auf technische, psychologische und soziologische Berufsanalyse stützt. Welche Methoden stehen der Berufsberatung zur Verfügung, um die Fähigkeiten eines Menschen, seine Berufseignung zu erkennen? Ueber die körperliche Eignung entscheidet der Arzt. Es bedarf wohl keines näheren Hinweises auf die große Bedeutung seines Gutachtens: hier liegen auch schon langjährige Erfahrungen von Schul- und Gewerbeärzten vor. Viel schwieriger list die Beurteilung im Hinblick auf manuelle Fähigkeiten, intellektuelle Begabungen und Veranlagungen des Charakters. Die Berufsberatung verwendet grundsätzlich alle Methoden, Restaurant u. Pension -«D STRENG -WS Stocket Qainfacn, Hauptstraße 37 Sdiöne Zimmer, grofier Garten Pension von S 6.— aufwärts die zum Erkennen der Persönlichkeit beitragen können. Den ersten Hinweis gibt das Schulzeugnis, wenn es auch für die Beurteilung der Begabung aus Gründen verschiedener Art nicht unkritisch verwendet werden darf. Viel aufschlußreicher ist das, was der Klassenlehrer über die Zeugnisnote hinaus über den Jugendlichen auszusagen weiß. Das L e h r e r g u t a c h t e n — im Beruisfragebogen festgehalten — gehört bei der Findung des Berufsrates zu den wichtigsten Ausgangspukten, besonders soweit es sich auf Charaktereigenschaften bezieht. Mündliche Aussprache mit den E1tern und schließlich eingehendes „B e r a t u n g s g espräch" mit dem Jugendlichen selbst bringen weitere Beiträge zur Beurteilung des Ratsuchenden. Das wichtigste Hilfsmittel der Berufsberatung jedoch ist die psychotechnische Eitgnungsunters u c h u n g. Die psychotechnische Eignungsuntersuchung ist eine psychologische Methode, die es ermöglicht, die Begabung eines -Menschen, seine Fähigkeiten, unabhängig vom Schulwissen, Fleiß, Milieu etc. objektiv zu erfassen. Sie stellt den Berursanwärter in bestimmte, für den zukünftigen Beruf typische Situationen, registriert seine Leistungen, beobachtet sein Verhalten und schließt nun auf Grund der so gewonnenen Ergebnisse auf die voraussichtliche Eignung zum Beruf. Die Hilfsmittel der psychotechnischen Eignungsuntersuchung setzen sich aus drei Gruppen zusammen: 1. Schriftliche Tests: Das sind Aufgaben, die schriftlich oder zeichnerisch ausgeführt werden und sich vor allem auf die Ueberprüiung der Intelligenz, des Gedächtnisses, der räumlichen Vorstellung u. ä. beziehen. 2. Arbeitsproben: Das sind Aufgaben, die mit einem bestimmten Arbeitsmaterial ausgeführt werden (z. B. Biegen von Drähten nach bestimmten Vorlagen) und vor allem die Handgeschicklichkeit erfassen. 3. Apparate, die sich auf dfe verschiedensten Gebiete der Sinnesfunktionen und Verhaltensweisen beziehen (z. B. Reaktionsprüfer) und überall dort Verwendung finden, wo auch der künftige Beruf häufigen und reibungslosen Umgang mit Apparaten und Maschinen verlangt. Die Ergebnisse der einzelnen Aufgaben werden nach bestimmten Gesichtspunkten „ausgewertet" und nach geeichten Skalen beurteilt. Ebenso wichtig wie das Festhalten der Leistungen auf den einzelnen Gebieten ist die psychologische Beobachtung während der Prüfung und schließlich das Erfassen der Jugendlichen als Gesamtpersönlichkeiit. Es ist hier nicht Raum auf die Probleme und Methoden den Psychotechnik näher einzugehen, doch sei darauf hingewiesen, daß kritische Vergleiche zwischen dem Urteil der psychotechnischen Eignungsuntersuchung und dem späteren Urteil der Praxis — sog. ,3ewährungskontroIlen" — Uebereinstimmungen von zirka 90 Prozent zeigen. „, Die jüdischen schulaustretenden Jugendlichen der Wiener Schulen zeigen im großen und ganzen im Hinblick auf ihre Berufsfähigkeiten im allgemeinen und da-

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