Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 21 (28.5.1937)
- Date
- 1937-05-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 21 — 28. Mai 1937 Seite 3 Die „Union"-Festschrift. 99 Anläßlich der Feier des 50jährigen Bestandes der „Union österreichischer Juden" wurde eine von ihrem Ehrenpräsidenten Dr. Jakob 0 r nstein verfaßte Festschrift herausgegeben, welche nach dem Vorworte ihres Verfassers sich unmittelbar an die anläßlich des Ablaufes des ersten Vierteljahrhunderts veröffentlichte Festschrift anschließt und demnach den Zeitraum von 1910 bis einschließlich 1936 behandelt. Für die Verfassung dieser Festschritt konnte keine geeignetere Persönlichkeit als Dr. Ornstein gefunden werden, da er durch mehr als ein Viertel- Wir empfehlen die guten, modernen zrrrr Jahrhundert als Vizepräsident, im Kriege aber infolge dauernder Erkrankung des damaligen Präsidenten als alleiniger verantwortlicher Leiter und endlich als Präsident mit der Geschichte der „Union" in den letzten 30 Jahren innig vertraut ist wie kein zweiter und schon seit dem Jahre 1907 dem Vorstande der „Union" angehört. Bad Ischl Pension Lehner Brenn er Straße 19 loöel euer OBoIjIgc&oreit ftöfH«!|fl ein, Oftren eomraer» aufenlfjalf dort jn oerbringen. Streng rituelle Stüdje mit eigenem Srfiätfjfcr. ©rojjcr fdiaitiger ©arten, fcfjöne Salhone, erftülaffige Siütfe. Bolle qpenfion pro Sogoon S 7—10. Mushunftbislö. Ounloortl- 32ll)i:S?acf)mitlag 9. Bej., ©lofergaüe 4a/5, Selcpfton g 19.9.72._ Die Geschichte der, „Union" iin den letzten 30 Jahren bedeutet für Dr. Ornstein persönliches Miterleben und Mitwirken an leitender Stelle, bedeutet für ihn rastlose, erfolgreiche Arbeit im Interesse des Judentums, zu dessen Führung ihn Reinheit und Lauterkeit seines Charakters, der Adel seiner Gesinnung, Wärme des Herzens, tiefds Wissen und große Rednergabe prädestinierten. So war er anerkannter Führer, gleich geachtet von Freund wie Gegner, der im Kampfe um die Rechte der österreichischen Juden nie erlahmte und im Kriege als Führer der „Union" persönlichen Mut aufbrachte, da er selbst vor einer Drohung mit einer militärgerichtlichen Untersuchung nicht zurückschreckte, als man von ihm die Preisgabe eines der „Union" anvertrauten Geheimnisses forderte (Seite 11 der Festschrift). Die Festschrift ist daher nicht allein eine Geschichte der Wirksamkeit der „Union" in den letzten 25 Jahren, sie ist gleichzeitig die Geschichte des verdienstvollen Wirkens ihres Verfassers im Interesse des Judentums. Aus allzugroßer Bescheidenheit tritt Dr. Ornstein, wenn er in dieser Festschrift die Tätigkeit der „Union" in den abgelaufenen 25 Jahren sine ira et studio behandelt, ,in den Hintergrund, ob er nicht in führender Stellung diese Tätigkeit beeinflußt und dem Wirken der „Union" seine persönliche Note gegeben hätte. In 6 Kapiteln, davon das V. (Rechtsschutzarbeit) in 7 Unterabteilungen, schildert Dr. Ornstein klar und übersichtlich, das Wesentliche betonend, das Nebensächliche beiseite lassend, die Leistungen der „Union" in den letzten 25 Jahren. Dabei ist aber dem Wissenden klar, daß die Festschrift trotz ihres Umfanges nicht die ganze vielseitige Tätigkeit der „Union" in allen ihren Details aufzeigen kann, weil manches nicht im Lichte der Oeffentlichkeit behandelt werden darf. Jedenfalls gibt sie ein klares Bild von der Wirksamkeit der „Union", die seit mehr als 50 Jahren die treue Hüterin der Rechte des österreichischen Judentums ist. Wer diese Festschrift unvoreingenommen gelesen hat, wird die Worte berechtigt finden, die FML. W e i h s - T i h a n y v. M a y n p r u g g in seinem Schreiben an die „Union" anwendet: „Mit Ergriffenheit und Bewunderung habe ich die Festschrift gelesen." Dr. Karl Steiner. Der P^sram von BresMifowsk. Proteststreik des polnischen Judentums. Die jüdischen Organisationen und der jüdische parlamentarische Klub richteten an die jüdische Bevölkerung Polens folgenden Aufruf: „An die Juden Polens! In die Reihe der tragischen Ereignisse, die das polnische Judentum in dem letzten Jahr durchzumachen hatte, trat nun die Tragödie der Juden von Brest-Litowsk und nimmt auch gleich den ersten Platz ein. Die alte jüdische Gemeinde von Brest, die auf eine ruhmvolle und historische Vergangenheit zurückbücken kann, ist auf schändlichste Weise vernichtet, ausgeraubt und niedergetrampelt worden. Das Vernichtungswerk, das volle 16 Stunden gedauert hat, übertrifft an Niedertracht und in ihrem Ausmaß bei weitem alle unsere traurigen Erlebnisse in der letzten Zeit. Fast die gesamte jüdische Bevölkerung von Brest hat ihr Vermögen, ihre Arbeitsstätten, ihre Wohnheime und Einrichtungen verloren. Dutzende Personen wurden verletzt; man hat ihnen den jedem Menschen gebührenden primitiven Schutz versagt. Die Tragödie von Brest ist das Ergebnis der verbrecherischen antisemitischen Hetzpropaganda, die seit längerer Zeit ungestraft betrieben und durch den herrschenden Kurs der Ausrottung der jüdischen Bevölkerung ermutigt wird. Juden von Polen! Wir wissen, was ihr im Augenblick empfindet, wir verstehen den Schmerz, die Empörung und die Erregung, die in eurer Seele zittern. ie richtige ahnpasia! tyerkindert | ^ahnbelag. | (DIL Interpellation über Brest-Litowsk im Sejm.!n der Sejm-Sitzung vom 21. Mai hat der Vorsitzende des Jüdischen Parlamentklubs, Abg Dr. Emil Soranierstein, an den Ministerpräsidenten und Innenminister General Slawoj Skladkowski eine Interpellation über „die Plünderung jüdischen Eigentums in Brest- Litowsk am 13. und 14. Mai 1937" gerichtet. Die Interpellation umfaßt sieb'en Maschinenschriftseiten. Sie enthält eine detaillierte Schilderung des Pogroms und erklärt, daß die Vorfälle nur möglich waren, weil der größere Teil der polnischen Presse ununterbrochen die Bevölkerung gegen die Juden aufreizt und eine Partei, die ihren Hauptsitz in Biala-Podlaska bei Brest-Litowsk hat, eine dauernde judenfeindliche Propaganda entfaltet. Die am 13. Mai abends in Brest- Litowsk aus Warschau eingetroffenen Polizeiverstärkun- Restaurant Stefanie Hugo u. Julie Herlinger, geb. Zollner II., TaborstraB« 12 Tel. R 48-4-46 Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl. Reichhaltige Menüs von S1.60 aufwärts. Exakte Bedienung. Schöner schattiger Garten. Angenehmer Aufenthalt. Gebet diesen Gefühlen einen starken und einheitlichen Ausdruck in Form eines entschlossenen Protestes gegen die traurigen Geschehnisse! Bekundet den unerschütterlichen Willen, die jüdischen Rechte zu verteidigen und das, was brutal zerstört wurde, wieder aufzubauen! Am 24. Mai, zwischen 12 und 2 Uhr, ruhen zum Zeichen des Protestes und der Solidarität alle jüdischen Werkstätten, Büros, Geschäfte und Fabriken. Wir wollen auch in dieser schweren Zeit, die wir jetzt durchzumachen haben, nicht den Glauben an die Kraft unseres Volkes verlieren. Wir rufen die jüdische Bevölkerung Polens zu einem entschlossenen und zähen Kampf für Recht und Gerechtigkeit auf." Bei dem in ganz Polen abgehaltenen Proteststreik der jüdischen Bevölkerung gegen den Pogrom von Brest-Litowsk kam es in Warschau zu Zusammenstößen zwischen Streikagitatoren und Geschäftsleuten, die sich weigerten, ihre Läden zu schließen. Ferner kam es zu. Zusammenstößen zwischen Jüdischnationalen und Kommunisten. Die Polizei verhaftete 25 Personen. In Lemberg und Kielce wurden die Schilder jüdischer Geschäftsleute, die ihre Läden geschlossen hatten, von Huligans entfernt. In W i 1 n a fanden spontan Protestdemonstrationen statt. 20 junge Juden wurden verhaftet. In K o b r y n verboten die Behörden den jüdischen Geschäftsleuten die Schließung der Läden. gen hätten es verabsäumt, am 14. die Ruhe und Ordnung in Brest-Litowsk aufrechtzuerhalten. In der Interpellation wird sodann das Verhalten der Polizei während der Ausschreitungen geschildert. Es wird betont, daß es zu keinen Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Plünderern kam und daß in den Vorstädten auch am zweiten Tag jüdische Läden und Häuser geplündert und demoliert wurden, obwohl es damals bereits 390 Polizisten in der Stadt gab. Zum Schluß wird an den Ministerpräsidenten die Frage gerichtet, welche Maßnahmen er zu treffen gedenke, um die Wiederholung solcher Vorfälle in Zukunft zu verhindern, und was unternommen worden sei, um die Schuldigen der Bestrafung zuzuführen. Es wird weiter verlangt, daß die Regierung den Opfern Entschädigung gewähre und ihnen die W i e d e rauf nähme des Geschäftsbetriebes ermögliche. Die jüdischen Deputierten beim Ministerpräsidenten. Die Abgeordneten Dr. Somraerstein, Doktor G o 111 i e b und Rabbi Rubinstein wurden vom Ministerpräsidenten Skladkowski empfangen. Die Abgeordneten schilderten dem Ministerpräsidenten die Der Verein „Oesterr. Seehospiz in Orado" (Präsidentin Sofie Grünfeld) sendet Anfang Juli zarte, anämische, zu Katarrhen neigende jüdische Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren unter ärztlicher und pädagogischer Aufsicht in sein eigenes Heim nach Grado (Italien). Ein 30tägiger Aufenthalt am Meer, bei 5 Mahlzeiten (rituelle Küche) kostet S 5.— täglich. Reisebeitrag für Kinder unter 10 Jahren S 35.—, über 10 Jahren S 50— tour-retour. Anmeldungen im Vereinsbüro, IX., Türkenstraße 17, von 10—13 Uhr, Telephon R 51-5-63. Mitglieder und freunde der „Union oslerreldilsdier Juden". (Bezirftsorganlsationen Leopoldstadt und Landstraße) treffen sich während der Sommermonate bei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater, Äusstellungsstraße (vis-ä-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.