Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 20 (21.5.1937)
- Date
- 1937-05-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite fr Nr. 20 — 31. Mai 1937 DIE WAHRHEIT "' -'-"---* GROSSFLEISCHHAUEREI Die deutschen Juden sollen Werke von Beethoven, Goethe und Mozart nicht aufführen. |^ittfd)aftnct)e ffietatungsftelte Das 25jährige Regierungsjubiläum König Christian X. und die Juden. Aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums des dänischen Königs Christian X. veranstaltete die Jüdische Gemeinde in Kopenhagen einen Festgottesdienst in der Synagoge, an welchem die Mitglieder des Vorstands der Gemeinde mit dem Präsidenten der Gemeinde C. B. H e n r i q u e s an der Spitze und die Leiter der jüdischen Verbände teilnahmen. Die Synagoge war mit Blumen in den dänischen Farben geschmückt. Oberrabbiner Dr. F r i e d i g e r unterstrich in seiner Festrede, daß die Juden in Dänemark gleich allen anderen Bürgern G ewissens- und Religionsfreiheit in vollem Maße genießen. Er erinnerte an den Besuch des Königs in der Kopenhagener Synagoge anläßlich ihres 100jährigen Bestehens im Jähre 1933 und schloß mit einem Gebet für' den König und das Königshaus. Die Jüdische Gemeinde in Kopenhagen, die als ihren Anteil am Festgeschenk an den König 100.000 Kr. aufgebracht hat, hat diesen Betrag mit Einwilligung des Königs zum Ankauf eines Stücks Oedland in Dänemark zwecks Errichtung einer Muster-Landwirtschaft verwendet. Auf diesem Mustergut sollen den dänischen Landwirten die neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete der Kultivierung von Brachland demonstriert werden. Mitteilungen der Union. Bezirksversammlung der Bezirksorganisation IV-V. Montag, den 10. d. M. fand im Heime des B. J.F- IV., Hauslabgasse 2, eine Bezirksversammlung der Bezirksorganisation IV/V. statt, welche sehr stark besucht war und einen glänzenden Verlauf nahm. Bezirksobmann W o 11 n e r begrüßte herzlichst die Erschienen und gab einen umfassenden Bericht über die 50-Jahr-Feier der „Union". Hierauf hielt Herr Komm.-Rat Alexius Salzer einen Vortrag über „Die Judenfrage im Brennpunkt europäischen Interesses". Vortragender betonte, er habe diesen phantastischen Titel deshalb gewählt, weil dieser Vortrag die Erwiderung auf ein Buch sein soll, welches der ehemalige Unterrichtsminister Czermak unter der gleichen Benennung herausgegeben hat. Redner brandmarkte in treffender Weise an Hand von Zeitungsausschnitten und Berichten aus der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit die Unrichtigkeit der in diesem Buche aufgestellten Thesen und sagt, für uns Juden in Oesterreich, welche zu allen Zeiten als treue Staatsbürger ihre Pflicht erfüllt haben» gibt es keine Judenfrage zu lösen, weil eine solche Frage überhaupt nicht existiert. Wir wollen gleichberechtigte Bürger dieses Staates sein, verlangen die gleichen Rechte wie unsere christlichen Mitbürger, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Lebhafter Beifall lohnte den Referenten für seinen ausgezeichneten Vortrag. Es ergriff nunmehr Zentralvorstandsmitglied Herr Siegmund Stern das Wort, um über jüdische Jugenderziehung zu sprechen. Redner ermahnte die SIEGM. KORNMEHL VIEH IX,, BERGGASSE HR. 19 Telephon Nr. A 17-3-99 und A16-9-3« Lieferant fOr Heilanstalten AbteilungetifürKoscherfleisch ■tttor A«f*leht «m «hrar. Rabbinatas der Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qnalitat zu den billigsten Marktpreisen chanen Jisroel, am gerade an dieser exponierten Stefle des Heiligen Landes ein Bollwerk zu schaffen, ein Bollwerk der Abwehr gegen die anstürmenden Araber, ein religiöses Bollwerk, beherrscht vom Jüdischen Gesetz und bewußt der jüdischen Pflicht, die Lehren der Thora allüberall zu gründen and zn ver- JeäenfaUs sucht der Keren Hajiscnuw sein Arbeitsfeld in Palästina und betrachtet nicht die Versorgung von Zdonisten in Wien als einen zionistischen Programmpunkt. „Wo man singt.. Das „Wiener Montagblatt" ist mit dem Programm der bevorstehenden Wiener Festwochen unzufrieden. Zunächst mimt es loyales Oesterreichertum und beanständet das Fehlen von Mozart-Opern, besonders der „Zauberflöte". Dann aber wird der eigentliche Stein des Anstoßes deutlich: „Vollends ärgerlich ist auf Seite 9 des Festwochenprogramms die Ankündigung eines Volksliederabends, dessen Darbietungen ausgerechnet von einer Frau Sarah Goldstein zu Gehör gebracht werden. Was die Veranstalter der Wiener Festwochen zu dieser Besetzung bewogen haben mag, ist unerfindlich." Nun, vielleicht haben sich die Veranstalter gedacht, daß auch jüdische Festwochengäste nach Wien kommen und bei dieser Gelegenheit sicherlich Interesse für eine jüdische Künstlerin bekunden werden. Wenn die Leopoldstädter Ortsgruppe des Christlichen Frauen Vereins an ihren Theaterabenden Kaiman- Operetten aufführt, ist nicht einzusehen, warum nicht auch den Festspielgästen jüdische Kunst gefallen soll. Wer anderer Meinung ist, der sollte auch nicht nach Mozart-Opern lechzen. „Wann endlich", schreibt die „Basler Nationalzeitung", ironisch .die Antisemiten frozzelnd, „werden die Deutschen aufhören, Mozart zu geben, der sich durch seine Verbindung mit dem Juden Daponte einer Art moralischer Rassenschande schuldig gemacht hat?" Den Text zur „Zauberflöte" schrieb allerdings nicht Daponte, sondern der Arier Schikaneder. Wenn aber damit das „Wiener Montagblatt" sein katholisches Gewissen beruhigen zu können glaubt, verrät es nur seine völlige Ignoranz in bezug auf die jedem <3ebildeten geläufige Tatsache, daß die „Zauberflöte" in Text und Musik eine Verherrlichung der F r e im an r er ei bietet. Das ist ja auch der Grund, warum Goethe sich angeregt fühlte, zu dem literarisch nicht gerade überragenden Schikaneder- Text einen zweiten und dritten Teil zu dichten. Man sollte glauben, daß ein betont katholisches Blatt, wenn es schon durchaus in künstlerischen Belangen konfessionellen Anstoß nehmen zu müssen glaubt, an einer Freimaurer-Verherrlichung viel mehr Anlaß hiezu fände, als an einem Volkslieder-Vortrag durch eine jüdische Sängerin. Allerdings hätte das erstere eine gewisse literarische und musikgeschichtliche Bildung zur Voraussetzung, während die Stärke des „Wiener Montagblatts" ausschließlich im Schimpfen auf die Juden besteht Was darüber hinausgeht, verrät den völligen geistigen Bankerott des Hetzblattes, das sich anmaßt, in künstlerische Programmfragen der Theater- und Musikstadt Wien dreinreden zu wollen. Antisemitismus und Unbildung, ja Anti- Intellektualismus sind überall unlösbar miteinander verbunden. Das muß wohl so sein . . ._ Aerztüche Nachricht. Dr. Karl Steinfeld, praktischer Arzt, hat sich Vv Reüiprechtsdorfer. straße ,56, etabliert. Reichskulturwalter Hinkel, der Beauftragte des Reichspropagandamänisters Dr. Goebbels für die Ueberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden in Deutschland, hat sich zu einem Schriftleiter der „Nationalsozialistischen Partei-Korrespondenz" über die gegenwärtige Situation der jüdischen Kulturbetätigung in Deutschland geäußert. Der Nationalsozialismus, so sagte er u. a., habe zunächst aus den für das deutsche Kulturschaffen in Frage kommenden Kulturständen planmäßig die jüdischen Mitglieder und den jüdischen Einfluß ausgeschaltet, auf der anderen Seite aber den Juden Gelegenheit gegeben, ihre eigenen, im Reichsverband Jüdischer Kulturverbände zusammengefaßten Kulturorganisatäanen zu errichten und sich in ihnen kulturell zu betätigen. lieber die Programmgestaltung sagte Redchskulturwalter Hinkel noch folgendes: „Behemdig und stets im Vordergrund, sobald es sich um Fragen der Kulturwirtschaft handelt, bestreitet der Jude hilflos die Programme seiner eigenen Kulturveranstaltungen mit Schöpfungen aller Art, teils von Juden, die gerade bisher Wert darauf legten, „deutsch" genannt zu werden, teils von Nichtjuden, die zufällig einmal Themen aus der jüdischen Geschichte behandelten. Im übrigen nehmen Namen wie MoKere, Shakespeare, Verdi, Johann Strauß, Shaw und Ibsen nicht unbedeutende Plätze dm Spielplan ein. Als Anmaßung muß jedoch empfunden werden, wenn bei Vorschlägen, bzw. Anträgen zu Veranstaltungen der Juden Schaft unter sich Werke von Beethoven, Goethe und Mozart auftauchen; denn es ist nicht der Zweck der Uebung, inhaltlich deutsche Kulturbünde mit jüdischen Mitgliedern aufzuziehen. Vielmehr soll dem Judentum Gelegenheit zur Entfaltung in den eigenen geistigen und schöpferischen Grenzen gegeben werden. Sollte diese Entfaltung dem Juden zu dürftig sein, dann wird er es umso besser verstehen, warum wir ihn nicht als Herrn und Meister über unser Kulturleben haben mögen." Die englische Judenheit feiert die Krönung. Die Judehheit Londons und des ganzen britischen Reiches nahnr an der Feier der Königskrönung in tiefer innerer Bewegung Anteil. Schon am Vorabend der Krönung waren die Hauptstraßen der jüdischen Stadtviertel von einer erwartungsvollen Menge gefüllt; die Gebäude sämtlicher jüdischen Institutionen, die Synagogen und Privathäuser trugen reichen Flaggen- und Girlandenschmuck. Nach dem großen repräsentativen Festgottesdienst, der am Sonntag in London abgehalten worden war, fanden auch in den übrigen Synagogen des ganzen britischen Reiches Gottesdienste nach der vom Chief Rabbi J. H. Hertz einheitlich aufgestellten Gebetsordnung statt. Lionel de Rothschild, Lord Be a rstead und Sir Robert Waley Cohen rufen in der „Times" zur Schaffung eines zentralen Krönungsfonds für die Förderung der jüdischen Jugendbewegung auf. In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, daß der Herzog von Gloucester in einer vor kurzem gehaltenen denkwürdigen Rede die Arbeit der Juden in der nationalen Jugendbewegung Englands begrüßt hat Der jüdische Teil dieser Jugendbewegung, der in den Jungen- und Mädchenklubs der Jugendbrigade (Jüdische Pfadfinderabteilung) und ähnlichen Einrichtungen seinen Ausdruck findet, solle nunmehr durch einen Fonds gefördert werden, der zum Gedenken an die Krönung von allen jüdischen Untertanen des Königs geschaffen werden soll. Se. Majestät, der stets tiefes Interesse für die Jugendbewegung bekundete, habe seiner Freude über diesen neuen Plan Ausdruck gegeben. Die jüdischen Jugendorganisationen, so heißt es in dem Aufruf weiter, leisten dem Vaterland einen besonderen Dienst, indem sie die heranwachsenden jüdischen Bürger mit jenem Geist der Gemeinschaft und Zusammenarbeit erfüllen, der für das englische Volk kennzeichnend ist, und in dem britischen System der Freiheit und Toleranz eine wichtige Rolle spielt Für den Fonds sollen mindestens 100.000 Pfund aufgebracht-werden. Fast 50.000 Pfund sind von großherzigen Spendern bereits gezeichnet worden. in dec „Union" unter Leitung des Obmannes des Örganisations - Komitees der »Union österreichischer Jaden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER; jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglted der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung oollkommen unentgeltliche A«s*«n/f. Derfid)erungsberatunc] in allen Zweigen der Elementarversidieruhg wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, PolizzmprUfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine ammhaftm BmgBnmtlgiiu» dmr PtSml»m*Btxm.