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Die Wahrheit · 1937-05-21 · Heft 20 (21.5.1937) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 20 (21.5.1937)
Date
1937-05-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 20 — 21. Mai 1937 Seite 5 Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern An diesem Tage, in diesem denkwürdigen Jahre, möchten wir uns mit euch allen dem Dienste der Menschheit weihen. Durch die Wissenschaft sind wir Nachbarn geworden. Durch den guten Willen laßt uns Freunde bleiben." Die Botschaft von Wales stellt mit wahrhaft kindlicher Freude fest, daß in allen Ländern eine große Zahl von Männern und Frauen an der Wiederherstellung des Friedens arbeiten. Die Kinder ermuntern alle ehrlichen, nach Frieden strebenden 'Menschen, diese edle Arbeit zu leisten, nicht zu erlahmen und mit Entschlossenheit dem gesteckten Ziele zuzustreben. Sie bezeichnen diieses Jahr als ein denkwürdiges und dies mit vollem Recht. Vieles wurde auf dem Gebiete der Friedensbestrebungen bereits erreicht, aber noch nicht alles. Der Gedanke an kriegerische Handlungen läßt die Kinder von Wales den Wunsch bekunden, sich >im Verein mit den Großen dem Dienste der Menschheit weihen zu wollen. Der alle Grenzen der Staaten überfliegende menschliche Geist, in einer hochentwickelten Technik in die Erscheinung tretend, hat den raschen Austausch aller Güter der Kultur ermöglicht und dadurch die Völker zu Nachbarn gemacht. Der gute Wille soll alte Freundschaft stärken und neu begründen, das Handeln aller Menschen soll unter dem Stern des Friedens auf Erden stehen. Der gute Wille ist es, der das Meirschenwerk zum Segen, der böse, der es zum Fluche werden läßt. Der ständige Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen darf nicht mit dem Sieg des Bösen enden, solf nicht das ganze Menschengeschlecht in finstere Nacht und Unkultur versinken. Der gute Wille muß letzten Endes durchgesetzt werden, mag er auch vorübergehend durch Erscheinungen des bösen Willens verdunkelt werden. Der gute Wille ist die Grundlage für das Glück in der Familie, für das Einvernehmen unter den Volksgenossen und das friedliche Zusammenleben der Nationen. Der „Good Will Day" richtet an alle Völker der Erde die Aufforderung, wirksame Vorkehrungen zu treffen, um den Krieg unmöglich zu machen. Nicht mit den Warfen in der Hand können Menschen-zum Verständnis für-gegenseitige Unterstützung und Gemeinsamkeit gezwungen werden, sondern nur die Ueberzeugung, daß lediglich der gute Wille den Zusammenschluß der Menschheit ermöglicht, muß alle . durchdringen. Die Idee des guten Willens muß die Brust der Menschen erfüllen und ständig der treibende und regulierende Faktor bei den menschlichen Handlungen sein. Kant sagt in seinem berühmten Satze: „Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außerhalb derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut gehalten werden könnte, als allein ein guter Wille." Wir sind zu Kulturmenschen unter heiligen sittlichen Geboten geworden: „Du sollst nicht töten" „Was du nicht wiilst, daß dir geschehe, tue auch dem anderen nicht." „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Die Liebe, die an der Brust der Mutter im Menschentum keimte und wuchs, die aus Wildheit und Barbarei m einen höheren Kulturstand führte und unsere Entwicklung Stufe um Stufe förderte, muß dem Haß. dem Feinde der Völker entgegengestellt werden. Wenn wir ständig an der Verbreitung und Vertiefung des guten Willens arbeiten, dann nützen wir unseren Brüdern und uns selbst, dann werden wir das Bewußtsam haben, eine der höchsten, vielleicht die -höchste Aufgabe der Menschen zu erfüllen. Wer guten Willen sät, wird Liebe und Vertrauen ernten, ein stets aufscheinender guter Wille wird Vorurteil und Mißgunst zum schwinden bringen, ein solcher Wille ward die Menschheit zu jenen Höhen emportragen, auf welcher jeder einzelne weiß und fühlt, was er seinem Nächsten schuldet, was wahre Sittlichkeit fordert und gibt. Auf dieser geistigen und seelischen Höhe werden die Menschen erkennen, daß sie alle nur Menschen, das heißt Wesen mit Vorzügen und Fehlern sind, daß sie aber alle Kinder eines Gottes sind, der sie mit gleicher Liebe umfaßt. In diesem Sinne lautet die Antwort, die wir auf den Ffiedensgruß der Kinder von Wales entbieten: Eure Botschaft des guten Willens und des Friedens stärkt uns in unserem Glauben, daß es mögüch sein muß, den dauernden Frieden zwischen den Völkern zu erhalten. Diesem Ziele wird auch das österreichische Volk mit allen Kräften zustreben. Der frühere Rektor der Wie.ner Universität Univ.- Proi. Prälat Dr. Ernst Tomek. führte aus: Wie in unseren Bergen das Echo stärker hallt als draußen im Tiefland, wie der Schall von einer Bergwand zur andern geworfen wird, bis das ganze Tal aufhorcht so. möge diesmal die Friedensbotschaft der Kinder von Wales auf den Wellen des Aethers hinausgehen in elfte Täler unserer österreichischen Heimat und starkes Echo in den Herzen aller Gutgesinnten wecken! Welcher Mensch, der noch ein warmes Herz in der Brust hat, dessen Herz nicht gepanzert ist von eisiger Geldgier, könnte sein Ohr der Botschaft der Kinder verschließen, die nun seit anderthalb Dezennien alljährlich uns zurufen, wie es einst die Engel auf den Fluren Bethlehems gesungen haben: Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind! Habt doch alle guten Willen, dann Wird endlich einmal Friede unter den Menschen! Leider wird in der Welt heute so viel vom Frieden gesprochen, aber die Taten deuten auf Krieg: ungeheure Summen werden ausgegeben, um furchtbare Zerstörungsmaschinen zu schaffen, die heute noch als der höchste Triumph des erfindenden Menschengeistes hingestellt werden, in kurzer Zeit von anderen stärkeren Vernichtungsinstrumenten überholt und als altes Eisen erklärt sind. Alle Staaten sind heute um ihrer Sicherheit willen gezwungen, das große Wettrüsten mitzumachen, da alle Abrüstungskonferenzen ohne Erfolg geblieben sind. Der amerikanische Staatssekretär hat erst vor einigen Tagen festgestellt, daß die Aufrüstung sich in einem Rhythmus vollziehe, der kein Vorbild in der Geschichte habe; die Völker seien zu einem Wettlauf zum Selbstmord angetreten. Diejenigen, die an den Rüstungen unvorstellbar hohe Summen verdienen, beschönigen allerdings ihr verderbliches Treiben damit, daß sie sagen, die Rüstungsindustrie schaffe Arbeit! Das beste Beispiel für die Unrichtigkeit dieser Behauptung ist der letzte große Krieg vor zwanzig Jahren. Hat er nicht zehn Millionen Menschen getötet, zehn Millionen zu lebenslänglichen Kruppein gemacht, .im ganzen vierzig Millionen als direkte oder indirekte Opfer hinterlassen? Die Summen, die dieser Krieg gekostet hat, sind so groß, daß für dieses Geld jede Familie in Deutschland, England, Rußland, Nordamerika und Australien mit einem Hause im Werte von 12.500 Schilling, Möbeln im Werte von 6000 Schilling und einem Grundstück von fünf Hektar hätte beschenkt werden können. Wer da noch behauptet, daß die Kriegs- rüstungen Gutes schaffen, den Wohlstand der Menschheit heben, der muß als wahnsinnig oder als Verbrecher erklärt werden. So sagt Dr. Emil Müller-Sturmheim in seiner Schrift: „Rüstungen als Rettung". Es ist die Tragik unserer Zeit. Rüstungen trotz allem als notwendig anerkennen zu müssen, aber diese Tragik darf nicht durch eine Lüge profaniert werden, wie die, daß Kanonen, Panzerwagen und Giitgase den Wohlstand der Völker vermehren. In den Panzerplatten der Kriegsschiffe, in dem Stahl der Kanonen, in den Giften der Flugzeugbomben ist Gold und Arbeit von Millionen erstarrt und wenn diese Erstarrung sich löst, dann nur, um die Erstarrung des Todes zu bringen. Die Erfindungen auf dem Gebtete der Giftstoffe würden einen kommenden Krieg furchtbarer machen, als es je einen unter den Menschen gegeben hat: durch Abwerfen von Gas- und Brandbomben, dadurch, daß Flugzeuge flüssige Giftstoffe über das Land ausstreuen, könnten leichter Millionen Menschen in den Städten und auf dem Land als 1000 Soldaten an der Front getötet werden: geradezu entsetzliche Katastrophen müßten eintreten, weil alle Schutzmaßnahmen gegen che- R 44140 ist die neue Telephonnummer der Redaktion und Administration „Die Wahrheit" IL, Heinestraße 13 Nicht in den Rüstungen liegt also das Heil, sondern allein im Willen der Menschen, und diieses einzige Heilmittel, den Willen zum Frieden, rufen die Kinder auf fn einem Optimismus, der nicht kindisch ist, der noch an die Menschheit glaubt. Wollten wir über diesen Aufruf lächeln, dann würden wir damit nur zu erkennen geben, daß wir an der Menschheit verzweifeln. Es muß doch im 20. Jahrhundert möglich sein, daß der gute Wille im Bunde mit der Vernunft die kultivierte Menschheit von dem Abgrund zurückreißt, dem sie derzeit zutaumelt. Schon der Prophet hat sich entrüstet über die vielen, die stets rufen: „Friede. Friede, da doch kein Friede ist!" (Jerem. 6.) Und gibt es nicht heute solche, die ständig zum Kriege, zur Revolution hetzen? Schon der Psalmist hat sie geschildert: „Ein offenes Grab ist ihr Rachen, mit ihren Zungen handeln sie trüglich, Natterngiit ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll von Fluch und Bitterkeit, schnell sind ihre Füße zum Blutvergießen. Verderben und Unglück ist aui -ihren Wegen und den Weg des Friedens kennen sie nicht." Darum, liebe Kinder, rufet, und wir rufen mit euch! Möchten doch alle Menschen mit gutem Willen einsehen, daß es derzeit nichts Wichtigeres gibt, als den immer wieder prophezeiten und von vielen gewünschten Krieg als das größte Unglück für die ganze Menschheit zu verhüten. Wenn wir freilich zusehen, wiic kurzsichtige Menschen voll Gotteshaß den Glauben und die Achtung vor den zehn Geboten aus den Herzen der Menschen reißen, dann werden die Völker der Alten und der Neuen Welt ohne Halt und ohne Gewissen sich dadurch aus dem wirtschafHichen Elend erlösen wollen, daß ein Volk das andere >m Krieg zerfleischt: ein namenloses Elend macht sich dann auf einem menschenarmen Erdball breit und verrostete Maschinen werden dastehen, die niemand mehr bedient — Darum liebe Kinder, rufet auf zum guten Willen: Friede soll aui Erden durch alle Menschen werden, die guten Willens sind! Der „Jude" und die „Union". In Nr. 9 der Wochenschrift „Der Jude" hat das Organ des „Arbeitenden Palästina" sich bemüssigt gesehen, der „Union" eine bessere Note im Fach Palästina zu erteilen. „Der Jude" wundert sich zwar, daß die „Union" sich ausgerechnet für die orthodoxe Gestaltung Palästinas erwärmt, aber er sagt, besser diese als gar keine Palästina-Arbeit. Wenn die „Union" auch an einer Zeugniserteilung seitens der zionistischen Gruppe für ihre Tätigkeit nicht gelegen ist, so soll der „Jude" doch wissen, daß die von der „Union" schon immer und nicht erst in der letzten Zeit geförderte Palästina-Arbeit selbstverständlich die religiöse Aufbauarbeit gewesen ist. Die „Union" steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die jüdischnationale Betätigung, wie sie die Grundlage aller zionistischen Gruppen darstellt, eine Verfälschung des überlieferten Judentums bedeutet. Die „Union" hat immer den historisch jüdischen Standpunkt vertreten, daß die Juden eine Gemeinschaft sind, die niemals und nirgendwo als eine „Nation" im gebräuchlichen Sinn verstanden werden kann. Nur dadurch, daß die Juden seit Zerstörung ihres Staates und seit Beginn der Diaspora diesen ihren einzigartigen Charakter in der Welt behielten und bewahrt haben, nur dadurch bestand überhaupt die Möglichkeit, das Judentum trotz der tausendjährigen Leiden und Gefahren, trotz der unzähligen Nöte und Entbehrungen bis auf den heutigen Tag hinüberzuretten. Die Sehnsucht nach dem Heiligen Lande war immer die Hoffnung aller Juden und die Hoffnung auf den Erlöser war immer die Sehnsucht für den jüdischen Erdenwanderer. Die „Union", die sich immer für die Erhaltung der religiösen Eigenart des Judentums eingesetzt hat, tat es stets auf allen Gebieten religiösen jüdischen Lebens. Die „Union" weiß nicht erst durch die jüdischnationale politische Arbeit, daß die Besiedlung Palästinas eine religiöse Pflicht im Sinne des historischen Judentums bedeutet, die „Union" weiß auch genau, daß gerade in unserer Zeit, wo so viele gehetzt« Juden in Palästina eine ruhige Wohnstätte gefunden haben und wo vermutlich noch viele Tausende Juden, die von ihren angestammten Wohnsitzen weg mußten, dort eine ruhige StedlungsmögUchkeit finden werden, daß in unserer Zeit die Palästina-Arbeit einen wesentlichen Teil aller religiösen und sozialen Betätigungen beansprucht, und so war es für die „Union" eine selbstverständliche Sache, sich ebenfalls in den Dienst dieses religiösen Palästina- Werkes zu stellen, um auch nach dieser Richtung hin ihre Pflicht zu erfüllen. „Der Jude" hat demgemäß gar keine Veranlassung, sich über die Unterstützung des Keren Hajischuw durch die „Union" zu mokieren, da diese Förderung sich folgerichtig in den von der „Union" immer vertretenen Ideenkreis einiügt. Wenn der Keren Hajischuw (iür dessen Einzelarbeit die „Union" natürlich keine Verantwortung trägt und übernehmen kann) Fehler gemacht hat, so ist nur der Keren Hajischuw selbst dafür verantwortlich. Die „Union" hat aber bei dem bemängelten Fehler .in der Kwuzah „Machaneh Jisroel" bei beruiener Stelle ermittelt, daß die Angelegenheit sich keineswegs so verhält, wie „Der Jude" siö darzustellen beliebt. Gerade diese Kolonie „Machaneh Jisroel", die im besonders geiährdeten arabischen Gebiet liegt, hat während der Unruhen, auch nach Aussage führender zionistischer Persönlichkeiten in Palästina und nach Berichten der jüdischen Presse im Heiligen Lande, wertvolle Ab Wehrdienste geleistet, weil sie diese exponierte Stellung im geiährdetsten Gebiet tapfer gegen die Araberhorden gehalten hat. Es iist auch unwahr, daß die Aguda die dortigen Kolonisten ohne Geld gelassen und sie ihrem Schicksal überantwortet habe. Die Kolonie genießt nach wie vor die volle Unterstützung des Keren Hajischuw und wird selbstverständlich auch weiter erhalten werden. Im Anschluß an diese Kwuzah besitzt der Keren Hajischuw aber noch einen sehr großen Grundbesitz, und nur durch Mangel an den nötigen Mitteln war es bisher nicht möglich, weitere Kwuzoth im Anschluß an diese Kolonie zu errichten. So ergibt sich also gerade infolge der Bemängelung des „Juden" die beste Mölichkeit, die Juden Oesterreichs, denen am religiösen Aufbau Palästinas gelegen ist, anzufeuern, sich in den Dienst der Sache des Keren Hajischuw zu stellen und durch das Beschaffen von weiteren Mitteln die Basis zn schaffen für die Errichtung weiterer Kwuzoth In Ma-

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