Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 20 (21.5.1937)
- Date
- 1937-05-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 20 — 21. Mai 1937 DIE WAHRHEIT In allen Versicherungsangelegenheiten x u e r s tf der „Union", I., Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden Montag und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm.-Rat Alexias Salzer. Für Lebensversicherungsberatung haben wir einen Speziallachmann bestellt, weldie unsere Mitglieder beonders günstig beraten wird. Bcrzu. rraaenbellbad Tafzmannsdorl & Mineral-, Mooran t natürliche Kohlensäure-Spradelbäder / Elektro-Kardiographisches Institut / Röntgen-Institut Tief reduzierte Pensionspreise einschließlich aller Heilbäder HUS h Ü n f tß "nd Prospekte: KurbadA. G, ' Bad Tatzmannsdorf und M. U. Dr. I: H. Körner - Reisebüro „CITY", Wien I., Kohlmarkt 8 / Telephon U 26-4-29 Protest der Juden und Araber gegen die neue Schedule. Die Exekutive der Jewish Agency hat eine scharfe Protesterklärung gegen die weitgehende Kürzung der neuen Einwanderungsschedule veröffentlicht. Im besonderen wird Protest dagegen erhoben, daß die Spezialquote für Einwanderer aus Deutschland in die allgemeine Schedule mit eingeschlossen wurde und nur 400 Zertifikate für diesen Zweck bewilligt wurden, obwohl der Council for German Jewry . die Mittel zur Verfügung gestellt hat, die die Eingliederung aller Einwanderer gewährleisten, die auf Grund der 700 für diesen Zweck angeforderten Zertifikate ins Land hätten kommen sollen. Die Annahme der restlichen 200 Zertifikate, die von der Regierung für den gesamten jüdischen Arbeitsmarkt einschließlich der Landwirtschaft, der Industrie, des Baugewerbes, des Verkehrswesens, der öffentlichen Arbeiten und anderer Arbeitszweige bestimmt worden sind, wird von der Jewish Agency verweigert Es wird erklärt, daß der Sinn der Labour- . Schedule durch diese 220 Zertifikate entstellt werden würde. Die Jewish Agency lehne es ab, die Rolle der Verteilerin einer solchen Zahl von Zertifikaten auf alle jüdischen Arbeitszweige in Palästina und auf vierzig Auswanderungsländer zu übernehmen. Im Zusammenhang mit der von der Regierung bewilligten neuen Schedule hat der Oberste Arabische Ausschuß eine Sitzung abgehalten. In einem nach der Sitzung veröffentlichten Kommunique wird erklärt, daß die Araber die vollkommene Einstellung der jüdischen Einwanderung erwartet hätten und darum über die Nachricht von der neuen Schedule zutiefst enttäuscht waren. Der Aufruf schließt mit einem scharfen Protest gegen die Schedule und mit einem Appell an die Weltöffentlichkeit, in der Erteilung der neuen Schedule einen Aktder krassenUngerechtigkeit zu erblicken. An den englischen Ministerpräsidenten Baldwin und den Vorsitzenden der Kgl. Kommission Lord Peel wurden Protesttelegramme gerichtet. Der Aufruf wurde auch an sämtliche arabischen Könige und Prinzen abgesandt. Die besten Eis« Wirstiil SdAvarei 3 mal täglich frisch bei IKCkNittOoPnUiltS Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von -S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Die Vorträge im Pauluswerk über die die Tagespresse ausführlich berichtete, sind von uns nicht näher behandelt worden, da unsere Einstellung zu dieser Aktion, die eingestandenermaßen der Mission dient, zur Genüge bekannt ist. An dieser Einstellung ändert auch nichts die Tatsache, daß die Vorträge auf hohem geistigen Niveau standen und sich wohltuend von dem Phrasengedresch unterschieden, das man heutzutage in Reden über die angeblich so notwendige „Lösung der Judenfrage" zu hören bekommt. Die Vortragenden bemühten sich, wohl von ihrem katholischen Standpunkte, aber sine ira et studio die Materie zu behandeln, und es wurde von ihnen mancher Gedanke ausgesprochen, der das schöne sittliche Gefühl erkennen ließ, von dem die zumeist der katholischen Kirche dienenden Referenten beseelt sind. Umso verwerflicher sind die Zwischenfälle, die sich insbesondere bei dem Vortrage des hervorragenden Dominikanerpaters Franciskus Stratmann ereigneten. Am Ende dieses Vortrages ertönte mitten in den Beifall plötzlich ein „Sprechchor" einiger Burschen auf der Galerie, es wurden Zettel von ihnen abgeworfen, auf denen die Worte standen: „Die Judenfrage hat noch Zeit, Gefahr droht heut' der Christenheit!" Zu diesen skandalösen Vorfällen schreibt „Der Christliche Ständestaat": Das Verhalten dieser „Lausbuben" — anders kann man sie beim größten Wohlwollen nicht nennen — ist nicht nur dumm, sondern auch un- ehrlich und verlogen. Denn in Wahrheit ärgert sie der Vortrag nur, weil er gegen den Antisemitismus Stellung nimmt In einer der vielen antisemitischen Versammlungen, in denen der Juden- - frage eine viel vordringlichere Bedeutung, aber . im negativen Sinn eingeräumt wird, würden diese angeblich „katholischen" Jünglinge gewiß nicht protestieren. Angesichts dieses unerhörten Verbaltens hofften wir, daß es sich in Wirklichkeit bei diesen Demonstranten nicht um Katholiken, sondern um Nazi handelt. Aber die katholische „Reichspost" belehrt uns eines Besseren. Sie glaubt diese „Lausbuben" rechtfertigen zu müssen und die Vermutung, es seien Nazi gewesen, als voreilige Verleumdung gewisser „bekannter" Kreise hinstellen zu sollen. Sie stellt die Reaktion dieser Burschen als Protest gegen den einseitigen Applaus des Publikums bei den Stellen des Vortrags hin, die für die Juden erfreulich waren. Glaubt die „Reichspost", daß die Jünglinge eine Schreibmaschine in den Vortrag mitbrachten und ihre Zettel erst schrieben, als sie sich über den einseitigen Applaus ärgerten? Oder glaubt sie vielmehr, daß die Betreffenden den in ihren Augen parteiischen Applaus schon prophetisch voraussahen, als sie zu Hause die Zettel anfertigten? Tertium non datur für die Hypothese der KURZWELLEN das modernste Heilverfahren KURANSTALT „HELIA", I., FLEISCHMARKT 7 „Reichspost" und auf beide Annahmen können wir nur antworten: „Sancta simplicitas". Merkt die „Reichspost" nicht wie bedauerlich für uns Katholiken die Feststellung wäre, daß es keine Nationalsozialisten, sondern Katholiken waren, die sich so unqualifizierte benahmen? Oder ist uns der katholische Sensus bereits so weit abgegangen, daß wir das tief Beschämende nicht mehr sehen, das darin läge, daß junge Männer, die sich „katholisch" nennen, einen Vortrag besuchen, der von einem katholischen Diözesanwerk veranstaltet wird und wo ein hervorragender Ordensmann spricht, mit der Absicht dort zu demonstrieren, statt etwas zu lernen! Denn es tut der Jugend auch heute noch vor allem not zu lernen und nicht „Stellung zu nehmen". Der good will day in Wien. Bedeutsame Worte dm Sinne der Idee des Völkerfriedens wurden Dienstag bei der offiziellen Feier des Tages des guten Willens, die, wie alljährlich in der „Ravag" abgehalten wurde, gesprochen. Um 7 Uhr sprach zur Feier des Tages im Rundfunk als erste die Gemahlin des Bundespräsidenten Frau Leopoldine M i k 1 a s: „Zum sechzehnten Male geht heuer an einem Maientag die Botschaft der Kinder von Wales hinaus in alle Welt und wirbt mit den bittenden Stimmen der Jugend in allen Ländern um ein wenig guten Willen. So bescheiden und gering dieser Wunsch und diese Bitte um ein bißchen guten Willen zu sein scheinen, in Wahrheit sind sie groß und verlangen von den Menschen unendlich viel. Es ist nicht so leicht, den guten Willen in den Herzen auszulösen, wie man glaubt: und doch ist der gute Wille die erste Voraussetzung für das, was wir alle aus ganzer Seele erstreben: für den Frieden! Wo der gute Wille fehlt, da kann der Friede nicht gedeihen, ebensowenig im engeren Kreise der Familie als in der großen Gemeinschaft eines Volkes und im Zusammenleben der Völker und Staaten. Mögen die Schwierigkerfen noch so groß sein, wir wollen nicht wankend werden in dem Glauben, daß uns ein neuerwachter guter Wille zum Frieden führen wirdj" Dann sprach die Gemahlin des Bürgermeisters, Frau Josefine Schmitz: Sie sagte unter anderem: Ich begrüße den schönen Gedanken, jährlich einen Tag des guten Willens zu feiern, der uns an die Pflicht, für den gerechten Frieden zu wirken, erinnern soll. Wie schön ist es, daß aus dem Munde von Kindern aller Nationen die Friedensbitte kommt. Kinder können nur bitten um den Frieden, wir Erwachsene können mehr tun, wir können für den Frieden arbeiten. Und darum bitte ich alle Frauen in unserem Vaterland, den Friedensgedanken zu pflegen und aus mütterlicher Liebe in den Kindern schon den starken Willen zu friedlicher Zusammenarbeit und Verständigung aller Menschen und Völker zu erwecken. Frau Bundesstaatlicher Fürsorgerat Ottilie Politzer sagte: Der Tag des guten Willens ist ein Weltieiertag, an welchem die Kinder von Wales diie Jugend aller Länder grüßen und dafür eintreten, daß die Menschheit im Frieden lebe und der Krieg irr Hinkunft vermieden werde. Dieser Ta^ wurde daduroh geschaffen, daß die Kinder von Wales am 18. Maj 1922 zur Erinnerung an die Eröffnung der ersten Haager Friedenskonferenz vom 18. Mai 1899 eine Friedensbotschaft im Rundfunk an die Jugend der ganzen iErde gerichtet haben. Auf diese Botschaft kam damals keine Antwort. Sie wiederholten ihre Botschaft 'im Jahre 1923, aber auch da fand sie noch keinen Widerhall. Im Jahre 1924 kamen Antworten aus zwei Ländern. 1925 aus einem Dutzend Ländern und in den darauf folgenden Jahren kamen Antworten aus allen Ländern der Erde. Seither wird der 18 Mai alljährlich als Tag des guten Willens in allen Ländern der Erde feierliich begangen. Die Kinder von Wales entscheiden in den Schulen selbst über den Wortlaut der Botschaft, und diese Botschaft wird dann in vielen SchuLen von Wales in der eigenen Sprache der Kinder im Wallisischen, einer uralten keltischen Sprache und auch 'in allen iiauptsprachen der Welt verlesen. In diesen Botschaften wenden sich die englischen Kinder an die Herzen der Kinder der ganzen Erde und erflehen Segen iür das Werk jener Männer und Frauen, die m allen Ländern für den Frieden eintreten. Es spricht des Kindes Herz, Menschenliebe und das Ge- i!rr Zusammengehörigkeit aller Menschenkinder sind die Quelle dieser Botschaften. Die diesjährige Botschaft, diie heute im Rundfunk Cardiff m Wales gesendet wird, lautet: „Jungen und Mädchen in allen Ländern! Wir Jungen und Mädchen von Wales senden euch wieder unsere Botschaft der Hoffnung und Aufmunterung. In einer Welt voll Streit und Leiden freut es uns, zu denken, daß an diesem Tag des guten Wüllens Grüße der Jugend von Land zu Land fliegen, und daß die Jugend über die fünf Erdteile und "die sieben Weltmeere hinweg der Jugend zuruft: Laßt uns für den Frieden leben! Es freut uns, daß in so vielen Ländern hervorragende Männer und Frauen, ohne der Verzweiflung nachzugeben, alle Völker aufrufen, die Mauern des Friedens wieder aufzuhauen. Glaube und Entschlossenheit können es vollbringen. Laßt es. uns der ganzen Welt sagen: Es muß erreicht werden!