Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 19 (14.5.1937)
- Date
- 1937-05-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S Nr. 19 — 14. Mai 1937 DIE WAjtRHEIT „Egyenlöseg", Budapest. Tief ergriffen danke ich für Ihre freundliche Einladung, doch bin ich leider gezwungen, der erhebenden Feier fern zu bleiben. Ich ergreife hiemit die Gelegenheit, Ihnen für Ihre weitere Entwicklung viel Glück zu wünschen. Die „Union*- ist eine Leuchte des Gesamtjudentums, und ihr Wirken ist bedeutungsvoll für alle Juden, die um ihre Rechte kämpfen. In der Vergangenheit haben uns ungarische Juden mit der „Union" Miele Bande zusammengeknüpft. Der verewigte unvergeßliche Dr. Bloch, der würdige Dr. Ornstein, der so agile Dr. Oppenheim sind wohlbekannte Persönlichkeiten in der ungarisch-jüdischen Oeffentlichkeit Und „Die Wahrheit" ist ein geachtetes Organ auch im ungarischen Judentum. Wir kennen und schätzen Ihre großen Ziele, wir würdigen Ihre heroische Arbeit, Gott gebe, daß es Ihnen gelingt, das schwere Schicksal abzuwenden. Komm.-Rat S. Rendi, Graz. Anläßlich Ihrer Fünfzigjalirfeier erlaube ich mir, Sie zu Ihrer fünfzigjährigen segensreichen Tätigkeit herzlich zu beglückwünschen. Kultusgemeinde Innsbrack. In dankbarer Erinnerung an Euer rastloses Wirken im Dienste des Judentums beglückwünschen wir Euch zu der heutigen Feier für die Kultusgemeinde Innsbruck. Julius Pasch, Vorstand. Otto Löwy, Präsident der Israel. Kultusgemeinde Salzburg. Leider ist es mir nicht möglich, Ihrer freundlichen Einladung Folge zu leisten, doch dürfen Sie überzeugt sein, daß ich an Ihren Bestrebungen und Arbeiten regsten Anteil nehme. Ich wünsche Ihnen auch für die Zukunft vom ganzen Herzen besten Erfolg, weiil ich in Ihrer Tätigkeit einen Segen für das Judentum erblicke. Ferner kamen Begrüßungsschreiben und Telegramme von folgenden Persönlichkeiten, die zu ihrem Bedauern an der Feier nicht persönlich teilnehmen konnten: Maximilian Paul-Schiff, Hof rat Prof. Doktor M. Oppenheim, Dr. Heinrich Schreiber, Karl Fröhlich, Rabbiner Dr. Max Grunwald, Prof. Dr. J. Bronner, Rabb. Prof. Dr. M. Lewin, Rabb. Prof. Dr. M. Papo, Dr. Heinrich Henbatschek, sowie von folgenden Organisationen: Bethausverein „Chewra Beth Hatfälah", IX., Müllnergasse, Tempelverein Hietzing, „Einheit", Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger israel. Waisen, Hilfsverband der jüdischen Kriegsopfer, Invaliden, Witwen und Waisen, Jüd. Witwen-, Waisenhilfs- und Ausspeisevere-in IX. u. v. a. U beweisen Sie noch heute Ihr Abonnement! Zum fdken>uaus~t?estel Unter Donner und Blitz erklang das Wort Gottes am Sinai: „Ich, der Ewige, bin euer Gott", mit diesem Ausspruch empfing das jüdische Volk unser heiligstes Erbgut, die Thora. Und es erbebte der Berg und es erzitterte das am Fuße des Berges verharrende Volk. Die ganze Natur erstarb für Augenblicke, jedes Atom irdischen Bestehens war auf das Gotteswort gerichtet Und Gott offenbarte sich dem Volke durch die Thora. Das Volk war bereit, das kostbarste Gut aus des Schöpfers Händen zu empfangen. Mit zwei Worten legte es Zeugnis ab, als Träger eines Gottesvolke)s die Thora der Welt zu offenbaren. „Naseh Wenischmah", wir wollen tun und hören! Wenn die Natur zur vollsten Entfaltung sich gerüstet hat, ringsumher alles von Gottes Wunderkraft und Allgewalt erzählt, das Auge, wohin es blickt, den göttlichen Odem spürt, in dieser gehobenen Jahreszeit feiern wir Juden das Scheiwuausfest. Matan Thauro, Gesetzgebung am Sinai, Wiedergeburt der Thora. Müßten nicht in solchen Momenten unsere Pflichten, unser Lebenszweck, die Erhaltung unserer höchsten Güter, Thauro und Awaudoh, mit doppelter Kraft an uns herantreten. Und es lehren unsere Weisen: ,.Das Forschen in der Gotteslehre ist so wichtig wie die Erfüllung sämtlicher Gottesgebote" und es lehrt uns Josua: „Es soll nicht weichen dieses Buch der Lehre aus Deinem Munde, und Du sollst Dich damit beschäftigen Tag und Nacht". Thauro vereinbart sich nur mit Awaudoh, das Forschen in der Lehre, die Weisheit der Thora soll Dir als Richtschnur im Leben dienen. Nicht dazu hat Gott Israel als Träger höchsten Menschenguts, der Thora, erwählt, um andern Völkern überhoben zu sein, die Thora ist dazu bestimmt, als Lichtblick und Lebensquell der ganzen Menschheit zu dienen. Für alleMenschen gilt das Gottesgesetz, die Ethik der Religion. Wenn auch in jedem Zeitalter Despoten aufstanden, die der Thora den Scheiterhaufen errichteten, wenn auch vielfach um dieses heilige Erbe die Flammenzungen loderten, rauhe Hände das höchste Gesetz zu vernichten drohten, der Entsender der Gotteslehre hat sein unsterbliches Werk bis auf den heutigen Tag, trotzend dem Vernichtungskampf der Nationen, gerettet! Ein Ausspruch unserer Weisen lautet: Auf drei Dingen besteht die Welt: Auf der Gotteslehre, dem Gottesdienste und der Ausübung von Liebeswerken. Es ist des Menschen höchste Pflicht, seinem Gotte zu dienen, aber nicht nur mit Worten, sondern auch mit der Tat, und eben diese Tat vollzieht sich in der Ausübung der Nächstenliebe. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, ist uns erste- Lebensbedingung. Aber nicht nur im bloßen Almosengeben kennzeichnet sich die Nächstenliebe, als Bruder und Schwester sollen wir die Menschen ehren und lieben. Nicht Rassenhaß und Brudermord ist der Menschheit gepredigt worden, wir sind alle Wesen eines Schöpfers und Bildners; die Verschiedenheit der Religionen berechtigt zu keinerlei Gewalttaten. Liebe erhält die Welt, Unfriede zerstört sie! Ein anderer Ausspruch lehrt uns: „Auf drei Dingen beruht der Bestand der Welt: ,Auf Wahrheit, Recht und Friede". Die Grundbedingung alles Menschenlebens und Seins ist Frieden. Was nützen der Welt alle Erfindungen, alle technischen Neuerungen und Fortschritte, wenn sie dem Vernichtungskampfe dienen sollen. Was nützen Beteuerungen, Versprechungen und Gelöbnisse, wenn die Wahrheit und das Vertrauen fehlt. Wie kann Friede unter den Völkern herrschen, wenn sich die Staaten, anstatt zu verbrüdern, den Fehdehandschuh vor die Füße werfen. Was nützt ein Gesetz, wo das Recht fehlt? Ohne Wahrheit kein Recht, ohne Recht keinen Frieden. Wie kann ein Gebäude aufrechtbleiben, wenn die Bausteine wanken, die Bauleute uneinig sind? Der Weitenhau braucht Stützen, um dem Verfall trotzen zu können! Ein anderes Gebot der Thona: „Du sollst abgeben den zehnten Teil deines Vermögens den Armen". Wieviel Elend und Not könnte gelindert werden, wenn die ganze Welt solch ein Gesetz anerkennen würde. Nicht Gewalt lehrt uns die Thora, das Gebot der Nächstenliebe soll die Menschheit versöhnen. Es gibt viele Menschen, die glauben, das System der Thora sei veraltet, überholt, nicht mehr in die fortgeschrittene Zeit passend, als ob sie uns mehr Heil verkündete! Die Thora bleibt ewig jung und neu, wandelbar ist die Zeit, die Thora ist seit ihrem Bestand unverändert geblieben. Wo gäbe es noch ein Werk, das allen Zeiten getrotzt, jeden Angriff überstanden? Verdanken wir nicht gerade diesem Umstand das Geheimnis unserer Existenz trotz aller Stürme? Dieses Werk hat schon viele jüdische Helden den Märtyrertod erleiden lassen, mit ihrem Herzblut haben sie die Reinheit der Thora verteidigt. Ihr ewiger Bestand zeugt für die Gottheit ihres Verfassers. Es ist eine ernste Zeit, in welcher wir dieses Jahr das Fest der Gesetzgebung feiern. Die Menschen stehen sich feindlich gegenüber, die ganze Welt wartet auf eine Entspannung; man fürchtet das Unheil und Grauen eines modernen Krieges, der dem Sein den Vernichtungskampf ansagen würde. Es lehrt uns ein Psalnf Davids: „Wenn Gott ein Haus nicht weiterbaut, haben sich vergebens die Bauer gemüht: wenn Gott eine Stadt nicht hüten wird, hat vergebens der Hüter gewacht". Möge das Weltgebäude erhalten bleiben,. Einigkeit die Nationen verbinden; möge uns der Spender des ewigen Rechts auf die Pfade des Vorsehens zurückführen, zum ewigen Fortbestand des Menschengeschlechts! AmUidie V&dautkvamqen den. J&iaeCUiscfien JCu£tusqentände Wien- Predigten in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Am diesjährigen Wochenfeste werden in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: Am i. Tage (Sonntag, den 16. Mai), Beginn des Vormittagsgottesdienstes 8 Uhr: 1. Bez., Seitenstettengasse 4, Oberrabb. Dr. I Taglicht, Bez., Tempelgasse 5, Rabb. Dr. J. M. Bach. 3. Bez., Untere Viaduktgasse 13, Rabb. Dr. K. Kupfer, 9. Bez., Mffllnergasse 21. Rabb. Dr. A. Z. Schwarz, 10 Bez., Humboldtgasse 27, Rabb. Dr. A. Weiner Jö- Bez., Hubergasse 8, Rabb. Kand. Dr. H. J. Glejser, J9- Bez-. DolLinergasse 3, Rabb. Dr. A. Frankfurter, 20. Bez., Kluckygasse 11, Rabb. Dr. B. Munnelstein. Am 2. Tage (Montag, den 17. Mai), Beginn des Vormittagsgottesdienstes 8 Uhr: 2. Bez., Pazmanitengasse 6. Rabb. M. Zikier, 3. Bez., Untere Viaduktgasse 13, Rabb. Dr. K. Kupfer, 5. Bez., Siebenbrunneng. la, Rabb. Dr. M. G. Mehrer,. 6. Bez., Schrnalzhofgasse 3. Rabb. Dr. J. Drobinsky, 8. Bez., Neudeggergasse 12, Rabb. Dr. M. Bauer, 13. Bez., Eitelbergergasse 22. Rabb. Dr. M. Lewin, Jo n*2-' Xu,rnersas?e 22- Rabb- Dr. H. J. Zimmels, in o - Schopenhauerstr. 39, Rabb. Dr. A. Z. Schwarz, 19. Bez., Dollinergasse 3, Rabb. Dr. A. Frankfurter, 20. Bez., Kluckygasse 11, Rabb. Dr. B. Murmelstein, 21. Bez., Hobmeistergasse 12, Rabb. Dr. M. Rosenmann. Israelitische Jugenögottesdienste. 1. Jugendgottesdienst für Volks-, Haupt- und Mittelschüler (-Schülerinnen). Samstag, den IS. Mai d. J, um 3 Uhr nachm., in allen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. 2. Besondere Jugendgottesdienste für Mittelschüler- und -Schülerinnen für Unterklassen im II.. IX. und XX. Bezirk: Samstag, den 15. Mai d. J., um HS Uhr nachm., im Leopoldstädter Tempel, II.. Tempelgasse 5, und in den Bezirkssynagogen, IX.. Müllnergasse 21 und XX, Kluckygasse 11. Israelitäscher Festgottesdienst aus Anlaß des Staatsfeiertages. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstaltete aus Anlaß des Staatsfeiertages am Freitag, den 30. April d. J. um yt7 Uhr abends im Stadttempel einen feierlichen Gottesdienst, bei welchem Herr Überrabbiner Dr. Ta glii c h t die Festrede hielt. An diesem Festgottesdienst nahmen u. a. teil: In Vertretung des Bundeskanzleramtes Min.-Oberkomm. Fr. Bruno Suchanek in Vertretung des Bundesminisfenums für Unterricht Min.-Rat Dr. Theodor Eberstald I'J" Yf^S* d^s Bürgermeisters der Stadt Wien Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich, in Vertretung des Staatssekretärs Polizeipräsidenten Dr. Skubl Polizeirat Dr. Ludwig Priester, in Vertretung des Militärkommandos Oberstleutnant Franz Reicher, der Kultusvorstand unter Führung des Präsidenten Staatsrat Dr. Desider Fried mann und des Vize-Präsidenten Dr. S°teL Vcno' der Bethausvorstand und die Beamtenschaft der Kultusgemeinde. Ferner fanden sich zu diesem Gottesdienste eine starke Abordnung des Bundes jüd. Frontsoldaten unter Führung des Hauptmannes a. D. biegmund Edler von Friedmann und der Legitimistischen judischen Frontkämpfer unter Führung des Generalmajors i. R. Sommer ein. BeÜ den am Samstag, den 1. Mai in allen Gemeinde- und Bezirks-Synagogen stattgefundenen Jugendgottesdiensten wurde die Schuljugend über die Bedeutung des Staatsfeiertages belehrt. DANKSAGUNG! Anläßlich unserer goldenen Hochzeit und Banrtizwah-Feier unserer Enkelkinder sind uns viele ehrende Anerkennungen und wohltuende Beweise der Liebe und Anhänglichkeit zugekommen, daß wir außerstande sind, diese einzeln zu beantworten. Wir bitten daher, unseren tiefgefüiilten Dank auf diesem Wege abstatten zu dürfen. Insbesonders sagen wir herzlichen Dank dem Vorstande des Jüdischen Witwen-, Waisenhilfs- und Ausspeise Vereines im IX. Bezirk, dem Fachverein der Außenorgane der Versicherungsanstalten Oesterreichs für die vielen Ehrungen, herrlichen Widmungen und sehr gelungenen festlichen Veranstaltungen, allen Tempelvereinen und Korporationen für die Entsendung von Delegierten zu unserer Feier, sowie unserem Herrn Rabbiner Dr. Schwarz für die ehrenden und anerkennenden Wote, unserem Freunde Herrn Oberkantor Postolow für den herrlichen Gottesdienst und dem m klassischem Hebräisch vorgetragenem Mischeberach, der dazu beitrug, den Gottesdienst besonders festlich zu gestalten. Ferner danken wir allen 'Unseren Freunden für die sehr schönen Widmungen und für den Beweös treuester Freundschaft. Allen, Allen nochmals herzlichsten Dank! Josef und Berta Wein.