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Die Wahrheit · 1937-04-30 · Heft 17-18 (30.4.1937) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 17-18 (30.4.1937)
Date
1937-04-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 17 — 30. April 1937 DIE WAHRHEIT GROSSFLEISCHHAUEREI JIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 i Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenrarKoscherfleisch unter Aufsicht des ehr«?. Rabbinates der Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen gesucht werden, um die Juden von dem Elend, in dem sie jahrhundertelang gelebt hatten, zu befreien. Auf Veranlassung seines Vertrauensmannes und Beraters in jüdischen Dingen, des Professors Guülaume Levental, kaufte Baron Hirsch Ende der achtziger Jahre die ersten größeren Liegenschaften in Argentinien, um liier jüdische Emigranten aus den Oststaaten Europas anzusiedeln. Es handelte sich um von Natur fruchtbare, aber noch nicht urbar gemachte Gebiete, die nur schwach besiedelt waren und manuelle Kräfte erforderten. Zur Verwirklichung des Kolonisationsgedankens wurde dann am 10. September 1891 die Jewish Colonisation-Association, Sitz Paris, als Aktiengesellschaft mit einem Anfangskapital von 2 Millionen engl. Pfund, aufgeteilt in 2000 Anteilscheine von je 1000 Pfund, gegründet. Sämtliche Anteile übernahm Baron Hirsch selbst, bis auf 7 Stück, die er Freunden übertrug, um damit den LESET DIE WAHRHEIT! gesetzlichen Erfordernissen des Aktiengesetzes zu entsprechen. Diese 7 Aktien verteilte er unter die Herren Lord Rothschild, Julian Goldsmid, Ernest Cassel, F. D. Marcotta, Benjamin S. Cohen, alle in London, und an die Herren S. H. Göldschmidt und Salomon Reinach in Paris. Im Laufe der folgenden Jahre wurde das Aktienkapital auf nicht weniger als 7 Millionen Pfund Sterling durch ihn erhöht Kurz vor seinem Tode trat Baron Hirsch die ihm gehörigen Anteile -an die Jüdischen Gemeinden Frankfurt a. M., Berlin und Brüssel und an die Anglo-Jewish-Association ab. Im gleichen Jahre wie die Jewish Colonisation- Association, heute kurz „ICA" genannt, gründete Hirsch auf Veranlassung seines Freundes A. Jellinek den „Hirseh'schen Schulfonds in Galizien", den er mit einem Kapital von 25 Millionen Goldfrancs ausstattete und der sich die Ausbildung der Juden in Galizien und der Bukowina zur Aufgabe machte. Als nach dem Tode des Barons am 21. April 1896 sein Testament geöffnet wurde, ergab sich, daß er weitere Dutzende von Millionen anderen jüdischen Organisationen vermacht hatte. Seine ihn wenn auch nur um wenige Jahre überlebende Frau setzte das von ihrem Manne begonnene Wohltätigkeitswerk in seinem Sinne fort, stiftete in den Jahren 1896/99 allein über 60 Millionen Goldfrancs für verschiedene jüdische philanthropische Organisationen und bedachte diese in ihrem Testament mit weiteren 50 Millionen. 2 Millionen flössen den jüdischen Schulen in Jerusalem zu. Es ist bereits gesagt worden, daß der Gedanke dieses umfassenden, konstruktiven Hilfswerks für die Juden «inzig und allein dem humanitären Empfinden des Barons Hirscl; entsprang, der auf seinen Reisen im Osten die Not der jüdischen Massen mit eigenen Augen gesehen hatte und von den sich ständig wiederholenden Pogromen im Zarenreich auf das tiefste erschüttert war. Politische Zwecke lagen ihm ebenso fein wie egoistische Motive. (Schluß folgt.) Gegen antijüdische Propaganda in Italien. Von der italienischen Botschaft in Paris wurde der Jüdischen Teiegraphen-Agentur erklärt, daß der judenfeindliche Ton, der jüngst von einigen Zeitungen in Italien angeschlagen wurde, nicht der Stimmung der italienischen Regierung entspricht. Theater und Kunst, Premieren in den Wiener Theatern. Volkstheater. In Anwesenheit des Komponisten Dr. Robert K a t s c h e r gelangt heute, Freitag, im Deutschen Volkstheater „Bei Kerzenlich t", 12 Chansons um eine kleine Komödie zur Uraufführung. Die szenische Bearbeitung dieser dreiaktigen musikalischen Komödie stammt von Katscher und Ridens, Regie führt Heinrich Schnitzler, das Bühnenbild entwarf Max Frey. Die Hauptrollen haben inne: Hans Olden, Max Hansen, Josef Rehberger, Alimi Shorp, Gusti Huber. Die musikalische Leitung des Jazzorchesters hat Walter Hahn, Choreographie der vorkommenden Tänze: Hedy Pfundmayr. Kaufmannin vielen Branchen bestens versiert, sucht dringend Stellung für Innen- oder Außendienst Unter „REFERENZEN", an die „Union öster-" reichischer Juden", I., Schottenring Nr. 25 Im Theater in der Josefstadt ist am 7. Mai die Premiere der musikalischen Novität „Pariserinne n", Lustspiel mit Gesang und Tanz nach Armont und Gerbidon, von Ralph Benatzky. Die Hauptrollen werden von den Damen Pepi Glöckner-Kramer, Lotte Lang. Christi Mardayn, Jane Tilden und den Herren Erik Frey, Oskar Karl weis, Alfred Neugebauer dargestellt. Regie: Paul Kalbecic. Bühnenbilder: Otto Niedermoser. Musikalische Leitung: Frank Fox. Tänze: Fritz Klingenbeck. Kammerspiele. Die Gastspiel-Direktion Otto R u e f f wird in den Kammerspielen nach den „Paradies'-Aufführungen des Josefstädter-Theaters ein Kriminalstück „Der sonderbare Doktor Clitterhouse" von Barree Lyndon, deutsch von Rudolph Lothar, herausbringen. Die Hauptrolle wird Ernst Deutsch spielen. Die Regie ist Paul B a r n a y übertragen. Leo Reuß als Staatsanwalt Bary. Am 1. Mai „Die Sendung Semaels" in den Jüdischen Kiinstlerspielen, IL, Praterstraße 34. Leo Reuß, der Kaspar Brandhofer des Josefstädtertheaters, beginnt am 1. Mai in den Jüdischen Künstlerspielen sein Gastspiel. Er tritt in Arnold Zweigs Ritualmordtragödie „Die Sendung Semaels" in der Rolle des Untersuchungsrichters und Staatsanwalts Dr. Bary auf. Das Bühnenwerk wurde seinerzeit in der Neuen Wiener Bühne in großer Starbesetzung und mit durch- ' schlagendem Erfolg aufgeführt. Die Rolle des Moritz Scharf spielte damals Elisabeth B e r g n e r und jetzt Jenny Lovic. Das Stück wurde von A. M e i s e I s ins Jiddische übersetzt und dramaturgisch bearbeitet. Die Bühne wurde für diese Aufführung umgebaut und erweitert. Die Musik, die in der Aufführung eine wichtige Funktion hat, ist ein Werk des Hauskapellmeisters Lubetzky. Diese Aufführung, deren Regie E. Hirschfeld innehat, wird zweifellos ein Höhepunkt in der Saison des Jüdischen Theaters sein. Karten sind an der Tageskasse und telephonisch unter R 45-4-94 zu haben. |X1fetfct)aftttd)e fficratUngsftene in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden1'. Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung DoUkommen unentgeltliche Auskunft. Derficfreriingsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Jüdische VMtemehmexi Denkt an die jädisdien i undfordertanläßlichderFruhjahrssaisondenBedarfanAn- _ — gestellten und Arbeitern aller Kategorien beim jüdischen m^^km ^^^BßmWlSlOSen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien /., Kohlmessergasse 4 j Fernruf U27-0-65 o Arbeit Mitteilungen der Union. Aus der Rechtsschutzarbeit der „Union". Der „Union" wurde vor einigen Tagen die Mitteilung gemacht, daß anläßlich einer Versammlung der „Vaterländischen Front" in der Leopoldstadt ein Redner, und zwar der Rat der Stadt Wien Holaubek eine gehässige, beschimpfende Aeußerung den Juden der Leopoldstadt gegenüber gebraucht hat. Die „Union" hat den Tatbestand an die Vaterländische Front, Landesführung Wien, mit der Bitte um Einleitung einer Untersuchung und Bekanntgabe des Ergebnisses weitergeleitet und ist zur Veröffentlichung folgender Erklärung ermächtigt: „Die über Ihre Anzeige eingeleiteten Erhebungen haben schon jetzt ergeben, daß die dem Herrn Rat der Stadt Wien Holaubek in den Mund gelegte Aeußerung nicht gebraucht wurde. Die Erhebungen werden weiter gepflogen und wird Ihnen das Resultat derselben nach Abschluß bekanntgegeben werden." Mitglieder und Freunde der „Union österreichischer Juden "t Im Zuge der Aufbauarbeit der „Union österreichischer Juden" hat das Exekutiv-Komitee den Beschluß gefaßt, die Bibliothek der „Union" zu erweitern. Die schönen Räume unseres Heimes bieten den Mitgliedern und Freunden der „Union", die den Wunsch, die Zeit und Muße haben, gute Bücher und Zeitschriften zu lesen, eine willkommene Gelegenheit, in einer Lesehalle die Bibliothek in Anspruch zu nehmen. Es ergeht daher an unsere Mitglieder und Freunde die Bitte, der „Union österreichischer Juden" Bücher und Zeitschriften zu spenden. Sie erfüllen dadurch namentlich für unsere heranwachsende Jugend eine lobenswerte Pflicht Hauptsächlich erbitten wir für diese Bibliothek Bücher belehrenden, historischen, biographischen und jüdisch-wissenschaftlichen Inhalts in deutscher, aber auch in englischer, französischer, italienischer oder in einer anderen europäischen Sprache, zumal: unserer heranwachsenden Jugend Gelegenheit gegeben werden soll, sich geistig weiterzubilden. Es: ist auch schon eine große Anzahl von Bücherspenden eingelangt. Wir sind damit befaßt, den Katalog der Bibliothek fertigzustellen. Ueber Wunsch wird auch bei telephonischem Anruf (A 19-2-77) ein Bote die Bücher abholen. Wir hoffen zuversichtlich, daß unser Appell — in Würdigung der von uns angeführten Umstände und des guten Zweckes — den gewünschten Erfolg zeitigen wird. Union österreichischer Juden Der Präsident: Reg.-Rat Dr. Hennann Oppenheim.

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