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Die Wahrheit · 1937-04-30 · Heft 17-18 (30.4.1937) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 17-18 (30.4.1937)
Date
1937-04-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 17 — 3q.j\prii_193tf Seite 5 Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Buchhandel. In der neuesten Nummer der im Zentralverlag Franz Eher, München, erscheinenden Zeitschrift „Der Buchhändler im Neuen Reich" war ein Leitaufsatz von Wilhelm Baur, dem für den deutschen Buchhandel maßgebenden Mann in der Reichsschrifttumskammer (Vorsitzender Hanns Jon st) zu lesen, aus dem hervorgeht, daß ab 1. April 1937 allgemein« Buchhandlungen mit jüdischen Inhabern in Deutschland vernichtet sind. In diesem Absatz behandelte nämlich ein Kapitel folgendermaßen Die Judenfrage im Buchhandel. Auf Grund der mir vom Pg. Hanns Johst*) ■übertragenen Vollmachten habe ich auch vor kurzem die Liquidation einer Angelegenheit eingeleitet, die sowohl Hanns Johst, wie mir besonders am Herzen lag: die restlose Entfernung des Judentums aus unserem Buchhandel. Wenngleich das Judentum früher im Buchhandel eine ganz maßgebliche Rolle spalte, so war es zahlenmäßig stark nur im Verlag und bei Antiquariaten vertreten. Verschiedentlich nisteten sich Ostjuden aber auch in Leihbüchereien ein. Ein Teil des Judentums gab bereits seine Stellung auf, noch bevor wir mit der Ausmerzureg begannen. Unterm 31. Dezember 1935 wurden jedoch alle Voll- und Halbjuden aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Vor einigen Wochen konnte auch erreicht werden, daß diese Juden, die bis jetzt noch das Recht hatten, ihre Geschäfte weiterzuführen, mit Wirkung vom 31. März 1937 endgültig aus unserem Beruisstand verschwinden! Wer bis dahin nicht endgültig verkauft oder liquidiert hat, dessen Laden wird polizeilich geschlossen! Die wenigen Ausnahmen, die dann in Deutschland noch existieren, werden an einer Hand abzuzählen sein und diese werden entsprechend überwacht. Das Judentum als eigene Rasse wird aber die Möglichkeit haben, innerhalb seiner Kulturorganisation eigene jüdische Buch-, handlungeri zu führen. Wir werden in allen größeren Städten eine solche Buchhandlung dulden, die aber von außen entsprechend deutlich kenntlich gemacht wird, daß irgend welche Zweifel nicht auftauchen können. Diese jüdischen Buchhandlungen werden dann dem Judentum allein dienen dürfen. Wenn es auch vollkommen überflüssig ist, die Leistungen eines Buchhändlers und Verlegers auf Grund seiner Religion oder Abstammung zu bewerten, da es sich um kulturelle oder geschäftliche Leistungen handelt, die von der Religion und Abstammung nicht beeinflußt sein dürften, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß das wissenschaftliche und kulturelle Leben Deutschlands den jüdischen Antiquaren, Buchhändlern und Verlegern außerordentlich viel zu verdanken hat. Der Verlag S. F i s c h e r (von Samuel Fischer 1886 begründet) erwarb Weltruhm. Fischer war nicht nur ein Bahnbrecher des Naturalismus, sondern ein Förderer unbekannter Talente. In seinem Verlage erschienen die Werke der führenden Geister der modernen deutschen Literatur, so die eines Gerhart Hauptmann und Thomas Mann; durch die klassischen Uebersetzungen der Werke Henrik Ibsens und Björnstjerue Björnsons *) Hanns Johst gehörte in den Nachkriegsjahren zu den 1 i n k s r a d i k a 1 e n Schriftstellern, es fehlten ihm aber zum Erfolge die künstlerischen Qualitäten. Später wurde er vom Verlag Franz Eher Nachfolger in München geholt, um Hitlers „Mein Kampf", dessen erste Auflage wegen der Stil- und Formlosigkeit des Inhalts auch in äußerst rechten deutschen Kreisen eine scharfe Kritik fand, stilistisch zu verbessern. Er tat dies anläßlich jeder weiteren Auflage wieder und wurde, als Hitler zur Macht kam, von diesem zum Intendanten der Staatstheäter ernannt.. Als solcher ließ er vornehmlich seine eigenen schlechten antisemitischen Stücke aufführen; in einem derselben kommt die in der ganzen Welt berüchtigt' gewordene Dialogstelle vor: „Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Revolver." Er konnte sich selbstverständlich als Intendant nicht halten und wird nun, wie man aus obigem Artikel sieht, zur „Reinigung" •des'Buchhandels verwendet. schuf er die Verbindung zwischen Deutschland und diesen großen nordischen Dichtern. Neben den Verlegern Cassirer, Erich Reis und anderen sei nur der Verlag Georg Bondi in Berlin erwähnt. Er hat es verstanden, das große Werk Stefan Georges und seines Kreises der deutschen Kultur verlegerisch zu erschließen. Man wird sich erinnern, wie gerade dieser eigenartige und einzigartige Dichter bei seinem Tode selbst vom Dritten Reich gefeiert wurde. Der Verlag I. C. H i n r i c h s in Leipzig, in dem Adolf von Harnack seine bahnbrechenden Werke über die Geschichte des Christentums, die Deutsche Orientgesellschaft ihre bedeutsamen Veröffentlichungen und eine große Anzahl führender Theologen und Orientalisten ihre wissenschaftlichen Werke publiziert haben, ist ebenfalls bis zum Beginn des Dritten Reiches in nichtarischen Hän den gewesen. Der Verlag Ullstein in Berlin und der Verlag Georg M ü 11 e r in München haben literarische, geschichtliche und kunstgeschichtliche Werke zur Bereicherung der deutschen Kultur mit einem vorbildlichen Unternehmungsgeist und großem finanziellen Einsatz herausgegeben. Achtung! Endlich! Inmitten der allgemeinen Preissteigerung ist die in Betrieb gesetzte WurstundSelchwarenfabrik doch in der Lage, der jüdischen Bevölkerung alle Sorten la. streng-orthodox 120 Selchwaren zu bedeutend reduzierten Preisen zu liefern! En gros! En detail! Einmaliger Versuch genügt! fleischfiaiierci n IB1WCTdNr, Brflder Stadler, leieion a 43-3-20 KURZWELLEN KURANSTALT „HELIA", I., FLEISCHHARKT 7 das modernste Heilverfahren Unter vielen Verlagserscheinungen sei hier nur die großartige Propyläen-Kunstgeschichte, eine Nachkriegsleistung, hervorgehoben. Was die Namen Martin Breslauer, Berlin, Rosenthal in München, Bae r in Frankfurt für das Antiquariat weit über Deutschlands Grenzen hinaus bedeuten und welche deutschen Kulturleistungen in den Katalogen dieser jüdischen Firmen liegen, weiß jeder Fachmann. Moritz von Hirsch, Freiherr auf Gereuth und sein Werk. Wenn einmal in Jahr und Tag das Buch deutscher Juden am Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben werden wird, wird sicherlich in diesem in jeder Hinsicht vielserßgen Werkeneben den Männern Haber, Hertz, Ehrlich, Ballin, Rathenau, Liebermann und vielen anderen ein besonders lesenswertes Kapitel dem Lebenswerk eines Mannes gewidmet sein, von dem der heutigen Generation nur noch der Name bekannt ist. Und dennoch hat dieses Werk gerade in diesen Jahren jüdischer Geschichte eine Bedeutung erlangt, die weit über diejenige ähnlich gearteter Organisationen hinausragt und die es wert erscheinen läßt, Moritz von Hirschs als des Gründers der J e w i s h C o 1 o n isation-Association und der verschiedenen Fonds, die den Namen des Barons Hirsch tragen, zu gedenken. Schon die Tatsache, daß ein einzelner Mensch aus seinen persönlichen Mitteln einen Betrag von über 400 Millionen Goldmark für wohltätige Stiftungen hergab, genügt, um Interesse für diese Persönlichkeit zu erwecken. Die Geschichte der Juden kennt keinen zweiten, der ähnlich große Beträge für das Wohl der Allgemeinheit und zumal für die notleidenden Glaubensgenossen geopfert hat. Moritz von Hirsch wurde am 9. Dezember 1831 in München als der Sohn des damaligen Hofbankiers Josef von Hirsch (1805—1885) geboren. Sein Großvater, der den gleichen Vornamen trug, hatte durch große finanzielle Transaktionen auf landwirtschaftlichem Gebiete ein großes Vermögen erworben, war Freund und Vertrauensmann des Großherzogs von Toskana und Ludwigs I. von Bayern gewesen und wurde von diesem im Jahre 181S zum Baron Hirsch auf Gereuth ernannt. Während der Freiheitskämpfe in den Jahren 1813/15 hatte der damals noch ungeadelte Moritz Hirsch auf eigene Kosten ein Regiment aufgestellt und eingekleidet und sich auch sonst Verdienste um den bayerischen Staat erworben. Sein Sohn Josef hatte die Tätigkeit des Vaters fortgesetzt, ein eigenes Bankhaus in München und Würzburg errichtet, den Bau bayrischer Eisenbahnen finanziert und war daraufhin in den Freiherrnstand erhoben worden. Der junge Moritz von Hirsch ging als Zwanzigjähriger im Jahre 1851 nach Brüssel und trat dort in das seinem Vater befreundete Bankhaus Bfischoffsheim & Gofdschmid, ein. foach einiger Zeit heiratete er die Tochter des Hauptinhäbers der Firma, eiara Bis&ofenäm,!1 und übernahm die Leitung der Pariser Filiale des Unternehmens. Zur gleichen Zeit als sein Vater zum Freiherrn gemacht wurde, erhielt Moritz von Hirsch von der Hohen Pforte in Konstantinopel die Konzession zum Bau weiter Eisenbahnstrecken in der Türkei, und bald darauf bekam er ähnliche Aufträge von der österreichischen und von der russischen Regierung. In wenigen Jahren konnte Baron Hirsch infolge dieser Staatsaufträge sein ohnehin schon beträchtliches Vermögen vervielfachen. Nach einigen Jahren Aufenthalts in der Türkei kehrte er in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach Paris zurück und unterstützte hier zunächst mit namhaften Summen die Alliance Israelite Universelle und finanzierte deren Erziehungsiwerk im Nahen Orient. Weitere beträchtliche Beträge gab er notleidenden jüdischen Gemeinden in Rußland, Polen und Galizien. Auf dem Berliner Kongreß intervenierte er persönlich zu Gunsten der starken jüdischen Bevölkerung in den neugeschaffenen Donau-Fürstentümern und auf dem Balkan. Nicht nur jüdische Organisationen profitierten von der Gebefreudigkeit des großherzigen Pariser Philanthropen. Im russisch-türkischen Kriege stiftete er Millionen für das Sanitätswesen der kriegführenden Staaten, und nicht geringere Summen flössen den royalistischen Bestrebungen jener Zeit in Spanien und Frankreich zu. Selbst der Heilige Synod Rußlands konnte sehr ansehnliche Summen, die aus der Tasche des jüdischen Barons stammten, für seine Zwecke kassieren. Diese Dotationen für ausgesprochen reaktionäre Institutionen und Organisationen zeigen den absolut unpolitischen und konservativen Charakter Moritz von Hirschs, und auch bei den Spenden für seine Glaubensgenossen ließ er sich lediglich von humanitären Beweggründen leiten. Sein Wille war, nicht nur bestehende Not zu lindern, sondern dem Elend der jüdischen Massen durch die Organisierung eines umfassenden Hilfswerks ein Ende zu machen und ihr kulturelles Niveau zu heben. Zuerst war es seine Absicht gewesen, in Rußland selbst die Kolonisation der Juden durch Massenumschichtung vorzunehmen. Er erklärte sich bereit, zu diesem Zwecke zunächst einen Betrag von etwa 50 Millionen Goldmark zur Verfügung zu stellen, doch scheiterte der Plan an der Opposition Alexanders III. und eben jener kirchlichen Behörde, die zuvor Riesensummen von ihm erhalten hatte. Es mußte daher ein anderer Weg

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