Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 17-18 (30.4.1937)
- Date
- 1937-04-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 17 - 30. April 1937 Seite 3 : Wir empfehlen die guten, modernen W*IIIIF/<#Fr\ Autou. Motorradschuleir i ntUDEQQtR ÄÄH55H Auch die jüdischnationalen Wähler werden zu der Erkenntnis gelangen, daß es sich den Jüdischnationalen im Wahlkampfe darum gehandelt hat, die Macht über die Steuerzahler zu verstärken, um dann die Parteiinstitutionen mit den Steuerfeldern auszubauen und ihren Protektionskindern fette Pfründen mit Pensionszusicherung zuzuschanzen. Die Vertreter der „Union" werden in den Steuerkommissionen auf der Wacht sein müssen, damit nicht Willkür und Ungerechtigkeit das ohnehin ramponierte Ansehen der Kultusgemeinde noch mehr herabsetze. Der erfreuliche Zuwachs an Mitgliedern der „Union" in allen Bezirken Wiens ist der untrügliche Beweis, dalJ :lie Wiener Judenschaft der „Union" das größte Vertrauen entgegenbringt Herr Präsident Dr. Oppenheim kann versichert sein, daß wir Unionisten immer an seiner Seite stehen werden. Er Avird aus dem Kampfe um die Wahrung des Rechtes, der Gerechtigkeit, der Reinheit und der Würde unserer altehrwürdigen israelitischen Kultusgemeinde als Sieger hervorgehen. Ben Ascher. Die Auflösung der Bne Brith in Deutschland. Bne-Brith-Weltleitung appelliert an Staatssekretär Hüll. Der Präsident des Weltverbandes der Bne Brith M. Cohen hatte mit dem Staatssekretär der amerikanischen Regierung Cordell, H u 11 eine längere Unterredung betreffend Intervention bei der deutschen Regierung wegen Rückgängigmachung der Austreibung der Insassen der Bne Brith-Institutionen. Den gleichen Appell an Cordell Hull richteten der Verbandsrat der Kirchen und das American Jewish Committee. Besetzung der Bne Brith-Institutionen durch SS-Leute. Wie aus Berlin telegraphiert wird, wurden sämtliche Bne Brith-Qebäude in Deutschland — nach Auflösung der in ihnen untergebrachten philanthropischen, sozialen und kulturellen Institutionen und Aussetzung der Greise, Kranken und Kinder aus den Heimen — von SS-Leuten besetzt. Das Logenhaus in der Kleiststraße, Sitz der Großloge von Deutschland und der Mehrzahl der Berliner Logen der Bne Brith, ein großer Mittelpunkt für jüdische sozial-kulturelle Arbeit in Berlin, in dem mehrere große Fest- und Versammlungssäle vorhanden sind, wurde von einem über ICO Mann starken Aufgebot der SS besetzt. Auflösung der Kant-Loge in Königsberg. Die Kant-Loge, dereii Mitglieder sich hauptsächlich aus Juden zusammensetzten, wurde aufgelöst und ihr Vermögen zugunsten des Staates beschlagnahmt Sämtliche in jiddischer und in polnischer Sprache erscheinenden Warschauer jüdischen Tageszeitungen wurden wegen Veröffentlichung der JTA-Berichte über die Austreibung der jüdischen Greise, Kranken und Kinder aus den Häusern der aufgelösten Bne Brith-Logen in Deutschland konfisziert. Die Behörde erblickte in den Berichten eine Herabsetzung der deutschen Regierung. Die «Jüdische Überflutung" Ungarns. In der ungarischen Presse dauert die Diskussion über die Szegeder Rede des Ministerpräsidenten D a r a n y i fort. Die antisemitischen Zeitungen und Versammlungsredner geben den Aeußerungen des Ministerpräsidenten über die angeblich unverhältnismäßig große Zahl der Juden in Ungarn, ihren angeblich dominierenden Einfluß auf das Wirtschaftsleben und die Rolle der „Galizianer" eine direkt antisemitische Deutung. Demgegenüber stellt der der Regierung nahestehende „Pester Lloyd" fest, daß die Vermehrung der Juden in Ungarn durch Einwanderung nicht länger als bis 1870 gedauert hat. Der Statistiker Dr. Alois Kovacs stellt laut „Pester Lloyd" in seinem Werk „Raumgewinn der Juden in Ungarn", das als statistisches Kompendium des Antisemitismus gelten kann, wörtlich fest: „In allen vier Jahrzehnten von 1870 bis 1910 ist der tatsächliche Zuwachs der Juden geringer, als er kraft des Geburtenüberschusses hätte sein sollen, was so viel bedeutet, daß in den letzten vier Jahrzehnten mehr Juden aus Ungarnaus-, alsindasLandeingewandert sind." Dieser Wanderungsausfall betrage nach Kovacs sogar mehr als 100.000 Seelen. Die Zahnpasta? iiilSliiiii^ "Blendend | iveisseßäkäe^ ixdeU „Pester Lloyd" führt weiter aus: Die große jüdische Einwanderungswelle fällt in die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Die Nachkommen jener Eingewanderten können heute mit Recht als Alteingesessene gelten. Die letzten Jahrzehnte aber brachten kein Einwanderungsplus mehr, im Gegenteil: seit 1870 haben bedeutend mehr Juden das Land verlassen, als hereingekommen sind. Vor dem Kriege hatte das ungarische Judentum einen bedeutenden natürlichen Zuwachs. Nach dem Kriege hat dieser Zuwachs aufgehört, die absolute und die relative Seelenzahl der jüdischen Bevölkerung geht rapid zurück. Die absolute Verminderung betrug im Jahrzehnt 1920—1930 6,1 Prozent infolge enormen Sinkens der Geburtenrate bei den Juden. Jetzt machen die Juden etwa 5 Prozent der Gesamtbevölkerung Ungarns aus; in den Jahren 1932—1934 aber bewegte sich die Verhältniszahl jüdischer Kinder unter den Neugeborenen zwischen 2,4 Prozent bis 2,5 Prozent. Es ist leicht zu errechnen, daß sich hieraus ein rapides Sinken der absoluten und der relativen jüdischen Bevölkerungszahl in nicht ferner Zukunft ergeben wird. Die Juden in Pommern. Vorbemerkung. Von den Juden Pommerns spielte vor 1933 ein Teil als Inhaber großer Geschäfte (Warenhäuser usw.) und als Fabrikanten in der Hauptstadt Stettin eine wirtschaftlich angesehene Rolle. Daneben gab es aber eine Reihe kleinerer Städte mit der Zahl nach nicht unbeträchtlichen jüdischen Bevölkerung. Die Juden betätigten sich als Getreidehändler (darunter große Firmen), Viehhändler und Inhaber offener Ladengeschäfte, ebenso als Anwälte und Aerzte. Die wirtschaftliche Entwicklung nach Kriegsende und nach der Inflation, vor allem die Not der Landwirtschaft, von deren Gedeihen das wirtschaftliche Leben Pommerns entscheidend abhängt schadeten zwar dem jüdischen Handel und Gewerbe beträchtlich. Durch die Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung wurde das gesamte jüdische Leben aber entscheidend getroffen. Eine große Zahl Existenzen ist vernichtet, die übrigen zu einem großen Teile von Vernichtung bedroht. In welcher Weise dieser furchtbare Vernichtungskampf vor sich geht, darüber informiert der folgende, uns von informierter Seite zugegangene Bericht der die "Verhältnisse in einer einzigen preußischen Provinz illustriert, aber symptomatisch für die traurige Gesamtlage des deutschen Judentums ist. I. Handel und Gewerbe. Nach einer Statistik aus dem Jahre 1929 lebeten in Pommern ca. 7800 Juden. Anfang 1937 waren es nicht mehr als 5000. Die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, vor allem seit 1933, zwangen die finanziell starken Existenzen zum Verkauf oder Verpachten ihres Besitzes, um so wenigstens einen Teil des Vermögens zu retten. Die schwachen Existenzen gingen automatisch zu Grunde. Die Stettiner Gemeinde als einzige Groß-Gemeinde der Provinz zählt heute keine 2000 Seelen mehr, gegen ca. 2800 im Jahre 1929. Durch Abwanderung der Hauptsteucrzahler ist schon im laufenden Etatsjahr mit Schwierigkeiten zu rechnen. Der gleiche Zustand herrscht in 95 Prozent aller pommerschen Ortschaften. Von jeder stellte in Pommern der Getreidehandel das finanzielle Rückgrat der jüdischen Bevölkerung dar. Im Jahre 1933 gab es in Pommern ca. 55 jüdische Getreidefirmen, von denen einige schon in den Jahren 1785 bis 1800 gegründet waren. Es handelt sich zum Teil um Großunternehmen mit Millionenumsätzen, die sich nach den starken Verlusten durcli „Osthilfe" und „Umschuldung" — so hießen die Sanierungsmaßnahmen der preußischen Regierung vor 1933 — wieder leidlich emporgearbeitet hatten. Durch diese staatlichen ZwangLwergleiclie sind Einbußen bis zu dreiviertel Millionen Mark bei einzelnen Firmen zu verzeichnen gewesen. Heute existieren keine 10 jüdischen üetreideiirmen mehr, von dunen auch nur ein Teil noch auf seine Kosten kommen kann. Der überaus starke Druck auf die Landwirte, die NichtZuteilung von Futtermitteln und sonstige Schikanen des „Reichsnährstandes" (Darre) hat dieses ehemals blühende jüdische Gewerbe völlig vernichtet. Die Situation der Vieh- und Pferdehändler ist ähnlich. Für sie — es dürfte sich um ca. 25 Geschäfte, zum Teil kleinsten Umfangs handeln — werden die neuen Konzessionsvorschriften zum Verhängnis werden. Es soll die Neukonzessionierung von einer Prüfung der persönlichen und fachlichen Eignung sowie der für den Handel erforderlichen Geldmittel abhängig gemacht werden. Das bedeutet in Praxis eine Vernichtung der jüdischen Existenzen. Ganz verzweifelt ist die Lage der T e x t i 1geschäfte und jener Läden, in denen alles zu kaufen ist, vom Hering bis zu Eisen- und Hausgeräten und Konfektion. Mindestens 60 Prozent der 1933 in jüdischen Händen befindlichen Geschäfte sind verloren gegangen. Die ehemaligen jüdischen Besitzer sind nach Berlin verzogen und essen nach und nach den Verkaufserlös auf. Bei Verpachtungen sind z. T. böse Erfahrungen gemacht worden!,, da die „arischen" Pächter, gestützt durch Dienststellen der NSDAP, ihren Verpflichtungen! nicht nachkommen. Ein Grund ist leicht gefunden. Die in Dörfern und kleinen Landstädten lebenden Geschäftsleute gehen zu Grunde. Tageskassen von 5 bis 20 RM. gegenüber früher 100 bis 300 RM. sind das gewöhnliche. Ein bescheidener Ersatz wird durch Hausierhandel erzielt. Fast alle zu der vorbezeichneten Gruppe gehörenden Katifleute „handeln über Land" per Auto oder Fahrrad. Es ist eine mühselige und aufreibende Arbeit. Parteistellen und Landjäger achten scharf auf die Käufer. Repressalien sind an der Tagesordnung. Kinder zeigen ihre Eltern an, wenn sie bsi Juden kaufen. Nur bei Dunkelheit ist ein Geschäft möglich. Das gilt auch für die Ladengeschäfte. Infolgedessen ist das Geschäft im Winterhalbjahr mit seinen langen Abenden bei den Jucen besser. Der Altmaterialienhandel der Juden ist durch die im Rahmen des Vierjahresplanes durchgeführte Sammelaktion schwer gefährdet. Die aufkommenden Mengen dürfen an Juden nicht verkauft werden. Den jüdischen Fellhändlern ist der Zutritt zum Stettiner städtischen Sohlachthof verboten, da sie nicht ortsansässig sind. Sie wohnen in den Vorstädten. Die zuständigen Stellen der NSDAP üben in der ganzen