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Die Wahrheit · 1937-04-16 · Heft 15 (16.4.1937) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 15 (16.4.1937)
Date
1937-04-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 15 — 16. April 1937 DIE WAHRHEIT schuldigung eines Verrates am Deutschtum nicht gelingen! könnte. Schließlich hat ja das Ausland auch ein Interesse, sich selbst in einem deutschen Lexikon' unparteiisch behandelt und nicht im Zerrspiegel der Nazi entstellt zu sehen. Auch eine Unterstützung seitens Oesterreichs, der Schweiz und der Tschechoslowakei wäre notwendig. Ueberdies müßten die Mitarbeiter und speziell die' Nachkommen früherer Mitarbeiter auf Grund des Urheberrechtes gegen die Benützung der entsprechenden Beiträge im Hinblick auf die geänderte Tendenz des Verlages Einspruch erheben, dadurch das Erscheinen des Werkes unmöglich machen oder aufs äußerste erschweren und die entsprechenden Beiträge dem neuen Unternehmen zur Verfügung stellen. Bei Gerichten außerhalb Deutschlands fänden die Besitzer der Urheberrechte Unterstützung. Es müßte überhaupt den Nazi1 die Freude am Begeifern verdorben werden ... Aus Palästina. Wieder ein jadisches Todesopfer. Siedlungsfrau aus Deutschland erschossen. Der Araberterror in Palästina hat am vergangenen Samstag wieder ein jüdisches Todesopfer gefordert. In der am Jarkonffluß gelegenen Siedlung Jarkona, nördüich von Petach Tikwa, wurde die 38jährige Kolonistenfrau Mali Engelhardt, als sie in den Stall ging, um das Vieh zu füttern, von Terroristen angeschossen. Sie wurde durch eine Kugel schwer verletzt. Wie später im Krankenhaus von Petach Tikwa festgestellt wurde, hat es sich um ein Dum-Dum-Geschoß gehandelt. Nach wenigen Stunden erlag Frau Engelhardt, die aus Deutschland eingewandert war, ihren Verletzungen. Sie hinterläßt einen Mann und zwei Kinder. Der Mord hat im ganzen Jischuw ungeheure Erregung hervorgerufen. Die Nachforschung nach den Tätern wurde von der Polizei sofort aufgenommen. Man vermutet, daß sie unter den Bewohnern der benachbarten arabischen Dörfer zu suchen sind. Terror gegen gemäßigte Araber. Der Terror gegen den gemäßigten Teil der arabischen Bevölkerung Palästinas hält unvermindert an. Am Samstag wurde um Mitternacht der Vizebürgermeister von Tiberias, Ibrahim Jussuf, auf dem Rückwege von einer Hochzeit in dem arabischen Dorf Schafraam e r s c h o issen. Jussuf, der von Beruf Rechtsanwalt war, hatte sich geweigert, an dem Streik der arabischen Stadtverwaltungen teilzunehmen. Ein zweiter Araber wurde am Sonntag zwischen den Siedlungen Jarkona und Petach Tikwa tot aufgefunden. Im Zusammenhang mit der Tat wurden vier Juden, darunter zwei Revisionisten aus Petach Tikwa, verhaftet, bald darauf jedoch wieder freigelassen, da sich keine Verdachtsmomente gegen sie ergaben. Vier Araber, unter ihnen zwei Führer von Streikkomitees in Dörfern bei Jerusalem, wurden beim Verlassen der Omar-Moschee angeschossen. Zwei wunden schwer verletzt. Der Feuerüberfall kam aus drei Richtungen. Sämtliche Angreifer entkamen. Kantonisierungsplan vor dem englischen Parlament? Wie die Agence d'Orient zu melden weiß, wird der Plan der Einteilung Palästinas, der von der Kgl. Kommission angeblich vorgeschlagen werden soll, dem englischen Parlament zur Beratung ■unterbreitet werden. Gemäß diesem Plan Wierde — so heißt es in der Meldung der Agence d'Orient — den Juden bloß ein Viertel des Landes zufallen, während der arabische Kanton drei Viertel des Landes umfassen soll. Haifa werde als gemeinsamer Hafen der beiden Kontone unter englischer militärischer Kontrolle erklärt werden. Der arabische Kanton werde ebenso wie der jüdische eine Vertretung im Völkerbund erhalten. Vom Grünbaum, der goldene Blätter hat gewollt. Man erinnert sich an das sinnreiche Märchen von dem Tannenbaum, der sich mit den bescheidenen, ihm von der Natur verliehenen immergrünen Blättern nicht begnügt, sondern mit goldenen und silbernen prunken möchte, wenn man folgende Anpreisung des als Redner angekündigten Präsidenten des Zionistischen Landesverbands Doktor OskaT Grün bäum in den vom Zionistischen Landesverband herausgegebenen „Mitteilungen der Zionistischen Bezirkssektion Favoriten" liest: „Zweifelsohne ist Dr. Grünbaum nach Theodor Herzl die markanteste Persönlichkeit, die Oesterreich der zionistischen Bewegung segeben hat. Seinem Ideenreichtum und seiner Tatkraft ist es zu danken, daß die zionistische Idee in Oesterreich so viele Anhänger gewonnen hat Gehaßt von den Assimilanten und jenen, die die Zionistische Organisation in einen Haufen sich bekämpfenden Gruppen und Griippchen m achen wollen, geehrt und geachtet von jenen, denen es ernst um ihren Zionismus und ihre Liebe zum jüdischen Volke ist, führte Doktor Grünbaum den Zionistischen Landesverband, dessen Präsident er seit sieben Jahren ist, zur heutigen Höhe." Wenn diejenigen Recht haben, die dieses groteske Lob als — Selbstlob deuten, weil es denpenetranten Duft eines solchen spüren läßt, dann wäre dies ein Symptom, daß die UeberhebJichkeit des zitierten Märchen-Tannenbaums unter den Grünbäumen bereits epidemisch zu werden beginnt. Wir haben vom jüdischnationalen Zionismus, dessen „Ideenreichtum ..und Tatkraft" bisher nicht ausgereicht hat, die versprochene jüdische Heimstätte in Palästina zu sichern, dafür aber zur Versorgung jüdischnationaler Bonzen in reich dotierten Aemtern der Wiener Kultusgemeinde, wahrhaftig keine besonders hohe Meinung; aber so weit, daß wir Dr. Grünb>aum als die markanteste Persönlichkeit des österreichischen Zionismus nach Theodor Herzl gewertet hätten, hat steh unser „Assimilantenhaß" denn doch nie verstiegen. Wir wissen, daß auch im zionistischen Lager die Ansichten hierüber sehr geteilt sind. GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfurKoscherfleisch unter Aufsicht das ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Jüdische 'Unternehme*! Denkt an die jüdischen und fordert anläßlich der Frühjahrssaison denBedarf an Angestellten und Arbeitern aller Kategorien beim jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien l. Arbeit islosen Kohlmessergasse 4 / Fernruf U27-0-65 an Iffittfcftqftticfte ffiecatungsftelte in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisation - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER; jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19 2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung DOllhommen unentgeltliche Auskunft. Derfidjerungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namhafte BeaUumtlauu» der PrämleusStz». Die „vertraulichen" Plenarsitzungen In einer am Dienstag, den 6. d. M., abgehaltenen Versammlung der zionistischen Bezirkssektion 1 hielt der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Staatsrat Dr. D. Friedmans einen Vortrag über Angelegenheiten der Kultusgemeinde. In diesem Vortrage hat Herr Dr. Friedmann, wie wir von durchaus vertrauenswürdiger Seite erfahren, verschiedene Mitteilungen gemacht, die sich auf Vorgänge in nichtöffentlichen Sitzungen des Wiener Kultusvorstandes bezogen. Einige der Mitteilungen, die der Präsident in einer öffentlichen jüdischnationalen Versammlung bekanntgab, stammen aus geheimen Sitzungen des Kultusivorstandes, einige sogar aus einer nichtöffentlichen Sitzung des Vertreterkollegiums und betreffen eine bis nun im Kultusvorstand noch nicht erledigte Angelegenheit. Herr Dr. Desider Friedmann ist als Präsident der Kultusgemeinde bekanntlich sehr darauf bedacht, daß in öffentlichen Sitzungen des Kultusvorstandes seitens der unionistischen Opposition keine Mitteilungen über Vorfälle in den nichtöffentlichen Sitzungen des Kodtusvorstandes gemacht werden. Er hat erst kürzlich wieder einen aminonistischen Redner, der zur Charakteristik der jüdischnationalen Parteiherrschaft Dinge aus einer nichtöffentlichen Sitzung des Kultusvorstandes berichten wollte, und zwar Dinge, die heute schon überall bekannt sind, in seinen Ausführungen mit der Feststellung unterbrochen, daß die Bekanntgabe dieser Vorfälle mit Rücksicht auf die anwesende Oeffentliohkeit nicht statthaft sei. Und nun gibt der Herr Präsident selbst in einer jüdischnationalen Versammlung ungeniert im Parteiintern esse „präparierte" Darstellungen aus vertraulichen Sitzungen der Kultusgemeinde. Die unionistischen Kultusvorsteher wären sehr begierig, eine Erklärung dieses Zwiespaltes zwischen dem „objektiven" Präsidenten und dem jüdischnationalen Versammlungsredner Dr. Friedmann kennenzulernen. Bevölkerungsstatistik der ungarischen Juden. Im Rahmen des sozialen Lehrkurses der Pester Isr. Kultusgemeinde und des Isr. Landespatronagevereines hielt Gemeinde-Generalsekretär Alexander E p p 1 e r einen Vortrag über die Fürsorgetätigkeit der isr. Glaubensgemeinschaft. Er führte u. a. aus. Der prozentuelle Anteil der Juden Budapests an der Gesamtbevölkerung ist von 1900 bis 1930 von 23,6 auf 20,3 zurückgegangen. Während bei den übrigen Glaubensgemeinschaften die Zahl der Geburten seit 1900 nur um 27 Prozent zurückgegangen ist, beträgt die Verringerung bei den Israeliten 65 Prozent. Während bei den niohtjüdischen Glaubensgemeinschaften der Zuzug in die Hauptstadt um 27 Prozent zugenommen hat, hat der der Israeliten um 9 Prozent abgenommen, weil aus der Provinz immer weniger, aus dem Auslande überhaupt keine Juden mehr nach Budapest übersiedeln. LESET DIE WAHRHEIT!

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