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Die Wahrheit · 1937-04-16 · Heft 15 (16.4.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 15 (16.4.1937)
Date
1937-04-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT^ Nr.. 15 — 16. April 1937_ Seite 7 ff^^Sflftlktt Wien l.f Seitenstettengasse 2 Xl>, Zentralfriedhof neben dem L Tor Samstag goacfaloasen! Die Juden in Griechenland. Fast alle großen Zeitungen in Athen und in Saloniki haben das Dankschreiben veröffentlicht, das der Vorsitzende deri Jüdischen Gemeinde Saloniki, Gattegno, an den Ministerpräsidenten M e t a x a s für die Gewährung finanzieller Pessachhilfe durch die Regierung an die bedürftige jüdische Bevölkerung gerichtet hat. Die führende Athener Zeitung „Ethniki" bemerkt zu diesem Schreiben: „Die gegenwärtige Regierung macht keinen Unterschied in der Behandlung von Bürgern des griechischen Königreiches; welcher Klasse, Rasse oder Religion ein Bürger auch angehören mag, er genießt gleiches Recht und findet beim Staat gleiches Interesse und gleichen Schutz. Beweis hierfür ist die wohlwollende Erledigung einer Reihe für die jüdische Bevölkerung wichtiger Probleme. In einem wahrhaft freiheitlichen Land ist eine solche Behandlung nur natürlich. Darum scheint es) uns auch völlig verständlich, daß der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde dem Ministerpräsidenten so herzlich für das lebhafte Interesse dankt, das die Regierung der jüdischen Bevölkerung der mazedonischen Hauptstadt entgegenbringt. Eine andere Haltung wäre Mangel an Pflichtbewußtsein; wir halten einen solchen für ganz unmöglich bei der staatstreuen aktiven Und ehrlich arbeitenden jüdischen Bevölkerung Griechenlands." Gegen den Antisemitismus. Zu dem bevorstehenden Kongreß gegen Rassenhaß, der von der Harand-Bewegung in Wien veranstaltet wird, sind Frau Irene Harand vom ehemaligen Außenminister und Schatzkanzler Groß-Britauniens, Lord Cecil, und von Lord Huxley Botschaften zugegangen. Die Botschaft von Lord Cecil lautet: „Ich wünschte, daß der Antisemitismus vom Antlitz der Erde verschwinden könnte. Ich glaube, daß jeder Haß, sei er religiös oder national, nicht weniger verderblich ist für den Hasser als für sein Opfer. Haß und Not sind Zwillinge — lasset uns unser Streben der Austilgung beider widmen." Der bedeutende Naturwissenschaftler Lord Huxley schreibt: „Die Verzerrung der Wissenschaft zum Zwecke ihrer Dienstbarmachung für politische Zwecke ist eine bedauerliche Erscheinung. Nirgends tritt dies klarer zu Tage, als im Bereich der sogenannten Rassentheorien. Je mehr wir diese Frage durch das Licht der Wahrheit erhellen lassen, desto besser ist es, und dementsprechend wünsche ich Ihrem Kongreß und Ihrer Bewegung vollen Erfolg." Sämtliche jüdische Veranstaltungen in Deutschland verboten. Vergeltung für die La Guardia-Afiäre. Wie aus Berlin telegraphiert wird, hat die Gestapo im Einvernehmen mit dem Reichspropagandaministerium und dem außenpolitischen Amt der NSDAP sämtlichepolitisehen Versammlungen und öffentlichen Sportveranstaltungen der jüdischen Organisationen auf 60 Tage verboten. Den ausländischen Journalisten gegenüber wurde diese Maßnahme damit begründet, daß wegen der anti-deutschen Aktionen in Amerika in Verbindung mit der La Guardia-Angelegenheit. und wegen anderer anti-deutscher Kundgebungen in den Vereinigten Staaten Vergeltung geübt werden soll. Es ^wurde weiter erklärt, daß' das Verbot wieder aufgehoben werden würde, wenn im Ausland die „falschen" Berichte über Deutschland in der Presse und in öffentlichen Veranstaltungen nicht mehr lanciert werden. Italienische Regierung und der Antisemitismus.. Die römische antisemitische Zeitung „Tevere" hatte kürzlich mit der Veröffentlichung von Listen jüdisch klingender Namen italienischer Staatsbürger begonnen; die erste Liste enthielt etwa 1600 Namen. Dem „Tevere" assistiert nun auch die Wochenschrift „0 u a d r i v i o". Die Aktion der beiden antisemitischen Zeitungen hat in Italien und im Ausland erhebliches Aufsehen erregt und bei der italienischen Judenheit (peinliche Gefühle hervorgerufen. Nunmehr wird aus Kreisen der italienischen Regierung autoritativ erklärt, daß die Regierung Italiens keinen Antisemitismus kenne und der Veröffentlichung des „Tevere" vollkommen fern stehe. Es wird darauf hingewiesen, diaß der Regierungschef Mussolini erst vor einigen Wochen bei Gelegenheit seines Besuches im jüdischen Viertel von Tripolis erklärt habe, daß er die jüdische Bevölkerung als gleichberechtigt behandeln wolle, wie dies auch in der italienischen Gesetzgebung verankert ist. Weiters wird in der Regierungserklärung darauf hingewiesen, daß sich hervorragende jüdische Persönlichkeiten um das italienische Vaterland sehr verdient gemacht haben und man es niemals vergessen werde, daß es ein italienischer Jude war, der der bedeutendste Pionier des italienischen Imperiums in Ostafrika gewesen ist. (Gemeint ist Baron F r a n c h e 11 i, der auf einem Flug nach Abessinien in Begleitung des Staatssekretärs Rava ums Leben kam.) Eliminierung der Juden aus der Führung der Sowjet-Union. Der Pariser „Temps" wies jüngst auf politische Neuorientierungen der Sowjet-Union hin und stellt in diesem Zusammenhang fest, daß der ehemals vorhanden gewesene jüdische Einfluß bei der Führung der Sowjet-Union fast auf Null gesunken ist und daß sich Stalin seiner jüdischen Mitarbeiter allmählich entledigt, um freiere Hand zu einer Annäherung an das nazistische Deutschland zu gewinnen. Zu Lebzeiten Lenins, führt die Zeitung aus, 'hatte das Politbüro, das AWerheilrgste des russischen Kommunismus, eine jüdische Mehrheit; heute gibt es dort einen einzigen Juden: den schon halb in Ungnade gefallenen Kaganowitsch. Viele der erschossenen bolschewistischen Führer waren Juden. 'Heute gibt es nur noch im Außenkommissariat einige Juden. Hie und da zeigt «ich im administrativen Apparat der Sowjet-Union ein offener Antisemitismus. Es ist bekannt, daß Ludendorff, -der jetzt wieder zu Amt tmd Ehren gekommen ist, sowie führende Elemente der Reichswehr Anhänger einer Annäherung an Rußland sind. Diese Ausführungen des „Temps" gewinnen eine Illustration durch die zwei Tatsachen jüngsten Datums: die Amtsenthebung des Volkskommissars für Getreide und Viehzucht Moisej Kalmano witsch, der Jude ist, und die Abberufung des bisherigen sowjetrussischen Botschafters in Berlin, der ebenfalls Jude ist, nach Paris. Mitteilungen der Union. Lissauer - Vorlesung in der „Union". Der am Mittwoch, den 7. April, gemeinsam mit dem Union-Frauen-Kkib von der Jugend- Union veranstaltete literarische Abend, an welchem der Dichter Ernst Lissauer in dem bis auf das letzte Plätzchen besetzten Festsaal des Heimes am Schottenring aus eigenen Werken las, muß in jeder Hinsicht als gelungen bezeichnet werden. Die von den hervorragenden Dichtungen, wie auch von der rethorischen Kunst das Meisters begeisterte Jugend veranlaßte den Vortragenden durch dauernden Beifall zu immer weiteren Zugaben. Neben den ernsten Gedichten aus „Zeitenwende", den heiteren Gedichten und der Erzählung „Die Konsultation" fanden ganz besonderen Gefallen und beifälligste Aufnahme die kleinen Begegnungen aus „Glück in Oesterreich". SchmackQng wob Gruiten and Gräbern LeopoldDeutsctiBienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentraliriedhoi I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Die Bezirkssektion II/XX. der „Jugend-Union" trifft sich jeden Dienstag ab S Uhr abends im Klubzimmer des Qafe Freiwirth, II., Praterstr. 11 zu einem Heimabend (Vorträge, Schach, Bridge, Ping Pong, Tanz usw.). Gäste willkommen. Bezirkssektion IV'V der „Jugend-Union". Am 5. April sprach über Einladung der. „Jugend-Union" der Bezirke IV und V der Obmann der „Jugend- Union" Dr. Bruno David über das das Thema „Der unionistische Gedanke und die Jugen d". Die hochinteressanten und überzeugenden Ausführungen Dr. Davids wurden von den Zuhörern begeistert aufgenommen und boten den Anlaß zu einer längeren angeregten Diskussion. Gründung des Vereines „Jüdisches Kulturtheater". Das „Jüdische Kulturtheater" am Franz Josefs- Kai beschließt in einigen Wochen mit Lion F e u c h t w a n g e r s „J u d Süß" das zweite Spiellahr. In zielbewußter, zäher künstlerischer und administrativer Arbeit ist es den Leitern dieser Institution gelungen, den Betrieb nach jeder Richtung hin zu einem mustergültigen auszugestalten. Die Auswahl der Theaterstücke erfolgt über Vorschlag der Direktion in rigorosester Weise durch eine Programmkommissionj, die Darbietungen haben trotz; der bescheidenen technischen Mittel höchstes Niveau, die finanzielle Gestion, die von einer aus Industriellen und Kaufleuten zusammengesetzten Exekutive ausgeübt wird, ist aktiv. Gleich im ersten Jahre des Bestandes hat das „Jüdische Kulturtheater" seine Existenzberechtigung glänzend bewiesen. Daß diese Bühne, die jüdisches Kulturgut in deutscher Sprache vermittelt, notwendig und wünschenswert ist, war schon vor der Gründling außer Zweifel. Das „Jüdische Kulturtheater", das bisher nur unter Patronanz der „Jüdischen Kulturstelle" stand, soll nunmehr, wie wir erfahren, ausgebaut werden und wird zu diesem Zwecke von einem eigenen Körper, dem Verein „Jüdisches Kulturt h e a t e r", der sich vor einigen Tagen konstituiert hat, übernommen. Der „Fördererkrei s", dem 200 Personen aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung Wiens angehören, geht in dem gegründeten Verein auf. Der Bestand des Theaters behält durch den bereits vorhandenen großen Abonnentenstock das erforderliche gesunde Fundament. Für die nächste Spielzeit ist vor allem die Intensivierung der Abonnentenwerbung vorgesehen, die die Uebersiedlung in ein größeres Haus ermöglichen soll. Die Leitung des Vereines „Jüdisches Kulturtheater" hofft, gestützt auf die bisherigen Erfolge, die zur Ausführung des Plans noch fehlenden 500 Abonnenten leicht zu finden. Der Reichsverband jüdischer Legitimisten Oesterreichs schreibt uns: Sehr geehrte Redaktion! Sie hatten die außerordentliche Liebenswürdigkeit, der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes Beitrittserklärungen des „Reichsverbandes jüdischer Legitimisten Oesterreichs" beizulegen. Diese Aktion war von einem sehr schönen Erfolge begleitet und hat uns eine s t a 11liche Anzahl neuer Mitglieder gebracht. Wir erlauben uns hiemit, Ihnen für die Förderung, die Sie durch Ihr Entgegenkommen unseren Bestrebungen angedeihen ließen, unseren besten und herzlichsten Dank auszudrücken.

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