Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1937-04-16 · Heft 15 (16.4.1937) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 15 (16.4.1937)
Date
1937-04-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064663-3064678--21109-3086429
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DIE WAHRHEIT Nr. 15 — 16. April 1937 Seite 3 vin und Prof. Jacques Hadamar«! sowie dem Gewerkschaftsführer Leon J o u h a u x, die folgendermaßen lautete: „Wir beglückwünschen den American Jewish Congress und das American Labour Committee zu seiner großartigen Initiative, gegen die Hitler-Barbarei zu protestieren. Mögen alle zivilisierten Völker, wie die Franzosen und Amerikaner, sich vereinen, um die Kultur und die Gerechtigkeit und die Menschheit zu verteidigen! Unsere herzlichsten Grüße." Die Stimmung der 25.000 wurde durch diese Reden und Erklärungen, wie man sich denken kann, immer entflammten Gerade war einer der Hauptsprecher des Abends, der General Hugh S. Johnson, im Mittelteil seiner Ausführungen angelangt, als der New Yorker Oberbürgermeister Fiorello H. La G u a r d i a den Riesensaal betrat und in einer Loge neben dem Redner-Podium Platz nahm. Schon vorher, wenn der Name des populären Mayor La Guardia gefallen war, brach die Zuhörerschaft in donnernden Beifall aus. Jetzt, als die 25.000 La Guardia eintreten sahen, erhoben sie sich huldigend, der Loge des .Stadtoberhauptes zugewandt, und forderten wie aus einer Kehle, daß er sprechen! solle. General Johnson hatte seine Rede geschlossen, und nun schrien die Massen im Madison Square Garden unermüdlich: „W i r wollen La Guardia!" La Guardia, der lediglich als Zuhörer und nicht als Redner erscheinen wollte, ließ sich schließlich doch dazu herbei, auf die Rednerbühna zu steigen. Die kurze Ansprache La Guardias, die bei den 25.000 Zuhörern unbeschreiblich leidenschaftliche Zustimmung fand, lautete: „Mein Protest vor einigen Tagen war durchaus nichts Neues. Dieselben Dinge habe ich schon lange Zeit vorher gesagt, und ich glaube, ich werde sie auch weiterhin sagen. Allerdings hoffe ich, daß die Notwendigkeit hierfür nur noch kurze Zeit bestehen wird. Ich kam heute abends hierher als ein einfacher Zuhörer. Vielleicht mag es für viele Leute schwer sein, zu verstehen, was das in einer Demokratie wie der unsrigen bedeutet. Ich möchte nur ein ganz kurzes Wort darüber sagen, wie man_darauf reagieren soll. Kümmern Sie sich nicht darum, was Herr Hitler, sagen mag! Lassen Sie das unbeachtet, weil die Meinung der Welt längst entschieden hat, daß Adolf Hitler weder persönlich noch diplomatisch „satisfaktionsfähig" ist" Nach La Guardias Ansprache nahm die Massenversammlung die ihr vorgelegten Boykott- Entschließungen an. Diese lauten in ihren entscheidenden Teilen: „Angesichts der Ergebnisse des Nazi-Regimes spricht diese Versammlung ihre Ueberzeugung aus, daß der Hitlerismus die schwerste Bedrohung der Zivilisation und der Demokratie bedeute. Diese Drohung wird solange bestehen, wie das Naziregime andauert und seine Wortführer auch weiterhin von zrviüserten Regierungen oder deren Wortführern mit Höflichkeiten bedacht werden. Deshalb fordert die Versammlung alle Amerikaner, denen dfc> Erhaltung der Demokratie in ihrem eigenen Lande und die menschliche Freiheit überall in der Welt am Herzen liegt, auf, dem Nazi-Regime die moralische und finanzielle Unterstützung zu entziehen, ohne die es nicht Bestand haben kann. Zu diesem Zweck soll das amerikanische Volk alle neuen finanziellen Kredite an das Dritte Reich verweigern. Wir übernehmen die Verpflichtung, den Boykott deutscher Waren und deutscher Dienste zu intensivieren, damit wir mit dieser friedlichen und gewaltlosen Waffe die amerikanische Demokratie retten und das deutsche Volk vor der Vernichtung beschützen, mit der das Hitler- System es bedroht." Leichtsinnig und oberflächlich! Die jüdischnationalen Zionisten klagen in der „Stimme" vom 13. April geradezu herzzerreißend über „die Hetze der Union". Alles, was sie selbst verbrochen, möchten sie gerne der „Union" zur Last legen, und die Selbstgeißelung in der für sie selbst schonenden Weise vollziehen, daß die Schläge der andere erhält. Der brave „Zionistische Klub", der so zahm ist, daß er nicht einmal mehr drei Präsidenten zählen kann, hat „um des lieben Friedens willen" und „in der Erwartung, daß hieduirch den besonnenen Elementen, welche in dem abscheulichen Wahlkampf der ,Union' in den Hintergrund gedrängt worden waren, mehr Geltung verschafft würde" in geradezu (sich für den Gegner aufopfernden selbstlosesten Weise gnädigst der „Union" die Stelle eines Vizepräsidenten, eine entsprechende Zahl von Mandaten im Vertreterkollegium usw. „gegeben". Die Jüdischnationalen rechnen auf ein ebenso kurzes Gedächtnis der jüdischen Öffentlichkeit, als sie selbst zu haben vorgeben. Sie wollen sich begreiflicherweise nicht darin erinnern und noch weniger in der Erinnerung der Oeffentlichkeit wachgehalten sehen, daß sie nach der Wahl vom 8. November bis Mitte Dezember 1936 keine Zeit fanden, eine konstituierende Plenarsitzung einzuberufen, daß sie dann gegen Recht, Gesetz und Herkommen den Unionisten die Anwendung des Proporzes auf Präsidium, Vertreterkollegium und Kommissionen verweigerten, die nach einer von ihnen früher ausgesprochenen Ansicht „im letzten Gebirgsdorf" erfolgt ist, sie wollen in den tiefsten Abgrund des Vergessens versenken, daß sie wider Recht, Gesetz, Proporz und Gebrauch die Besetzung der Stele des Vizepräsidenten mit dem „unbesonnenen Element" des Dr. Josef Ticho mit unzulässigen Mitteln verhindern wollten. Sie werden nicht 'hören wollen, wenn wir davon reden, daß dann die „Unbesonnensten der Elemente" der „Union", Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, Dr. Josef Ticho und Dr. Ernst Feldsberg seitens der „Union" in das Vertreterkollegium entsendet wurden, und daß sie erst in der Plenarsitzung vom 28. Dezember 1936 durch einstimmige Annahme des Dringliehkeitsantrages der „Union" — auch die „Zionistische Liste" mußte für ihn stimmen — dazu gezwungen wurden, den Proporz auch im Präsidium, Vertreterkollegium und in den Kommissionen durchzuführen und somit schleunigst „den Wünschen der ,Union* Rechnung zu tragen". Der „Zionistische Klub" hat also nichts „gegeben", weil er nichts zu geben hatte, — oder glaubt er wirklich, mit seinen siebzehn Stimmen, mit weniger als der Hälfte der Mandatare des Kultusvotstandes, überäße Mandate im Präsidium, Vertreterkollegium und in den Kommissionen verfügen zu können, dann soll er es nur versuchen — der „Union" ist nuir zugekommen, was ihr nach der auf ihren Kandidaten vereinigten Stimmacht von 12.000 Stimmen als größter einheitlicher Partei im Kultusvorstande als Mindestmaß gebührt. Und so wie die „Union" allein den „abscheulichen Wahlkampf" geführt hat, ganz allein im luftleeren Raum, ohne je auf einen Gegner zu stoßen oder gar von ihm angegriffen zu werden, denn alle jüdischnationalen Zionisten hielten in diesem einseitigen Kampf die linke Backe hin, wenn sie auf die rechte geschlagen wurden, ebenso haben die Unionisten „in den Verhandlungen auch wiederholt die Versicherung gegeben, daß sie sich bemühen werden, normale Verhältnisse wieder herzustellen". Die Abnormität der Verhältnisse ist also durch Verschulden der Gott-sei-bei-uns- Unionisten eingetreten und nicht durch das hüUen- und schrankenlose Parteiregime der Jüdischnationalen, die in allen Verwaltungszweigen der Kultusgemeinde die Frage nach dem Parteibuch vorgeschrieben haben und ihre Personalwirtschaft auf dem Prinzip der jüdischnationalen Großmutter aufgebaut haben, als ob es zur Norm der Korrektheit der Führung einer Verwaltung gehörte, den Kultusvorsteher Moses Rath zum Bibliotheksdirektor der Israelitischen Kultusgemeinde und zum Nachfolger des Regierungsrates Dr. Bernhard Wachstein, und den Vizepräsidenten Dr. Josef Löwen herz zum Amtsdirektor der Kultusgemeinde zu bestellen. Dabei kommt es der „Stimme" natürlich auf eine Verfälschung mehr nicht an. Sie zitiert unsere bekannte Eingabe an den Magistrat der Stadt Wien und behauptet, daß darin stehe, daß Herr Dr. Josef Löwenherz „erst" im Jahre 1921 die österreichische Staatsbürgerschaft erlangt habe. Die bezügliche Stelle der Eingabe lautet, wie jedermann in der Nummer der „Wahrheit" vom 20. März 1936 nachlesen kann, folgendermaßen: „Durch das Gelingen dieses Vorstoßes (näml-ich Im Falle Rath), kühn gemacht, geht jetzt die jüdisch- Die richtige Zahnpasta! Verhindert | ^aknbelap | nationale Mehrheit des Wiener Kultusvorstandes sogar daran, die seit dem im Juni v. J. erfolgten Ahleben des Amtsdirektors und Ersten Sekretärs der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Reg.-Rat Guido Fuchsgelb, erledigte Stelle mit einem der prominentesten jüdischnationalen Parteiführer, mit dem bisherigen ehrenamtlich gewählten Vizepräsidenten der Kultusgemerinde, Dr. Josei Löwenherz, zu besetzen. Die „Union österreichischer Juden" hat rechtzeitig, und zwar bereits Mitte Dezember des Vorjahres dem Herrn Präsidenten der Kultusgemeintie angekündigt, daß die durch die jüdischnationale Partei beabsichtigte Bestellung des Herrn Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor zur Folge haben muß, daß die unionistischen Kultusvorsteher ihre Mandate niederlesen. Der Amtsdwektorposten ist das wichtigste Amt im Betriebe der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, die zur Führung dieses Amtes bestimmta Persönlichkeit steht an der Spitze des gesamten Beamtenapparates der Gemeinde und ist dazu beraten, in objektiver Weise die wesentlichsten Verhandlungen mit den Angehörigen der Kultussemeinde zu führen, aber auch wiederholt die Kultusgerneinde nacii außenhin, zum Beispiel bei den Behörden zu vertreten. Wir stehen — gestützt auf die hundertjährige Tradition der Wiener Kultusgemeinde — prinzipiell auf dem Standpunkt, daß es absolut unzulässig ist, daß ein ehrenamtlich durch die Wählerschaft in den Kultusvorstand entsandter Mandatar die Beziehungen, die er naturgemäß als Kultusvorsteher gewinnt, dazu ausnützt, um in diesem ihm anvertrauten Verwaltungsapparat als besoldeter Beamter einzutreten: die Unzulässigkeit liegt besonders kraß in einem Falle wie dem vorliegenden zutage, in dem es sich darum handelt, daß der bisherige ehrenamtliche Vizepräsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Josef Löwenherz, das höchste Amt in dieser Gemeinde, den gut besoldeten pe.nsionsberechtisenden Amtsdirektorposten erhalten soll. Das Ungebührliche eines solchen Vorganges wird noch verschärft durch die Tatsache, daß Dr. Löwenherz, seitdem er sich nach Kriegsende in Wien niedergelassen hat, alle seine Kräite in den Dienst der jüdischnationalen Partei stellt und der rührende Mann seiner Parteiorganisation in Wien ist. Zu den prinzipiellen Gründen, diegegen eine Bestellung des bisherigen ehrenamtlichen Vizepräsidenten Dr. Löwenherz zum besoldeten Amtsdirektor sprechen, gesellt sich also noch der unseres Erachtens wesentliche Einwand, daß dieser politische Parteiführer nicht Amtsdirektor der Kultusgerneinde werden, also eine Stelle bekleiden kann, die unparteiisch verwaltet werden muß." Alles, was wir damals gesagt haben, besteht nach wie vor in vollem Umfange aufrecht „Aber die Unionisten haben versprochen, wieder normale Verhältnisse herzustellen", also auch weiterhin im Sinne der Jüdischnationalen die Verwaltung nach dem Prinzip „Parteinutz geht vor Eigennutz" zu führen und die Stellenbesetzungen nach dem Bekenntnis zur jüdischen Nation vorzunehmen. Unseren Standpunkt in Angelegenheit Löwenherz werden wir nie ändern, wir werden immer der Welt erzählen, „wie man Amtsdirektor wird" und wie der Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur der „Neuen Welt", Herr Oberbaurat Stricker, „Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien wurde". Bei den Budgetberatungen scheint die Rede des Präsidenten der „Union", des Herrn Dr. Oppenheim, der „Zionistischen Liste" sehr lange die Red' verschlagen zu haben. Erst nach vier Wochen, da sie meint, daß der Eindruck verwischt ist, kommt die „Stimme" mit ihrem dummen Gewäsch auf diese fast einzige ganz sachliche Rede zum Budget zurück. Statt seine Argumente und seine Ziffern und Zahlen zu widerlegen cder sich ihnen anzuschließen, weicht sie aus und redet wie gewöhnlich von ganz anderen Dingen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.