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Die Wahrheit · 1937-04-09 · Heft 14 (9.4.1937) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 14 (9.4.1937)
Date
1937-04-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 14 — 9. Aprii 1937 DIE WAHRHEIT Katholische Stellungnahme gegen die Saizburger Flachsmänner. Jüngst berichteten wir, daß durch eine antisemitische Sondernummer des Salzburger Lehrervereines unter dem Titel „Schule und Judentum" der Ruf der Festspielstadt Salzburg gefährdet wurde. Dazu gibt nun jetzt der Salzburger Rabbiner Dr. S. M a r g u 1 e s in einem Schreiben an die „Neue Welt" folgende Information: „Gleich nach dem Erscheinen der Sondernummer des Salzburger Landeslehrervereines unter dem Titel: „Schule und Judentum", begab ich mich mit dem hiesigen Kultuspräsidenten, Herrn Dr. Otto Löwy, zum Vorsitzenden des Salzburger Landesschulrates Dr. v. Schemel, den wir lauf die Schädlichkeit, ja Gefährlichkeit dieser Angriffe gegen das Judentum aufmerksam machten. Herr Dr. v. Schemel kannte bereits den Inhalt dieses Sonderheftes und war als strenggläubiger Katholik aufrichtig empört über die anverhüllte Mache der bekannten Judenhetzer. Der Vorsitzende des Landesschulrates bat uns, diese Beschwerde außerdem schriftlich einzureichen. Darauf wurden die verantwortlichen Schriftleiter verwarn t." Weiters teilt Herr Rabbiner Dr. S. Margules mit, daß neben dem Landeslehrerverband, dem Nachfolger des deutsch nationalen Verbandes der Lehrer Salzburgs, der Verein der katholischen Lehrer im Lande Salzburg existiert, dem der größte Teil der Salzburger Lehnerschaft angehört, und der sich entschieden gegen die erwähnte hetzerische Schrift ausgesprochen hat Auf einer Tagung der katholischen Lehrerschaft Salzburgs wurde nämlich ausge- In der Nacht zum 4. April verstarb in Scheveningen Dr. Nathan Birnbaum im Alter von 73 Jahren. Mit Nathan Birnbaum verliert das Judentum einen seiner bedeutendsten Schriftsteller und Denker der Gegenwart, der insbesondere im orthodoxen Judentum eine hervorragende Rolle spielte. Nathan Birnbaum wurde am 16. Mai 1864 in Wien geboren, wo er 1887 seine Studien der Rechtswissenschaften beendete. 1883 gründete er — gleichfalls in Wien — die jüdisch-nationale Verbindung „Kadima", der später auch Theodor Herzl als „Ehrenbursch" angehörte. Im Jahre 1884 gab er die Zeitschrift „Selbst- Emanzipation" heraus, die den zionistischen Gedanken verfocht Im weiteren Verlauf seiner publizitsischen Tätigkeit ließ Birnbaum die Schrift „Die nationale Wiedergeburt" und nach Herzls Auftreten, 1896, die Broschüre „Die jüdische Moderne" erscheinen. Während Birnbaum bis dahin den Gedanken des politischen Zionismus vertrat, tritt in dieser Broschüre zum ersten Male eine Wandlung zutage, indem er den Versuch unternimmt, den Zionismus mit anderen Zeit- Strömungen in Einklang cm bringen. Insbesondere tritt Birnbaum immer entschiedener gegen den „Diplomatismus" in Herzls politischem Zionismus auf und für einen organischen, keinen politischen Improvisationen unterworfenen Zionismus ein. Er bekämpft den damals in der zionistischen Bewegung herrschenden Gedanken der „Galutvernetnung" und lehnt die zentrale Bedeutung Palästinas als Lösung der Judenfrage ab. In seiner innerjüdischen Entwicklung geht Birnbaum vom Ostjudentum als eigentlichem Träger jüdischen Volkstums und lebendiger jüdischer Kultur aus. Durch zahlreiche Schriften und Uefeensetzungen (so von Peretz) versucht er, das Ostjudentum dem westlichen Judentum näher zu bringen. In einer Reihe von Publikationen, so „Das Volk", „Dr. Birnbaums Wochenschrift" (jiddisch), verficht er diese Ideen. 1910 erscheinen hi Czemowitz seine „Ausgewählten Schriften" in zwei Bänden. Um diese Zeit macht Birnbaum seine zweite große Wandlung zur strengen Religiosität durch. In sprochen, daß die erwähnte Schrift, „weil nicht im wahren österreichischen Geiste gehalten, ganz abgelehnt werden muß." Wir nehmen diese Stellungnahme der katholischen Lehrer Salzburgs mit Genugtuung zur Kenntnis und hoffen, daß sich auch bei anderen ähnlichen Gelegenheiten der „wahre österreichische Geist" melden wird. fllittfcbaftlicfte ffieratungsfteUe in der „Union" unter Lotung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER; jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" I., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung Dollhommen unentgeltliche AusArun/f. Derfidjerungsbjeratung in allen Zweigen der Elementarversidierung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namhmfie BegUnrntlgau» der Prämlensäizm. seiner Schrift „Gottes Volk" (erschienen 1917) ermahnt er das Judentum, strenggläubig und genau gemäß dem wahren Sinn des Gesetzes zu leben. In der 1920 erschienenen Essay-Sammlung „Um die Ewigkeit" und in einer Schrift „Im Dienste der Verheißung" (Frankfurt a. M. 1927), sowie in zahlreichen Aufsätzen wendet er sich insbesondere an die orthodoxe Judenheit, für die er auch praktisch agitatorisch tätig ist. In den letzten Jahren lebte Birnbaum teils in Berlin und Hamburg, teils in Wien. Nach der Machtergreifung durch Hitler ließ er sich in Scheveningen (Holland) nieder, wo er seine Ideen in seiner Zeitschrift „Der Ruf" propagierte. Birnbaum hinterläßt drei Söhne, von denen der eine, Uriel, als Maler und Dichter, und ein anderer, S a 1 o m o, als jiddischer Sprachforscher und Uebersetzer aus dem Jiddischen hervorgetreten ist. Das Begräbnis Nathan Birnbaums fand Sonntag, 4. April, auf dem jüdischen Friedhof in Wassenaar, einer Gartenstadt bei Den Haag, statt. Hunderte von Freunden und Verehrern gaben dem verstorbenen Führer das letzte Geleit, unter ihnen mehrere Oberrabbiner und Rabbiner. An der kurzen, sehr eindrucksvollen Trauerzerempnie, die von Rabbi I. J. van Geldern geleitet wurde, nahmen Vertreter aller großen jüdischen Organisationen Hollands teil. Auf Wunsch des Verstorbenen wurden am Grabe keine Ansprachen gehalten. KURZWELLEN d smo eCv.r KURANSTALT „HELIA", I., FLEISCHMARKT 7 GROSSFLEISCHHAUEREr IIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A16-9-31 Lieferant ffir HeUanstalten AbteilungenrarKoscherfleisch unter Aufsicht das ehrw. Rabbinates der Isp. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Katastrophale Steuererhebungen der Zagreber Kultusgemeinde. Man schreibt uns aois Zagreb: Die Zagreber Gemeinde zählt zirka 10.000 Seelen. Erfaßt sind da.von 3000 Steuerzahler. Also jedenfalls eine recht ansehnliche Gemeinde. Aber der ungeheure Apparat der von Jüdischnationalen geführten Kultusgememde erfordert ebenso ungeheure Summen. So beträgt das Budget der Gemeinde rund 3 Millionen Dinar. Die wollen aufgebracht werden! Ist es da ein Wunder, wenn die Zagreber Gemeinde enorme Steuererhöhungen vornahm? Es gibt kleinere Gemeinden in Jugoslawien, wie z. B. Vinikovci, zirka 600 Seelen mit etwa 200 Steuerzahlern, die sogar über Institutionen verfügt, die die große Zaigreber Gemeinde vermissen läßt, wie Mikwe, jüdische Leichenhalle, Orüh'hn-Stüberl, die weit besser zu wirtschaften verstehen und wo der Jude weit niedrigere Kultussteuer zahlt. Die Zagreber Kultusgemeinde hat ja allerdings 6 Kantoren und 4 Rabbiner für einen Tempel! Das kostet viel Geld! Und auch der Verwaltungsapparat umfaßt ein großes Personal. Wenn man beginnt, die ftulhrasteuer als drückende Last zu empfinden, die bei der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage von heute schier untragbar wird, dann muß sich die Gemeinde nicht wundern, wenn mehr als 700 Steuerproteste einliefen und ein katastrophaler Austritt droht. Ich frage, ob es nicht möglich ist, hier Ordnung zu schaffen und durch Einsparungen, die gewiß auch bei den hohen Gehältern gemacht werden könnten — man spart meistens' zunächst bei den niederen ein! ^— eine erhebliche Reduzierung des Budgets und damit auch der Steuer zu erwirken. Um ihre Rechte, die Steuererhebung, 'ist die Gemeinde sehr besorgt, weniger um die Wahrung der Religiosität, die ihr doch nach Gesetz wie Statut obliegt: Am SaJbbath liest man nur die halbe Sidra, läßt einige Kaddeschim aus. Und es wäre gewiß auch sonst manchmal, insbesondere bei dem Verhalten der Funktionäre in der Oeffentlichkeit, für die Gemeinde gut, auf den ehedem für die Gemeinde so segensreichen Konservativismus zurückzugreifen. L. E. Der weltberühmte OUekotUoe JCuseuUcki xms lüotsdiou wird Donnerstag, den 15. April d. J„ um halb 8 Uhr abends, im großen Tempel, Wien IL, Tempelgasse 5„ liturgische Gesänge vortragen und außerdem Freitag, den 16. April d. J„ um 6 Uhr 45 abends, und Samstag, den 17. April d. J„ um halb 9 Uhr morgens, einen Festgottesdienst im Josefstädter Tempel, Wien VHL, Neudeggergasse 12, abhalten. Bei der Veranstaltung im Großen Leopoldstädter Tempel am 15. April, der allseits mit lebhaftem Interesse entgegengesehen wird, wirkt in liebenswürdiger Weise auch der allseits geschätzte OUckoHtoc £ea Juuike mit. Eintrittskarten in den Tempelgebäuden Wien IL, Tempelgasse 5 (Ferdinandstraße 23), ferner Wien VIIL, Neudeggergasse 12 zwischen 9 und 1 Uhr, sowie an der Konzertkassa Hohenberg,. Wien L, Operngebäude, erhältlich. Jüdische Unternehme*! Denkt an die jüdischen JA ■ ■ und fordert antäßlich der Frühjahrssalson denBedarfan Anm^k ^r^^MM^WW gestellten und Arbeitern aller Kategorien beim jüdischen 4^^B %Rf ■ WSlOSen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien /., Kohlmessergasse 4 / Fernruf U27-0-65 an l NAimiNI 1

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