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Die Wahrheit · 1937-04-09 · Heft 14 (9.4.1937) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 14 (9.4.1937)
Date
1937-04-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 14 — 9. April 1937 Seite 3 Die peinliche Briefmarke. Die österreichische Post hat eine Serie neuer Briefmarken herausgegeben. Wenn sich die Briefmarkenproduktion in der ganzen Welt zwar allmählich zu einem Unfug herauswächst, an dem die Staaten und Händler verdienen und die Sammler sich verbluten, der neuen österreichischen. Serie — schreibt Felix Langer in der Prager „S e 1 b s t w e h r" — ist Lob zu spenden. Nicht nur, weil sie schön ausgeführt ist, sie huldigt in einer Zeit machtumgürteten Ungeistes dem Geiste, sie huldigt berühmten Erfindern und Technikern, deren Porträts und Namen sie zeigt. Nimmt man „Josef Werndl, 1831—89, Waffentechniker" prinzipiell aus, wenn auch die Waffe, die er erfunden hat, schon veraltet ist — sie diente dem Fortschritt der Kriegstechnik, den wir nun nicht als Fortschritt anerkennen —* so kann die Welt der übrigen philatelistisch Verewigten für ihre Leistungen dankbar gedenken. Da ist Josef R e s s e 1, der Erfinder der nach ihm benannten Schiffsschraube auf der Zwölf-Groschenmarke, Karl Ritter von Ghega, der, Erbauer der Semmieringbahn, auf der zu vierundzwanzig Groschen. Für vierzig Groschen kauft man das Markenbildchen des Erfinders des Gasglühlichtes Auer von Welsbach. Die Sechzig-Groschenmarke zeigt Robert von Lieben, dessen Verstärkerröhre das unentbehrlichste Element jeglicher Radiosendung ist. Die Vierundsechzig-Groschenmarke ist Viktor Kaplan gewidmet, dem Konstrukteur der „Kaplan-Turbine", um dessen Staatszugehörigkeit sich übrigens die Tschechoslowakei mit Oesterreich streiten kann. Mit der Sechzig-Groschenmarke hat es eine eigene Bewandtnis. Robert von Lieben war Jude. Sehr peinlich nun, daß dieser jüdische Kopf auf Postsendungen immer wieder nach Deutschland wandern wird, ein unangenehmes Argument gegen „Alljudas zersetzenden Geist". Denn, daß die Liebenpatente von der AEG. Siemens & Halske und Telefunken (Lieben-Konsortium) übernommen wurden und die Erfindung Liebens, wie Nernst in der Telefunkenzeitung vom 5. September 1923 schrieb, „als die erste Etappe auf dem Wege zur Entwicklung der modernen Verstärker- und Senderöhren bezeichnet werden" ,muß;- das weiß natürlich nur der Fachmann und der verrät es wohlweislich weder seinem Führer noch dem Konsumenten von Radioapparaten, der sich vor seiner Schallkiste an des Führers Schmettertönen erfreut. Hätte es keinen Lieben gegeben, so käme der Bürger des Dritten Reiches um den Genuß, seines Führers und dessen Trabanten akustische Nähe bis ins traute Heim hinein verspüren zu können. Aber man muß gerecht sein. Robert von Lieben erntete sogar bei zünftigen Antisemiten posthumen Ruhm. Der „Fridericus" schrieb unter der Ueberschrift „Graf Arco — ein Erfinder?": „Wenn es sich darum handeln soll, den wirklichen Erfinder und Verbesserer der Elektronenröhre kennen zu lernen, so ist es der deutsche Baron von Lieben." „Der Schild", das Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, machte darauf aufmerksam, daß der „deutsche Baron" Jude sei, worauf der „Fridericus" erwiderte: „Der Fridericus ist niemals so engherzig, wirkliche Verdienste deswillen zu verschweigen, weil Juden die Träger solcher Verdienste sind. Und wenn der Baron von Lieben wirklich Jude ist, dann Hut ab vor diesem tatsächlich tüchtigen, dabei bescheidenen Juden." Aber die Juden sind dennoch „daran schuld". Der „Fridericus" schreibt weiter: „Das Fehlen des Barons von Lieben im jüdischen Lexikon zeigt, daß da wieder einmal mit jüdischer Hast, mit jüdischen Preisen und jüdischer Ungenauigkeit gearbeitet worden ist." WirdmandieijüdischeBriefmarke nun nach Deutschland hereinlassen oder wird man, wie Ungarn es mit einer tschechoslowakischen Marke tut, die ein ehemals ungarisches Wappen zeigt, sich gegen die Frankierung mit Robert-von-Lieben-Marken sperren und die Postsendungen mit Strafporto belegen? Peinlich, falls etwa die deutsche Reichspost schon eines anderen Radiotechnikers philatelistische Glorifizierung in Vorbereitung hatte. Sie führte bereits Benz als Erfinder des ersten Automobils vor, während der Jude Siegfried Marcus das erste Auto erfunden hat, und sie zeigte als den Erfinder des ersten Luftschiffes den Grafen Zeppelin, ohne des Holzhänfflers. David Schwarz zu gedenken, dessea Luftschiffdas Preußische Kriegsministerium als erstes anerkannte und dessen Pläne und Patente Graf Zeppelin aufkaufte. Palästina und wir! i. Jeder Jude fühlt, daß Palästina in unseren Tagen in eine nähere Verbindung m'it uns geraten ist. Palästina war immer im jüdischen Bewußtsem das Land unserer Väter, unserer nationalen Vergangenheit, war das Land, das Gott unseren Erzvätern als ewiges Erbe für sie und ihre Nachkommen verheißen, das die Sehnsucht jüdischer Hoffnung in den 2000 Jahren seit der •Zerstörung von Staat und Tempel gewesen. In der Zerstreuung, die die Juden durch aller Herren Länder wirbelte und im Laufe der Jahrhunderte in verschieden geartete und mannigfach verschiedene Lan'dsmannschaften auseinander entwickelte, blieb die Sehnsucht nach dem Heiligen Lande stets wach, genährt durch die Kenntnis der jüdischen Geschichte, gepflegt durch die Gebete und religiösen Gebräuohe, gehegt durch die Messias-Hoffnung, die den geQUälten und verfolgten Juden allein die Kraft verlieh, alle Qual und Drangsal zu überdauern. Aber es war letzten Endes doch nur ein r eIigiöses Gefühl, das die Juden ergriffen hatte. Und wie das Religiöse an und für sich immer mehr im Leben der Juden Westeuropas zurücktrat, wie das religiöse Tun und Denken in immer fortschreitendem Maße zu einer Sabbath-, ja nur noch zu einer Feiertagsangelegenheit geworden ist, so ist entsprechend auch die Liebe zu Palästina, die Sehnsucht nach dem Heiligen Lande in Verbindung mit Gebet und Synagoge zu einem feiertäglichen Gefühl für seltene Gelegenheiten geworden. Erst in den letzten 40 Jahren ist das Land Palästina wieder in eine nähere Beziehung zu den Juden gerückt. Allerdings war es eine grundfalsche Vorstellung über das Wesen des Judentums, Sie die Verbindung der Juden nrit Palästina herstellen wollte. Man verkannte in der nationalen jüdischen Bewegung, die einsetzte, die einzigartige Stellung, die die Juden unter den Nationen und Religionen der Welt einnahm, die sie •von allen unterschied, die ihnen den einmaligen Charakter verlieh. Man sah nicht, daß religiöse und nationale Motive in enger Verbindung und Vermischung miteinander das Wesen des Judentums ausmachten, und daß es demgemäß eine Fälschung des Judentums bedeutete, wenn man es den anderen Nationen der Welt gleichstellen und folgerichtig Palästina als das nationale Vaterland der Juden aufzeigen wollte. Jedenfalls hatte aber Palästina wieder im Denken vieler Juden seinen Platz erobert, fa es war Ziel der ganzen national-jüdischen Bewegung geworden. II. Die Wege der göttlichen Vorsehung sind wunderbar und gar oft haben wir es im Laufe unserer vieltaaisendjäihrigen Geschichte erfahren. Auch im Falle Palästinas muß jeder, der sehen will, erkennen, daß göttliche Fügung es ermöglicht hat, aus Palästina ein Einwanderuragsland größter Bedeutung für die vielen, ungezählten unserer Brüder zu machen, die durch Verfolgung und Entrechtung gezwungen waren und auch noch weiterhin .gezwungen werden, ihre Wohnsitze zu verlassen und den Wanderstab zu ergreifen. Mehr als 400.000 Juden wohnen heute bereits im Heiligen Lande, und wir hoffen, daß es weiterhin möglich sein wird, die Einwanderung in großem Maße fort- Gewiß, es gibt in vielen Teilen der Welt gleich große, ja größere Judensiedlungen, aber der Mittelpunkt jüdischen Geschehens hat sich doch nach Palästina verlagert. Dort, wo die jüdischen Menschen in ihr Land kommen, mit dem sie tausend Fäden der Vergangenheit, der jüdischen Geschichte verbinden, in das sie die Sehnsucht der Jahrtausende, das Wort unserer großen Propheten, das Versprechen Gottes zurückzieht, dort können sie sich ganz frei, ganz ungebunden ausleben, dort können sie völlig unbeengt den Auibau durchführen und ihr religiöses, wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben einrichten. Eine gewaltige, wunderbare Möglichkeit — eine verantwortungsvolle Aufgabe! Werden die Juden dieser Auftgabe gerecht? III, Der jüdischnationale Aufbau verschließt sich der religiösen Basis des Judentums. Er weist dem jüdischen Gesetz nicht den ersten Platz im Lande an. Er weiß offenbar nichts davon, daß das Volk Gottes Gottes Land verloren hat, weil es Gottes Recht mißachtete. Er baut auf nach den Prinzipien europäischer Weisheit; die europäische Gesellschaftsordnung, europäische Wirtschaftsführung, europäische Kultur regieren das Werden im Heiligen Lande. Nichts geschieht, um dem Heiligen Land den Stempel des Heiligen aufzudrücken; Religion zur Privatsache erklärt, in das Belieben jedes Einzelnen gesetzt, wird bald dem Lande alles Heilige entzogen haben. Es wird der wahre Charakter des jüdischen Volkes verfälscht, aus dem jüdischen Land wird ein Staat, genannt Palästina, mit einer bestimmten Anzahl jüdischer Einwohner! Gott hat in Seinem Lande keine Stätte mehr! Nicht die altjüdische Kultur befruchtet das Geistesleben. Nein, die Lehre von Karl Marx und Lenin sind das Ideal, dem die Jugend des Landes nachjagt, dessen Verwirklichung viele wesentliche Institutionen des Aufbaues zu erreichen versuchen. Die sozialistische Arbeiterorganisation hat mehr als 80.000 Mitglieder (bei insgesamt 400.000 Einwohnern!). IV. Und in Europa sitzen die Regierungen, die ohnehin von der Bolschewisierung der Juden sprechen — oder aber gerne an sie glauben möchten, und schauen hin nach Palästina, und wollen sehen, was die Juden in ihrem Land,, von.allen.Fesseln .befreit, aller einengender Bestimmungen enthoben, leisten. Schauen hin, um festzustellen, wer denn nun Recht habe, der Antisemit, der die Juden immer als Sozialisten, als Gottlose, als Wirtsohafstschädlinge hinstellt, oder der Jude selbst, der behauptet, Mitglied des Volkes Gottes, des Volkes der Bibel zu sein, des Volkes, das der Menschheit die hehrsten Ideen der Ethik, der Moral, der Humanität gebracht hat. Noch ist es Zeit! Noch stehen wir am Anfang der Entwicklung, noch können wir — wenn alle Juden zusammenstehen — helfend, dirigierend eingreifen. Noch können -wir die Juden auf den Weg ihrer Tradition, ihrer erhabenen Geschichte, ihrer göttlichen Aufgabe zurückführen. Noch können wir durch große Taten beweisen, daß wir nicht das zersetzende, destruktive, «esellschaftsfeindliche Element sind, ais das man uns immer fälschlich und verleumderisch hinstellt. V. So ist jeder Jude — mag er selbst leben wo immer — mit und ohne seinen Willen mit Palästina verbunden. So ist er nicht mir aus altgemein jüdischen, nein auch aus egoistischen Gründen gezwungen, daran mitzuarbeiten, daß das neue Palästina ein Spiegelbild des wahren, alten, geschichtlich-überlieferten Judentums wird. Nur durch die Unterstützung des „Keren Hajischuv" kannst du an dieser Aufgabe mitarbeiten. Seine Schulen lehren Gottes Wort, seine Lehrstätten erfüllen die Jugend mit Ehrfurcht vor der Geschichte des Judentums, vor ihren großen Führern und Lehrern. Er will der Thora im Jüdischen Lande den richtunggebenden Platz verschaffen, er setzt sich dafür ein, daß die großen Lehren der Thora das ganze Leben des Landes, das geistige, das wirtschaftliche, das gesellschaftliche, beherrschen. Seine Arbeiterorganisation bezieht ihre Heilslehren aus den sozialen Grundsätzen der jüdischen Lehre und lehnt die Botschaften der sozialistischen Ideenwelt ab. Je größer, je stärker der „Keren Hajischuv" und seine Institutionen sind, desto kräitiger wird seine Arbeit im Heiligen Lande bemerkbar sein. Wollen wir der Welt autzeigen, welche gewaltige Leistung aus der jüdischen Lehre und Weltanschauung geschaffen werden kann, wollen wir der Welt den wahren Charakter des Judentums im neuen Palästina achtunggebietend voriühren, so müssen wir alle den „Keren Hajischuv" unterstützen!

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