Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 14 (9.4.1937)
- Date
- 1937-04-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 — 9. April 1937 DIE WAHRHEIT SecL^e^x KÄüxUvvv^- $vt^ dtznJVur^fauJhvri u,.K/U*cIg/l Z/u, % W^Uot^v (^Ai^J^ hwi S •'B^OO klfctea&enfte/ifc w^vi 3 Ämtsdirektors mit dem ehemaligen Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Josef Löwenherz bestellt wurde. Werden die Beamten auch künftighin schweigen, wenn freiwerdende Amtsleiterposten oder neu zu schaffende Leiterposten mit von politischen Parteien vorgeschlagenen Personen, die nicht dem Beamtenkörper der Kultusgemeinde angehören, besetzt werden? Es warte doch höchste Zeit, daß die Beamten der Kultusgemeinde sich eine Vertretung wählen, die ihre Rechte wahrt und die dafür sorgt, daß das höchste Ideal des Beamten, die Objektivität in der Amtsführung, nicht angezweifelt werden kann. Glauben die Beamten der Kultusgemeinde wirklich, daß die Wiener Judenschaft Vertrauen in die Objektivität der Beamtenschaft haben kann, wenn sie weiß, daß prominente Politiker einer bestimmten Parteirichtung zu den Führern der Beamtenschaft gehören? Das immer Gleichbleibende in der Verwaltung der Wiener Kultusgemeinde ist die Beamtenschaft, die Beamtenschaft ist der eigentliche Träger der Verwaltung* und die, "Beamtenschaft jalleiri trägt die Verantwortung für die reine und ordentliche Verwaltung der Gemeinde. Die Beamtenschaft darf nie daran vergessen, daß das Vertrauen der Bevölkerung vorerst ihr gilt, und sie darf weiter nicht daran vergessen, daß die Majoritätsverhältnisse in einer Körperschaft immer wieder wechseln. Wohin käme die Wiener Kultusgemeinde, wenn jede politische Partei ihre Parteigänger ohne Rücksicht auf ihre Eignung und ohne Rücksicht auf ihr Alter einfach als Beamte der Kultusgemeinde versorgen würde? Ganz abgesehen davon, darf nicht übersehen werden, daß die Neuanstellung jedes Beamten eine Belastung des Pensionsetats der Gemeinde darstellt. Die Kultusgemeinde hat keinen Pensionsfonds, sie mußt;die Pensionen aus laufender Rechnung bezahlen. Jede Belastung des Budgets durch Neuanstellung von höchstbesoldeten Beamten kann sich im gegebenen Falle auf <lie Bezüge aller Beamten auswirken, wenn die Not der Zeit es gebietet. Je geringer die Kosten für den Personalaufwand sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß dieser Aufwand nicht restringiert werden muß. Ist es der Beamtenschaft der Kultusgemeinde vollkommen gleichgültig, daß jeder Einzelne von ihnen seinen Gehalt von der untersten Stufe an erdient hat und daß der neue Amtsdirektor ohne jede Vordienstzeit sofort in das höchste Gehalt mit dem höchsten Ueberstundenpauschale und mit ■einer nur ihm zuerkannten Repräsentationsgebühr eingerückt ist? Ueber alle diese Tatsachen sind die Beamten der Kultusgemeinde zur Tagesordnung übergegangen. Vielleicht wird dieser Appell an das Gewissen jener Beamten, für die die Kultusgemeinde noch nicht die politische Tribüne für die Versorgung der Politiker ist, sondern ein Verwaltungskörper, der nach dem Gesetze bestimmte Pflichten zu erfüllen hat, deren oberste Hüter die Beamtenschaft sein soll, wenigstens zur Folge haben, daß künftighin die Politisierung der Beam- Caf€ Pension Echsfein Semmering tenschaft verhindert wird und daß vor allem diejenigen Beamten, für die oberste Pflicht die Erfüllung des Parteidiktates zu sein scheint, wieder in die Schranken zurückgewiesen werden, in denen sie ihre Pflicht zu erfüllen haben. Jenen Beamten aber, die versuchen wollen, in den jüdischnationalen Zeitungen diese meine Ausführungen zu widerlegen, und die versuchen werden, zu behaupten, daß es unwahr ist, daß die Beamtenschaft der Wiener Kultusgemeinde — hoffentlich zum geringsten Teile, aber leider an den maßgebenden Stellen — politisiert ist, sei gesagt, die Rechtfertigung in einer politischen Zeitung wird diese Anklagt nicht widerlegen. Widerlegen wird diese Anklage nur die öffentlich*" Memurig; deren 'Glaube ah die Objektivität eines Teiles der Beamtenschaft durch ihr Verhalten in den Jahren der Majoritätsherrschaft der Jüdischnationalen leider stark erschüttert wurde. Ein Beamter. wKidtur"-Deutschland isoliert. Bedeutende Universitäten lehnen Teilnahme an 200-Jahrfeier der Universität Göttingen ab. Mit großer Stimmenmehrheit lehnte der Senat der Universität Amsterdam die Einladung zur Teilnahme an der Feier des 200jährigen Bestehens der Universität Göttingen ab. Die Universität wird sich mit der Entsendung einer schriftlichen Gratulation begnügen, wie dies auch im vergangenen Jahr anläßlich des 550jährigen Bestehens der Universität Heidelberg geschah. Die Universität Amsterdam begründet ihre Ablehnung mit der Unfreiheit der Wissenschaft in Hitler-Deutschland und dem Au sschluß von Gelehrten auf Grund ihrer Rasse und Religion. Auch die Staats-Universitäten Utrecht und Lcyden Gahmen Resolutionen gleichen Inhalts an. Die unparteiische Anti-Nazi-Liga in New York teilt mit, daß viele amerikanische Colleges bereits beschlossen haben, an der Feier in Göttingen nicht teilzunehmen, darunter das City College von New York und alle Colleges im Staate Virginia. Bedeutende englische Zeitschriften richten Appelle an.die englischen Universitäten, im Hinblick auf den an den Universitäten in Deutschland jetzt herrschenden Geist der Feier in Göttingen fernzubleiben. Die bekannte politische Zeitschrift „N e w States man" weist darauf hin, daß das Professorenkollegium der Universität Göttingen viele jüdische Gelehrte zu seinen Mitgliedern zählte. Nach der Machtergreifung durch Hitler wurden diese hervorragenden Lehrer entlassen. Die Folge davon ist, daß seit 1933 das früher bedeutende Mathematische Institut jetzt leer steht. Die einflußreiche konservative Wochenschrift „S p e c t a t o r" appelliert in ihrer letzten Nummer an die englischen Universitäten, die Einladung zu der 200-Jahrfeier der Universität Göttingen zurückzuweisen. Die Zeitschrift weist darauf hin, daß die Universität Birmingham und eine Anzahl Universitäten in anderen Ländern dies bereits getan haben. „Was in Göttingen gefeiert wird, schreibt „Spectator", ist die Tatsache, daß in Deutschland Wissenschaft nicht in der Wahrheit, sondern im Blute wurzelt. Man darf schon sagen, daß eine Wissenschaft im heutigen Deutschland nicht mehr existiert, außer als demütiger Helfer der staatlichen Rüstungsindustrie oder als ein vulgäres und voreingenommenes Sprachrohr wie Goebbels' „Angriff", um die Thesen von Blut und Rasse zu verkünden. Für Universitäten anderer Länder ist es unmöglich, solches gutzuheißen. Die Selbsterniedrigung von Göttingen feiern, würde für die Delegierten aus England ein Verrat an all dem sein, was unsere Universitäten hochhalten, eine Verleugnung der Ideale, die die deutschen Universitäten in der Vergangenheit groß gemacht haben und sie eines Tages wieder groß machen werden. Die jetzigen Zustände an den deutschen Universitäten müssen nicht dauernde sein. Sie stellen nur eine zeitweilige Abirrung dar, die auf die politische Einmischung eines Regimes zurückzuführen ist, das selbst nicht ewig ist. Ausländische Universitäten haben ihre Achtung und Bewunderung für Deutschlands Wissenschaft bezeugt, indem sie seine vertriebenen Gelehrten willkommen hießen. Der Tag des Feierns wird kommen, wenn sie zurückkehren können und die Suche nach Wahrheit in Deutschland wieder aufgenommen werden wird." „UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN" Am Donnerstag, den 15. April, 20 Uhr, veranstaltet die Bezirksorganisationn III. im Klubsaal des Ca£6 Residenz, III., Löweng. 39, eine wi&sämmwuiinks in der Präsident Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim und Kultusvorsteher Dr. Ernst Feldsberg über AKTUELLE FRAGEN spredien werden. Die Einwanderung , nach Palästina. Auf Grund der Statistik der Jewish Agency ergeben sich für die jüdische Einwanderung nach Palästina in den letzten vier Jahren folgende Ziffern: 1933 30.327 1934 - 42.359 1935 61.854 Jan.—Okt. 1936 27.885 Für die Monate November und Dezember 1936 werden noch etwa 2000 Einwanderer geschätzt, so daß sich für das Jahr 1936 eine Gesamteinwanderung von rund 30.000 ergibt. Das bedeutet gegenüber 1933 ein Gleichbleiben, gegenüber 1934 eine Verminderung um etwa 30 Prozent, gegenüber 1935 gar um etwa 50 Prozent. Die Veränderung der sozialen Struktur der Einwanderung zeigt sich darin, daß die Arbeiter, die noch immer die größte Zahl der Einwanderer ausmachen, mit ihrem Anteil an der Gesamteinwanderung von 62,5 Prozent im Jahre 1933 auf 40,6 Prozent im Jahre 1936 zurückgegangen sind, während der Anteil der Kapitalisten an der Gesamteinwanderung von 21,8 Prozent im Jahre 1933 auf 17,1 Prozent im Jahre 1936 gefallen ist. Dagegen ist der Anteil der Familienangehörigen von Palästinensern von 9,4 Prozent im Jahre 1933 auf 32,3 Prozent im Jahre 1936 gestiegen. Unter den Herkunftsländern der palästinensischen Einwanderung steht Polen mit einem Durchschnitt von 45 Prozent während der letzten vier Jahre an erster Stelle. An zweiter Stelle steht Deutschland mit 25 Prozent. Es folgen Rumänien und Litauen und in weiterem Abstände die übrigen jüdischen Auswanderungsländer. Die jüdischen Opfer in Palästina. Seit dem 12. Oktober 1936, dem Datum des offiziellen Abbruchs des arabischen Generalstreiks in Palästina, sind in Palästina folgende 18 Juden ermordet worden: 1. Jehuda Spiwak, Chedera; 2. David Malachi, Rechowot; 3. Secharja Awadar, Rechowot; 4. Elieser Turgeman (Kind), Tiberias; 5. Jacob L. Kopperman, Jerusalem; 6. Chaja Dehan, Tiberias; 7. Victor Emanuel Dvaik, Jerusalem; 8. Mordechai Feldmann, Dschida; 9. Jizchak Kascher, bei Kfar Witkin; 10. David Chanami, bei Chedera; 11. Chaim Brock, Emek Bet Schean; 12. Dr. Lehrs, Bet Schean; 13. Henoch Metz, Kfar Hachoresch; 14. Schlomo Gafni, Kfar Hachoresch; 15. Gedalja Geller, Jawniel; 1*5. Salman Ben Sasson, Jawniel; 17. Jehuda Elvowitsch, Jawniel; 18. Schmuel Gottfried, Rosch Pina. Ferner ist in Ness Ziona der aus Polen eingewanderte christliche Arbeiter Stanislaw Sluga getötet worden, weil man ihn für einen Juden hielt. 100jährige Synagoge niedergebrannt. In der Nacht zu den zweiten Pessachfeiertagen brach in der Torsztyner Synagoge (Pole n) ein Feuer aus, das wegen des zu der Zeit herrschenden starken Windes die Löschungsarbeit unmöglich machte. Das Gebäude und die ganze Einrichtung wurden ein Raub der Flammen. Dem Synagogendiener Gedalje Weber gelang es unter Lebensgefahr, die Thora-Rollen zu retten. Er erlitt schwere Brandwunden am ganzen Körper. Die Synagoge, die dem Brand zum Opfer fiel, ist über 100 Jai.'re alt Die Untersuchung hat ergeben, daß der 61jährige Schmul Feinstein, ein Geisteskranker, den Brand gelegt hat. Er wurde verhaftet und wird in eine Irrenanstalt überführt werden.