Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 13 (2.4.1937)
- Date
- 1937-04-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 13 _-r^2._April 1937 Seite7 Um den „Jüdisch-kulturellen Elternbund66. Als Anhänger der Simultanschule lehnen wir prinzipiell jede Absonderung der Judenschaft auf dem Gebiete des Schulwasens ab. Unter normalen Verhältnissen erscheint uns daher der Bestand eines eigenen jüdischen Elternbundes neben den allgemeinen Elternvereinen unnötig und überflüssig. Wenn nun heute unter den gegebenen mißlichen Verhältnissen ein engerer Zusammenschluß der Judenschaft wünschenswert erscheint, könnte man eben laus diesem Grunde für die Schaffung eines eigenen jüdischen Elternverbandes eintreten. Freilich unter der Bedingung, daß dieser Elternbund so eingestellt sei, daß er die religiöskulturellen und vaterländischen Bestrebungen der Elternschaft fördere und durch Ausschaltungj jeglicher Parteipolitik die Einigkeit unter der Wiener Judenschaft festige. Die Nationalzionisten haben nun vor einigen Jahren eine derartige Gründung unternommen, ihr den Namen „J üdisch -ku 11 u r eil e r Elte rnb und" beigelegt, also nach außenhin die edelsten Motive und Absichten vorgegeben. Tatsächlich aber wurde im Innern anders gearbeitet, und zwar so, daß im Sommer v. J. — freilich zu einer Zeit, da man die „Union" als Tischgesellschaft bezeichnete und ihr höchstens 4 Kultusmandate voraussagte — ein Nationalzionist einem vermeintlichen Pg. gegenüber behaupten konnte: „Wir sind nun endlich so weit, in dem Elternbund einen wichtigen jüdischnationalen Machtfaktor und eine wertrolle Propaganda-Institution zu besitzen." Trotzdem die Stärke der „Union" bei dan Wahlen klar zu Tage getreten war, glaubten die Herren Nationalzionisten, ihr Spiel nicht aufgeben *,u müssen und ihr System fortsetzen zu dürfen, nämlich unter dem Deckmantel der Uebetparteilichkeit den Elternbund als „Machtfaktor und Propaganda-Institution" ihrer Partei fungieren zu lassen. Dieses Vorgehen zeigte sich,' wie unseren Lesern bereits bekannt, in der Generalversammlung des Bundes Ende November v. J. Das Wahlkomitee hatte einen Wahlvorschlag unterbreitet, in welchem von 18 Ausschußmitgliedern Lauter nationalzionistisch gesinnte Lehrer und aus der Elternschaft ebenfalls Nationalisten mit lediglich zwei Ausnahmen nominiert wurden. Es ist leicht verständlich, daß diese beiden Persönlichkeiten nicht gewillt waren, sich zu diesem Tarnungsmanöver herzugeben, und ihren Austritt um so entschlossener durchführten, als die parteipolitische Einstellung in der konstituierenden Sitzung! durch die Wahl des Herrn Richard Stössl zum geschäftsführenden Obmann-Stellvertreter besonders betont wurde. Da Herr Stössl inzwischen vor Zeugen erklärt hat, daß er für seine nichtzionistischen Gegner nur die Reitpeitsche übrig habe, braucht über sieine Qualitäten und über seine Eignung als geschäftsführender Obmann-Stellvertreter eines jüdisch - kulturellen Verbandes kein Wort mehr verloren zu werden. Inzwischen hiat der Elternbund seine Tätigkeit als nationalzionistischer Verein fortgesetzt. Allerdings sitzt im Ausschuß noch ein nicht nationalzionistisch eingestellter Lehrer, der selbstverständlich auch hätte kaltgestellt werden sollen, für den aber die Elternschaft so energisch eingetreten war, daß man ihn wohl oder übel in den Ausschuß nehmen mußte. Weiters arbeiten in den Bezirksgruppen noch etliche unionistisch gesinnte Persönlichkeiten mit, die der Sache wertvolle Dienste leisten und vorläufig den Schein der Ueberparteilichkeit in einigen Bezirken wahren. Die „Union" hat nicht die Absicht, die Arbeit des Elternbundes zu stören, sondern sie wünscht im Gegenteil produktiv mitzuarbeiten — freilich nur dann, wenn ihr diese Mitarbeit möglich gemacht wird. Wir haben erfahren, daß in den Ausschuß-Sitzungen Versuche gemacht worden sind, eine Annäherung mit der „Union" zu erreichen, welche Bestrebungen aber bisnun immer ah der ablehnenden Haltung der nationalzionistischen Mitglieder, insbesonders des Obmannes gescheitert sind. Wir geben daher nun öffentlich die Bedingungen bekannt, unter denen die tatkräftige Mitwirkung der „Union" an den Arbeiten des „Jüdischkulturellen Elternbundes" ermöglicht werden kann. Die Oeffentlichkeit mag selbst darüber urteilen, wie recht und billig unsere Forderungen sind. Wir wünschen: 1. Da das Präsidium des „Elternbundes" auf dem Standpunkt steht, daß nicht Vertreter politischer Parteien als solche in den Ausschuß kommen dürfen, erachten wir es für nötig, daß bei dem Wahivorschlag von 18 Mitgliedern 9 Persönlichkeiten nicht-nationalzionistischer Gesinnung nominiert werden. 2. Es muß entsprechende Gewähr dafür geboten werden, daß das Organ des „Elternbundes", die „Jüdische Jugend" streng überparteilich geführt und von jeder offenen und getarnten Parteipolitik freigebalten werde. 3. Wir verlangen den Rücktritt des Herrn Stössl als geschäftsführender Obmannstellvertreter. Sein Ton und seine Methoden sind untragbar. Es ist begreiflicherweise unmöglich, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der für den ihm gegenüberstellenden Andersdenkenden nur die Reitpeitsche übrig hat. Sind nun die national-zionistischen Führer des „Jüdisch-kulturellen Elternbundes" tatsächlich gewillt, den Bund überparteilich unter Mitwirkung aller Kräfte zu führen, dann müssen sie die an dieser Stelle öffentlich vorgebrachten Wünsche erfüllen. Freilich würde dann der Elternbund kein vjüdischnationaler Machtfaktor" und keine „wirksame Propagandainstitution" einer Partei sein, sondern eine Plattform büden, auf der sich die Wiener Judenschaft trotz politischer und weltanschaulicher Gegensätze auf einer neutral-jüdischen Linie zum Zwecke gemeinsamer Arbeit für das Wohl unserer Jugend treffen kann. Insbesondere wird seitens der „Union" auf die charitative Tätigkeit des „Elternbundes" größter Wert gelegt, während! von der gegenwärtigen Führung die Fürsorgetä'tigkeit vernachlässigt und alles verfügbare Geld für die propagandistische Zeitung „Jüdische: Jugend", bzw. zur Deckung des durch diese Zeitung entstandenen Defizits verwendet wird. - Sollte man aber noch immer an dem alten System festhalten und einem Großteil der Wiener Judenschaft die Mitarbeit an dem unter der Flagge der Kultusgemeinde segelnden „Elternbund" unmöglich macheu, dann werden wir unseren dort noch tätigen Mitgliedern den dringenden Rat geben müssen, ihre Mitwirkung an einem gegnerischen Propagandaverein einzustellen, wobei wir den Lehrern den wirksamen Schutz unserer Mandatare in der Kultusgemeinde vor der Rache der nationalzionistischen Machthaber zusichern werden. Der ehrliche Wille zu friedlicher Zusammenarbeit ist bei uns gegeben — ob auch die Gegenseite diesen Willen besitzt, wird sich nun zeigen. /jll ( |1 f"~ für meine hübsche in Wien lebende Verwandte vornehmer Abstammung einen Gatten in gescherter Stellung oder Geschäftsmann Provinz oder Ausland, ev. Witwer mit einem Kind nicht ausgeschlossen. Zuschriften unter Chiffre: „Religiös" an die Administration des Blattes. and Gräbern LEopoltfDeutschJißnXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen New Yorker Synagoge nieder~ gebrannt. Am ersten Tag Pessach ist die N e w Y o r k e r Synagoge Westend, die vor drei Jahren mit einem Aufwand von einer Million Dollar erbaut worden war, infolge einer Brandstiftungzerstört worden. Es konnte von der gesamten Inneneinrichtung nichts gerettet werden. Die Bundeslade und zwölf Thorarollen verbrannten. Der Schaden wird auf 200.000 Dollar geschätzt. Es ist erwiesen, daß der Brand gelegt worden ist. Lest die »Wahrheit* Sie schafft Klarheit ] Ernst Lissauers neues Gedichtbuch. „Zeitenwende" betitelt sich das jüngste lyrische Werk Ernst Lissauer's, des in Wien und Oesterreich bereits heimisch und zum Mittelpunkt einer ansehnlichen Verehrergemeinde gewordenen Sohnes der deutschen Hauptstadt und machtvollsten Barden des deutschen Geistes. Es umfaßt „Gedichte von 1932 bis 1936", also Randglossen zu einer wolkenbeschatteten geschichtlichen Epoche, und es ist als Nummer 3 der van Hermann Hakel herausgegebenen Reihe „Die neue Dichtung" im Wiener Anzengruber-Verlag vor kurzem erschienen. Eine ungemein wertvolle Gabe des unter den deutschen Poeten von heute vom heiligen Geiste der Sprache wohl am reichsten Gesegneten an seine Schätzer und Genießer, Gedichte, die ihn auf der Gipfelhöhe seiner Meisterschaft zeigen, seiner begnadeten Kunst, den wahrsten Klang einer stürmisch bewegten- Seele ins Wort einzufangen, sein ganzes, allen Strömungen des Geschehens offenes Wesen und das ihnen gegebene Echo, seine Stimmungen und Verstimmungen, seinen Grimm und sein Weh, wie sein Sehnen und Hoffen mit hinreißender, mit zwingender Wucht auszutönen. Die Stimme der Zeit spricht in diesen Gedichten, spricht aus der Zeit an und in die Zeit, mahnend und warnend, zunächst empört über ihre Irrungen und Winningen, über ihre Abkehr von Kultur und Humanität und doch von der Mission durchdrungen, ihren im Wahnwitz hintaumelnden Geist auf den rechten Weg, zur sündhaft verlassenen reinen Humanität, auf den Boden der Religion, der Liebe zurückzuführen. Es ist nur selbstverständlich, daß ein Mann wie Ernst Lissauer an den dunkelsten Fieberfleck des Kranken, des vergifteten Zeitkörpers nicht vorbeisieht und vorbeigebJt!, daß also in diesen Dichtungen voll Schwung und Kraft auch der Jude sein persönliches Leid, seine innig schmerzliche Anteilnahme an dem schweren Schicksale seiner Glaubensgenossen, grausamer vielleicht als der Kettendruck und Peitschenschlag des altägyptischen Sklavendrucks der Urväter, zu erschütternden, alle fühlenden Gewissen aufrüttelndem Ausdruck bringt. Schon um dieser Worte willen sollte das Bämdchen, das seinen Verfasser wieder nicht allein als Berufenen auf auserwählten Posten, dessen Klaviatur alle Register des Menschlichen vom Leichtesten und Mildesten bis zum Erhabensten und Gewaltigsten umgreift, sondern auch als aufrechten,-bekenntnismutigen Mann, als starken, sich selbst stets treuen Charakter dokumentiert und ihn neuerdings das Anrecht auf den längst eroberten Ehrenplatz in der zeitgenössischen Lyrik bestätigt, in die weitesten Kreise dringen, viel gelesen und beherzigt werden. Eine Gemeinschaft der Kunstmenschen von der Größe und Bedeutung unseres Emst Lissauers entwachsen, ist und bleibt allen Anfeindungen, Beiästerungen und Verfolgungen zum Trotz ein unentwurzelbarer Faktor des Geisteslebens, der allgemeinen', der ewigen Kultur. Prof. Heinrich GHicksmann. Der weltberühmte Oiec&atUoc Jiusemicki aus Warschau wird Donnerstag, den 15. April d. J., um halb 8 Uhr abends, im großen Tempel, Wien IL, Tempelgasse 5, liturgische Gesänge vortragen und außerdem Frei, tag, den 16. April d. J., um 6 Uhr 45 abends, und Samstag, den 17. April d. J., um halb 9 Uhr morgens, einen Festgottesdienst im Josefstädter Tempel, Wien VIII., Neudeggergasse 12, abhalten. Eintrittskarten in den Tempelgebäuden Wien IL, Teinpelgasse 5 (FerdinandstraBe 23), ferner Wien VIII., Neudeggergasse 12 zwischen 9 und' 1 Uhr, sowie an der Konzertkassa Hohenberg* Wien I., Operngebäude, erhältlich.