Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 13 (2.4.1937)
- Date
- 1937-04-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT . Nr,.t3 — 52. April 1937 Seite 5 -Über - Die Leistungen der Juden in Deutschland spricht Chefredakteur O. Hirschfeld Dienstag, den 6. April, 8 Uhr abends, im Heim der B. O. G. II. des „Bundes jüdischer Frontsoldaten", IL, Praterstraße 66 Gäste willkommen! jüdischen Gegnern, nicht aber wie immer fälschlich behauptet wird, der Zionismus. Dr. Oppenheim wies auf die parteipolitischen Entscheidungen der Majorität bei der Bestellung des Amtsdirektors, des Bibliothekdirektors und des Vorstandes des Ambulatoriums für Ohrenkrankheiten im Gemeindespital hin, — das ähnelt schon außerordentlich, mutatis mutandis, den seinerze'rtigen parteipolitischen Maximen der Lueger_Zeit: „Juden und Sozialdemokraten werden nicht angestellt" — und kritisierte unter Zitierung des seinerzeitigen Sohreibens an die Redaktion der „Wahrheit" den Entzug der „Amtliehen Verlautbarungen" für dieses Blatt als einen parteipolitischen und persönlichen Racheakt „Nehmen Sie," so rief der Redner aus, „diesem Dokument der ParterpolitLk den erwähnten Gharakter und schaffen Sie es noch vor dem 30. dieses Monates, dem Tag der Entscheidung über die definitive Bestellung des Herrn Dr. Löwenherz, aus der Welt"! Unter lebhaftem Beifall der unionistisdien Kultusvorsteher schloß Dr. Oppenheim seine ausgezeichnete Rede mit den Worten: „Wir werden Ihrer Parteipolitik immer unsere Objektivität und Gerechtigkeit, Ihrem Haß unsere Aufrichtigkeit und Friedensliebe und Ihrem schlechten Willen — nach einem Worte Mussolinis der letzten Tage — unsere» unbeirrbare Loyalität entgegenstellen." Dr. Maximilian St.iglitz kritisierte es, daß die "Budget-Vorlage keine Auflösung der Abschlußziifern beinhalte, rügte die enorme Höhe der Pensonallasten, sprach sich dagegen aus, d&ß in öffentlichen Publikationen, wie zum Betspiel jüngst durch den Herrn Amtsdirektor im „Morgen", die Zahl der von der Gemeinde Befürsorgten zu hoch angegeben werde, plädierte für eine» Zentralisierung der Wohltätigkeitsvereine und beanständete gewisse Vorkommnisse im Jugendgottesdienste. Auch er ,gab seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß der „Wahrheit", als einziger jüdischen Zeitung, die „Amtlichen Verlautbarungen" und das dafür zu entrichtende Entgelt entzogen wurde. „Wollen Sie unsere 12.000 Wähler zwingen, die amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde aus der .Stimme' und aus der ,Neuen Welt' zu empfangen?" Dr. Sokal machte, wie wir zu seiner Ehre anführen müssen, den vergeblichen Versuch, sich dumm zu stellen, indem er die Ausführungen des Herrn Reg.- Rat Dr. Oppenheim in verschiedenen Punkten nicht verstehen wollte. Dr. Leonhard Mai er setzte sich mit dem Nationalismus in kritischer Weise auseinander, er erklärte, daß jeder Nationalismus, von welcher Seite immer er komme, zur Ueberhebliohkeit führe und letzten Endes Konsequenzen zeitige, wie wir sie schaudernd im Dritten Reiche mit seiner „Blubo"-Theorie erleben. Dr Maier setzte sich sodann iür eine stärkere Berücksichtigung der religiösen und sozialen Zwecke der Gemeinde ein und forderte, daß man diesen Gebieten mehr Beachtung schenke,als politischen Jmgendbünden. Auch er kritisierte die Einstellung, daß alles iür die Jugend getan werden müsse, während man 'auf das Alter vergesse und dieses sozusagen aufs Aussterbeetat setze. Dem Präsidenten Dr. Friedmann war es sehr willkommen, daß die Zeit schon so weit vorgeschritten war, um, wie er meinte, keine Möglichkeit zu bieten, sich mit den verschiedenen Einwendungen ausführlicher zu befassen. Dadurch konnte er auch über die kritischen Ausführungen des Präsidenten der „Union" stillschweigend hinweggehen, obwohl man auf eine Antwort darauf sehr neugierig gewesen wäre. Diese Antwort hat sich der Herr Präsident und Finanzreferent erspart. Bemerkenswert im Schlußworte des Präsidenten war eigentlich nur die Feststellung, daß der Kultusvorstand von allen Angestellten, der Gemeinde und von ihren höchsten Funktionären ' verlangen müsse, daß sie auch in ihrem privaten Leben nicht in religiöser Hinsicht Anstoß erregen. Nur ein diesen Voraussetzungen entsprechendes Verhalten rder Funktionäre der Gemeinde könne uns die Achtung 'bei unseren katholischen Mitbürgern erringen. Das Budget wurde nun einstimmig angenommen, dagegen war die jüdischnationale Majorität nicht zu bewegen, den wohlerwogenen Einwendungen des Herrn Reg.-Rat Dr. Oppenheim gegen die beiden eingangs erwähnten Anträge Rechnung zu tragen und diese Anträge der Statuten-, bzw. Finanzkommission zuzuweisen. Da der diesbezügliche Antrag des Herrn Dr. Oppenheim .abgelehnt wurde, entschloß sich die unionistische Minorität, b'ufföfi"'!jThtfe^"ng ä'üs' dem Sitzungssaal die zustimmenden Beschlüsse, über die noch viel zu sprechen sein wird, zu verhindern. Ein neues Geschichts-Falsilikat. Ein neiuer Fall von Dokumenten-Fabrikation, nicht unähnlich dem der „Weisen von Zion", erregt zur Zeit in den Vereinigten. Staaten Aufsehen. Es ist eine angebliche „Prophezeiung" des großen Benjamin Franklin: eine Warnung vor der „Judengefahr". Die Warnung soll bei den Beratungen über die amerikanische Verfassung von ihm ausgesprochen worden sein. In diesen Beratungen soll Franklin verlangt haben, daß die Einwanderung von Juden in Amerika verboten werde; der pathetische Schlußsatz soll gelautet haben: „Ich warne Sie, meine Herren! Wenn Sie nicht für alle Zeit die Juden ausschließen, dann werden ihre Kindeskinder Sie in Ihren Gräbern verfluchen." Die Quelle für diese angeblichen Aeußerungen Franklins soll das angebliche Tagebuch eines Zeitgenossen, Charles Pinckney, sein. Zum ersten Male veröffentlicht wurde das „Dokument", wie jetzt festgestellt ist, am 3. Februar 1934 in der seither wieder eingegangenen fascistischen Zeitschrift „Liberation", dem Organ der sogenannten „Silberhemden". Von dort wanderte die Geschichte nach Deutschland; im September 1934 kam sie nach Amerika zurück und wurde in eine Broschüre verwandelt, die in Massenauflagen verbreitet wurde. Zwei Historiker von großem Ruf, der Professor Charles A. Beard und der Franklin- Spezialist Dr. JohnMusser von der Universität New-York, haben sich, unabhängig voneinlander, an die Prüfung dieser Sache begeben und das Resultat ihrer Forschung hegt jetzt vor: es handelt sich um eine pure, glätte Fälschung. Dr. Musser hat festgestellt, daß Charles Pinckney überhaupt kein Tagebuch geführt hat; nichts dergleichen von seiner Hand existiert. In der Tat hat der Herausgeber der Broschüre (Robert Edward Edmondson, New-York), ganz ebenso wie der Herausgeber der „Weisen von Zion", n i emals das Original zeigen können, aus dem er geschöpft haben will. Niemals hat er angeben können, wo dieses Original sich befindet und wie er zu ihm kam. Das „Dokument" wäre schon mit dieser Feststellung erledigt. Ueberdies aber hat der gelehrte Dr. Musser sich noch die Mühe genommen, die gesamten Protokolle jener Verfassungsberatung („constitutional Convention"), die sich intakt in den Washingtoner Archiven befinden, durchzuarbeiten, — und nirgendwo fand sich auch nur die geringste Spur einer derartigen Aeußerung des großen Staatsmannes. Noch weitläufiger waren die Untersuchungen des Professors Beard. Er hat das Dokument zunächst philologisch betrachtet und festgestellt, daß die Sprache nicht stimmt. Worte und Wort-Kombinationen sind verwandt, die in jenen Zeiten unbekannt waren; umgekehrt sind1 gewisse künstlich antikisierende Wendungen falsch erfunden. Beard hat ferner die gesamte riesige Masse der authentischen Franklinschen Aeußerungen — Reden, offizielle und private Briefe, Staatsakten und Aktennotizen — durchgeprüft, darunter sehr viele auch über die Einwanderungsfragen; und nicht an einer einzigen Stelle hat er irgendwelche Bemerkung positiver oder negativer Art über die Einwanderung von Juden gefunden; Franklin hatte also offenkundig nicht die Ansicht, daß sie eine „Gefahr" sei. Originellerweise existiert von Franklin sogar nur eine einzige Aeußerung, In der er Bedenken gegen die Einwanderung einer bestimmten Natio- Der heutigen Ausgabe der „Wahrheit" liegen Beitrittserklärungen des .JRteichsbundes jüdischer Legitimisten" bei. yPfctfd)aftBd)e jforatungsftelle in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisation - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommorzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10-12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" I., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung oollfiommen unentgeltliche Auskunft. Derficfoerungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Pollzzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namhaft» BeaUnntlauH» der l*rämt»nsätxm. nalität erhebt — und da handelt es sich um die deutsche! Denn im Jahr 1753 schreibt er in einem Brief über den Zustrom von Deutschen: „An die Freiheit nicht gewöhnt, verstehen sie nicht, in gemäßigter Weise (modest) von ihr Gebrauch zu machen." Zu allem übrigen schließlich stellt Professoc Beard fest, daß Franklin, weit entfernt von jedem Gedanken an eine „menace of the Jew", sogar mehrfach Beweise; von Philoserrtitismus gegeben habe. So zum Beispiel hat er zu einer Sammlung der „Hebrew Society" in Philadelphia, bestimmt für den Bau eines Tempels („a religions house") den Betrag von 5 Pfund beigesteuert, eine für seine Verhältnisse und die damalige Zeit erhebliche Spende. Das ist die geschichtliche Wahrheit über die „Prophezeiung Benjamin Franklins", von der ihre Urheber offenbar gehofft haben, daß sie in Amerika eine ähnliche Rolle spielen könne wie anderwärts die „Protokolle". Man braucht sich nicht lange den Kopf darüber zu zerbrechen, zu wessen Nutzen auch diese Fälschung dienen sollte und mit welchem Gelde sie wahrscheinlich finanziert wurde. J. J. K. (Jüdischer Jugend-Kreis). Sommerlager. Die Bundesleitung des J. J. K. hat alle Vorbereitungen zwecks Errichtung eines Sommerlagers getroffen. In einem der schönstgelegenen Gebiete Kärntens, in der Nähe von Wolfsberg, wurde ein Haus gemietet, das allen Anforderungen erholungsbedürftiger Kinder entspricht. Ein eigener großer Wald, herrliche Spielwiesen und Badegelegenheit stehen den Jugendlichen unter der Leitung ihrer Gruppenführer zur Verfügung. Nebst den Naturschönheiten ist für die gesundheitliche Förderung der Kinder alles vorgesehen. Helle und geräumige Schlafsäle, reichliche Kost (für schwache Kinder Milchzubußen) werden geboten. Autobusverbindung mit Wolfsberg ist vorhanden. Auch wohrtt ein Arzt in nächster Nähe des Heimes. Da nur eine beschränkte Anzahl (40 Personen) aufgenommen werden kann, ist es notwendig, daß die Eltern schon jetzt die Anmeldung von Jugendlichen im Alter von 10 bis 16 Jahren vornehmen. Zur Erleichterung der Aufbringung der notwendigen Barmittel (4wöchiger Aufenthalt, Fahrt, Verpflegung S 110.—) wurde eine Sparaktion in die Wege geleitet. Nähere Auskünfte und Anmeldungen: Sprechstunde des Bundesleiters jeden Donnerstag, 19 bis 20 Uhr, im Zentralheim, IX., Berggasse 4/14. Pannen unterwegs! Dem wißbegierigen Fahrschüler genügt es nicht, in Theorie und Fahren gründlichst unterrichtet zu werden und den Führerschein zu erlangen; er will auch für seine spätere automobilistische Laufbahn Kenntnis besitzen, die ihn befähigen, Pannen unterwegs zu beheben. Die bekannten Neudegger Automobil- und Motorradfahrschulen haben in Oesterreich mit großem Erfolge die Neudegger Pannenkurse eingeführt und finden Anerkennung in der Presse und bei allen Automobilisten. — Anmeldungen in den Neudegger Fahrschulen, Wien VIII., Neudeggergasse 18, Tel. B 46-5-72, und Inzersdorf (N.-Oe.). IESET DIE WAHRHEIT!