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Die Wahrheit · 1937-03-26 · Heft 12 (26.3.1937) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 12 (26.3.1937)
Date
1937-03-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite b Nr. 12 — 26. März 1937 DIE WAHRHEIT WEGIIFIIU Die Tatsache, daß Franz Werfel vom Bundespräsidenten Miklas durch einen hohen Orden ausgezeichnet wurde, ist in manchem Betracht wesentlich und erfreulich. Denn Werfel ist ein echter, ein bedeutender Dichter, er ist Jude und hat sich stets als Jude bekannt, in Deutschland aber ist sein Roman „Musa-Dagh", das Epos des armenischen Volkes, verboten worden. Außerdem ist in einer Zeit, da die antisemitischen Strömungen immer deutlicher spürbar werden, die Ehrung "eines österreichischen Juden besonders hoch zu werten. Werfeis Entwicklung weist nach oben. Das bezeugt weniger sein Spiel „Der Weg der Verheißung" als das Armenier-Epos und sein letztes Gedichtbuch, „Schlaf und Erwachen". „Der Weg" kann seine Wirkung nur auf der Bühne erweisen, für die er geschrieben ist. Es könnte etwas Aehnliches sein, wie etwa die Passionsspiele für die christliche Religion, das Passionsspiel des Judentums; trotz mancher starken sprachlichen Einzelheiten ist es dichterisch nicht so erfüllt, wie andere Versdichtungen Werf eis, sein Wert liegt vor allem im Szenischen, in der Kraft, mit der das jüdische Schicksal in den Ablauf einer Nacht zusammengedrängt ist, und auf einen einzigen Schauplatz, der mit hoher Kunst in mehrere Schauplätze unterteilt ist. Diese Kürze bringt es auch mit sich, daß die verschiedenen Phasen, Typen und Gestalten der jüdischen Geschichte mit ungleicher Intensität herauskommen. Das Ganze also ist mehr eine Partitur für den bedeutenden Regisseur Reinhardt hat es in New York mit einem gewaltigen Aufwand an Zeit, Mühe, Können, Personen und Geldmitteln aufgeführt. Die theatralische Leistung Werfeis — das Wort „theatralisch" in vorteilhaftem Sinne gemeint — ist jedenfalls außerordentlich und eröffnet dem Drama neue Möglichkeiten, um große Geschichts- und Volksgeschehnisse darzustellen. Auch im „Musa-Dagh" handelt es sich um Volks- Geschichte: Die Armenier verteidigen sich auf dem Musa-Dagh, einem Berg an der Küste, gegen die belagernden Türken, bis sie von einem französischen Kriegsschiff befreit werden. Dies ist mit ganz hoher dichterischer Kraft gestaltet. Das Gesamt-Gescliick ist mit nicht geringerem bildnerischem Vermögen geformt wie die Fülle der einzelnen Menschen. Werfel hat hier ein Epos geschaffen, das dauern wird; und zugleich ein Gleichnis alles verfolgten und gehaßten Völkerschaften und Rassen. So ist es thematisch aufs Engste mit dem „Weg der Verheißung" verbunden. Mit dem Gedichtband „Schlaf und Erwachen" hat Werfel einen Gipfelpunkt seiner Lyrik erreicht. Alle Härten, Schlacken. Prosaismen früherer Gedichte sind geschwunden. Der Band enthält eine ganze Reihe vollkommener Stücke, liedhaft innige und große Gedanken-Gesänge: Gebilde, die man — auch wenn man der heute üblichen Lobrednerei und Abschieifung der Werte abhold ist — getrost klassisch nennen darf. Das Gesamt-Werk Werf eis, höchst mannigfaltig und weitgespannt, ragt als ein mächtiger Block im geistigen Lebeii der Zeit. Wir beglückwünschen den hohen Dichter zu seiner- Auszeichnung, die ihn selbst ehrt wie das Land, das sie ihm verlieh. . E. L. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL wien ix., berggasse hr. 19 Filiale, xviii., «Ahringerstrasse 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant ffir Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrwr. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleiscbsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Theorie und Praxis der Berufsumschichtung. Aus den Erfahrungen des Arbeitsnachweises. Von Dr. A. Schmerler. Im Brennpunkt aller Fragen steht die Berufsumschichtung. Die zwischenstaatliche wirtschaftliche Absperrung, die Nationalisierung der Industrie, die Nationalisierung des Innenhandels, die durch Voreingenommenheit der öffentlichen Meinung ununterbrochen vor sich gehende Ausschaltung jüdischer Arbeitskräfte und die steigende ZaM der abgestorbenen jüdischen Berufe zwingen uns, dieses Problem in «den Vordergrund unserer Lebensinteressen zu stellen. Das Ziel der jüdischen Umschichtungsbewegung im allgemeinen ist planmäßige, organisierte Verteilung der Arbeitskräfte auf alle Berufe, mit der Tendenz, die Ueberfüllung in den einzelnen Berufszweigen zu vermeiden. Die Umschichtung im speziellen, als aktuelles jüdisches Problem, bezweckt die Ueberführung unproduktiver und überfüllter Berufe in bestimmte produktive Berufszweige. Diese hat zwei Voraussetzungen: erstens die Ausbildung der schulentlassenen Jugend, die Anäernung der ungelernten erwachsenen Arbeiter, die Umschulung bereits ausgebildeter Arbeitskräfte für andere auf dem Arbeitsmarkt aussichtsreichere Gebiete; zweitens die Möglichkeit der Unterbringung, bz>w. Beschäftigung in den neu erlernten Berufen. Ueberflüssig ist es, zu bemerken, daß die Umschichtung nur in den durch die sozialpolitischen Verhältnisse hierzulande gebotenen Grenzen erfolgen kann. Die wichtigste Aufgabe ist die Berufsausbildung der Jugend unter Bedachtnahme auf ihre Eignung und Neigung, sowie die späteren Arbeitsmöglichkeiten. Sie erfolgt praktisch durch Erlangung von Lehrstellen in einzelnen Betrieben oder durch Erlernung eines Berufes durch Unterbringung in öffentlichen, die Lehrzeit ersetzenden Berufsschulen. Die jüdischen Unternehmer müßten allerdings in stärkerem Maße als bisher Lehrlinge einstellen. denn wirklich berufstüchtige Facharbeiter werden in erster Reihe durch ordnungsmäßige Lehre in den Betrieben herangebildet. Die jüdischen Unternehmer dürfen sich nicht an den jeweiligen Tagesereignissen orientieren, sondern müssen aus tieferen allgemein jüdischen Gesichtspunkten heraus auf jeden Fall für einen Nachwuchs qualifizierter Handwerker sorgen, und zwar in der Erwägung, daß der Beschäftigungsmarige1! der jüdischen Jugend den jüdischen Facharbeitermangel zur Folge hat. Gewiß stehen nicht in genügender Zahl Lehrstellen in den von den .Lehrlingsanwärtern bevorzugten Handwerksberufen zur Verfügung. Daher ist es unerläßlich, einen Teil dieser Berufsanwärter in beruflichen Fachschulen unterzubringen und zu diesem Zwecke im Rahmen der Möglichkeit Umschichtungszuschüsse zu gewähren. Die schulentlassene Jugend, die jedoch ohne Lehrstellen bleibt, muß unter allen Umständen den Gefahren der Straße und dem Müßiggang entrissen werden. Für diese vierzehnjährigen Jugendlichen steht die öffentliche Institution „Werkjahr für Jugendliche" (Schulwerkstätten) zur Verfügung, wo sie im Wege der Berufsvorschulung noch nicht für den Beruf, jedoch wohl für das Berufsleben vorbereitet werden. In - solchen Schulwerkstätten können auch arbeitslose Jugendliche im erlernten Berufe nach geschult werden. Der Hinweis auf den Arbeitsdienst für jugendliche Arbeitslose und die Dienstpflicht für die männliche Jugend ist keine Erschließung neuer Berafswege, denn hier will und soll die jüdische Jugend ihre Pflicht ohne Rücksicht auf Berufsmöglichkeit erfüllen. Ungelernte erwachsene Arbeiter können nur entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen und den Möglichkeiten des Arbeitsmarktes in solchen Berufszweigen, in denen ein Mangel an |ffittfd)qftttd)c ffiecatungöftelle in der. „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisation - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheäen der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung Dotlhommen unentgeltliche Auskunft. Derficrjerungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch,. Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Pölizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eineuamh&ftm BeaQnatlguna der Prämiensätze. Facharbeitern festgestellt wird, zu bestimmten Arbeiten herangebildet werden. Diese angelernten Arbeiter würden dann leicht dem Berufsleben zuzuführen sein, denn ihre Heranbildung erfolgte erst nach Feststellung der. Arbeitsmöglichkeiten. Der Unterricht hat an der Arbeitsstätte selbst, von Lehrkräften, die in derselben Branche jahrelang gearbeitet haben, zu erfolgen. Dasselbe gilt für die Umschulung von Facharbeitern aus überfüllten Berufen für andere Gebiete der Erzeugung (Mitteilung des internationalen Arbeitsamtes). Auch hier bleibt die prinzipielle und prinzipale; Frage offen: werden die jüdischen Unternehmer ihr Herz und das Tor ihrer Erzeugungsstätten den. jüdischen Arbeitslosen öffnen. Denn in all diesen Fragen kommt es nicht allein auf die Aus- und Heranbildung der Arbeiter, sondern auch auf die nachfolgende Unterbringungsmöglichkeit auf dem Arbeitsmarkt an. Es soll gesagt werden: derzeit ist nicht die Umschichtung Voraussetzung für die Einordnung in den Arbeitsprozeß, sondern die- Einordnungsinöglichkeit ist Voraussetzung fUr die Umschichtung. Wohl wird auch in der Frage der Berufspolitik im geeigneten Zeitpunkt eine allgemeine Verständigung erfolgen müssen, aber vorher muß in unseren eigenen Reihen mehr Verständnis für die Bedeutung und die Tragweite dieser Frage Platz greifen. Ob für beabsichtigte Auswanderung zwei- bis dreijährige Fachkurse an bestehenden Berufsschulen oder in neu zu schaffenden Lehrwerkstätten in bestehenden Unternehmungen zwecks Ausbildung von Bau- und Kunstschlossern, Auto- und Elektromechanikern, Radiotechnikern, Drehern, Fräsern, Schweißern usw. derzeit hierzulande errichtet werden sollen, ist eine Frage, über welche maßgebende, über Mittel und Wege verfügende Faktoren entscheiden können. In diesem Zusammenhange soll auch auf die Nach- und Umschulungskiirse des Landesarbeitsamtes hingewiesen werden. Ein wichtiges, zeit- und sachgemäßes Mittel zut Ueberführung der jüdischen Arbeitslosen zur produktiven Arbeit ist die zur Existenzsicherung beitragende Stadtrandsiedlung, die nur von Menschen, die Liebe zur Scholle, Freude an gartenwirtschaftlicher Betätigung und Siedlungsdauer für Generationen haben, in Anspruch genommen werden darf. Trotz der grundsätzlich positiven Einstellungzur Umschichtungstendenz soll nicht nur in Anbetracht der besagten Schwierigkeit, sondern auch im Hinblick auf unsere in Jahrhunderten durch Erfahrung und Begabung erworbenen wirtschaftlichen Positionen festgehalten werden, daß die kaufmännische Laufbahn auch in Zukunft für den kaufmännisch außerordentlich fähigen jüdischen Menschen als Erwerbsquelle nicht außer acht gelassen wenden soll. KURZWELLEN KURANSTALT „HELIA", I., FLEISCHHARKT 7 das modernste Heilverfahren!

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