Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 12 (26.3.1937)
- Date
- 1937-03-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 12 - 26. März 1937 Seite 5 Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern hing von Briefen, die der gelehrte Oberrabbiner von Beregszasz, Salomo Schreiber, vor einigen Jahren im Verlag Josef Schlesinger, Wien, herausgegeben hat, herausgreifen. Der über die ^Grenzen des alten Ungarns ihinaus bekannte große und gelehrte Oberrabbiner von Preßburg, Moses Schreiber, im jüdischen Schrifttum bekannt unter dem Namen Chassam Sofer, schreibt in einem Brief an einen Schüler, der in den Kampf um einen Gerne ind epost e n einer jüdischen Gemeinde ' verwickelt war, wörtlich: „Habet Ihr von mir gelernt zu sagen: Nehmt mich auf, ich will Euch vorstehen? Ich verbiete Euch, Euch um den Posten zu bewerben, um so zu verhindern, daß durch Euch die Ehre jadisch-religiöser Gesinnung herabgesetz werde." In seinem Vermächtnis an seine Kinder und Nachkommen verbietet derselbe jüdische Geistesheroe, seinen Kindern und Nachfahren überhaupt zu kandidieren, oder wenn es sich um einen Rabbinatsposten handelt, Probevorträge zu halten. Er schreibt wörtlioh: „Wartet, bis man Euch bei Eurem Namen ruft und dränget Euch nicht auf. Nur so — wenn Ihr von Eurem Orte aus gerufen werdet, seid Ihr würdig, öffentliche Aetnter zu bekleiden, nicht aber lasset Kämpfe um Euretwillen entfachen, um so, statt zur Verherrlichung des göttlichen Namens, zu dessen Entweihung beizutragen, und statt Einsicht zu pflegen, Zwietracht zu säen." Die Versdtärfnng der anttsemltisdien netze im Driften Reim. Der Berliner „Daily Telegraph'-Korrespon- <3ent meldet seinem Blatte, daß der hervorragende und vom gesamten deutschen Judentum verehrte Frankfurter Rabbiner Dr. Jakob Hoffmann, Führer des deutschen Misrachi, in Frankfurt verhaftet worden ist. Es wurde gegen ihn ein Verfahren wegen „Bedrohung des Staates durch jüdischnationale (?) Reden" •eingeleitet. Ueberau in Deutschland werden Vorbereitungen zur Feier des von Julius Streicher geleiteten Boykott-Tages vom 1. April 1933 getroffen. Es werden Riesenplakate mit antijüdischen Aufschriften und Karikaturen in den Städten und auf ■dem flachen Lande affichiert, Ansprachen von Naziführern und Vorführung von antisemitischen Filmen werden angekündigt. Die Verschärfung der antisemitischen Hetze äußert sich vor altem im „Stürmer". In dessen vorletzter Nummer wurde „wissenschaftlich" bewiesen, daß es gesiindiheitsigefährlich sei, 'Jiüiden die Hand zu reichen. Der Artikel lautet: „In letzter Minute erfahren wir, daß es einem berühmten französischen Gelehrten gelungen ist, einen Bazillus zu entdecken, der nur in jüdischem Blut auftritt. Wir können uns nicht mehr ausführlich mit dieser epochalen Entdeckung beschäftigen, möchten aber schon jetzt .unsere Volksgenossen dringend warnen, nichts in die Hand zu nehmen, was ein Jude berührt hat. Sie bringen sich sonst selbst in Gefahr, sich mit einer furchtbaren Krankheit anzustecken." Immer mehr wird die Tätigkeit der jüdischen Kulturbünde unterbunden. Soeben wurde ein Referat des Kulturbundes über biblische Themen, ferner Referate über Goethe und Dostojewski verboten. Reichs-Kulturwalter Hinkel hat in seiner Eigenschaft als Sonderbeauftragter des Reichspropagandaministeriums zur Ueberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden und Nichtarier mit Wirkung voim 15. März 1937 alle ch'ristlich getauften Voll-Juden und sogenannten Dreiviertel-Juden, die bisher dem Paulus-Bund angehört haben, aus dieser Vereinigung nichtarischer Christen ausgegliedert und ihnen anheimgestent, die Mitgliedschaft im jüdischen Kulturbund zu erwerben. Bekanntlich haben bisher dem jüdischen Kulturbund nur Volljuden angehört, die zugleich Mitglieder der jüdischen Gemeinden waren, während im Paulus-Bund die christlich getauften Volljuden und Dreiviertel- Juden vereinigt waren. (Herr Hinkel wandelt auf jüdischnationalen Spuren.) Der Reichsjustizminister hat verfügt, daß Akten bei d>en Gerichtsbehörden, die als geschichtlich wertvoll anzusehen sind, nicht vernichtet werden sollen. Als geschichtlich wertvoll anzusehen sind u. a. Akten, die für den Einfluß des Judentums auf das öffentliche Leben., die : Wirtschaft, die Kunst, Wissenschaft uswi€durdir jüdische Sachverständige,. Pxessebericht«nsiai£«&^ «Kunst- und Theaterkritiker besonders kennzeichnend sind. also wir treffen uns bestimmt an den Sederabenden bei BARSCH AK I!., OroOe SchlWgassc Nr. J A. Wien Telephon A 40-4-39 Unter Aufsicht Sr. Ebrw. Herrn Rabb. Josef Babad Berühmt sind seine ungarischen Weine, Palästinaweine, Meth, Slibowitz, Kognak von S 2. - per Liter aufwärts. Besonders empfehlenswert: seine streng koschere Küche HD3 bv Ttf3 Die Lage in Palästina. Die Regierung gibt bekannt, daß auf Grund der dem High Commissioner Sir Arthur Wa lieh ope gemäß dem königlichen Dekret (Order in Council) über die Sicherung der Ordnung in Palästina erteilten neuen Vollmachten umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen im Lande getroffen worden sind. Sofort nach der Rückkehr des High Commissioner nach Jerusalem wurde ein neues Polizeikorps für den Schutz Nordpalästinas und den Dienst an der syrisch-palästinensischen Grenze aufgestellt. Am Montag begann die Werbung von Mannschaften für dieses Korps, das das Bandenunwesen in Nordpalästina bekämpfen und den Waffenschmuggel nach Palästina verhindern soll. Dem neuen Polizeikorps sollen auch motorisierte Abteilungen unter dem Kommando britischer Offiziere angehören. Sie werden aus 200 britischen und arabischen und 90 jüdischen Polizisten bestehen. 700 ehemalige jüdische Hilfspolizisten, die während der Unruhen Dienst getan hatten, sind außerdem wieder eingestellt und mit Waffen ausgerüstet worden. Der Oberste Arabische Ausschuß hat an die Araber Palästinas einen Auf ruf erlassen, in dem sie aufgefordert werden, die Ruhe zu bewahren, bis die Kgl. Kommission ihre Arbeiten beendet und ihren Bericht erstattet hat. Die repräsentativen jüdischen Verbände Paläst in as haben nach wiederholten Beratungen beschlossen, von der Durchführung eines allgemeinen Proteststreiks gegen die gegenwärtigen Zustände in Palästina abzusehen. Es soll eine andere Form für die Kundgebung des Unwillens der jüdischen Bevölkerung über die Haltung der Regierung in letzter Zeit gefunden werden. J. T. A. Die guie Zahnpasta peinigt restlos. H Schont den ^aknschmelft Oberkantor Josef Goldstein. Eine Reminiszenz zum 100. Geburtstage. Vor etwa 40 Jahren, am Schabos Schiro, war ich, wie alle. Sabbate, im Leopoldstädter Tempel; vor mir stand der mir von anderer Stelle bekannte Herr Leopold Libesny, er wollte an diesem Schabos den Oberkantor G o I d s t e i n, besonders dessen Vorlesung der Schiro, hören. Herr Libesny war Fachmann und Kenner der Tempelgesänge, er paßte gut auf und ich hörte aus seinen kurzen Bemerkungen seine Freude und Zufriedenheit mit dem Beten O o 1 d s t e i n s. Beim Vortrage der Schiro sah ich, wie Lerr Libesny immer mehr von dem Gehörten begeistert war, sah auch, wie ihm Tränen langsam über sein Gesicht rollten. Im Mussafgebete rezitierte G o 1 d s t e i n mit dem Chore eine seiner so melodiösen Keduscha's, die er mit dem feierlichen Glockenklang seiner Stimme sang. Nach Schluß des Gottesdienstes eilte Lerr Libesny zu Goldsteins Platz und Cafe Fraitz-3osefs-Kai Inhaber MAX RAPPAPORT Wien I., Franz-Josefa-Kai 45 wie alljährlich streng HD5 "1^3 küßte ihn stürmisch — erfüllt von dem Gesänge, sagte er, daß alles Lob zu gering sei, um diese unvergeßliche Wiedergabe der Schiro gebührend anzuerkennen. Diese Episode ist bezeichnend, wenn man von der hohen Gesangs- und chasonischen Vortragskunst Goldsteins, von seinem Singen und Sagen erzählt, besonders nun anläßlich seines hundertsten Geburtstages. Goldstein war vom Stamme Levi, was der greise Rabbiner Dr. S c h m i e d 1 sowohl von S u I z e r wie von Goldstein hervorhob, da bekanntlich dies als bedeutungsvolles Moment erscheint und unsere älteste, glorreiche Nationalgeschichte von den großen Gesangschören der Lewiten berichtet. Wer Goldstein bei den Funktionen im Tempel, besonders an den hohen Festtagen oder am Tischo-b'av, bei freudigen oder traurigen Anlässen, bei Trauungen wie auch bei Begräbnissen gehört hat, der kann seinen herzerfreuenden, beseeligenden Gesang und Vortrag niemals vergessen. Es ist bekannt, das Goldstein, der in Kecskemet am 27. März 1837 geboren wurde, bereits als Knabe durch sein Vorbeten seine Zuhörer entzückt hat und in vielen ungarischen, böhmischen und mährischen Kehillas bewundert wurde. So drang, als er erst 23 Jahre alt war, sein Ruf als Chasen bis nach Wien, wo damals der Reformator und Großmeister Salomon S u I z e r wirkte. Goldstein paßte sich der Vortragsweise S u 1 z e r s an, ja er setzte, wie Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n an seiner Bahre — Goldstein starb am 17. Juni 1899 — sagte, bei aller Eigenart seinen Stolz darein, im Sinne und Geiste des unvergeßlichen Meisters unseren Gottesdienst zu erhalten. Einundvieraig Jahre versah G o I d s t e i n in unvergleichlich schöner Weise seinen heiligen Dienst — bis zum letzten Tage seines Lebens hat er Tausende zur Andacht und zur Verherrlichung Gottes geführt; er war sehr beliebt, überaus bescheiden und immer voll Humor. Ich bin überzeugt, daß viele, die dem Gesang dieses merkwürdigen Mannes gelauscht haben, dessen Stimme, wie Dr. G ü d e m a n n sagte, im umgekehrten Verhältnis zu seiner äußeren Erscheinung stand, diese Stimme, deren Wohllaut an die Schilderung der Offenbarung erinnerte, viele, die ihn selbst gehört und geliebt haben, viele, die von ihren Eltern oder Großeltern von ihm erzählen hörten, seiner dankbar gedenken werden, denn er war in seiner Zeit ein Meister eigener Art. Rudolf Krau s. Amtsleiter i. P. LESET DIE WAHRHEIT!