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Die Wahrheit · 1937-03-26 · Heft 12 (26.3.1937) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 12 (26.3.1937)
Date
1937-03-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SeiteJ Nr. 12 — 26. März 1937 DIE WAHRHEIT SecLu^e^t HJk^cUvv^- -jwu 3ten^YV,KWÄ€ri/ a.K^yt 2/u, % kJ&u+u-vv (SVt&iTJlvv -i^wt J2?e^ S.Tb&S&V kto>cl^enfte/t$ uWi ,-&ö*c$ eq>.3 TREFF j SEDER die Forderung aussprach: „Der jüdische Geist muß aus der Wirtschaft heraus!" Dieser Professor kann es nicht glauben, „daß der jüdische Geist, der vielfach unser christliches Volk kapitalistisch ausgebeutet und dann zu einem großen Teil marxistisch verhetzt hat, ausgerechnet fähig sein sollte, eine berufsständische Ordnung mitaufbauen zu können." Wie es scheint, können auch andere Leute an diese Doppelrolle des jüdischen Geistes nicht glauben. Dias „Wiener] Montagblatt" vom 22. d. M. übte deshalb die Vorsicht, ihn auf die marxistische Rolle festzulegen. Die unkontrollierbare Meldung, daß in dem riesigen Sowjetrußland angeblich drei neue jüdische Volkskommissäre gewählt worden sind, gibt dem genannten Blatte Anlaß zu der Feststellung: „Das Judentum ist der Kern des Sowjetregimes. Daher (!) bleibt die Erkenntnis von der Notwendigkeit des Kampfes gegen den Bolschewismus das entscheidende Ordnungsprinzip der europäischen Politik." Das „Wiener Montagblatt" hält also den Bolschewismus nur deshalb für bekämpfungswürdig, weil das Judentum angeblich den Kern des Sowjetregimes bildet Soweit hat also das katholische Organ ebenso gut wie die anderen vorhin zitierten Wortführer des österreichischen Katholizismus die von den Nazi ausgegebenen Parolen wunderbar sich zu eigen gemacht Aber der Nazismus ist konsequent und macht auch vor anderen geistigen Strömungen, die er als Judenmache entlarvt hat nicht Halt, also auch nicht vor dem Christentum. Die „Reichspost" erhielt zuverlässigen Bericht über folgendes Schema für den reichsdeutschen Schulunterricht: „Das Judentum ist der Urgrund alles Uebels. Wir können es nicht ausrotten, weil sein Erzeugnis, das Christentum, mitten unter uns wuchert. Cai€ Pension EcKsfcin Setnmering Wir müssen das Christentum ausrotten, um das Judentum zu besiegen." Man darf gespannt sein, ob diese These des Nazi-Schulunterrichts auch dem österreichischen Unterrichtsminister a. D. Dr. Czermak, dem Universitätsprofessor Dr. Knoll und den Salzburger VolksschuJJehrern akzeptabel erscheint oder ob sie der in der ganzen Welt Aufsehen erregenden neuen päpstlichen Enzyklika gegen den Nazismus und dessen Rassenlehre Gehör schenken werden. Mag ihre Entscheidung wie immer ausfallen, für uns Juden gilt das Wort aus Thomas Manns Züricher Vortrag: „Man braucht nicht bange zu sein! Das Judentum lebt und wird weiter leben und gemeinsam mit allen Völkern durch Krisen und Hindernisse hinweg zum Weltfrieden schreiten." Dieser Zuspruch eines geistig überragenden christlich-deutschen Ariers viereinigt sich harmonisch mit den uralten liturgischen Trostworten unserer Hagada am Pessachfeste: „Zu allen Zeiten sind sie gegen uns aufgestanden . , . Doch der Ewige, unser Gott, macht mit starker Hand unserer Bedrückung ein glorreiches Ende." ■ m 26. und 17. HHrz unter Leitung des bekannten Oberkantors B. Z i m im itp 3 - Restaurant W. SPRITZER SHEMEN Palästina Olivenöl Shemen Salat:, Koihu. Speiseöle nnab nvs Shemen Toilette« und Haushaltseife dürfen in keinem jüdischen Haushalt zu p]DS fehlen General-Vertretung: S. Rabinowilsdt Wien IL/ ZirküBgWite ^r.^iO >- Telephon R 48*7*38 Die österreichischen Anhänger Theodor Herzls werden ihren Namen in Löwenherzier umändern. Zu dieser Annahme berechtigt wohl das folgende Rundschreiben des Zionistischen Landesverbandes an alle Bezirkssektionen, Ortsgruppen und an die Wizo vom 10. März. Aus dem Rundschreiben muß — abgesehen von dem tiefen Einblick in die Methoden der Fried mann- und Stricker-Zionisten, die eine Niederlage in der Sache Löwenherz mit einer Niederlage des Zionismus in Oesterreich und einem Sieg der antizionistischen Assimilation gleichsetzen — festgehalten werden, daß am Tage des Erscheinens dieses Rundschreibens, am 10. März 1937, die Kultusvorsteher Dr. Sokai, Dr. Bloch und Mayer vom „Arbeitenden Palästina" „nicht dazu bewogen werden konnten, für Dr. Löwenherz zu stimmen", „diese Herren sind vielmehr entschlossen, gegen Dr. Löwenherz zu stimmen". Am Samstag, den 20. d. M., erschien das Organ des „Arbeitenden Palästina", „Der Jude", mit einer Resolution des Parteirates, des Inhaltes, daß sich dieselben Herren Dr. Sokal, Mayer und Dr. Bloch bei der Abstimmung im „Falle Löwenherz" entfernen werden. Das ist im Effekt gleichbedeutend mit der Stimmabgabe f ü r Doktor Löwenherz. Mit Rücksicht darauf ist man wohl zu fragen berechtigt, was hat sich seit dem f elerlidier sederabend im JUstauuuU tlaqel Die berühmten Eisen-Selchwaren bekommen Sie am besten bei Nagel, Pratersfraße 33, Tel. R 474=49. Raber, Salami, Rindskamm, Zunge, Rolllleisch, naturbelassene Weine, Kaimel-Weine, Slibowitz HDS h& 10. März bis zum 20> März ereignet und welch hoher Preis wurde für diesen Umfall versprochen? Ebenso muß man fragen, mit welchem Rechte verlangt der Zionistische Landesverband ein Eingreifen der Zionistischen Exekutive in London und wie ist das Eingreifen der Weltorganisation der Zionisten im „Falle Löwenherz" mit dem „Nichteinmischirngspakt" der Balfour-Deldaration in Einklang zu bringen, in der es heißt, daß es aJs wohlverstanden gilt, daß nichts durch die zionistische Organisation geschehen darf, was einer Einmischung in die Angelegenheiten der Juden in irgend einem Lande gleichkommt. Aber auch für Heiterkeit wird gesorgt. Die große Beschwörungsformel wird aus der Waffensammiung der Friedmann- und Stricker-Zionisten hervorgeholt, man erschauert, einfach nicht auszudenken, „es besteht die Gefahr, daß der zionistische Präsident der Gemeinde und der zionistische Vizepräsident Oberbaurat Stricker demissionieren könnten, worauf dann die „Union" die Geschäfte der Gemeinde zu führen hätte". Als ob man nioht wüßte, daß sämtliche Kilowatt der Welt nicht ausreichen würden, um die Herren zur freiwilligen Aufgabe ihrer Stellen zu veranlassen. Das Rundschreiben lautet: Zionistischer Landesverband für Oesterreich, 1., Marc Aurelstr. 5. Wien, 10. März 1937. An alle Bezirkssektionen, Ortsgruppen und an die Wizo! Sehr geehrte Gg.! Wie Ihnen bekannt ist, wurde der Wahlkampi in der Wiener Kultusgemeinde hauptsächlich wegen der beabsichtigten Ernennung des Gg. Dr. Josef Löwenherz zum Amtsdirektor der Kultusgemeinde geführt. Da unter 36 Mandataren 23 Zionisten gewählt wurden, schien die Ernennung von Dr. Löwenherz gesichert. Nun sind aber die der Weltvereinigung der allgemeinen Zionisten angehörenden Kultusvorsteher Dr. Plaschkes, Dr. Waldmann und Doktor Kreppel. und die auf das Programm des „Arbeitenden Palästina" (Binjan Haarez) gewählten Kultusvorsteher Dr. Sokal, Dr. Bloch und Doktor Mayer nicht dazu zu bewegen, für Dr. Löwenherz zu stimmen. Diese Herren sind vielmehr entschlossen, gegen Dr. Löwenherz zu stimmen. Da die 13 Unionisten ebenfalls gegen die Ernennung von Dr. Löwenherz sind, besteht derzeit keine Aussicht, Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor zu ernennen. Das Verhalten der genannten zionistischen Kultusvorsteher ist um so skandalöser, als selbst die Union erklärt, sie stimme gegen Dr. Löwenherz, weil ier Zionist sei. Es handelt sich hier, gerade weil die Union wegen der beabsichtigten Ernennung von Dr. Löwenherz seinerzeit die Mandate zurücklegte und die berüchtigte denunziatorische Beschwerde an den Magistrat richtete und uns einen schweren WaMkampf aufzwang und in unserem Patriotismus verdächtigte, um eine hochwichtige zionistische Angelegenheit. Wenn es Zionisten straffrei gestattet ist, sich mit wütenden Antizionisten zu verbinden, dann herrscht in der zionistischen Weltorganisation Faustrecht. Bemerkt werden muß, daß die Revisionisten im Kultusvorstand bedingungslos mit uns gehen und für Dr. Löwenherz sind. Das Verhalten der genannten opponierenden Zionisten ist um so verwerflicher, da eine NiederJage in der Sache Löwenherz gleichzeitig eine Niederlage des Zionismus in Oesterreich und einen Weg der antizionistischen Assimilation bedeutet'~ der uibeV"' Wien7 und" Oesterreich hinaus verhängnisvolle Auswirkungen für die zionistische Idee haben müßte. Aus diesen Gründen hat der Zionistische Landesverband, nachdem alle Versuche zu einer friedlichen Ordnung der Sache an der sachlich unbegründeten Intransingenz der mehrfach genannten „Zionisten" gescheitert sind, im Namen des Zionistischen Klubs der Kultusmandatare die Intervention der Zionistischen Exekutive und die Entsendung eines Mitglieds der Exekutive nach Wien verlangt. Daraufhin hat Professor Brodetzky einen entsprechenden Brief an Dr. Plaschkes gerichtet, der ohne Wirkung geblieben ist. Darauf hat der Zionistische Landesverband neuerlich die Entsendung eines Mitglieds der Exekutive, womöglich des Präsidenten Weizmann, nach Wien verfangt. Die Situation ist um so ernster, - als in unseren Kreisen furchtbare Erregung herrscht, aus der nur die Revisionisten Vorteile ziehen werden. Es besteht weiter die Gefahr, daß der zionistische Präsident der Kultusgemeinde und der zionistische Vizepräsident Oberbaurat Stricker demissionieren könnten, worauf dann die Union die Geschäfte der Gemeinde zu führen hätte. Die Verantwortung haben dann die Herren Dr. Plaschkes und Genossen zu tragen. Das Verhalten dieser Herren ist auch ein schlagender Beweis dafür, daß sie unter Territorialverband nur die Durchsetzung ihrer Machtgelüste und ihrer sachlich unbegründeten Rachsucht verstehen. Wir haben es für notwendig erachtet, Sie, sehr geehrte Gg., über diesen einzig dastehenden, von Dr. Plaschkes und Genossen mutwillig heraufbeschworenen Skandal und die dadurch entstandene Krise des österreichischen Zionismus zu informieren. Weitere Berichte, die wie der vorliegende zur Informierung Ihrer Mitglieder bestimmt sind, werden folgen. Mit Zionsgruß Dr. Oskar Grünbaum m. p. Und damit man weiß, wie das jüdische Schrifttum über den „Fall Löwenherz" urteilt, was insbesonders die frommen Kultusvorsteher, wie z. B. Dr. Leo Landau und Dr. Rosenberg interessieren müßte, möchten wir einige Zitate aus einer, Samm-

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